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Nachrichten 2007

Keine Hütten mit Hühnerbeinen
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Die Träume des Wiktor Rjagusow


Eine Reportage

M o s k a u -- Den Baptistenpredigern Rußlands wollte Superintendent Wiktor Semjonowitsch Rjagusow aus der Gemeinde „Preobrazhenie" (Verwandlung) in Samara an der Wolga etwas Gutes tun. „Wir machen einiges für Jugendliche, wir führen Sommerlager und geistliche Konferenzen durch und vieles mehr,“ erzählt er. „Doch für die Schulung neuer Prediger tun wir wenig.“ Deshalb hat er im Jahren 2000 eine Predigerschule eingerichtet, die bereits 150 Verkündiger in der Homiletik ausgebildet hat. Er erklärt: „Wir erwarten nicht, daß unsere Absolventen wie Charles Spurgeon predigen. Aber es ist schon viel erreicht, wenn sie besser predigen.“ Da seien bereits gewisse Erfolge zu verzeichnen.

Der Superintendent träumt davon, daß die Gemeinden verstärkt an sich selber arbeiten. „Wenn es nach mir ginge, würde ich unsere Bemühungen auf das innere Leben der Gemeinden konzentrieren. Ich wünschte mir eine tiefere geistliche Gemeinschaft, den Geist brüderlicher Liebe und der gegenseitigen Hilfsbereitschaft.“ Er wünscht sich ferner hervorragendes Liedgut und eine innige Anbetung.

Das will er an zweiter Stelle auch auf das Äußerliche übertragen: Baptistische Kapelle bräuchten nicht wie die Moskauer Kathedale „Christus der Erlöser“ auszusehen, aber sie sollten dennoch „attraktiv, gemütlich und bequem“ sein. „Doch da stoßen wir auf große Schwierigkeiten,“ fügt er hinzu. „Selbst wenn es uns gelingt, ein Grundstück für den Bau einer Kirche zu erwerben, kann das Bauen sehr teuer ausfallen.“ Dafür führt er das Beispiel Dimitrowgrad im Gebiet Uljanowsk an. Dort hat die Gemeinde nur 30 Glieder; seit sieben Jahren baut sie an einer neuen Kapelle. Doch es fehlen die Geldmittel. „Deshalb versammelt sich die Gemeinde weiterhin in einem Haus, das einer Hütte mit Hühnerbeinen ähnelt. Wer würde sich freiwillig dorthin verirren? Nur übermenschliche Kräfte könnten Menschen dorthin holen.“

Dem Superintendenten von Samara und Uljanowsk tut es sehr weh, daß die Baptisten weiterhin als eine gesellschaftlich isolierte Marginale und Randerscheinung wahrgenommen werden. „Wir erwarten nicht, daß die Staatsmacht uns achtet. Es würde schon genügen, wenn sie uns nicht verschmäht und uns zu irgendwelchen gesellschaftlichen Aktionen mit heranziehen würde. Wenn sich die Lage jemals ändern soll, müssen wir Zugang zu den Massenmedien bekommen.“

Auch in den Beziehungen zur Orthodoxie verlangt er nicht das Blaue vom Himmel. Es gehe nicht darum, daß wir einander die Dogmatik verändern. „Ich bin überzeugt, daß bei weitem nicht alle Menschen in unserem Lande Baptisten werden wollen. Ihnen sagt die orthodoxe Liturgie und deren Hervorhebung des Geheimnisvollen mehr zu. Aber einige wollen durchaus Baptisten sein – sie mögen die strengen Forderungen an sich selber und die Bindung an Gottes Wort. Deshalb ist die Existenz beider Kirchen berechtigt. Wir wollen nur als Christen akzeptiert werden. Wir wollen eine friedliche und vernünftige Zusammenarbeit. Wir sollten einander zumindest nicht verleumden und uns gemeinsam an humanitären Aufgaben beteiligen.“

Er ist ferner überzeugt: „Hätte die Mehrheitskirche in Demut Toleranz gelten lassen, hätte das ihre gesellschaftliche Autorität nur gestärkt. Das hätte ihr längst nicht so viele Gemeindeglieder gekostet. Aber sie sagt: `Nur wir haben recht, alle anderen sind Sektierer.´ So tritt sie in der Rolle des Kirchenverfolgers auf, und das steht ihr sehr, sehr schlecht an.“

Baptisten in Rußland und USA
Die evangelikale Bewegung Nordamerikas ist wegen ihrer Zersplitterungen bekannt. Deshalb sei es laut Wiktor Rjagusow unmöglich, „gleichzeitig an allen theologischen Schulen festzuhalten“. Es gelte, das anzunehmen, was sich im eigenen Kontext anwenden läßt. Dabei dürfe nicht vergessen werden, „daß wir in Rußland unter den Bedingungen einer staatlich-orthodoxen Religion leben. In den Medien kommen wir nur als Sektierer vor, und die Baptisten werden schwarz-weiß mit allen anderen Kirchen und Sekten in einen Topf geworfen. Leute haben sogar Angst, der Gesundheitsversorgung und Wohnung entzogen zu bekommen, wenn sie sich den Baptisten anschließen.“ Er fährt fort: „Die Massenevangelisation funktioniert nicht mehr. Ich denke, daß die Zeit persönlicher Evangelisation zurückgekehrt ist. Davon lebten wir in der Sowjetära.“

Für die nach Nordamerika ausgewanderten Russen wirbt er um Verständnis und Geduld.
Er erläutert: „In Amerika sind die Emigranten um die Erhaltung ihrer Identität bemüht. Die Kleidung, die Predigt, die gottesdienstliche Ordnung, sie sollen so erhalten bleiben, wie sie in der UdSSR waren. Sie haben Angst, die eigene Jugend könnte die amerikanische Art annehmen und wollen sie davor schützen. Doch spätestens in der dritten und vierten Generation tritt dieser Wandel sowieso ein. Wir müssen den Gemeinden Zeit lassen – etwas mit Druck verändern zu wollen, würde sie spalten. Nach und nach wird aus den russischen Kirchen mit einem modernen, amerikanischen Inhalt.“

Biographie
Unter dem Einfluß frommer Eltern und des begnadeten Predigers Juri Gratschew kam Viktor Rjagusow 1967 mit 16 Jahren zum Glauben. Nachdem ihm der Staat die Fortsetzung seines Medizinstudiums untersagt hatte, wurde er 1980 zum Pastor der Gemeinde Kubischewski (heute Samara) gewählt – sie zählt heute 800 Mitglieder. Zwölf Jahre später wurde er Superintendent für die Gebiete Samara und Uljanowsk; dort übersieht er heute 30 Ortsgemeinden und Gruppen mit insgesamt 3.000 Gemeindebesuchern.

Im Januar 2002 ereignete sich eine große Seltenheit: Er erhielt als Baptistenpastor den Freundschaftsorden des russischen Staates für seine Verdienste um die „Verstärkung der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den Völkern“.

Neben seine zwei Brüdern hat er eine Schwester, die in Kalifornien lebt. Dort auch liegt ihre beliebte Mutter begraben. Pastor Rjagusow ist seit 1980 mit Walentina verheiratet. Das Paar hat vier Kinder.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 20. Dezember 2007
baptistrelations@yandex.ru
www.baptist.org.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Mit diesem Aufsatz möchte die Abteilung Informationen vermitteln. Eine offizielle Meinung der RUECB-Führung drückt er nicht aus.

Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 56, 845 Wörter


Bei mir selber anfangen
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Zur Frauenabteilung der RUECB

Reportage

M o s k a u -- Nicht im Erstreiten weiblicher Rechte, sondern im Gebet erkennt Diana Kondratjeva den Weg für die Frau ins Freie. In mancherlei Fragen denkt diese Leiterin der Frauenabteilung bei der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB) in Moskau konventionell. Mit Berufung auf Adam und Eva bejaht sie eine klare Geschlechterordnung: „Am Anfang gab es den Mann, dann erst kam die Frau, dann die Brüder und die Schwestern.“ Im Westen denke man partnerschaftlich, doch „nach meinen Vorstellungen haben Mann und Frau ganz bestimmte, von Gott vorgegebene Plätze“.

Frau Kondratjeva, seit 30 Jahren verheiratet, räumt ein, daß russische Männer nicht selten wegen ihrer allgemeinen Schwäche und ihres Alkoholkonsums von sich reden machen. Doch wenn sich dabei etwas ändern sollte, müßten die Frauen bei sich selber anfangen: „Oft begehen wir Fehler,“ räumt sie ein. „Durch Verhalten, Gestik und Intonation versuchen wir, unsere eigene Überlegenheit durchzusetzen. Aber Gott hilft nicht, wenn ich nicht anfange mit: ´Herr, hier bin ich, verändere mich.´ Ich muß mit dem Eingeständnis beginnen, daß ich keine kluge Frau bin. So war es mit mir und meinem Mann. Beinahe hätten wir uns scheiden lassen, aber ich bat Gott, daß er mich verändern möchte. So wurde ich verändert, dann wurde mein Mann durch mich verändert. Er war Armeeoffizier und hatte niemals die Absicht, gläubig zu werden. Doch heute ist er Laiendiener in einer großen Gemeinde. Das tat nur Gott, und zwar durch meine Gebete.“

Zehn Jahre lang wirkte die 52-Jährige führend in der Gebetsbewegung russischer Protestanten mit. Für sie ist die Erklärung dafür ganz einfach: „Durch das Gebet hat Gott mein Leben und meine Familie verändert. Ich sehe, wie viele Wunder durch das Gebet bei Frauen und ihren Familien geschehen sind.“ Die studierte Pädagogin ist auch überzeugt, daß man durch das Gebet in die Welt geistlicher Geheimnisse vordringen könne. Auch deshalb, sagt sie, habe sie keine Angst vor den „Geheimnissen“ von Familie und Erziehung oder von der Wechselwirkung zwischen Mann und Frau.

Die zweite Leidenschaft dieser Mutter zweier Söhne ist die Familie. Ihrer Überzeugung nach steht und fällt das Gemeindeleben mit der Frage der Familie. „Die Probleme der Familie werden in die Gemeinde hineintransportiert.“ Über die Familie zerstöre Satan letztlich auch die Gemeinde. Ohne starke Familien könne es keine starke Gemeinde geben. Einer Frau mit einem mangelhaften Familienleben sei geraten, lieber auf den Kirchgang zu verzichten: „Bleib bei deinem Mann, schau ihm in die Augen, versuche es mit der Verständigung 1 – 2 oder 125 Male! Er wird deine guten Absichten erkennen und es wird in seinem Herzen zu gären beginnen.“

Für die große Überzahl alleinstehender Frauen und Mütter hat die Abteilungsleiterin keine Patentlösung parat. „Wie können mit nichts helfen,“ erwidert sie. Die Frau könne jedoch über die eigenen Probleme hinausblicken und in das Herz Gottes schauen: „Er kann helfen.“ Als sie nur knapp der Ehescheidung entkam, flehte sie Gott mit dem Gebet Jakobs an: „Ich lasse dich nicht gehen, es sei denn, daß du mich segnest.“ Aber eine Veränderung der eigenen mißlichen Lage setze „ein gewaltiges Opfer an Zeit und Herzensmühe“ voraus. Frauen stellt sie immer wieder die Frage: „Hast du wirklich alles versucht in der Beziehung zu Deinem Mann/Bruder/Sohn?“

Die Frauenabteilung ist offiziell erst bei der Jahreskonferenz der RUECB in Brjansk im Sommer 2006 entstanden als der Ruf Diana Kondratjeva ereilte und sie schweren Herzens ihre Arbeit in der Gebetsbewegung hintenan stellte. Ein Frauendienst der Union gibt es jedoch bereits seit 15 Jahren. Mitarbeiterin in der Moskauer Bundeszentrale ist Swetlana Swedlova.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 14. Dezember 2007
baptistrelations@yandex.ru
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 55, 570 Wörter


Vergeben, wem Gott vergeben hat
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Öffentlicher Rat der russischen Baptisten tagt erneut in Moskau


M o s k a u -- Beim bedeutenden Moskauer Treffen von über 150 Vertretern der Kirchen baptistischer Tradition am 16. Februar 2007 hatte Juri Sipko (Moskau), Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), ein „Jahr der Verzeihung“ proklamiert. Nun haben sich am 4. Dezember 50 Kirchenvertreter auf Einladung des „Öffentlichen Rats“ (Obschestwenii Sowjet) in der Moskauer Zentrale der RUECB versammelt, um das Jahr Revue passieren zu lassen. Mindestens fünf der 10 Kirchenbünde baptistischer Tradition, die dem im Juni 2006 geschaffenen Öffentlichen Rat angehören, waren vertreten.

In der Aussprache am 4. Dezember wurde festgestellt, daß ein Versöhnungsprozeß angelaufen ist: „Gemeinden und Pastoren haben sich nach Jahren der Entfremdung wieder verständigt.“ Dabei wurde unterstrichen: „Wer den Frieden finden will, muß sich von eigenen Ambitionen lossagen. Wem Gott vergeben hat, müssen auch wir vergeben.“

In seiner Ansprache betonte Alexei Smirnov (Dedovsk), Leiter der Abteilung für die Betreuung von Pastoren bei der RUECB: „Nicht nur der Brüderschaft wegen ist die Aussöhnung notwendig. Die Leute von draußen, die uns als Bewohner desselben Dorfes ansehen, haben nichts außer Sarkasmus und einem spöttischen Lächeln für uns übrig. Es ist sehr wichtig, daß wir uns in Richtung Einheit bewegen.“

Mit Bewunderung nahm der Kreis zur Kenntnis, daß der Streit um Kleinigkeiten eine lange Tradition hat. Alexei Sinitschkin, Mitarbeiter der Abteilung für Theologie und Katechismus bei der RUECB, berichtete, daß sich die Bewegung 1920 um die Einigung zweier Unionen – der evangelischen und der baptistischen - stritt. Neben Fragen der Leitung, der Taufe und des Gemeindeausschlusses wurde auch um einen Bindestrich gekämpft: Sollte der neue Bund „Evangelische Christen und Baptisten“ oder „Evangelische Christen-Baptisten“ heißen? Sinitschkin fügte hinzu: „Debatten über derartige Fragen zogen sich manchmal über drei Tage hin. Hier entzündeten sich die Streitigkeiten an einem einzigen Wort. Wir sind noch immer solche Leute.“

Doch dazu hieß es in der Aussprache: „Es ist nicht zulässig, ausschließlich auf unsere Vergangenheit zu starren. Jetzt müssen wir das Evangelium gemeinsam verkündigen und uns um eine vollständige Einheit in Zukunft bemühen.“

Im Nachgespräch über das zu Ende gehende Jahr meinte Pastor Walentin Wasilizhenko (Moskau), Sekretär des Öffentlichen Rats: „Die Beziehungen zueinander werden ständig wärmer und intensiver. Jetzt überlegen wir uns gemeinsame evangelistische und humanitäre Projekte.“ Über die 1961 abgespaltenen und weiterhin unregistrierten „Initiativniki“, die heute unter dem Namen „Internationale Union der Kirchen der ECB“ firmieren, berichtete er, daß sie sich in einer Umbruchphase befänden. Im vergangenen Juli ist ihr Präsident Gennadi Krjutschkov nach 32 Amtsjahren verstorben. Inzwischen wurde ein neues Leitungsgremium gebildet. Die Internationale Union, die heute in Rußland nicht mehr als 20.000 Gläubige vertritt und in der Stadt Tula ihren Hauptsitz hat, war bei der Sitzung am 4. Dezember dabei. Im Öffentlichen Rat hat sie Beobachterstatus.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 11. Dezember 2007
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Eine Pressemeldung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 54, 455 Wörter


Spontaneität für die einen, Planung für die anderen
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Der russische RUECB zu Besuch beim deutschen BEFG

B e r l i n – Beim Besuch der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB) bei den Deutschen Baptisten im „Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden“ (BEFG) in Elstal bei Berlin am 3. Dezember wurde eine Feststellung wiederholt: Deutsche und Russen verfügen über verschiedene Stärken. Russen denken eher kurzfristig: Sie legen Wert auf Spontaneität, Improvisation und Kreativität. Das steht den Wünschen der Deutschen nach Planung, Absprache und Strukturen entgegen. Ein Beispiel. das genannt wurde, war die erfolgreiche transkontinentale Fahrradtour der Russen von Deutschland nach Wladiwostok 2007

Besonders ergiebig war das Gespräch in Elstal über Strukturen. Der BEFG hat den Über- und Durchblick: Es besteht z.B. ein gesamtes Jahresbudget für die Aktivitäten des Bundes. Der finanzielle Plan einer Abteilung, z.B. Jugend oder Mission, ist ein Teil des Gesamtbudgets und bedarf des Segens der gesamten Union. So lassen sich Prioritäten setzen. In Rußland würde dies bedeuten, daß nicht jede Abteilung auf die Einkünfte angewiesen wäre, die sie selber zusammentreiben kann. Ihre Größe würde nicht von auswärtigen, finanziellen Instanzen bestimmt werden. Notwendige aber finanziell schwache Abteilungen würden Gelder von der Unionszentrale erhalten.

In Elstal meinte Witali Wlasenko (Moskau), Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der RUECB: „Wir müssen unseren Pastoren und Gemeinden besser verdeutlichen, wozu eine nationale Union notwendig ist.“ Darauf antwortete Regina Claas (Elstal), Generalsekretärin des deutschen Bundes: „Wir machen das, was die Gemeinden alleine nicht machen können.“ Das sind u.a. ein zentralgesteuertes Bildungsprogramm sowie internationale, staatliche und zwischenkirchliche Beziehungen. Ein Vertrauensrat fungiert als Seelsorger für die Pastoren; er bietet den Pastoren Rat und Beistand bei Konflikten zwischen ihm und seiner Gemeinde. Jugendarbeit gibt es in Deutschland auf drei Ebenen: Gemeinde – Region – Union.

Pastor Wlasenko betonte wiederholt, daß sich russische Baptisten eine Identität zulegen müssen, die den Erfordernissen der heutigen Gesellschaft gewachsen ist. Er meinte, die theologische Ausbildung seines Bundes könnte entscheidend zur Schaffung einer neuen, gemeinsamen baptistischen Identität beitragen. Pastorin Claas betonte, auf dem Gebiet der theologischen Ausbildung sei der deutsche Bund bereit, seine bisherige Unterstützung fortzusetzen.

RUECB-Präsident Juri Sipko machte den letzten Besuch beim BEFG vor zwei Jahren. Allerdings war der BEFG damals nicht der offizielle Gastgeber - Pastor Sipko hielt sich auf Einladung von Aussiedlergemeinden in Deutschland auf. Zweites Mitglied der jetzigen Delegation war Dr. William Yoder von der RUECB-Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen.

Am 4. Dezember besuchte die zweiköpfige Delegation das Kirchliche Außenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover. Ihr Gesprächspartner war der russischsprechende Oberkirchenrat Michael Hübner, Referent für Mittel- und Osteuropa. Seit 1952 befindet sich dieser aus 23 lutherischen, unierten und reformierten Kirchen bestehender Kirchenbund im kontinuierlichen Dialog mit dem Moskauer Patriarchat. Theologie, Gesellschaft, Versöhnung und Diakonie zählen zu den üblichen Themen. Die russischen Baptisten sind einem fruchtbaren Dialog mit der russischen Orthodoxie interessiert und deshalb könnte der Gedankenaustausch mit der EKD von großem Nutzen sein.

OKR Hübner machte unerwartet das Angebot, russischen Baptisten ein deutsches Studium – oder eine Fortbildung - in Theologie oder Diakonie zu ermöglichen. Überhaupt verfügen die deutschen Kirchen über breite, vielfältige Erfahrungen mit der Diakonie. Im Gebiet Kaliningrad haben die deutschen Lutheraner Freiwillige für die häusliche Pflege von Altgewordenen ausgebildet – ein Dienst, der auch für Baptisten von Interesse ist.

Michael Hübner hat einen Gegenbesuch in Moskau angekündigt. Zum Besuch in Deutschland meinte Witali Wlasenko resümierend: „Diese Besuche sind ein Ausdruck unseres Wunsches, noch stärker mit europäischen Kirchen zusammenzuarbeiten.“

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 7. Dezember 2007
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Eine Pressemeldung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 53, 535 Wörter


Nur abziehen, wenn Gott mich abruft
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Ein brasilianischer Fußballer will seinen Dienst in Rußland fortsetzen


Reportage

M o s k a u -- Am 25. November predigte Marcelo Mauricio Santos, ein Pastor der reformierten (presbyterianischen) Kirche, in der Zweiten Baptistengemeinde zu Moskau. Das sieht man nicht alle Tage in Rußland: einen Menschen schwarzer Hautfarbe, der in der Landessprache christliche Predigten hält. Doch leider ist das vielleicht schon bald Geschichte, denn am 10. Dezember muß er mit seiner Familie Rußland verlassen. Zuhause in Recife und Sao Paulo/Brasilien wird die Familie auf ein neues Visum warten. Doch Marcelo hat bereits Rückflugkarten besorgt. „Meine Arbeit in Rußland ist noch nicht zu Ende,“ erklärt er. „Es war Gott, der mich hierher geschickt hat, und ich darf nicht abziehen, bis er mich abruft.“

In Brasilien war Marcelo 16 Jahre lang professioneller Fußballer. Erst mit 32 Jahren hängte er die Schuhe an den Nagel und begab sich in die vollzeitige, christliche Mission. Nun hat Marcelo die meiste Zeit seit dem Jahre 2000 in Rußland verbracht – seine Tochter kam hier zur Welt. Von einer presbyterianischen Mission entsandt, greift Marcelo die Projekte der internationalen Sportlermission „Athletes in Action“ unter die Arme. In Moskau hat er die Fußballschule „Goal“ gegründet, die 10- bis 18-Jährigen die Taktik und Kniffe des brasilianischen Fußballs beibringt. Da fungiert er auch als Trainer für eine Fußballmannschaft der Zweiten Baptistengemeinde. „Meine Arbeit hier geht weiter,“ erklärt er. „Ich will die Trainer vorbereiten, damit sie auch ohne mich die Arbeit fortsetzen können. Ich will die jungen Laientrainer mit den professionellen Spielern bekannt machen, damit die Trainer helfen können, das Evangelium in den Profisport hineinzutragen.“

Bei „Athletes in Action“ ist in Rußland der Laiensport (Fußball, Hockey, Volleyball, Basketball) gut entwickelt, doch nach seiner Überzeugung hapert es im professionellen Bereich. Aber Marcelo tut was er kann: Kommen bekannte brasilianische Fußballer nach Rußland, tourt er mit ihnen durch Schulen und Kinderheime – und die Gastgeber sagen niemals ab. Autogramme und Sportgegenstände werden verschenkt; „die Kinder sind immer begeistert“. Mit dem weltbekannten Revaldo, der einst für Barcelona spielte, war er schon öfters unterwegs. Nach Marcelos Angaben gibt es jetzt sechs gläubige, brasilianische Spieler im russischen Fußball. Mit einem von ihnen - de Souza Dudu (oder „Dudu“) von CSKA Moskau – geht er besonders oft auf Tournee. Das alles fällt Marcelo leicht, denn er stammt selbst aus einer berühmten Fußballerfamilie. Sein Vater, Djalma Santos (geb. 1929), war ein Spielgefährte von Pelé in der Nationalmannschaft und gewann gemeinsam mit ihm die Fußballweltmeisterschaften von 1958 und 1962. Sein Vater wird zu den besten 125 noch lebenden Fußballern der Welt gezählt.

Von den evangelistischen Möglichkeiten des Sports ist Marcelo richtig angetan. „Predige ich mit Anzug und Bibel, hören mir nur die Christen zu. Doch gestern zog ich die Uniform an und begab mich auf einen schneebedeckten Spielplatz. Gleich waren 20 Jungs dabei, die mitmachen wollten. Hinterher erzählte ich ihnen noch 20 Minuten lang von Gott.“

Aber es hängt eine schwere Wolke über den Dienst des eleganten, presbyterianischen Pastors: die Wolke des Rassismus. Mit Raufereien und Beleidigungen hat er ständig zu tun; es hat auch schon Knochenbrüche und Schnittwunden gegeben. Ständig „Affe“ genannt zu werden, gehört wohl zu den geringsten Vergehen. Von der Polizei erwartet er wenig Schutz. Ihm haben Polizisten mehr als einmal den Rat gegeben, sich zwecks Selbsterhaltung schleunigst in die angestammte Heimat zu begeben. Um Ehefrau Nilbe und die beiden Kinder nicht zu gefährden, rückt er ungern seine Wohnanschrift heraus. Moskauer Fußballmannschaften zeigen ihm Erbarmen: Sie leihen sie ihm oftmals eins der Autos, die für ausländische Gastmannschaften vorgesehen sind. Wäre er auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, gäbe es keinen Tag ohne Zwischenfälle. Er sagt: „Die Verantwortlichen in meiner Mission hätten volles Verständnis, wenn ich die Zelte abbrechen würde. Sie meinen, ich lebe hier sehr gefährlich. Doch Gott ist mein Schutz. Mein Leben und Wohlergehen liegen in seinen Händen.“

Doch wohl am meisten tut ihm das Verhalten der russischen Glaubensgenossen weh. Es kommt z.B. bei Versammlungen vor, daß der Nachbar aufsteht und den Platz wechselt, wenn er Platz nimmt. Einmal erzählte ihm ein Christ: „Du hast ein schwarzes Herz. Aber ich habe ein weißes Herz.“ Er hat Zeichnungen von Kindern christlicher Eltern gesehen, die alle bösen Leute als schwarz darstellen.

„Die Christen sind gegenüber dem Bösen viel zu passiv!“ ruft er aus. „Wo sind die Prediger, die gegen den Rassismus anpredigen? Wenn ich von meinem Leiden für Christus in diesem Lande erzähle, antworten meine Gesprächspartner: ´Sie sind ein toller Typ! Sie sind uns eine Ermutigung.´ Aber sie sind selbst nicht bereit, gegen das Grundübel des Rassismus aufzubegehren.“

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 30. November 2007
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Ein Aufsatz der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 52, 725 Wörter



In Woronesch wurde das gemeinsame, geistliche Erbe gefeiert
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Ensemble-Leiter Berezhnoi lobt Peter den Großen


M o s k a u -- Interkonfessioneller Höhepunkt des fünftägigen Besuchs des Ensembles Blagowestie (Verkündigung) in Woronesch war ein Konzert am 23. November im orthodoxen Seminar der Stadt. In seiner Rede dort vor rund 100 Seminaristen und Dozenten betonte Ensemble-Leiter Boris Berezhnoi (Moskau), die Gruppe sei gekommen, um den Hörern das gemeinsame geistliche und künstlerische Erbe aller Russen mitzuteilen. Da sich das 1990-gegründete Ensemble auf russische Volksinstrumente beschränkt, liegt der Bezug zum historischen Kulturerbe nahe. „Wir kommen auch selbst aus der orthodoxen Kirche,“ versicherte Berezhnoi. „Meine Eltern waren Orthodox, und mein Opa war ein Ministrant in seiner orthodoxen Gemeinde. Heute mögen unsere Zeremonien sich unterscheiden, doch wir – Baptisten und Orthodoxe - bleiben in der Person Jesu Christi vereint.“

In seiner Begrüßung teilte Nikolai Makeev, der Prorektor des Seminars, den Studenten mit: „Wir kennen die Baptisten nur aus unseren Büchern. Doch heute haben wir die einmalige Chance, einander persönlich kennenzulernen und den Geist des Beisammenseins zu verspüren.“ Von der Freundlichkeit der Seminaristen waren die Ensemblemitglieder überwältigt. Nach dem Konzert, einem Rundgang durch das Seminar und einem gemeinsamen Abendessen mit Gebet fuhr der Prorektor fort: „Wir wissen nicht, ob wir Ihnen gefallen, doch auf jeden Fall habe Sie uns gefallen.“ Er lud zu einem wiederholten Besuch ein. Da der Seminarrektor bereits bei den Baptisten in Woronesch gepredigt hatte, handelte es sich ohnehin um einen Gegenbesuch.

Allerdings ließ ein Verband der Kriegsveteranen zwei Konzerte kurzfristig – erst nach dem Geräteaufbau - platzen. Statt dessen schickte er eine einzige 80-jährige Veteranin als Kundschafterin vor mit der Vorgabe, alles mitzuschneiden. Doch nach dem Konzert im Seminar rief sie aus: „Ich könnte mir ein solch hohes Niveau an musikalischer Kultur und an Professionalismus gar nicht vorstellen. Sie haben mir solche Augenblicke der Glückseligkeit bereitet, als wäre ich im siebten Himmel!“ Schon lange habe sie keine solche Nähe zu Gott verspürt.

Handfeste geistlichen Früchte waren auch zu vernehmen – es kamen im Laufe der Konzertreihe rund 25 Menschen zum Glauben. Allein bei einer evangelistischen Veranstaltung im Kulturhaus „Mir“ bekannten 17 ihren Glauben an Jesus Christus.

Die hervorragende interkonfessionelle Atmosphäre in der Stadt führt Pastor Berezhnoi nicht zuletzt auf Peter den Großen (1672-1725) zurück. Um den Schiffsbau in der Stadt am Don zu fördern, hatte der Zar deutsche und holländische Fachleute angeheuert. Bald danach gehörte eine lutherische Kirche zum Stadtbild. „Diese Stadt hat eine lange Tradition guter Beziehungen zwischen Protestanten und Orthodoxen,“ weiß er zu berichten. „Heute blühen diese Beziehungen wieder auf.“ Ein Konsultativer Rat der Kirchen umfaßt fast alle: Baptisten, Pfingstler, Adventisten, Orthodoxe und Katholiken. „Dieser Rat ist bemüht, einen Dialog zu starten, der eine Feindschaft innerhalb des Volkes Gottes nicht zuläßt.“ Beim Abschied hatte Prorektor Makeev versichert, die Lehre Christi, sein Geist und seine Liebe vereinigten „alle wahren Gläubigen“.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 28. November 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 51, 443 Wörter


Den Erntedank feiern – nicht Halloween
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Erwiderungen auf einen offenen Brief in der „Sowietskaja Rossija“

M o s k a u – Ein offener Brief, der die Moskauer “Russian-American Christian University” (RACU) scharf verurteilt, ist am 25. Oktober in der kommunistisch-geführten Zeitung „Sowietskaja Rossija“ erschienen. Der von Filmemachern, Journalisten und Professoren unterzeichnete Brief behauptet, es seien bereits 15.000 Unterschriften gesammelt von Menschen, die gegen den Bau eines neuen Hochschulgeländes protestieren. Der offene Brief versichert sogar, die RACU würde Halloween begehen und damit die Teufelsanbetung fördern. „Das ist ein Vorwurf von gestern,“ erklärt Dr. David Broersma, Dekan der RACU. „Unsere Widersacher bringen ständig Erntedank und Halloween durcheinander. Jedes Jahr feiern wir Erntedank, aber Halloween haben wir noch nie begangen. Ich höre jedoch, daß Studenten an manchen staatlichen Universitäten angefangen haben, Halloween zu feiern.“ Die Überschrift des Briefes ist dem Suchtmileau entliehen: „An der baptistischen Nadel“.

Die RACU (in Rußland gilt sie nur als Institut und wird deshalb „RACI“ genannt) mußte seit dem Vorlesungsbeginn 1995 mehrmals umziehen. Proteste gegen die Universität gipfelten im Frühjahr 2006 als mit dem Bau des dringend benötigten Unikomplexes angefangen wurde. Mehr als 10 Demonstrationen haben sich seitdem vor der Baustelle neben einem orthodoxen Friedhof im Moskauer Norden ereignet. Broersma gibt an, daß trotz eines gerichtlichen Baustopps die Bauarbeiten wieder fristgemäß vonstatten gehen und, daß mit einer Einweihung im Frühling 2008 zu rechnen sei.

Der offene Brief äußert Erstaunen darüber, daß die Hochschule trotz dürftigen wissenschaftlichen Niveaus über eine staatliche Akkreditierung verfügt. Der US-Amerikaner erwidert: “Die wissenschaftliche Prüfungskommission hat uns 2003 von oben bis unten durchleuchtet. Dieser Vorwurf ist gegenstandslos. Wir meinen, wir werden auch bei der nächsten Akkreditierungsuntersuchung 2008 alle Hürden nehmen.”

Broersma kann sich das Trommelfeuer über den Vorwurf des Proselytismus nicht erklären. Der offene Brief bezeichnet die Einrichtung als “baptistisch” – doch fast die Hälfte aller Professoren (und manche Studenten) sind orthodox. Der nichtbaptistischer Dekan räumt ein: “Alle Studenten müssen bei ihrer Bewerbung in einem Schreiben bestätigen, daß sie einen christlichen Glauben haben. Doch orthodoxe Glaubensbekundungen nehmen wir widerspruchslos entgegen. Uns geht es nicht darum, den Glauben eines Christen durch einen zweiten christlichen Glauben zu ersetzen.”

RACU gehört zu den mehr als 70 Hochschulen in 24 Ländern, die mit dem in Washington beheimateten “Council (Rat) of Christian Colleges and Universities” assoziiert sind. Allein in Nordamerika vertritt der CCCU 102 Universitäten und Hochschulen – nur einige von ihnen sind baptistisch. Die Idee einer geisteswissenschaftlich ausgerichteten, christlichen Hochschule am Standort Moskau erblickte das Licht der Welt 1990 als anerkannte russische Hochschullehrer christlichen Hochschulen und Universitäten in Nordamerika einen Besuch abstatteten.

Dieser offene Brief nationalistischer Ausrichtung rügt einen Satz des in Washington ansässigen RACU-Präsidenten Dr. John Bernbaum: “Unser Hauptziel ist das Heranbilden der potentiellen Leiter eines neuen Rußlands.” Broersma erklärt: “Genau diese Hoffnung hat jede Universität der Welt. Doch das sagen wir nicht mehr – es kann mißverstanden werden.” Der Brief impliziert, es seien gerade protestantisch-ausgebildete Kreise gewesen, die in der Ukraine die Orange-Revolution veranstalteten. „Aber die RACU ist eine Ausbildungsstätte. Wir betätigen uns in keiner Weise politisch,“ fügt der Dekan hinzu.

Die Beziehungen der RACU zur orthodoxen Kirche verschlechterten sich im März als Wsewolod Tschaplin, ein Sprecher der von Metropolit Kyrill angeführten „Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen“ beim Moskauer Patriarchat, sich öffentlich kritisch äußerte. In einem Aufsatz unter dem Titel „Das Taufen des Zäsars“, hatte sich John Bernbaum auf die sehr niedrigen Besucherzahlen bei orthodoxen Gottesdiensten berufen als Beleg dafür, daß das russische Volk nicht mehr orthodoxen Glaubens sei. Er schrieb ferner: „Trotz aller Hoffnungen und selbstopfernden Mühen Tausender westlicher und russischer Evangelisten, hat sich in Rußland keine nennenswerte geistliche Erweckung gezeigt.“ Tschaplin erwiderte: Bernbaum habe die Entwicklung geistlichen Lebens in unserem Lande „auf das proselytisierende Wirken protestantischer Prediger reduziert“. Aus weiteren Ausführungen des Textes zog Tschaplin den Schluß, der RACU-Präsident hege eine persönliche Feindschaft gegenüber der Orthodoxie.

Pastor Witali Wlasenko, seinerseits Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten, gibt zu Protokoll: “Die RACU ist keine baptistische Organisation, doch wir wünschten, die RACU würde enger mit baptistischen und orthodoxen Gremien in Rußland kooperieren. Doch das ist überhaupt kein Grund, der RACU das Existenzrecht zu entziehen. Wir wollen, daß die RACU überlebt. Ohne sie würde Rußland ein Stück der traditionellen, nichtsektiererischen Glaubensvielfalt verlieren, die es so bitter nötig hat. Wir wollen keine monolithische oder totalitaristische russische Zukunft. Anerkennte orthodoxe Führungspersonen wie Kyrill und Tschaplin haben sich negativ über die RACU geäußert. Wir glauben, daß Mißverständnisse vorhanden sind, denn diese beiden Leiter dürfte man niemals als russische Nationalisten abtun. Alle Seiten müssen ernsthaft in den Dialog treten und versuchen, die vorhandenen Mißverständnisse zu klären.”

Anatoli Ptschelintsev, ein Anwalt des protestantisch-liierten “Slawischen Rechtszentrums” in Moskau, berichtet, daß die Professoren- und Studentenschaft der RACU jede juristische Rechtshabung hätte, um bei der “Sowietskaja Rossija“ den Abdruck einer Gegendarstellung einzufordern.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 29. November 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 50, 765 Wörter



Kein Durchbruch – doch ein guter Anfang
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Baptistische Delegation sucht eines der am meisten orthodoxen Gebiete Rußlands auf


M o s k a u -- Ioann, der junge Erzbischof von Belgorod und Stary Oskok, hat am 16. November in seiner Residenz einer baptistischen Delegation einen würdevollen Empfang bereitet. Die Stadtverwaltung hat ebenfalls die von Moskauern geführte Delegation empfangen. Das ist erstaunlich angesichts der Tatsache, daß am Gebiet Belgorod der Geruch orthodoxer Militanz haftet. Erst vor wenigen Wochen am 25. September berichtete der norwegische Informationsdienst „Forum 18“, die in Belgorod zuständigen Behörden hätten „keinerlei Absicht, den Pflichtunterricht im Fach orthodoxer Kultur für 140.000 Schüler einzustellen. Belgorod ist eins der russischen Gebiete, das sich am meisten exponiert hat beim Versuch, auf Geheiß der Russischen Orthodoxen Kirche das Fach Grundlagen der orthodoxen Kultur voranzutreiben.“ Vor sechs Jahren hat die Belgoroder Stadtduma ein Gesetz beschlossen, das öffentliche, nicht-orthodoxe, religiöse Veranstaltungen, bei denen Minderjährige anwesend sind, verbot. Das Gesetz machte es ferner für nicht-orthodoxe Gemeinschaften nahezu unmöglich, Räumlichkeiten zu mieten. Im Jahr 2002 wurde einer römisch-katholischen Gemeinde die Registrierung untersagt. Höhere Gerechte und Parlamente haben im Nachhinein manche Bestimmungen wieder rückgängig gemacht.

Diese Region, die während es II. Weltkrieges stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist, galt lange als Teil des „roten Gürtels“, in dem die kommunistische Überzeugung besonders vehement vertreten wurde. In jüngster Zeit hat ihre geographische Lage an der Grenze zur Ukraine Ängste geschürt, das Gebiet könne mit missionarischen Aktivitäten von jenseits der Grenze, wo die religiöse Toleranz bereits große Fortschritte erzielt hat, überzogen werden.

Delegationsleiter Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten in Moskau, berichtet, daß Beziehungen der örtlichen Baptisten zur orthodoxen Kirche und zur Stadtverwaltung seit fünf Jahren praktisch nichtexistent waren. „Darum sind wir für den schlechten Stand der protestantisch-orthodoxen Beziehungen in Belgorod mitverantwortlich. Wir müssen uns aktiv um solche Kontakte bemühen und die Vertreter von Kirche und Staat persönlich kennenlernen. Wir müssen es lernen, gute Gäste und Gastgeber zu sein.“ Wlasenko fügt hinzu, daß bisher keine nennenswerte interkonfessionelle Arbeit – ob mit oder ohne die Orthodoxie – dort entstanden sei. Doch die krassen sozialen Mißstände in der Gesellschaft sowie die generelle islamistische Herausforderung verlangten ein viel engeres Zusammenwirken aller christlichen Denominationen. Der Abteilungsleiter fährt fort: “Ohne den Segen der Russischen Orthodoxen Kirche geht im Gebiet Belgorod sehr wenig. Der Erzbischof Ioann hat großen Einfluß. Er ist eine Schlüsselfigur und genießt staatliche Achtung. Ich kann unser Gespräch nicht als Durchbruch bezeichnen, aber es war eine fruchtbare Begegnung und wir haben einen guten Anfang gemacht. Wir Baptisten müssen uns nun sehr bemühen, diese Beziehung auszubauen.“

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 22. November 2007
baptistrelations@yandex.ru
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 49, 400 Wörter


Eine bittere Pille
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Juri Sipko zu den auf Rußland zukommenden Wahlen


M o s k a u -- In einem Interview mit der Zeitschrift „Christlicher Bote“ aus dem fernöstlichen Blagoweschtschensk bezog Pastor Juri Sipko, dem Präsidenten der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), Stellung zu den russischen Parliamentswahlen am 2. Dezember. Die Direktwahl des neuen russischen Präsidenten, die er ebenfalls erwähnt, ist für den 26.3.2008 vorgesehen.

Im Interview antwortet Juri Sipko auf die Frage, für wen er bei den baldigen Dumawahlen stimmen wird:

„Ich weiß noch gar nicht, für wen ich meine Stimme abgeben werde. Für mich ist es sehr bitter festzustellen: Ein freier Wahlkampf mit gleichen Rechten für alle Kandidaten – solchen Wahlen gibt es nicht mehr. Die Entscheidung der OSZE, sich als Wahlbeobachter nicht an den Wahlen in Rußland zu beteiligen, war für mich persönlich eine bittere Pille. Das bedeutet, daß wir uns schon von dem Anspruch, demokratische Wahlen durchzuführen und von der Transparenz und der Bereitschaft, ein ehrliches Spiel zu führen, losgesagt haben.“

„Nun erraten Sie, mein lieber Freund: Welche Partei, welche Einheitspartei zieht in die Duma als Ergebnis der freien, demokratischen Wahlen von Dezember 2007 ein? Es ist auch sinnlos, jetzt etwas über den künftigen Präsidenten zu sagen. Er (Putin) sagte selbst schon sehr deutlich, daß er als Ergebnis dieser demokratischen Wahlen das Recht erhalten wird, sowohl die Duma wie auch den neuen Präsidenten zu kontrollieren. Also ist schon jetzt alles entschieden. Die Wahllisten stehen, die Stimmen sind verteilt und berechnet. Die Aktentaschen vergeben. Verhalten Sie sich ruhig. Es wird alles gut.“

Das gesamte Interview befindet sich in Russisch auf der Webseite der RUECB: „www.baptist.org.ru“.

Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 20. November 2007
baptistrelations@yandex.ru
www.baptist.org.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 48, 248 Wörter


Eine bittere Pille
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Juri Sipko zu den auf Rußland zukommenden Wahlen


M o s k a u -- In einem Interview mit der Zeitschrift „Christlicher Bote“ aus dem fernöstlichen Blagoweschtschensk bezog Pastor Juri Sipko, dem Präsidenten der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), Stellung zu den russischen Parliamentswahlen am 2. Dezember. Die Direktwahl des neuen russischen Präsidenten, die er ebenfalls erwähnt, ist für den 26.3.2008 vorgesehen.

Im Interview antwortet Juri Sipko auf die Frage, für wen er bei den baldigen Dumawahlen stimmen wird:

„Ich weiß noch gar nicht, für wen ich meine Stimme abgeben werde. Für mich ist es sehr bitter festzustellen: Ein freier Wahlkampf mit gleichen Rechten für alle Kandidaten – solchen Wahlen gibt es nicht mehr. Die Entscheidung der OSZE, sich als Wahlbeobachter nicht an den Wahlen in Rußland zu beteiligen, war für mich persönlich eine bittere Pille. Das bedeutet, daß wir uns schon von dem Anspruch, demokratische Wahlen durchzuführen und von der Transparenz und der Bereitschaft, ein ehrliches Spiel zu führen, losgesagt haben.“

„Nun erraten Sie, mein lieber Freund: Welche Partei, welche Einheitspartei zieht in die Duma als Ergebnis der freien, demokratischen Wahlen von Dezember 2007 ein? Es ist auch sinnlos, jetzt etwas über den künftigen Präsidenten zu sagen. Er (Putin) sagte selbst schon sehr deutlich, daß er als Ergebnis dieser demokratischen Wahlen das Recht erhalten wird, sowohl die Duma wie auch den neuen Präsidenten zu kontrollieren. Also ist schon jetzt alles entschieden. Die Wahllisten stehen, die Stimmen sind verteilt und berechnet. Die Aktentaschen vergeben. Verhalten Sie sich ruhig. Es wird alles gut.“

Das gesamte Interview befindet sich in Russisch auf der Webseite der RUECB: „www.baptist.org.ru“.

Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 20. November 2007
baptistrelations@yandex.ru
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 48, 248 Wörter


Den Player wegwerfen und zuhören
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Der Jugendleiter des russischen Baptistenbundes berichtet


Eine Reportage

M o s k a u – Die russische Baptisten haben über die Hälfte ihrer Substanz verloren, aber es ist noch viel geblieben. Das ist die Ansicht von Ewgeny Bakhmutsky (Moskau), seit vier Jahren Abteilungsleiter für Jugendarbeit bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB). Er erzählt: „Es gibt Gemeinden, die haben sich durch Auswanderung um 80% verkleinert, andere haben sich ganz aufgelöst.“ Er vermutet, hätte die Massenauswanderung in die USA und nach Deutschland ab 1990 nicht stattgefunden, gäbe es heute in Rußland mindestens 300.000 Baptisten, „und wir Baptisten wären mit Abstand die einflußreichste evangelische Konfession Rußlands“. Obwohl weniger als 50% aller Baptisten gen Westen gezogen sind, rechnet der Jugendleiter mit einem Qualitätsverlust oberhalb von 50%, denn „es sind die aktivsten und fähigsten Gemeindeglieder, die ausgereist sind.“ Heute hat die RUECB rund 80.000 erwachsene Mitglieder.

Nichtsdestotrotz ist der nationale Jugendleiter überzeugt, daß die geschwächten aber längst nicht geschlagenen Baptisten Rußlands der Welt weiterhin etwas zu bieten hätten. Er versichert z.B., im Gemeindeleben seien alle Generationen dringend aufeinander angewiesen – keiner Generation werde gestattet, einen Bogen um die Gemeinde zu machen. „Deshalb auch schaffen wir keine Jugendbewegung neben der Kirche. Der Dienst unserer Jugendlichen geht mitten durch die Kirche hindurch. Leider stoße ich immer wieder auf Jugendarbeiten in europäischen Baptistenunionen, die ein separates Leben für sich führen. Wir meinen, das ist kein biblischer Weg.“

Angesichts der langjährigen Erfahrungen und des Beziehungsgeflechts, die sich daraus ergaben, hält Pastor Bakhmutsky die russischen Baptisten für eine Avantgarde, die auch den charismatischen Gemeinden zu Hilfe kommen könnte. „Die Charismatiker sind nicht nur pro-westlich, sie sind von der westlichen Kultur geradezu durchtränkt. Manchmal wenn sie kapieren, daß sie doch eigentlich eine russische Kirche sein wollen, kommen sie zu mir ins Büro und wir beraten darüber.“ Er fährt fort: „Ich habe den Eindruck, die Charismatiker verstehen es, eine gute Show abzuziehen. Aber sie können schlecht mit ihren Leuten arbeiten.“ Charismatische Gemeinden erleben eine hohe Fluktuation. Er habe schon mehrmals erlebt, daß die traditionellen Freikirchen Rußlands den Enttäuschten Halt und Geborgenheit bieten können. „Gerade vor kurzem kamen 200 junge Leute aus charismatischen Gemeinden zu mir, um sich beraten zu lassen. Sie wollten ihre Gemeinden verlassen.“

Ewgeny Bakhmutsky fliegt in regelmäßigen Abständen in die USA. Er hat den Eindruck, die Moskauer Union müsse den Kindern der ausgewanderten Baptisten unter die Arme greifen. „Ihre Jugendlichen sind von ihren Wurzeln getrennt. Sie halten nicht mehr zu den Vätern, denn sie reden Englisch. Aber auch von den amerikanischen Jugendlichen bleiben sie abgesondert, denn sie gehen in eine russischsprachige Gemeinde. Deshalb bleibt ihr Potential unrealisiert.“ Eltern wollen ihren Kindern eine russische Subkultur eintrichtern, die es in Rußland nicht mehr gibt. „Aber wir verstehen die Kinder besser und laden sie zum Dienen zu uns in die alte Heimat ein.“ Hier können sie besser bei sich ankommen, besser ihre eigene Identität finden. Doch Bakhmutsky sieht keinen Grund, eine Auswanderungswelle zu beklagen, die unumkehrbar ist. Er kann sich vorstellen, daß Gott die Ausreise von so vielen benutzen wird, um den Gemeinden neue Chancen und Möglichkeiten zu eröffnen. „Wir sind offen und möchten sehr gerne mit unseren baptistischen Brüdern und Schwestern im Westen zusammenarbeiten.“

Dem Jugendleiter fällt überhaupt die Oberflächlichkeit des amerikanischen Glaubenslebens auf.
„Wir wissen was es bedeutet, wirklich an Christus zu glauben, denn unsere geistlichen Väter und Großväter haben dafür mit ihrem Blut bezahlt. Doch die amerikanischen Kirchen wurden niemals verfolgt. So konnten wir den ernsthaften und authentischen Glauben bewahren.“ Ein Ergebnis des Glaubens ohne Herausforderungen seien nach seiner Auffassung die uferlosen Auswüchse eines „extremen Liberalismus“, der u.a. in der Ordination von praktizierenden Homosexuellen seinen Niederschlag findet.

Ferner nehmen die Baptisten Rußlands das Missionieren noch sehr ernst. Nordamerikaner hingegen fühlen sich meist von Christen umgeben: „Sie halten nur noch das Missionieren auf anderen Kontinenten, oder höchstens vielleicht in Mexiko, für aktuell. Ihnen ist es oft neu, daß die persönliche Mission gerade in ihrer eigenen Umgebung vonnöten ist.“

Ewgeny Bakhmutsky ist vom Können seiner Jugend überzeugt und hofft, daß sie beim Jugendkongreß des Baptistischen Weltbundes in Leipzig vom 30.7. bis 3.8.2008 entscheidend mitspielen werden. Am 7. Dezember findet in Kiew mit westlichen Verantwortlichen ein Gespräch zum Thema Leipzig statt. Trotz der Tatsache, daß die Moskauer Jahreskonferenz der russischen Baptisten zeitgleich stattfindet, möchte Bakhmutzsky 200 Jugendliche aus den GUS-Staaten für die Fahrt nach Leipzig gewinnen. „Wir haben eine wirklich tolle Musik in Rußland,“ versichert er. „Sie ist auch nicht nur irgendeine Musik, sie ist in der Welt wirklich einzigartig!“

Die Aufholjagd
Der junge Baptist aus dem sibirischen Kemerowo würde jedoch nicht behaupten, daß bei sich in seinem Lande alles zum Besten stünde. Der Paradigmenwechsel ist gewaltig. Gemeinden befinden sich nicht nur in einem völlig neuen politisch-kulturellen Zeitalter; sie bestehen zum Teil aus einem anderen Publikum. Der Jugendleiter gibt zu Protokoll, daß in den Gemeinden mehr als 50% der Jugendlichen keinem christlichen Zuhause entstammen. Da ist Bakhmutsky keine Ausnahme. Wegen staatlichen Drucks verzichteten seine Eltern auf den Kirchgang; er fand aus eigenem Antrieb mit 14 Jahren (1990) zur Gemeinde. Wahrscheinlich befinden sich die meisten Kinder frommer, baptistischer Eltern im westlichen Ausland.

Auch in russischen Gemeinden ist zu beobachten, daß es nicht jedem Jugendlichen gelingt, den Griff zum Player bis zum Ende eines nicht enden wollenden Gottesdienstes hinauszuzögern. Doch mit neuen Gottesdienstformen will Bakhmutsky es nicht zu weit treiben. Er meint: Drei Predigten, 10 Lieder und vier Gedichte seien nicht das Problem. „Auf den Inhalt kommt es an.“ Wenn die Beiträge die geistlichen Nöte und Fragen der heutigen Jugendlichen wirklich berühren, „werfen sie Player und Kopfhörer weg und hören zu“.

Da sich politische Wandlungen sehr viel schneller abspielen als das Vermögen unserer Hirne zum Umdenken, befinden sich auch die russischen Gemeinden stets in einer Aufholjagd. Der Bruch zwischen den Generationen ist Kolossal; einer in der Verfolgungszeit entstandenen Subkultur ist den Herausforderungen der Gegenwart nicht gewachsen. „Die ältere Generation muß verstehen, daß sie ihre Kultur nicht an die jüngere Generation weitergeben darf. Aber die Werte, die Lebensweisheit und das geistliche Wissen, das muß sie unbedingt an die Jugend weiterreichen. Uns wurde einst beigebracht, wie man unter den Bedingungen der Verfolgung lebt. Deshalb wußten wir nicht, wir man mit freiheitlichen Bedingungen klar kommt. Das lernen wir erst jetzt.“ Das in der Verfolgung bewährte Randdasein der Christen müsse der Vergangenheit angehören. Wir müssen unseren Weg zurück in die Gesellschaft hinein neu finden.

Strukturen
Nach mehreren Fehlstarts wurde der RUECB erst 2001 eine funktionierende Jugendabteilung beschert. Seit März 2003 fungiert Bakhmutsky als Abteilungsleiter. Die Abteilung hat heute fünf angestellte Mitarbeiter in der Moskauer Kirchenzentrale. Sieben Filialen, jeweils mit einem angestellten Mitarbeiter, sind über das weite Land verteilt: Chabarowsk (Fernost), Krasnojarsk, Pensa, Mosdok (Kaukasien), Perm, St. Petersburg und Moskau.

Auf Ausbildung legt die Abteilung viel Wert: Auch in Belarus, der Ukraine und Kasachstan führt sie Schulungen in Sachen Jugendarbeit durch. Es bestehen Arbeitsbeziehungen zu den baltischen Staaten sowie nach Portugal und Rumänien. Den schwächsten und kleinsten Bünden, etwa Tadschikistan und Turkmenistan, wird finanziell geholfen.

Ewgeny Bakhmutsky ist gelernter Ökonom und Manager. Sein theologisches Studium absolvierte er am baptistischen Seminar in Akademgorodok bei Nowosibirsk. Er und seine Ehefrau Tanja haben zwei kleine Kinder.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 21. November 2007
baptistrelations@yandex.ru
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Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 47, 1.160 Wörter.

Woran der Spendenempfänger zu denken hat
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Eine Meinung


1. Problem
Zumindest die katholische und alle protestantischen Kirchen Rußlands sind auf internationaler Ebene nehmende Kirchen. Alle bekommen mehr Spenden aus dem Ausland, als sie Spenden ins Ausland geben. Deshalb sind die Beziehungen, die russische Gemeinden mit westlichen Gemeinden eingehen, in der Regel keine Partnerschaften, sondern Patenschaften. Und sie werden Patenschaften bleiben, solange der Geldfluß in eine Richtung verläuft.

In der westlichen Welt herrscht gegenüber Osteuropa Spendenmüdigkeit. Der westliche Spender ist ohnehin nicht auf Kontinuität angelegt. Er will dort spenden, wo plötzlich Trümmer entstanden sind: Beslan, der 9. September, Tsunami-Wellen. Oder wo gerade ein Eiserner Vorhang gefallen ist.

Lösungsansätze
„Gelinktes Spenden – matching funds“. Ein westlicher Kreis spendet $2 wenn die russische Seite ihrerseits $1 spendet. Normalerweise kommen dann $3 dem russischen Projekt zugute. Doch wenn der russische Anteil einem westlichen Projekt zugute kommt, beginnt sich eine tatsächliche Partnerschaft anzubahnen. Das würde westlichen Gemeinden helfen, ihre Zurückhaltung gegenüber „Partnerschaften“ abzubauen.

Westliche, christliche Förderung von Kleinbetrieben in Rußland. Es gibt den uralten, bestens bekannten Spruch in der Entwicklungspolitik: Lieber den Wenigerbemittelten das Fischen beibringen als ihnen Fische verschenken. Ein würdiges Unterfangen! Solche westlichen Projekte sind immer wieder an unehrlichen, osteuropäischen Geschäftemachern gescheitert. Aber sie dürfen nicht aufgeben. Nur durch wirtschaftliches Wachstum unter russischen Christen können ihre Gemeinden jemals finanziell selbständig werden.

2. Problem
Ausländische Spenden werden nicht gleichmäßig verteilt. Es gibt ein Wohnstandsgefälle in fast allen Denominationen. In der Moskauer Zentrale der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten gibt es eher wohlhabende und eher arme Abteilungen. Die Abteilungen für Jugendarbeit und für Mission sind attraktiver als juristische oder theologische Abteilungen. Es gibt auch wohlhabende und arme Ortsgemeinden. Moskauer Gemeinden haben mehr Beziehungen ins Ausland als Gemeinden in Tschita (Sibirien). Das ist alles verständlich und erklärlich – aber nicht gut: Wenn der Westspender nur die „Reichen“ zu sehen bekommt, wird das seine Spendenbereitschaft dämpfen. Und das werden die Ärmsten am meisten zu spüren bekommen.

Es gibt Kirchenvertreter in Rußland, die an Computern und Elektronik besser ausgestattet sind als ihre westlichen Partner. Wenn beim westlichen Spendengeber der Eindruck entsteht, es gehe dem Spendenempfänger besser als ihm selber, kommt Ärgernis auf.

Lösungsansätze
Ein bescheidener Lebensstil. Wer mehr Spenden empfängt als er gibt, muß sich bescheiden. Es geht nicht darum, meine schönen Computer und Fahrzeuge vor den Spendern zu verstecken – ich kaufe sie gar nicht erst. Die Bescheidenheit wird nicht zur Schau gestellt – man ist es wirklich. Bei Christen hat die bewußte Täuschung keinen Platz.

Ich bemühe mich um Kostendämpfung – dann bleibt mehr Geld für andere übrig. Auch wenn andere für die Kosten meines Fluges aufkommen, suche ich den billigsten Flug. Denn alle Spendengelder sind von Gott. Manche Kirchenvertreter kaufen ihre Tickets zwei Tage vor dem Abflug, gerade wenn sie am teuersten sind. Oft hätten sie die Tickets auch einen Monat eher erwerben können.

Wenn mich ein wohlhabenderer Mensch ins Restaurant einlädt, bestelle ich keines der teuersten Gerichte.

Klare Absprachen zwischen Spender und Empfänger. Ein Beispiel: Mir wird eine Fahrt zu einer Konferenz im Westen gespendet. Der Konferenzgast aus dem Westen muß hingegen selbst für seine Kosten aufkommen. Weil die Fahrt eben kostenlos war, bringe ich auf eigene Rechnung noch die Ehefrau mit. Doch die Ehefrau des westlichen Konferenzteilnehmers bleibt zuhause – aus finanziellen Gründen. Der (Ost)Empfänger wertet die kostenlose Fahrt als eine Preisermäßigung, die es ihm ermöglicht, die Ehefrau mitzubringen. Doch der (West)Geber hatte die Absicht, durch die kostenlose Fahrt dem Empfänger die Konferenzteilnahme überhaupt erst zu ermöglichen. Deshalb gehe es aus westlicher Sicht nicht an, daß der Empfänger die Ehefrau auf eigene Kosten mitbringt. Die häufigen Mißverständnisse in derartigen Fällen machen klare Absprachen zwischen Geber und Empfänger dringend erforderlich.

Transparenz ist notwendig, damit Vertrauen entstehen kann. Hier sind längst nicht alle Westmissionen vorbildlich. Wer Spenden empfängt, ist zur Transparenz verpflichtet – dem Geber, und auch den Geschwistern zuhause in Rußland gegenüber. Das führt letztlich dazu, daß eine schleichende Umverteilung zugunsten der Ärmeren stattfindet.

3. Problem
Ein fast unabgesprochenes, unkontrolliertes Investieren. Dieses Problem hängt eng mit dem Problemfeld 2 zusammen.

Man wollte Optimismus und einen großen Glauben unter Beweis stellen – oder man wollte den Orthodoxen imponieren. Darum entstanden – oder entstehen – Kirchenbauten, die zu groß geraten sind. Sie schreiben die finanzielle Abhängigkeit von westlichen Geldgebern auf Jahrzehnte fort. Ein paar dieser Bauten werden wohl nie fertiggestellt.

Hier steht eine Grundsatzentscheidung an: Imponierende Kirchenbauten oder wachsende finanzielle Selbständigkeit gegenüber dem Westen. Beides ist auf absehbare Zeit nicht gleichzeitig zu haben.

Ohne eindeutig nachweisbaren Bedarf entstand ein neues Seminar oder eine neue Bibelschule. Die örtliche Gemeindeleitung hat es gewollt und einen willigen Spender im Westen (oder Korea) gefunden. Oder es geschah genau umgekehrt: Ein williger Spender im Westen suchte eine örtliche Gemeindeleitung in Rußland.

Lösungsansätze
Mehr Entscheidungsmacht der Kirchenzentrale! Das klingt furchterregend in einer dezentralstrukturierten, von unten aufgebauten Kirchenunion. Doch die Ungerechtigkeiten müssen abgebaut werden, das kirchliche „Wohlstandsgefälle“ ein wenig geebnet. Der weise Umgang mit Spenden verlangt das. Die müden Spender im Westen erwarten Effizienz. Kirchenbauten müssen abgesprochen und abgesegnet werden. Es geht auch nicht mehr an, daß ein Seminar aufgemacht wird ohne Absprache mit der Zentrale.

In die Zentrale gehören bewährte Fachleute, die ihr Wissen und Können bereits unter Beweis gestellt haben. Die RUECB hat Expertenkommissionen gebildet – das ist ein sehr guter Ansatz. Die Zentrale muß sich wirklich an die Arbeit machen. Dann wissen die Spezialisten in der Zentrale mehr; sie haben dann einen besseren Überblick über die Gesamtlage als Gemeindevertreter in der Provinz und ihre ausländischen Partner. Die Zentrale muß den Gemeinden in der Provinz von ihrem guten Willen und ihren Fachkenntnissen überzeugen.

Eine dezente, allmähliche Machtverlagerung verlangt viel Fingerspitzengefühl. Kommunikation ist höchstes Gebot. Entscheidungen dürfen nur in Absprache mit der Provinz gefällt werden. Auch im kirchlichen Bereich sind Moskauer Zentralen anderweitig meistens unbeliebt. Ohne Fingerspitzengefühl kann eine Gemeinde aus dem Bund aussteigen und gemeinsam mit ihrem westlichen Spender einen eigenen, völlig selbständigen Weg einschlagen. Dem westlichen Spender ist sein Projekt wichtig – ob dabei die Beziehung zur Kirchenunion Schaden nehmen, ist ihm oftmals zweitrangig.

Es gibt sehr zentralistisch geführte Kirchen: Römisch-Katholiken, Methodisten, Adventisten. Das schadet Eigeninitiative und der Kreativität. Beide Strukturen – ob von oben oder unten - haben große Vor- und Nachteile. Baptisten brauchen einen mittleren Weg.

4. Problem
In Rußland ist es sehr teuer und ineffizient, Geld in den Kollektenkorb zu werfen. Die staatlichen Abgaben können 40% erreichen. Diese Lage ist schwer zu verändern. Meistens will eine Mehrheitskirche nicht, daß den Minderheitskirchen gleiche Rechte eingeräumt werden. Dann ist die Abhängigkeit der Kleinen von ausländischen Geldgebern gewollt.

Lösungsansätze
Gefragt ist ein langfristiger, breitangelegter Einsatz für politische Veränderungen bezüglich der Wohltätigkeit und des Vereinswesens. Orthodoxe Christen guten Willens könnten dabei helfen - auch Ungläubige, die für die Gewissens- und Religionsfreiheit eintreten. Spenden für wohltätige Zwecke müssen steuerlich absetzbar sein! Das ist in den entwickelten Demokratien seit Jahrzehnten gang und gebe.

Die finanzielle Not in Rußland bleibt unbestreitbar. Die Frage ist nur – wie trägt man am besten zur Linderung der Not bei?

Dr. William Yoder
Medienreferent
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 16. November 2007
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Keine offizielle Pressemeldung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Der Text gibt vor allem die Ansichten seines Verfassers wieder. Nr. 46, 1.130 Wörter


Ein Tisch mit Platz für die Evangelikalen
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In Kenia erhielten die „nichttraditionellen Kirchen“ neue Anerkennung


M o s k a u -- Die historischen, altbewährten christlichen Kirchen der Welt haben sich für den Dialog mit den jungen, nichttraditionellen Kirchen geöffnet. Das bekundeten die Delegierten aus 72 Ländern, die sich vom 6. bis 9. November in Limuru bei Nairobi/Kenia zum ersten, größeren „Global Christian Forum“ versammelten. Die Zusammensetzung des Forums spiegelte die Verschiebung des christlichen Gewichts von der nördlichen zur südlichen Hemisphäre wieder – von den 245 zumeist hochrangigen Delegierten gehörten über 40 einer pfingstlerischen oder charismatischen Kirche an. Allein die evangelikale „World Evangelical Alliance“ (WEA) durfte 35 weitere Vertreter entsenden. Der Genfer Weltrat der Kirchen entsandte ganze sechs Delegierte. Vor Ort resümierte der WEA-Generalsekretär, der Kanadier Geoff Tunnicliffe (Markham/Ontario): „Das Global Christian Forum bietet uns einen neuen Tisch für den Dialog. Wir können nun mit aller Deutlichkeit sagen: Dieser Tisch gehört uns, und nicht ihnen.“

Es waren rund 15 Baptisten in Kenia dabei. Sechs von ihnen wurden von der Baptistischen Weltallianz (BWA) entsandt. Neben dem alten (Denton Lotz) und dem neuen Generalsekretär (Neville Callam) sowie Regina Claas vom deutschen Bund gehörte der Moskauer Pastor Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), zur Delegation. Wlasenko war einer von zahlreichen Delegierten, die sich reserviert gegenüber dem Terminus „Ökumene“ äußerten. In Moskau meinte er „Wir redeten dort nicht von einer Ökumene. Der Weltrat der Kirchen hat anders ausgesehen als dieses Forum. Es war eine Begegnung bei der darüber gesprochen wurde, wie wir einander als Christen annehmen können. Natürlich gibt es große theologische und kulturelle Unterschiede, aber wir nennen uns doch Christen und wir wünschen den Frieden. Man darf einfach nicht jede interkonfessionelle Begegnung als ‚Ökumene’ abtun. Wir haben als Christen eine Menge Probleme vor uns: Aids und die islamistische Herausforderung, z.B.“

In Rußland ist die Russische Orthodoxe Kirche bemüht, gerade die zu verdrängen, die in Kenia gefeiert wurden – die aufstrebenden, nichttraditionellen Kirchen. Dennoch entsandte sie drei Vertreter zum Forum. Pastor Wlasenko berichtete: „Jeden Abend haben sich die Delegierten nach Region versammelt. Wir haben uns über unsere Differenzen unterhalten. Wir hatten sehr, sehr gute Gespräche.“ Der Baptist erzählte seinen orthodoxen Kollegen: „Wir wollen gar nicht Ihre Gegner sein, aber immer wieder gibt es bedauernswerte Vorfälle.“

Die drei orthodoxen Delegierten waren Wsewolod Chaplin, Igor Wyzhanov und Mihail Gundiaev, einem Neffen von Kyrill, dem Metropoliten von Smolensk und Kaliningrad. Kyrill gilt als ein Vertrauter russischer Baptisten. Pawel Okara, Präsident der pfingstlerischen „Russischen Kirche der Christen Evangelischen Glaubens“ war der fünfte Delegierte aus Rußland. Ukrainer und Weißrussen fehlten auf dem Forum.

Die Forumsbewegung, die bemüht ist mit allen Nichtmitgliedern des Genfer Weltrats der Kirchen ins Gespräch zu kommen, besteht seit 1998. Dem Globalforum in Limuru war eine Reihe von Regionalforen vorausgegangen. Nun soll im kommenden Frühling entschieden werden, in welcher Form dieses Gespräch auf breitester Basis fortgesetzt werden kann.

Baptisten gibt es in Rußland seit 140 Jahren. Sie halten sich für eine „traditionelle“ Glaubensrichtung. Ihre „engen Verwandten“, die Mennoniten, gibt es auf russischem Boden seit 220 Jahren.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
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Ausländische kirchliche Mitarbeiter Rußlands vor neuen Hürden
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Am 17. Oktober traten neue Gesetze in Kraft


M o s k a u – In weniger als 12 Monaten könnte sich die Zahl der in Rußland wohnenden Ausländer drastisch senken. Neue, am 17. Oktober 2007 in Kraft getretene Visabestimmungen legen fest, daß Ausländer mit einem sechs- oder 12-monatigen Visum zur mehrmaligen Einreise nur die Hälfte der im Visa eingetragenen Frist auf russischem Boden verbringen dürfen. Das bedeutet z.B., daß ein Halbjahresvisum nur 90 Tage innerhalb der Russischen Föderation gestattet.

Es ist unwahrscheinlich, daß sich die neuen Bestimmungen vor allem gegen kirchliche Mitarbeiter aus dem Westen - oder aus Südkorea - richten. Rußland verfügt über Hunderttausende ausländische Arbeiter aus China und anderen Staaten. Doch kirchliche Mitarbeiter mit Familien in Rußland – z.B. mit Kindern im Schulalter – könnten bald vor beträchtlichen Hindernissen stehen.

Staatliche Kreise können die neuen Beschränkungen als Gleichziehung auslegen – sie gleichen sich den Bestimmungen der westeuropäischen Schengen-Visen an. Das 90-tägige Schengen-Visum eines russischen Staatsbürgers zum Besuch Deutschlands gestattet ebenfalls nur 45 Tage tatsächlicher Anwesenheit in diesem oder einem anderen Schengen-Land.

Der verlockendste Ausweg und eine Hoffnungsschimmer für Ausländer ist eine Arbeitserlaubnis, die die 50%-Regelung umschifft. Westliche Konzerne haben längst ihren ausländischen Mitarbeitern in Rußland mit einer solchen Erlaubnis ausgestattet. Eine Arbeitserlaubnis setzt viel bürokratischen Aufwand und hohe Lohnsteuerzahlungen voraus. Wie im Westen, werden Erlaubnissuchende beweisen müssen, daß zur Verfügung stehende Einheimische die von ihnen verrichtete Arbeit nicht adäquat ausführen können.

Westbürgern, die mit einem russischen Staatsbürger verheiratet sind, stehen weitere Optionen zur Erlangung eines längerfristigen Aufenthaltrechts zur Verfügung. Das ist jedoch ein kleiner Trost für die Hunderten von römisch-katholischen Priestern, die in Rußland ihren Pflichten nachgehen.

Eine für die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten tätige Fachkraft sagt: „Keine zwei Fälle sind gleich. Jeder Fall wird spezielle Anstrengungen erfordern. Aber wir warten noch auf genauere Angaben von staatlichen Stellen.“ In den kommenden Wochen sollten die genauen Forderungen, die an kirchliche Mitarbeiter gestellt werden, verdeutlicht werden.

Die beliebten, 30-tägigen Touristenvisa sind von dieser neuen Regelung nicht betroffen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 14. November 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 44, 305 Wörter


Fröhliches Wiedersehen der russischen Baptisten – in Kalifornien
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Juri Sipko besuchte die slawische Diaspora


M o s k a u -- Den russischen und ukrainischen Baptisten Nordamerikas geht es gut. Das war die Bilanz von Juri Sipko (Moskau), dem Präsidenten der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), nach seinem fünften Besuch im Bundesstaat Kalifornien. In Moskau meinte er: „Das Flüchtlingssyndrom ist überwunden; die Nostalgie für die heimatliche Erde ist verflogen. Man fragt nicht mehr danach: Wer sind wir, woher kommen wir, and warum wir uns hier befinden.“ Vom 25. bis 27. Oktober hatte Sipko in West Sacramento die Feierlichkeiten zum 80-jährigen Jubiläum der „Pacific Coast Slavic Baptist Association“ besucht.

In Moskau fuhr Sipko fort: „In ihrem Verlangen und in ihren Werten sind sich die dortigen Geschwister sicher. Sie haben die Absicht, ihren Dienst auszuweiten.“ Allein im Raum Sacramento leben 300.000 slawische Emigranten. Die genannte Association gehören 26 Ortsgemeinden an; drei weitere sind gerade gegründet worden oder in Planung. „Eifersüchtig bin ich nicht,“ versicherte Sipko. „Rein menschlich gesehen freue ich mich darüber, daß meine Brüder und Schwestern ein ausreichendes Auskommen haben. Alle sind gut versorgt – auch die Alten und die Jungen.“

Zu den Lasten der Vergangenheit meinte der Präsident: „Natürlich besteht Traurigkeit hinsichtlich des Landes der eigenen Kindheit. Die langjährige Unterdrückung und Glaubensverfolgung, der über Generationen währende Terror, haben Spuren hinterlassen. Aber sie lieben die Heimat trotzdem.“ Sipkos Hauptsorge bezüglich der Zukunft betrifft die Auswirkungen des Konsumdenkens - auf beiden Kontinenten: „Der materielle Segen steigert die Leidenschaft, Gott zu dienen, nicht. Aber auch in Rußland zeigt sich eine Verschiebung moralischer Werte infolge materiellen Segens.“

Doch in West Sacramento überwog die Freude am Wiedersehen: „Die Gastgeber stammten fast alle aus der Sowjetunion. Bis zur Emigration hatten wir gemeinsam gedient; mit vielen war man bekannt.“ Zur großen Zahl der seit der Perestroika gespaltenen Baptistenfamilien zählt auch die Familie Sipko: Vor 14 Jahren reiste Bruder Alexander Sipko aus. Er ist heute Präsident der 11 Gemeinden umfassenden „Northwest Association of Slavic Baptist Churches“ und Pastor einer Gemeinde in Spokane/Washington. Unter den weiteren Gästen aus Übersee bei den Feierlichkeiten war Waldemar Zorn von der Mission „Licht im Osten“ (Korntal bei Stuttgart).

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 7. November 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 43, 325 Wörter



Zusammenarbeit ohne das Verschweigen von Differenzen
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Das europäische Rußland hat einen neuen katholischen Erzbischof


M o s k a u -- “Gemeinsam mit Katholiken möchten wir Protestanten der russischen Nation und dem russischen Volk zur Ehre Gottes dienen. Aber wir werden das tun ohne daß wir unsere Differenzen verschweigen.” So lautete eine Stellungnahme von Witali Wlasenko (Moskau), Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten, nach Einführung des Italieners Paolo Pezzi als Römisch-Katholischen Erzbischofs der Moskauer Diözese am 27. Oktober. Vertreter der Orthodoxen, Lutheraner, Pfingstler und Baptisten gehörten zur Schar der – zumeist italienischen - Gäste, die dem Empfang nach Abschluß der feierlichen Messe beiwohnten. Zur Messe hatten sich über 1.000 Besucher in der Moskauer Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis versammelt.

In einem Begrüßungsbrief, der dem 47-jährigen Erzbischof während des Empfangs überreicht wurde, schreibt RUECB-Präsident Juri Sipko (Moskau): “Durch die Annahme Ihres verantwortungsvollen Amtes zeigen Sie sich unserer Auffassung nach als einen Menschen, der der Schaffung und Entwicklung positiver Beziehungen zwischen den christlichen Konfessionen in Rußland verpflichtet ist. Ihre feste Haltung in Fragen der moralischen Werte und der Moral überhaupt verleiht uns Optimismus und Hoffnung.” Der Brief schließt mit dem Vorschlag, daß sich die beiden Kirchenführer zwecks Kennenlernens bald treffen.

Gespräche auf dem Empfang machten den protestantischen Wunsch nach der Schaffung gemeinsamer, katholisch-protestantischer Sozialprojekte deutlich. Obgleich keine katholisch-baptistische Projekte angeführt wurden, wies Pastor Konstantin Bendas (Moskau) von der “Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelisch-Pfingstlerischen Glaubens” auf ein gemeinsames katholisch-pfingstlerisches Speisungsprogramm und eine gemeinsame Unterstützung von Kinderheimen im Raum Nowosibirsk hin. Pfingstler kooperieren mit der katholischen Caritas auch in einem Reha-Zentrum für Drogenabhängige in der Leningrader Region unweit von St. Petersburg.

Paolo Pezzi, der zuletzt als Leiter eines St. Petersburger Seminars diente, übernimmt sein Amt von dem beliebten und volksnahen, 61-jährigen Tadeusz Kondrusiewicz. Kondrusiewicz kehrt als Erzbischof der Diözese von Minsk und Mogilew in sein Geburtsland Belarus zurück. In seinem Abschiedsbesuch bei Juri Sipko am 10. Oktober hatte der scheidende Erzbischof einen starken Wunsch hinsichtlich der Schaffung gemeinsamer Sozialprojekte geäußert. Protestantische Kreise hoffen aber auch, daß die Einführung eines neuen Moskauer Erzbischofs der stockenden Beziehung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche neuen Auftrieb verleiht.

Die Moskauer Diözese reicht von Kaliningrad/Königsberg im Westen bis Nizhni Nowgorod im Osten und schließt St. Petersburg und den russischen Norden mit ein. Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 29. Oktober 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 42, 375 Wörter


Das Nachdenken über einen Ausweg aus dem Ghetto
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Wissenschaftliches Symposium der russischen Baptisten in Moskau


M o s k a u -- Es sei ein Irrtum zu meinen, daß die Menschen aus der gesellschaftlichen Distanz heraus für den Glauben an Christus zu gewinnen seien. Das war ein Grundkonsens, der sich aus dem wissenschaftlichen Symposium in Moskau am 19. und 20. Oktober anläßlich des 140. Geburtstages des russischen Baptismus ergab. Der Religionssoziologe Professor Remir Lopatkin (Moskau) sprach von einem „freiwillig-unfreiwilligen Ghetto, aus dem sich nicht alle Gläubigen aus Angst vor einem Zusammenstoß mit der Lebenswirklichkeit entfernen wollen.“ Ein anderer Redner sprach von der anstehenden Notwendigkeit, sich „aus dem Komplex gesellschaftlicher Marginalität“ zu befreien.

Der Weg aus dem Ghetto und in die Gesellschaft hinein verlangt nach Auffassung des Moskauer Wissenschaftlers und Baptisten Michael Niewolin die Absage an jeglichem Extremismus – sei er liberalistisch oder fundamentalistisch. “Leider ist der Extremismus keine besondere Entdeckung des Baptismus – er ist ein generelles Charakteristikum unserer russischen Gesellschaft. Wir sind fast unfähig, einen Dialog zu führen. Doch im 21. Jahrhundert sollten wir endlich imstande sein, uns fremde Ansichten zu achten. Und das gilt sowie innerhalb wie außerhalb baptistischer Kreise. Aber die Achtung anderer Auffassungen bedeutet nicht, daß man die eigenen Auffassungen preisgeben muß. Wir sollten das führen von Diskussionen einüben.”

Fragen von Identität und Perspektive spielten eine führende Rolle. Michael Iwanov, Abteilungsleiter für Theologie und Katechismus bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) in Moskau prangerte eine “negative religiöse Identität”, die sich ausschließlich aus der Gegnerschaft ergebe, an. Als Beispiel führte er die Freikirche der Molokhaner des 19. Jahrhunderts an, deren Identität sich aus der Gegnerschaft zur Orthodoxie speiste. Die Devise – nicht nur bei ihnen – lautete stets: “Wir sind nicht so wie die anderen.” Doch durch die bolschewistische Revolution wurden die Orthodoxen plötzlich zu Leidensgenossen. Aus einer Kirche mit einer knappen Million Anhängern wurde umgehend eine winzige Minderheit. “Wir Baptisten waren erfindischer,” fuhr Iwanov fort. “Anfangs waren wir auch Anti-Orthodoxe, doch uns gelang es, uns in Anti-Atheisten zu verwandeln. Das war unsere Rettung. Seit den 90er Jahren nehmen wir eine rein antigesellschaftliche Position ein. Wir stellen uns halt stets irgend jemandem entgegen.”

Bei der schwierigen Frage der Identität verwies Iwanov darauf, daß den Baptisten eine Identitätsfindung nach orthodoxer oder katholischer Art verwehrt sei. Baptisten hätten keine Überlieferung. Sie seien weder eine ethnische Gruppierung noch hätten sie den Anspruch, eine allgemeingültige – sprich katholische – Glaubensauffassung zu vertreten. Deshalb könne sich eine baptistische Identität nur aus der Bindung an die Bibel ergeben.

Hinsichtlich der Perspektiven gestand Niewolin, er könne sich nicht vorstellen, daß der Baptismus jemals die stärkste Konfession Rußlands wird. „Doch die Perspektive, daß Glaube unserer Mitchristen wächst und einen zunehmend stärkeren Einfluß auf die Gesellschaft ausstrahlt - eine derartige Vorstellung besteht durchaus.“

Der russische Baptismus führt seine Entstehung auf die Gläubgientaufe des ersten ethnischen Russen in Tiflis/Georgien am 20. August 1867 zurück. Es handelte sich um Nikita Woronin (1840-1905).

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Pastor Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 23. Oktober 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 41, 480 Wörter


In Rußland bekommt die theologische Ausbildung neuen Aufwind
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Superintendenten der russischen Baptisten werden die Schulbank drücken

M o s k a u – Die russischen Baptisten wollen ihre theologische Ausbildung koordinieren und vereinheitlichen. Die Entscheidung wurde gefällt auf der Ratstagung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), die sich vom 16. bis 18. Oktober im Moskauer Vorort Pokrowskoe versammelte. Im Nachgespräch verdeutlichte Dr. Peter Mitzkewitsch, Präsident des Moskauer Theologieseminars (MTS): “Wir möchten alle Theologieausbildung der russischen Baptisten unter dem Schirm unseres Seminars vereinen. Wir wollen alle Schulen und Hochschulen vernetzen und einen standardisierten Lehrplan mit standardisierten Abschlüssen entwickeln. Auf den Austausch von Lehrern und Dozenten zwischen den Einrichtungen werden wir Wert legen. Natürlich setzt das Erreichen dieser Ziele einige Zeit voraus.”

Unionspräsident Juri Sipko (Moskau) fügte hinzu: “Wir sind von diesem neuen Ansatz sehr angetan und haben die starke Hoffnung, daß er unseren Gemeinden behilflich sein wird.”

Besonders innovativ ist die Schaffung eines neuen Studienprogramms, das speziell auf die Bedürfnisse der 50 Superintendenten (im Ausland gelegentlich auch “Bischöfe” genannt) der RUECB zugeschnitten ist. Die meisten von ihnen haben bereits seit Jahren als Pastoren gedient ohne jemals den Zugang zu einer geregelten Theologieausbildung bekommen zu haben. Ihr dreijähriges Programm, das Vorlesungen und Sitzungen am Ort der regelmäßigen Ratstagungen voraussetzt, wird mit einem Magisterabschluß beendet. “Dieses Programm ist eine hervorragende Idee,” meinte Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der RUECB. “Alle scheinen bereit, die Kurse zu belegen. Dies sollte zu guten Beziehungen zwischen den Superintendenten und dem MTS beitragen. Sie werden die Seminardozenten persönlich kennenlernen und bald werden sie sogar Absolventen des Seminars sein! Dieser Bildungsprozeß sollte manche herkömmlichen Auffassungen modifizieren.”

Den russischen Baptisten wurde es 1968 gestattet, mit einem theologischen Fernstudium anzufangen. Daraus entstand das Moskauer Theologieinstitut (MTI). Das MTS wurde 1993 gegründet; die beiden Einrichtungen schlossen sich 2007 zusammen. Das MTS bietet nun einen Magister- und einen Bachelorabschluß an. Das zweite Programm trägt den Namen des MTI.

Präsident Mitzkewitsch nennt das neue Bildungskonzept “zentralisiert sowie dezentralisiert”, denn viele Vorlesungen werden fern des Moskauer Seminargeländes stattfinden. Vier regionale Bildungszentren in Tschita, Nojabrsk (Nordsibirien), Tscheljabinsk, und Leninsk-Kusnetzkii (nahe Kemerovo) haben sich bereits dem MTS angeschlossen. Weitere Filialen sind in Rostow-am-Don und Prochladno (nahe Krasnodar) vorgesehen. Das MTS hat gegenwärtig 250 Studierende; 160 von ihnen verbringen einen Teil ihres Studiums auf dem Seminargelände in Moskau. Die theologische Ausbildung in Rußland leidet am Mangel an Studenten, die zum Vollzeitstudium fähig sind. Das MTS wandelt sich deshalb in eine Einrichtung des Fernstudiums mit Studenten, die nur zeitweilig vor Ort studieren.

Mehr als 10 Seminare und Bibelschulen zwischen Chabarowsk in Fernost und Kaliningrad/Königsberg im Westen zählen sich zur RUECB. Drei der bekannteren Einrichtungen befinden sich noch außerhalb des MTS-Schirms: Akademgorodok (nahe Nowosibirsk), Samara und Kursk. Das gleiche gilt für die geisteswissenschaftlich ausgerichtete „Christliche Universität Sankt Petersburg“. Noch verfügt die Union über keine nationale Bildungsabteilung. Sie könnte einen Teil des Schirms bilden, der alle baptistischen Hochschulen vereint.

Eine elektronische Präsentation in Pokrowskoe zählte die bisherigen Schwächen der russischen Theologieausbildung auf: Entfremdung von der Ortsgemeinde, wenig Bezug zum Alltag und der häufige Wechsel von Hochschulleitungen. Der bisherige, autonome Status von Einrichtungen hatte zur Folge, daß sie nur einem fernen, zumeist nordamerikanischen Sponsor verantwortlich waren. Das führte zu Verwirrung und Streit. Wenige Fortschritte wurden erzielt beim Versuch, die russische Intelligenz für den christlichen Glauben zu gewinnen.

Die Liste der positiven Entwicklungen seit 1990 erwähnte das verstärkte Vermögen, Irrlehren abzuwehren, die Fähigkeit von Pastoren, die Bibel in ihren Ursprachen zu lesen, und eine Ausweitung der Weltanschauungen von Gemeinden.

Peter Mitzkewitsch, ein Pastor und Arzt mit theologischer Ausbildung am “Dallas Theological Seminary”, wurde in Pokrowskoe feierlich als Präsident des MTS eingesegnet. Dieses Amt nimmt er bereits seit dem 1. Juli wahr. Präsident des MTS bis 2005 war Dr. Alexander Kosynko.

Hauptpartner des MTS sind die nordamerikanischen “Russian Leadership Ministries” (RLM), eine unabhängige, evangelikale und überwiegend baptistische Mission mit zusätzlicher Unterstützung aus presbyterianischen und mennonitischen Kreisen. Ihr Präsident ist Prof. Ian Chapman (Edinburg/Virginia); Direktor ist Ted Rodgers (Wheaton/Illinois). Bis zu seiner Emitierung war Dr. Chapman Präsident des “Northern Baptist Seminary” in Lombard nahe Chicago. Wer sich mit RLM in Verbindung setzen möchte, kann Direktor Rodgers über die Nummer 001-630 580 5628 oder “ted.rodgers@sbcglobal.net” erreichen. Die Webseite der Mission sollte bis zum 1. Dezember zugänglich sein: “www.russianleadership.org”.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 22. Oktober 2007
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Ohne Leidenschaft läuft nichts
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Bill Hybels besuchte Rußland zum ersten Mal


M o s k a u – Ohne Leidenschaft läuft nichts. Das war die Stroßrichtung des US-amerikanischen Pastors Bill Hybels, der am 13. Oktober nach einer Konferenz in Kiew erstmals in Rußland auftrat. Der Anlaß hierzu bildete eine Konferenz der „Global Leadership Summit“, die 450 zumeist jüngere Pastoren und Laien am 13. und 14. Oktober in der freikirchlichen Moskauer Gemeinde „Rossa“ (Tau) versammelte. Hybels ist Pastor der rund 20.000 Besucher zählenden „Willow Creek Community Church“ in South Barrington bei Chicago/USA.

Von den führenden Rednern auf der Moskauer Veranstaltung war nur Hybels leibhaftig präsent, die restlichen Redner traten auf einer Videoleinwand auf. Ein Co-Präsident der Moskauer Veranstaltung, der Baptistenpastor Witali Wlasenko (Moskau) berichtete: „Die Leinwandübertragung hat wirklich nicht gestört. Manche denken ein echtes Lernerlebnis sei nur möglich, wenn der Redner vor Ort ist. Doch das ist keine Voraussetzung.“

Die seit 1996 in 31 Ländern der Erde durchgeführten Konferenzen „Global Leadership Summit“ haben ein pastor- und gemeindezentrischen Ansatz. Es hieß: Ließe sich der Pastor selbst vom Geist Gottes verändern, könne der Pastor auch zur Veränderung seiner Gemeinde beitragen. Von der veränderten Gemeinde ausgehend könne dann die Stadt, das Land und schließlich die gesamte Welt verändert werden.

Auf der Summit war ferner zu hören, das Gemeindewachstum nicht das Ziel an sich sei. Es genüge nicht, - wie oftmals auch in Rußland der Fall ist – daß sich der Pastor eine große Gemeinde wünscht. Das Ziel könne nur sein, daß er und seine Gemeinde das Evangelium Jesu Christi begreifen und verkörpern. Das Ziel müsse heißen: eine wahrlich biblische Gemeinde zu werden. Gemeinden, in denen sich die Menschen lieben und gegenseitig zur Seite stehen, seien unwiderstehlich. Gemeinden nach dem Vorbild der Apostelgeschichte werden unweigerlich wachsen, denn die Menschen sehnen sich nach derartiger Gemeinschaft.

Bill Hybles sprach auch in Moskau von einer „Vision, für die er sich zu sterben lohnt“. „Wenn wir wirklich Gott unseren Vertrauen schenken und wir bereit sind, für unsere Vision zu sterben, dann wird uns Gott das zu Gute halten. Dann kann uns nichts mehr aufhalten.“ Ein Pastor muß überzeugen und begeistern können. Er muß mit seinem ganzen Leben hinter seiner Vision stehen.

Resümierend stellte Pastor Vlasenko fest: „Eigentlich hat man auf der Konferenz nichts Neuartiges vorgetragen. Das Alte wurde in neuen, kreativen Varianten erzählt. Und die Menschen waren begeistert. Mir hat das auch sehr gefallen. Ich hoffe wir werden auch im kommenden Jahr eine Summit-Konferenz abhalten können.“

Diese Konferenz, die im vergangenen Jahr erstmals in Moskau stattfand, wird nur mittelbar von den größeren russischen Freikirchen getragen. Noch in diesem Jahr finden zwei „Summits“ in Rußland statt: in Krasnojarsk/Sibirien vom 26.-27. Oktober und vom 2.-3. November in Krasnodar/Südrußland..

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 16. Oktober 2007
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Die moralischen Vorstellungen decken sich
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Russische Baptisten nehmen den orthodoxen Patriarchen in Schutz


M o s k a u – Die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) hat Alexei II, den Patriarchen der Russischen Orthodoxen Kirche, in Schutz genommen. Nach seiner Rede – und der anschließenden Diskussion – beim Europäischen Parliament in Straßburg am 2. Oktober war er einer breiten, öffentlichen Kritik ausgesetzt. Darauf ließ die RUECB dem Patriarchen einen Brief zukommen und am 11. Oktober erschien auf der Webseite dieser Kirche ein Interview ähnlichen Inhalts. Dieses Interview war von Alexander Semchenko, dem Sekretär der “Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen” beim Baptistenbund, unterzeichnet. Der Brief beginnt mit den Worten: “Die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten würdigt außerordentlich die Rede von Alexei II., dem Patriarchen von Moskau und ganz Rußland, auf der Sitzung der Parliamentarischen Versammlung der Europäischen Union. Viele Auffassungen der Russischen Orthodoxen Kirche decken sich mit denen der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Beide Dokumente der Baptisten unterstreichen eine Aussage von Alexei in Straßburg: “Wer mit keinen moralischen Werten rechnet, darf letztendlich auch nicht mit Freiheit rechnen.” Die Freiheit ist gefährdet wenn moralische Werte außer Acht gelassen werden.

Diese baptistischen Dokumente begrüßen die orthodoxe Betonung der christlichen Wurzeln der europäischen Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft. Die RUECB steht zu der orthodoxen Position, daß christliche Moralvorstellungen im öffentlichen Leben hochgehalten und unterstützt werden müssen. Beide wenden sich gegen eine “Verbannuing” des Christentums aus dem öffentlichen Bereich. Die öffentliche Propagierung von Vorstellungen, die eine Gesellschaft untergraben, müsse eingedämpft werden.

Eine Überbetonung individueller Recht – z.B. das Recht auf Bereicherung – kann die koillektiven, sozialen Rechte anderer beeinträchtigen. Alexei prangerte die soziale Unausgewogenheit in Rußland und anderswo an: die “bettlerhafte Lage von Millionen ehrlich arbeitender Menschen“. Die Baptisten merken an, daß viele ähnliche Töne bereits beim protestantischen „Nationalen Gebetsfrühstück“ im vergangenen März angeschlagen worden sind.

Den deutlichsten Hinweis auf die Frage der Homosexualität im Rahmen der Rede verbarg die These des Patriarchen, daß eine allzu breites Toleranzverständnis christliche Moralvorstellungen untergraben könne. Die Rede von Alexei wurde as Attacke auf die Rechte der Homosexuellen gewertet, doch erst bei der anschließenden Diskussion wurde das Thema explizit erörtert. In anderen Zusammenhängen hatte der Patriarch bereits eine Straßendemonstration der Schwulen im Moskau im vergangenen Juli verurteilt.

Auch beide baptistischen Dokumente verzichten darauf, die Homosexualität explizit zu erwähnen. Doch die generellen Auffassungen beider Kirchen ähneln sich. Während die Rechte individueller Homosexueller als im Ebenbild Gottes geschaffene Menschen zu respektieren sind, darf eine öffentliche Propagierung ihres Lebenstils nicht hingenommen werden. Das faktische Ausüben dieses Lebenstils ist Sünde.

Die baptistischen Dokumente loben die Tatsache, daß in Straßburg der Patriarch die orthodoxe Absicht bekräftigte, den Dialog mit den anderen “traditionellen Religionen” Rußlands – gemeint sind die Juden, Muslime, Buddhisten, Animisten, Katholiken und Lutheraner – fortzusetzen. Die russischen Baptisten die im Laufe der kommenden Woche ihren 140. Geburtstag begehen, appellieren an den Patriarchen, als weitere “traditionelle Religion” anerkannt zu werden.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 15. Oktober 2007
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Diese Pressemeldung gibt die Einschätzung des Verfassers wieder und darf nicht automatisch als offizielle Stellungnahme der RUECB verstanden werden. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 38, 450 Wörter.



Aufruf zur katholisch-protestantischen Zusammenarbeit
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Scheidender Erzbischof Kondrusiewicz besucht Baptistenzentrale


M o s k a u – Bei einem Abschiedsbesuch mit Vertretern der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) in Moskau am 10. Oktober rief Tadeusz Kondrusiewicz, der scheidende Erzbischof-Metropolit von Moskau, zu gemeinsamen diakonischen Vorhaben zwischen russischen Katholiken und Protestanten auf. “Es wäre großartig, wenn wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen könnten!”, sagte er. Bezugnehmend auf die unterentwickelten, zwischenkirchlichen Beziehungen Rußlands fügte er hinzu: “Manchmal kommen die Nachbarn nicht miteinander aus. Es wäre deshalb der Welt ein bemerkenswertes Zeugnis wenn Katholiken und Protestanten bei diakonischen Projekten zusammenarbeiten würden.”

Im Hinblick auf frühere Aktivitäten des katholisch-orthodox-protestantischen “Christlichen Interkonfessionellen Beratungskomitees“ (Christian Inter-Confessional Advisory Committee – CIAC) merkte er an, daß eine Jugendkonferenz dessen letzter Akt vor einer langen Ruhepause gewesen sei. „Das war eine großartige Begegnung,“ versicherte er. „Die jungen Leute haben sich auf Anhieb verstanden – zwischen ihnen gab es keine Hindernisse. Jawohl – jede Seite bleibt ihren theologischen Überzeugungen treu, dennoch gehören wir zusammen. Das ist wie ein Garten mit verschienartigen Blumen. Und der Garten ist so schön gerade deshalb weil die Blumen verschieden sind!“

Der scheidende Erzbischof erzählte ferner, daß er mit dem früheren RUECB-Präsidenten Peter Konowaltschik im Rahmen des wichtigen CIAC-Komitees eng zusammengearbeitet hatte. Dadurch lernte er den Baptisten Konowaltschik als Menschen kennen, der sich ganz der Verkündigung des Evangeliums verschrieben hatte. Und dabei verkündete der Baptist nicht nur mit Worten. Im Ringen um die Aufrechterhaltung moralischer Werte und in der Abwehr der Fluten des Säkularismus plädierte Kondrusiewicz vehement für die Fortsetzung des zwischenkirchlichen Dialogs und des CIAC. Das Ergebnis könnte ein Zeugnis sein, das die Rahmen einer einfachen Predigt sprechen würde. Bereits vor Jahren hatte Papst Paulus VI. versichert, daß “die Welt eher auf Zeugen als auf Lehrer hört”.

Kondrusiewicz würde es ebenfalls begrüßen, wenn gemeinsame katholisch-protestantische Erklärungen zu militärischen Auseinandersetzungen und Verletzungen der Menschenrechte das Licht der Welt erblicken würden.

Kondrusiewicz wird in Moskau von dem 45-jährigen Italiener Paolo Pecci, dem bisherigen Leiter eines Seminars in St. Petersburg, abgelöst. Der Erzbischof, der bereits seit 1991 die Römisch-Katholische Kirche in Rußland von seinem Moskauer Sitz aus leitete, kehrt in sein Geburtsland Belarus zurück. Dort kam er 1946 in einer polnischen Familie zur Welt. Er wird nun als Oberhaupt der Erzdiözese von Minsk und Mogilew dienen.

Die Gastgeber von Tadeusz Kondrusiewicz in der Baptistenzentrale waren Präsident Juri Sipko und Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen. Seit Dezember 2006 besteht das CIAC-Komitee wieder, es hat jedoch bis heute nicht getagt.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 11. Oktober 2007
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Nicht liberal – doch anders
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Russischer Bericht über Ratstagung der Europäischen Baptistischen Förderation in Budapest

M o s k a u -- „Die Baptisten Westeuropas sind keine Liberalen - doch sie unterscheiden sich von uns.” Das war das Fazit von Pastor Witali Wlasenko (Moskau). Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Union der russischen Baptisten, nach seinem Besuch bei der diesjährigen Ratstagung der Europäischen Baptistischen Union (EBF). Diese fand vom 26. bis 29. September in Budapest statt und umfaßte 150 Delegierte aus den meisten europäischen und auch wenigen nahöstlichen Staaten. Wlasenko fuhr fort: “Liberalismus ist das falsche Wort wenn es darum geht, unsere Unterschiede zu beschreiben. Der Liberalismus ist eine Ideologie, eine wissenschaftliche Theorie. Sie ist ein „Ismus“ wie beispielsweise auch der Marxismus. Wir Baptisten sind durch den gleichen Glauben, die gleiche Taufe und viele gemeinsame Prinzipien vereint. Das sind mehr Gründe als genug, um die bestehenden Unterschiede gegenseitig anzunehmen.“

Wlasenko beschrieb den Empfang in Budapest als „wundervoll“. „Mir gefällt die Atmosphäre bei EBF-Begegnungen außerordentlich. Jeder wünscht uns das Allerbeste, jeder ist hilfsbereit. Ich fühlte mich willkommen and angenommen von Anfang an. Es war ebenfalls eine tolle Erfahrung, die älteren Brüder aus Westeuropa kennenzulernen, die uns bereits in den 50er und 60er Jahren, als die EBF noch jung war, in der Sowjetunion aufgesucht haben. Nun bekommen sie die Früchte ihrer Bemühungen vor Augen geführt – wir Russen gehören zu den ´Früchten´.“

Der Abteilungsleiter besteht darauf, daß eine EBF-Mitgliedschaft für alle Republiken der ehemaligen Sowjetunion von entscheidender Bedeutung sei: „Wir müssen diese Beziehungen weiterführen und fördern. Wir gehören zusammen.“ Ungefähr fünf Delegierte aus der Ukraine waren in Budapest dabei; doch aus der EBF-Mitgliedsunion Belarus kam niemand. Wlasenko, der zum ersten Mal einer EBF-Ratstagung beiwohnte, war der einzige Delegierte aus Rußland. Die Unionen von Kasachstan und Kirgistan gehören der EBF nicht mehr an. In Budapest herrschte große Freude über die Tatsache, daß die Rumänische Union nach 12-jähriger Abwesenheit nun unter der Führung von Dr. Otniel Bunaciu (Bukarest) abermals der EBF beigetreten ist. Ihre 99.000 Mitglieder machen Rumänien zur drittgrößten Union Europas.

Pastor Wlasenko hofft, daß sich die Russische Union im Kreise des europäischen Baptismus zurückgemeldet hat. In Budapest wurde er gebeten, über die erfolgreiche, interkontinentale Fahrradtour von Deutschland bis Wladiwostok am Pazifik zu berichten. In Budapest äußerten Leiter des deutschen Bundes ihr Bedauern darüber, die Tour während ihres kurzen Aufenthaltes in Deutschland im vergangenen Mai nicht mehr Zeit gewidmet zu haben.

Relief24, ein Soforthilfe-Team der ungarischen Baptisten, hat zum äußerst positiven Bild der Baptisten in der dortigen Öffentlichkeit beigetragen. Diese Teams sind bemüht, nach einer Naturkatastrophe irgendwo auf der Welt innerhalb von 24 Stunden vor Ort zu sein. Der deutsche Bund will eine Partnerschaft mit dieser Organisation eingehen. Einzelne Russen sind eingeladen, sich an diesem Vorhaben zu beteiligen. Gefragt sind u.a. professionelle Ärzte, Pfleger, Feuerwehrmitglieder, Bergsteiger, Höhlenretter und Funker.

Die RUECB, die größte protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Pastor Juri Sipko.

Dr. William Yoder
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Baptisten wünsche sich eine starke, positiv wirkende Orthodoxie
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Eine Zusammenstellung von Pressemeldungen der RUECB


M o s k a u -- „Es wäre sehr erfreulich, wenn sich die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) als tatsächliche, geistliche Führerin unseres Landes etablieren würde, wenn sich ihre Autorität in der gnädigen und versöhnenden Macht der Liebe gründen würde.“ Dieser Satz stammt von einer Stellungnahme zum schulischen Religionsunterricht Anfang des Monats von dem Baptisten Wiktor Rjagusow, Leitendem Pastor (oder Bischof) für die Gebiete Samara und Uljanowsk (Wolga). Der Verfasser fuhr fort: „Doch stattdessen baut sie auf die Reichtümer an Bodenschätzen und Öl, auf die Symphonie zwischen weltlicher und geistlicher Herrschaft.“

Ähnliche Klagen sind zu vernehmen aus einem Runden Tisch von neun protestantischen Gruppen, die sich am 12. September erstmals im Gebiet Tuwa/ Ostsibirien versammelten, um ihre Beziehungen zum Staat zu erörtern. Vertreter der Region und der ROK blieben der Versammlung fern. Ein Paper des Runden Tisches rügt: „Niemand in den europäischen Staaten, in denen die Orthodoxie im Vergleich zum Protestantismus eine kleine Minderheit bildet, würde es sich erlauben, die Orthodoxen als `Sekte´ zu diffamieren.“ Religionshistoriker im Kreise wiesen darauf hin, daß es baptistische Übersiedler waren, die Anfang des 20. Jahrhunderts den christlichen Glauben erstmals in diese abgelegene Gegend brachten.

Doch manchmal finden sich die Kirchen auf der gleichen Seite wieder. Ein Gesetzesentwurf der Moskauer Staatsduma vom 14. März 2007 hatte sowohl orthodoxe wie protestantische Proteste hervorgerufen. Darin hatte die Kommune die „religiöse Agitation“ auf öffentlichen Plätzen verbieten wollen. Der Pressedienst der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) schreibt, dieser Artikel 3.8. habe die Straßenevangelisation zu einem öffentlichen Ärgernis wie Bettelei oder Prostitution herabgestuft.

Darauf habe es Anfang Juli einen Brief von RUECB-Präsidenten Juri Sipko an die Stadt gegeben, in dem er um Klärung bat. Der Brief wies darauf hin, daß eine derartige Anordnung internationalen Normen hinsichtlich der Glaubens- und Redefreiheit widerspricht. In einem Brief an Sipko Anfang September teilen die Kommunalpolitiker nun mit, daß die „religiöse Agitation“ aus dem Artikel gestrichen worden ist.

Trotz aller orthodoxen Fortschritte etwa im Bereich des Religiounsunterrichts in den Schulen resümiert Pastor Witali Wlasenko, Leiter der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der RUECB: „Wir dürfen die Flinte nicht voreilig ins Korn werfen. In Rußland ist der Kampf um die glaubensoffene, multikonfessionelle Gesellschaft noch nicht verloren. Das Gespräch mit der Orthodoxie ist noch nicht zuende.“

Hinsichtlich der Größenordnungen, auf die der Runde Tisch sich berief: Der in Falls Church/USA ansässige Baptistische Weltbund (BWA) vertritt 38 Millionen Baptisten; überhaupt gibt es rund 100 Millionen Baptisten auf dem Globus. Das macht sie zur größten protestantischen Konfession der Welt.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 17. September 2007
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Die wortlose Verkündigung
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Eine neue Suppenküche öffnet ihre Tore in Moskau


M o s k a u – Einst verfügte die Moscow Protestant Chaplaincy (MPC) über vier Suppenküchen für Bedürftige. Danach gab es nur eine. Seit der festlichen Eröffnung einer neuen Küche am 10. September gibt es wieder zwei. Pastor Robert Bronkema von der MPC erläutert: “Wir begannen mit dem Suppenküchendienst im Jahre 1991, doch bald verschoben wir das Hauptgewicht auf die Unterstützung der Moskauer Minderheiten. Viele Ressourcen hatten wir auf die Begleitung von Menschen farbiger Hautfarbe verlagert. Wir meinen, daß wir nun in der Lage sind, uns auf beide Zielrichtungen zu konzentrieren.“

Die ursprüngliche Suppenküche, die sich weit abgelegen in der Mosfilmofskaja Uliza
befindet, speist weiterhin 200 Menschen an Wochentagen. Die neue Küche – sie wurde schon einmal von der MPC beansprucht – wurde wegen ihrer günstigen Lage sehr dicht an der Metrostation Kusnetskii Most gewählt. Die wiedereröffnete Küche hat die Absicht, nur Mütter mit Kindern zu versorgen. Neunzig Mütter und Kinder sind bereits eingetragen, doch die vorhandenen Gelder und Freiwilligen reichen nur für 50.

Nicht alle Wünsche gingen bereits in Erfüllung. MPC-Mitarbeiterin Viktoria Spieth hält Lebensmittelpakete für einen besonders hilfreichen Weg. Sie sagt: „Es ist ein großer Aufwand für Mütter mit Kindern, jeden Tag hierher zu kommen, um essen zu können.“

Hauptsponsoren für dieses neue Vorhaben sind die Moskauer “International Women´s Club“ sowie die deutsche Botschaft und die MPC. Zu den gelegentlichen Spendern zählen die kanadische Botschaft und die Anglo-Amerikanische Schule.

Kirchlicherseits ist das soziale Projekt wahrhaftig multikonfessionell. Katholische, orthodoxe und protestantische Vertreter waren zur Eröffnung erschienen. Die Stadtverwaltung und der Sozialdienst der Russischen Orthodoxie versorgen die Suppenküche mit Namen. Es gibt deshalb wenig Spielraum für die Aufnahme anderer Bedürftiger. Doch Pastor Bronkema, ein Presbyterianer, beeilt sich hinzuzufügen: „Eigentlichen stehen uns alle Grenzen offen. Wir machen eben so viel wie unsere Ressourcen (an Geld und Freiwillige) erlauben.“

Bronkema betont, daß die MPC, die 1962 für englischsprachige Diplomaten- und Geschäftskreise geschaffen worden ist, der Zusammenarbeit mit russischen Baptistengemeinden sehr aufgeschlossen gegenüberstehtt. Pastor Ruwim Woloschin, der in der Moskauer Baptistenzentrale für die diakonische Arbeit verantwortlich ist, hat bereits Interesse am Zustandekommen gemeinsamer Projekte bekundet. Die MPC wird von einer Koalition lutherischer, reformierter, methodistischer und baptistischer Kirchen getragen. Die in Valley Forge/Pennsylvania beheimatete „American Baptist Churches“ sind seit langem involviert. Ein Interimspastor jüngsten Datums war Charles Mercer gemeinsam mit seiner Frau Marie. Sie gehören gerade dieser Kirche an.

Warum sich diakonisch engagieren? Ohne zu zögern antwortet der US-Amerikaner Bronkema: „Das ist ein äußerst natürliche Folge unseres Glaubens. Und das tun wir aus Liebe – nicht aus Furcht. Anders können wir gar nicht. Franz von Assisi sagte einmal: ´Ich nutze jede Gelegenheit, das Evangelium zu verkündigen. Manchmal benutze ich auch Wörter.´“

Die MPC halt ihren englischsprachigen Gottesdienst sonntags um 15 Uhr in der „St. Andrews Anglican Church“ in der Wosniesenski pereulok 8. Die Gemeinde verfügt über eine eigene Webseite: “www.moscowprotestantchaplaincy.org”. Robert Bronkema ist zu erreichen über: “BBronkema@cs.com”.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 14. September 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 34, 464 Wörter


Im Westen noch Fremdlinge
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Russische Union der Baptisten auf der Ökumenischen Versammlung von Sibiu vertreten


M o s k a u -- “Der europäischen Gesellschaft sind wir Russen noch Fremdlinge - das trifft auch für mich zu.” So drückte sich Witali Wlasenko (Moskau), Leiter der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), nach der gedämpften Reaktion auf den Vortrag des Metropoliten Kyrill auf der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu (Hermannstadt) am 5. September aus. Kyrill, der russisch-orthodoxe Metropolit von Smolensk und Kaliningrad, hatte zu einer Wiederbelebung des europäischen Konservativismus und der christlichen Gesellschaft aufgerufen. Wlasenko stimmte ihm dabei in vielem zu. Der Kontrast zwischen Ost und West wurde gesteigert dadurch, daß der Vorredner, der deutsche Kardinal Walter Casper, ein äußerst beliebter Vertreter der Ökumenischgesinnten Westeuropas ist.

Wlasenko, abgesehen vom Baltikum und von Georgien der einzige protestantische Delegierte aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, fügte hinzu: „Darum auch ist unsere Mitarbeit bei der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) höchst wichtig. Wir müssen den europäischen Geist kennenlernen – schließlich gehören auch wir zu Europa! Wir müssen uns auch mit dem katholischen Standpunkt vertraut machen. Sibiu war für den Gesprächsaustausch hervorragend geeignet – auch für den Austausch über unsere Lage als Protestanten in Rußland.“ Die KEK war ein Hauptveranstalter dieses Treffens, nur die dritte Begegnung dieser Art von den größten katholischen, orthodoxen und protestantischen Kirchen Europas. Vom 4. bis 9. September hatten sich 1.500 Delegierte sowie 1.000 weitere interessierte Christen und Journalisten in der rumänischen Stadt versammelt.

Mit anderen Baptisten teilen russische Baptisten ein gemeinsames Bekenntnis; mit den Russisch-Orthodoxen teilen sie Sprache und Kultur. Diese Brückenfunktion zeigte sich in den Äußerungen Wlasenkos bezüglich der russisch-orthodoxen Delegierten: „Wir hatten eine richtig schöne Zeit, wir führten eine Menge Gespräche. Alle 20 von ihnen waren sehr hilfreich und offen. Sie waren bereit, über alle nur denkbaren Themen zu reden.“ Seine Unterhaltungen mit den 20 baptistischen Delegierten aus vielen europäischen Staaten fielen nicht weniger herzlich aus. „Sie haben mich voll angenommen. Sie waren sehr dankbar, daß unsere Union gekommen war. Es gibt theologische Meinungsverschiedenheiten unter uns und wir reden verschiedene Sprachen, aber wir haben eine wahre Brüder- und Schwesternschaft erlebt. Wir waren in unserer Liebe für Jesus Christus vereint.“

Anschließend in der Moskauer Zentrale der Baptisten merkte Wlasenko an, daß sich das am 20. Dezember letzten Jahres geschaffene, dreiköpfige (katholisch – orthodox – protestantische) „Christliche Interkonfessionelle Beratungskomitee“ (Christian Inter-Confessional Advisory Committee) noch kein einziges Mal getagt hat. Man hofft, daß Gespräche auch außerhalb Rußlands den zwischenkirchlichen Dialog verstärken und zu einem Durchbruch für dieses Komitee führen könnten.

Trotz aller fröhlichen Begegnungen in Sibiu merkt der Leiter für Außenbeziehungen an, daß sich die russischen Baptisten nicht als Teil einer ökumenischen Bewegung im Sinne des Genfer Weltrats der Kirchen verstehen. „Nur indirekt sind wir Mitglieder der KEK. Die Europäische Baptistische Förderation (EBF) ist ein Mitglied der KEK, und wir sind ein Mitglied der EBF.“

Eine Stellungnahme der baptistischen Delegierten, die in Sibiu zugegen waren, beschwert sich über die Tatsache, daß das Schlußdokument der Versammlung baptistische Bedenken nicht berücksichtigt. Aufgrund stark abweichender Verständnisse in der Tauffrage, können sich Baptisten nicht vorstellen, daß die Taufe das einigende Moment für die Kirchen Europas sein könnte.

Die RUECB, die größte protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 78.000 erwachsene Mitglieder in 1,740 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Pastor Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 13. September 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 33, 521 Wörter


Eine Symphonie mit dem Staat fordert ihren Preis
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Baptistenpräsident nimmt Stellung zu einem Gottesdienst für die atomaren Streitkräfte Rußlands


M o s k a u -- Anläßlich des 60. Jahrestages der Schaffung einer atomaren Verteidigung Rußlands bzw. der Sowjetunion wurde am 4. September in der Moskauer Kathedrale Christus der Erlöser ein erster Gottesdienst zur Ehren der atomaren Streitkräfte abgehalten. Gegrüßt wurden die anwesenden von Aleksei II, Patriarch der Russisch Orthodoxen Kirche (ROK). Pastor Juri Sipko (Moskau) ist Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), der größten, einheitlichen Freikirche Rußlands.

Meine Frage an Sie, Herr Pastor Sipko: Warum überhaupt war diese Veranstaltung am 4.9. nötig? Was will die ROK damit erreichen?

Die ROK behauptet, einen staatsbildenden Charakter zu haben. Ein solcher Anspruch verbirgt große Gefahren in sich. Nach dem Jahrhundert des staatlichen Atheismus ist eine Ära der religiösen Freiheit angebrochen. Nun streiten sich religiöse Konkurrenten um einen sehr großen Kuchen. Dabei scheut sich die ROK nicht vor einer Verquickung mit dem Staat, um nun mit seiner Hilfe die Konkurrenten in die Flucht zu schlagen. Aber eine Symphonie mit dem Staat fordert ihren Preis. Eine Kirche segnet die Handlungen des Staates ab; im Gegenzug fördert der Staat gerade diese Kirche. Die ROK ist bemüht, ihren Einfluß auf den Staat zu verabsolutieren. Doch wer sich massiv an staatlichen Handlungen beteiligt, übernimmt eine weitgehende Mitverantwortung für die politischen und militärischen Entscheidungen des Staates.

Gibt es für Baptisten einen Unterschied, ob eine Kirche nur Schußwaffen und Fahnen segnet, oder ob sie auch Atomwaffen segnet? Ist Baptisten der Dienst auch in einer nuklearen Einheit erlaubt?

Ich meine, die Kirche Jesu Christi darf sich niemals in eine Politabteilung der Armee oder Flotte verwandeln. Und wenn sie das tut, verschwindet der Unterschied zwischen dem, was sie ist, und dem, was sie eigentlich segnen wollte. In dieser Gefahr steht die ROK. Man kann übrigens auch zur Kenntnis nehmen, daß in Rußland jährlich bis zu 35.000 Menschen auf den Straßen umkommen. Und das trotz der Tatsache, daß fast alle Autos von der ROK gesegnet worden sind. Ich bin auch der Auffassung, daß die zerstörende Gewalt atomarer Waffen noch nicht alle ihrer Opfer gefordert hat.

Die RUECB reglementiert ihre Mitglieder nicht bezüglich des Soldatendienstes. Ihnen und allen anderen Bürgern Rußlands steht die Option zu, in der regulären Armee zu dienen oder einen Ersatzdienst zu wählen. .

Im Jahre 1958 hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) fast gespalten bezüglich der Frage, ob Christen – auch Militärseelsorger - in einer Armee dienen dürfen, die atomare Waffen hat. Sollte das auch heute ein Thema für Baptisten sein?

Im Augenblick ist die Frage nicht aktuell. Die RUECB befindet sich außerhalb des politischen Bereiches. Solche Fragen könnten entstehen wenn die internationalen Spannungen nochmals zunehmen. Hier sind wir ganz auf die Gnade Gottes angewiesen.

Die Kirche hat den Auftrag vom Herrn, die Gute Nachricht bis ans Ende der Erde zu tragen. Diese Botschaft ist Soldaten, Staatsdienern und überhaupt allen Menschen vonnöten. Darum ist auch der Dienst als Militärseelsorger oder als Pastor für Soldaten eine heilige Sache.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 12. September 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 32, 475 Wörter


Eine Kirche kommt in Fahrt
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Fahrradtour von Deutschland nach Wladiwostok am Ziel

Reportage

M o s k a u -- Die Fahrradtour ist vollendet. Am Abend vom 3. September konnte in der Moskauer Zentral der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB) gemeinsam mit vielen Teilnehmern der Abschluß der transkontinentalen Radexpedition „Das Evangelium den Völkern der Erde“ gefeiert werden. Die Tour war am 13. Mai in Varel/Deutschland gestartet und kam plangemäß am 2. September in Wladiwostok an. Wer wie diese Gruppe einmal bei Varel Wasser aus der Nordsee schöpfen möchte, um es nachher in den Pazifik bei Wladiwostok zu schütten, weiß nun genau, wie viele Kilometer dazwischen liegen: 14.711.

Schon der neunstündige Flug der acht Radler von Wladiwostok zurück nach Moskau am 3. September war anstrengend: Zeitlich liegt Wladiwostok sieben Zeitzonen vor Moskau bzw. neun Zeitzonen vor Varel. Die Rückführung der Fahrräder nach Moskau in den zwei Begleitfahrzeugen wird nun 10 bis 14 Tage beanspruchen.

Hitze und Kälte waren auf der Fahrt zu bewältigen. In Sibirien waren mit bis zu 40 Grad und Mückenwolken zu rechnen; westlich von Kassel am 16. Mai lag das Thermometer bei 8 Grad plus Regen. Doch wahrscheinlich machten die Staubwolken in Ostsibirien und Fernost am meisten zu schaffen. Auf den unfertigen, aufgewühlten Sandpisten schafften die Fahrer kaum mehr als 100 km pro Tag. Die Tagesbestleistung lag weiter westlich: 318 km. Ein Tagespensum von 250 km war keine Seltenheit.

Es waren vier Etappen mit vier verschiedenen Mannschaften vorgesehen. Doch von den 31 Fahrern fuhr nur einer die gesamte Strecke von Varel bis Wladiwostok – der 50-jährige Gemeindediakon und zehnfache Vater Wladimir Skovpen (Klinzy bei Briansk). Er war 1980 Nationalsieger der UdSSR im Radrennen. Es wären wohl zwei geworden, doch die deutschen Behörden hatten in ihrer Weisheit allen ukrainischen Staatsbürgern das Einreisevisum verweigert. Darum konnte erst ab Briest/Belarus der in Moskau wohnende Wiktor Kabatschewski mit in die Pedale treten. Noch bei der Abschlußfeier am 3. September sah der schwerhörige Sportler äußerst fit aus. Der Zahnarzt Lewon Sarkisov (Krasnodar) war auch durchgehend von Varel bis Wladiwostok dabei, hatte sich jedoch streckenweise im Begleitfahrzeug erholen müssen.

Doch auch bei dieser missionarischen Expedition standen die menschlichen Begegnungen – und nicht die sportliche Leistung – im Vordergrund. Bei den allabendlichen Veranstaltungen kamen bis zu 500 Zuhörern zusammen. Einmal hatte das Kinderteam 100 Kinder zu Gast. Der Moskauer Pastor Alexei Markewitsch, der einen Teil der vierten Etappe miterlebte, erzählt: „Wir waren ein eingespieltes Team. Alle waren für verschiedene Bereiche zuständig: Musik, Verkündigung, Kinderstunde, Tontechnik oder Logistik. Es klappte wunderbar.“ Sogar die Komponisten kamen zum Tragen: Über die Fahrt wurde ein Lied komponiert und unterwegs gesungen.

In Polen und Deutschland war es nicht immer leicht, der Expedition eine Unterkunft zu verschaffen. Doch zwei Tagestouren vor Tschita im sibirischen Osten übernachtete das Team in einer Gemeinde mit der Mitgliederzahl 1. Markewitsch berichtet, daß sogar dort die Gruppe üppig beköstigt und jedem ein Schlafplatz geboten wurde.

„Unsere Kirche kommt in Fahrt“ konstatierte Valerii Paschkowetz, ein ehemaliger Militärflieger und heutiger Pastor der Gemeinde Kaluga, bei der Moskauer Abschlußfeier. „Bisher lebten wir träge und abgeschirmt von unserer Umwelt. Doch nun legen wir uns ins Zeug. Wir bewegen uns hinaus auf die Straße und weg von der Wohnzimmercouch.“ Nicht nur war Paschkowetz bei der ersten Etappe von Varel bis Briansk in Westrußland geradelt; anschließend organisierte er gemeinsam mit 33 Personen aus seiner Gemeinde – 16 von ihnen auf dem Fahrrad – eine zehntägige Tour durch die Dörfer in seinem Gebiet. Überhaupt fanden in diesem Sommer Radtouren in 32 der 52 Gemeindebezirken des russischen Baptistenbundes statt. Im kommenden Sommer sollen es alle werden.

So jedenfalls denkt Leonid Kartawenko (Moskau), Leiter der Heimatmission und geistiger Kopf der Fahrradbewegung, die gerade ihren dritten Sommer hinter sich hat. Er stellt fest: „Auf dem Fahrrad ergeben sich ganz andere Gesprächsmöglichkeiten. Es schafft einen ganz anderen Zugang zu den Menschen. Hier bleibt der unbeteiligte Jugendliche sofort eine Antwort schuldig. ‚Die sind gläubig und fahren Fahrrad. Ich bin ungläubig und trinke. Warum eigentlich fahre ich nicht?’“

Valerii Paschkowetz fügt hinzu: „Man darf nicht gleich mit Gott und dem Himmel anfangen. Das überfordert die Menschen. Doch Sport, Gesundheit, und Substanzmißbrauch - davon versteht fast jeder etwas. Das schafft sofort eine Brücke zu den Menschen – erst recht zu den Jugendlichen. Für Jugendliche übersteigt der Autobesitz alle denkbaren Vorstellungen, doch mit Fahrrädern können sie etwas anfangen.“ Das Eintreffen der ersten Expeditionen vor Jahren mit einem motorisierten Fuhrpark wurde viel stärker als Agitation empfunden und war höchstens Erwachsenen von Interesse.

Nach vielen Begegnungen mit der Staatsmacht in diesem Sommer ist Kartawenko überzeugt, daß die Staatsvertreter eigentlich Verbündete seien. „Wir hatten unsere Treffs immer auf dem Zentralplatz der Städte. Und die Stadtverwaltung half fast immer beim Organisieren – kostenlos. Wir haben den Eindruck, die Staatsvertreter leiden an ihrem Volk. Alkohol und Drogen machen die Bürger kaputt. Wie kann man ihnen eine Perspektive schaffen? Wir werden angesehen als starke und gesunde Leute, die Rußland aus der Krise helfen können. Wir machen Menschen Hoffnung für die Zukunft. Der Staat ist nicht gegen uns. Es sind nur gewisse religiöse Kräfte, die bemüht sind, den Staat gegen uns aufzustacheln. Die offizielle Religion ist bestrebt, über den Staat auf uns einzuwirken.“

Neben dem Ausschütten des Wassers in den Pazifik am 2. September bildete eine Einladung des Stellvertretenden Gebietsministers für Jugend und Sport den krönenden Abschluß. Er war an dem Tage an den leitenden Wladiwostoker Pastor herangetreten mit der Bitte, die Baptisten mögen im kommenden Sommer gemeinsam mit seinem Ministerium eine Fahrradtour in umgekehrter Richtung nach Moskau veranstalten. „Das ist was Neues, daß uns der Staat um ein Gefallen bittet,“ stellte Kartawenko anschließend in Moskau mit Genugtuung fest.

Im August fand eine erste Radtour der orthodoxen Kirche im Gebiet Belgorod statt – finanziert durch die staatliche Gebietsabteilung für Jugendarbeit.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 4. September 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 31, 916 Wörter



Die Baptistengemeinde von Lipezk – Sicherster Ort für die Entschärfung von Sprengstoff
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Miliz wählt den Hof einer russischen Baptistengemeinde für Bombendurchsuchung

M o s k a u - Am 6. August wählten Behörden den Hof der Baptistengemeinde von Lipezk südöstlich von Moskau für die Durchsuchung eines städtischen Linienbusses nach Bomben. An jenem Montagvormittag fuhren der Bus und eine Schar von Milizionären und Sicherheitstruppen vor just als sich der Pastor und ein Kollege auf dem Gemeindehof befanden. Danach erzählte Pastor Wladimir Bojev, dieser unerwünschte Besuch sei in keiner Weise angekündigt worden. Sofort wurde der Eingang zum Gemeindehaus von Sicherheitskräften abgeschirmt. Die später eintreffende, zuerst ahnungslose Ehefrau des Pastors wurde verhaftet und noch vor der Entlassung auf eine Polizeistation gebracht. Sie hatte den Wunsch geäußert, Versorgungsgegenstände, die die Gemeinde für ein Ferienlager benötigte, aus dem Gemeindehaus zu holen.

Bald stellte sich heraus, daß sich die Spürhunde geirrt hatten - das verdächtige Paket im Bus entpuppte sich als einfaches Waschpulver. Bald wurde Entwarnung gegeben und die Sicherheitskräfte zogen ab. Umgehend meldete der städtische Rundfunk: „Die Entminung eines Linienbusses wurde am sichersten Ort durchgeführt – auf dem Gebiet der Kirche der Heiligen Dreieinigkeit“. Danach waren gegenüber der Gemeinde weder Dank noch Entschuldigung aus Polizeikreisen zu hören.

Eine Mitarbeiterin des russischen Bundes fragt: „Warum wurde die erforderliche Untersuchung nicht auf freiem Felde, auf einer Müllhalde oder zumindest auf dem Gelände einer stillgelegten Fabrik durchgeführt? Es ist undenkbar, daß man sich so etwas in der Nähe einer orthodoxen Kirche erlaubt hätte. Den Baptisten wollte man ihre Minderwertigkeit vorführen.“

Eine Pressemeldung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) spricht von Diskriminierung; sie nennt den Vorfall rechtswidrig und „einfach absurd“. Immer wieder hat die Lipezker Gemeinde unter Querelen mit der Stadtadministration zu leiden.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 31. August 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 30, 255 Wörter



Noch ist der Weg weit
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Erste Begegnung zwischen Baptisten und der Administration der Region Moskau


M o s k a u -- Über die kirchlichen Entwicklungen in der Stadt Tschechov (Gebiet Moskau) und das Urteil des Straßburger Europagerichts für Menschenrechte ist die übergeordnete staatliche Administration nicht informiert. Das zeigte sich am 24. August bei einer ersten Begegnung von Baptisten in Moskau mit dem „Ministerium für Gebietsgestaltung in der Region Moskau“, dem die Abteilung für Kirchenfragen zugeordnet ist. Auf Betreiben von Witali Wlasenko (Moskau), Leiter der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB) war das Gespräch zustandegekommen. Im Pressegespräch danach erzählte er: „Unsere Gesprächspartner hatten bereits etwas über uns geforscht. Doch über die europaweit bekannten Vorfälle in Tschechov wußten sie nichts.“

Am 26. Juli hatte das EU-Gericht für Menschenrechte den russischen Staat zu einer Zahlung von 6.000 Euro verurteilt, da nach einer Zerstörung des Gemeindehauses in Tschechov durch Feuer 2001 der Gemeinde untersagt worden war, sich im Freien zu versammeln. Weitere Vorfälle in den Ortschaften Latoschino and Balaschicha waren ein zusätzlicher Grund für die Bitte um dieses Gespräch.

Dieses Ministerium für das Gebiet um die Stadt Moskau herum ist unter Baptisten wegen ihrer besonderen Nähe zur Russischen Orthodoxie bekannt. Bei dieser Begegnung gaben die Staatsvertreter dann auch an, daß 98% der Bewohner ihrer Region orthodoxen Glaubens seien. Hierzu meinte Wlasenko in einem Pressegespräch danach: „Angesichts der Tatsache, daß es auch im Raum Moskau Hunderttausende von Muslimen, Juden und – vor allem – Atheisten gibt, ist das eine völlig fiktive Zahl.“

Zweiter Gesprächsteilnehmer auf baptistischer Seite war der Bauunternehmer Alexander Semchenko (Moskau), der die Protestanten im politischen „Beratungsrat für die Zusammenarbeit mit religiösen Organisationen am Sitz des Präsidenten der Russischen Förderation“ vertritt. Bei der Begegnung betonte er, daß die Baptisten nicht sofort große Veränderungen erwarteten. Jedoch würde die RUECB immer bereit sein, ihre Beziehungen zur Gebietsadministration auszubauen. Bei der Begegnung fügte er hinzu: „Wir möchten den Menschen in der Region Moskau helfen, ihr Wissen über Gott zu erweitern. Wir wollen ihnen helfen, gute Bürger zu sein, und das trifft auch für unsere eigene Jugend zu.“

Im Pressegespräch resümierte Pastor Wlasenko: “Die Begegnung blieb hinter unseren Erwartungen zurück. Der Weg ist noch weit. Aber wir wollen geduldig sein und die Hoffnung nicht aufgeben, daß es noch irgendwann zu einem Gespräch mit dem wichtigen Gebietsgouverneur Boris Gromov kommt.“ Hauptgesprächspartner staatlicherseits bei diesem ersten Gespräch war der Stellvertretende Minister für Gebietsgestaltung in der Region Moskau, Sergei Komarov.

Die RUECB, die größte Freikirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko (Moskau).

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 26. August 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 29, 404 Wörter


Texaner findet in Naberezhnye Tschelny Zuflucht
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Ein Missionsbesuch mit unerwarteten Folgen

Kommentar

M o s k a u - Vor fünf Jahren hielt Mike Fisher, ein Texaner fast so groß wie Texas, die Zeit für gekommen, nebenbei als Missionar für kurzfristige Einsätze (short-term missionary) zu fungieren. Dr. Fisher, Betreiber einer gutgehenden zahnärztlichen Praxis nahe Rockwall, einem Vorort von Dallas, machte damals seinen ersten Besuch bei einer Gemeinde der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ in Naberezhnye Tschelny kurz vor den westlichen Ausläufern des Urals. Pastor dieser Gemeinde ist Alexander Mandzuk. Nun in einem Gespräch in der Moskauer Golgotha-Gemeinde am 17. August gestand er: „Ich kam nicht nach Tatarstan das erste Mal mit dem brennenden Wunsch, mir einen missionarischen Lebensstil anzueignen. Ich dachte, der Besuch könnte interessant sein und Spaß machen.“ Bei späteren Reisen wollte er noch eine Runde durch China und Kuba drehen. Danach würde er über einen Paß mit bunten Stempeln verfügen, mit dem es sich im Freundeskreis angeben ließe. Doch heute, 10 Fahrten nach Naberezhnye Tschelny später, weist der Paß fast nur russische Visa auf.

Auf dem Fußboden in einer Pastorenwohnung in der dritten Nacht des ersten Besuchs 2002 war dem Zahnarzt aufgegangen, daß er noch Wesentliches zu lernen hatte. In der Moskauer Golgotha-Gemeinde erzählte er nun: „An dem Abend hatte ich Gott gemeinsam mit Menschen angebetet, die nach unseren westlichen Maßstäben materiell nichts aufzuweisen hatten. Außer einem Dach über dem Kopf und ein paar Habseligkeiten hatten sie nichts. Und doch waren sie dank ihres Glaubens die am meisten zufriedenen Menschen, denen ich jemals begegnet bin. Das war ein richtiges Damaskus-Erlebnis für mich. In Amerika hatte ich mich voll der Jagd nach einem immer größeren Haus und Schlitten gewidmet – doch zufrieden war ich niemals.“

Mike Fisher räumte ein: „Noch immer kämpfe ich mit dieser Versuchung. Das Streben nach dem Materiellen ist in Amerika allgegenwärtig – auch in meiner Gemeinde. Darum muß ich jedes halbe Jahr die USA verlassen, um wieder auf die Beine zu kommen. Nur dann finde ich zu den wahren Grundlagen unseres Glaubens zurück.“ Aber ich habe den Eindruck, der Texaner will seine innere Umkehr nicht überbewerten: Es ist schließlich unredlich, das bescheidene, verarmte Leben zu idealisieren, wenn man selbst noch sehr gut lebt und das Los der unfreiwillig Verarmten nicht teilen will. Die russische Gesellschaft allgemein ist auch nicht zu idealisieren. Ebenfalls in Rußland haben die Neureichen als Erstes die schlechtesten Tendenzen der westlichen Gesellschaft – Habgier und unsoziales Verhalten – verinnerlicht. Dennoch haben Gläubige in den Gemeinden um Naberezhnye Tschelny Wahrheiten erkannt, die nach Fishers Überzeugung für texanische Gemeinden lebenswichtig sind.

Auf jeden Fall ist der Zahnarzt stolz und dankbar für seine Gemeinde: die 10.000 Mitglieder zählende Lake Pointe Church mit Verbindungen zur „Southern Baptist Convention“. Interessanterweise geißelt dieser Gemeindediakon die in den USA geläufige Wohlstandstheologie („Prosperity Gospel“) als eine „schreckliche Erscheinung“. Er sagte: „Es stimmt einfach nicht, daß meine Probleme verschwinden, wenn ich Jesus annehme. Das ist den Jüngern Jesu nicht passiert, und Jesus hatte kein einziges Kissen für sein müdes Haupt. Ich glaube nicht, Gott erwarte von allen, daß sie geschäftlich erfolgreich sind.“

Die Lake Pointe Church ist auch nicht darauf aus, ihre Zusammenarbeit mit der
Gemeinde Naberezhnye Tschelny als zahlenmäßigen Erfolg zu verbuchen. Als Erfolg zählen die neuen Beziehungen, die zwischen örtlichen Christen und Nichtchristen entstehen. Sie bilden das Fundament für weitere Gespräche zu Fragen des Glaubens. Bisherige Einsätze umfaßten Sommerlager für Kinder, Englisch-Camps und Straßeneinsätze. Erst jetzt, vom 11.-19. August, führte ein fünfköpfiges Team in Naberezhnye Tschelny und erstmals in Moskau (Gemeinde Golgotha) ein Seminar zu Business-Themen durch. Mike Fisher erzählt: „Manche früheren Einsätze bestanden daraus, daß meine Frau und ich zahnärztliche Praxen besuchten. Aber es ist sehr wichtig, daß wir wiederholt kommen. Erst das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit, erst das öffnet Türen.“ Nach seiner Überzeugung stehen einmalige Blitzeinsätze an beliebigen Orten auf dem Globus häufig in der Gefahr, „die materiellen Ressourcen Gottes zu vergeuden“. Darum ist die Beziehung nach Texas als eine langfristige Partnerschaft zu verstehen, die „in die Tiefe“ gehen will.

In Moskau resümierte er: Unsere Freunde in Rußland „wissen sehr viel besser als wir, was wir überhaupt für sie leisten können. Erfolgreiche evangelistische Methoden aus den USA würden hier oftmals nicht funktionieren. Deshalb können wir nur Diener sein. Die Russen sagen uns, wie sie uns am besten gebrauchen können. Dann überlegen wir gemeinsam, wie wir dem Wunsch am besten entsprechen können. Unser größter Wunsch ist es, daß die Gemeinden wachsen möchten durch den Zustrom neuer Menschen.“

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 21. August 2007
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Als Kommentar gibt dieser Text die Meinung des Autors wieder. Dieser Text ist keine offizielle Erklärung der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“. Veröffentlichung möglich. Meldung Nr. 28, 715 Wörter


Baptisten sind in Rußland eine traditionelle Religion
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Ein Gespräch mit dem Unternehmer Alexander Semtschenko

M o s k a u - Durch die vielen Jahre, „die Protestanten verfolgt und unterdrückt worden sind, haben wir uns das Recht verdient, als eine traditionelle, russische Kirche zu gelten.“ Diese Auffassung vertrat der baptistische Unternehmer und Mäzen Alexander Semtschenko (Moskau) in einem Gespräch mit kirchlichen Mitarbeitern in Moskau am 15. August. Semtschenko, ebenfalls Mitglied im Auftrage der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ im „Beratungsrat für die Zusammenarbeit mit Religiösen Organisationen am Sitz des Präsidenten der Russischen Förderation“, fügte hinzu, daß die Baptisten in ihren 140 Jahren auf russischem Boden einen angestammten Platz in der Gesellschaft gewonnen hätten. „Unsere Verfassung schreibt vor, daß Rußland ein weltlicher Staat ist und garantiert jedem Bürger Glaubensfreiheit.“ Doch die religiöse Gesetzgebung von 1997 hatte vorgeschrieben, daß nur „traditionelle“ religiöse Gemeinschaften in Rußland geduldet werden.

Hintergrund des Gesprächs war ein Urteil des Straßburger EU-Gerichts für Menschenrechte Ende Juli zugunsten der Baptistengemeinde in Tschechov unweit von Moskau. Nachdem der Gemeinde ihr Bethaus 2001 abgebrannt worden war, wurde ihr verboten, sich sonst öffentlich unter freiem Himmel zu versammeln. Das Gericht belegte die russische Regierung mit einer Strafe von 6.000 Euro.

In einem weiteren Fall hatte sich Wladimir Kalinin, Baptistenpastor im Dorf Kaspilja/ Gebiet Smolensk und hochverdienter, ehemaliger Armeeoffizier mit einem offenen Brief an Präsident Wladimir Putin gewandt. Menschen, die wiederholt diese Gemeinde besucht hatten, wurde gedroht, die Kehle durchzuschneiden. Das Abfackeln des Gemeindehauses war wiederholt in Aussicht gestellt worden.

Semtschenko bedauerte zutiefst, daß die Gemeinde Tschechov erst bei einer ausländischen Instanz zu ihrem Recht kam. „Aber es war kein Urteil gegen Rußland.“ Es sei vielmehr ein Spruch „gegen unwissende Staatsbeamten, die sich in religiösen Belangen willkürlich verhalten. Doch die Mehrheit der Staatsbeamten handelt gemäß dem russischen Gesetz und nicht nach eigenem Gutdünken“. Es mache Sinn, sich an russische Staatsinstanzen zu wenden. Die groben Ausfälle führt er auf neugläubige, orthodoxe Laie ohne Kenntnisse der historischen Zusammenhänge zurück. In ihrem Übereifer gehen sie über die Anweisungen ihrer geistlichen Erziehern hinaus. „Im allgemeinen ist das Verhältnis unserer Kirche zur Orthodoxie gut.“

Der Unternehmer tritt entschieden für den Ausbruch aus dem herkömmlichen Ghettodasein und ein offenes Zugehen der protestantischen Minderheit auf die Gesellschaft ein. Der offene Brief aus Kaspilja sei ein Beleg für die werdende, russische Zivilgesellschaft. Er schließt sein Gespräch mit den Sätzen: „Gott ruft uns alle auf, unserem Lande zu dienen. Es ist unmöglich, ein Bürger des himmlischen Reichs zu sein ohne gleichzeitig der irdischen Heimat ein guter Erdenbürger zu sein.“

Alexander Semtschenko ist auch Herausgeber der Moskauer Wochenzeitung „Protestant“, einer der offiziellen Zeitungen der RUECB. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er eng mit der Führung der Russischen Union zusammen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 16. August 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 27, 425 Wörter

Den Klerikalismus gibt es wirklich
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Russischer Baptistenpräsident Sipko nimmt Stellung zu einem gesellschaftlichen Disput

M o s k a u - „Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß der Klerikalismus in unserem staatlichen und gesellschaftlichen Leben vorhanden ist.“ Mit diesem Satz stimmte Pastor Juri Sipko (Moskau), Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), einer Hauptaussage des warnenden, Offenen Briefes von 10 Mitgliedern der russischen Akademie der Wissenschaften zu.

Auf diesen Brief vom 23. Juli hatte die radikal-orthodoxe Bewegung „Volksversammlung“ (Narodnii Sabor) mit einer Strafanzeige „wegen Schürens religiöser Zwietracht“ gegen einen der Akademiemitglieder – den Nobelpreisträger Witali Ginsburg – geantwortet. Patriarch Alexei II, Oberhaupt der „Russische Orthodoxen Kirche“ (ROK) vernahm in dem Brief „ein Echo der atheistischen Propaganda der Vergangenheit“. Wladimir Wigiljanski, Leiter des Presseamtes des Moskauer Patriarchats, warf den Akademiemitgliedern die „Erfüllung eines politischen Auftrags“ vor und nannte sie „Rowdys und Hütchenspieler“. Doch Unterstützung kam u.a. von Wjatscheslaw Glasytschew einem Mitglieder der Öffentlichen Kammer Rußlands. Er geißelte in einem Vortrag die „stürmische Einmischung der Kirche in staatliche Belange“.

In seinem Gespräch Anfang August mit Mitarbeitern seiner Moskauer Kirchenzentrale führte Präsident Sipko einen Vorfall aus der sibirischen Großstadt Omsk als Beweis für den zunehmenden Klerikalismus an. Bei einer Ortsbegehung hatte der russische Minister für Wirtschaftsentwicklung German Gref den mangelnden Fortschritt beim Bau des Flughafens und der U-Bahn sowie die fehlende Sanierung des Straßennetzes kritisiert. Darauf reagierte der Gebietsgoverneur mit der Zusicherung: „Sobald die nächste Kirche der ROK fertig ist, wenden wir uns mit allen Kräften den wirtschaftlichen Aufgaben zu.“ Allein im Raum Moskau sind in den letzten sieben Jahren 200 neue orthodoxe Kirchen entstanden.

Nicht nur für Sipko verstoßen die Forderungen der ROK, bei möglichst allen staatlichen Handlungen präsent zu sein – z.B. bei Gelöbnissen von Soldaten oder bei Staatsbesuchen in den Provinzen – gegen das gesetzlich verankerte Prinzip der konfessionellen Gleichstellung. Das gilt nicht zuletzt für die Erwartung, daß die Durchführung u.a. von protestantischen Musikfestivalen und Treffen zu gesundheitlichen Themen des Segens des orthodoxen Ortsgeistlichen bedürfen.

Im Gespräch wies Juri Sipko auf die faktische Schwäche der ROK hin - schließlich habe sie nicht einmal die Kraft, sich innerkirchlich vom überkommenen Julianischen Kalender zu befreien. Deshalb müsse sie auf staatliche Mittel zurückgreifen zur Durchsetzung des eigenen Machtanspruchs gegenüber Andersdenkenden. Über die langfristigen Folgen für das Wohlergehen der Orthodoxie ist der Baptistenpräsident deshalb besorgt. Er stellte fest, die „Grobheit“ der Akademiemitglieder sei nur eine Reaktion auf die Grobheit, die seitens der Kirche vorausgegangen war. „Was man sät, wird man auch ernten.“

Besonders umkämpft ist der Versuch der ROK, in diesem Vielvölkerstaat mit seinen 23 Millionen Bürgern muslimischen Glaubens den orthodoxen Religionsunterricht als Pflichtfach in Schulen einzuführen. Das ist bereits in vier westlichen Provinzen des Riesenlandes geschehen. Im Lehrbuch für den orthodoxen Religionsunterricht, „Die Grundlagen orthodoxer Kultur“ (OPK) erkennt Sipko eine Indoktrination. In ihm werde nicht nur über Kultur und Kirchenkunde berichtet - unter dem Schlagwort „Extremismus“ werde zum Widerstand gegen die „Sekten“ aufgerufen. Für den Baptistenpräsidenten ist die ROK in ihrem Streben um Zugang zu den Schulen nicht um das Wohl der Kinder bemüht, es sei vielmehr „ein prinzipienloser und schmutziger Kampf um die Macht. Und in diesem Kampf sind ihr alle Mittel recht.“ Er prophezeite: „Die Saat kehrt zu uns zurück wenn in den Seelen der heutigen Kinder die Früchte der List und Eigensucht sich morgen offenbaren. Wie kann man mit unmoralischen Mitteln die Moral steigern?“

Nach Auffassung der 10 Wissenschaftler sowie der Baptisten spaltet eine zunehmende Klerikalisierung die Gesellschaft. Sipko nannte den Versuch sogar ein Spiel mit dem Feuer. Deshalb fordern beide die Einhaltung der bestehenden russischen Gesetzgebung, die Gewissensfreiheit und die Gleichstellung aller Religionen vor dem Gesetz gewährt. Dabei zitierte Sipko den Präsidenten Wladimir Putin: „Nur die Diktatur des Gesetzes besitzt ein Existenzrecht in der Russischen Föderation.“ Der Baptistenpastor macht ihm jedoch zum Vorwurf, allzu geduldig bei der Realisierung seiner Forderung zu sein.

Anstelle der Anwesenheit eines orthodoxen Priesters verlangte Juri Sipko, daß die Staatsbeamten Rußlands gemeinsamen mit Putin ein Eid auf ihre Treue zur Landesverfassung und zur Gesetzgebung Rußlands ablegen. Vor allem Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft hätten durch Prüfungen ihre Kenntnisse der Hauptgesetze unter Beweis zu stellen. Der Baptistenpräsident stellte fest, daß „die Ignoranz (der Staatsbeamten) nicht mit Ignoranz zu überwinden ist“.

Doch weite Teile des Offenen Briefes der Wissenschaftler befassen sich mit der Einmischung der Orthodoxie in Fragen der Naturwissenschaft. An dieser Stelle ist Juri Sipko nun doch mit der ROK einig. Genau wie sie tritt er „mit ganzer Seele dafür ein, daß in der Schule nicht nur die Evolutionstheorie, sondern auch die Schöpfungslehre unterrichtet wird.“

Das gesamte Interview mit Präsident Sipko ist in russischer Sprache auf der Webseite der RUECB, „www.baptist.ru.org“, nachzulesen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 13. August 2007
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Der Austausch der Herzen kann Einheit schaffen
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Russische Baptisten beteiligen sich an der Planung von Amsterdam 400


M o s k a u – Die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) hat beschlossen, sich aktiv an der Arbeit der in Prag beheimateten Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) zu beteiligen. Ein Indiz war die Anwesenheit Witali Wlasenkos (Moskau) bei den ersten Arbeitssitzungen der Planungsgruppe „Amsterdam 400“ in Prag am 3. und 4. August. Pastor Wlasenko ist Leiter der „Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen“ bei der RUECB.

Zum Teil aufgrund der Tatsache, daß die EBF nicht zur Klasse der finanziellen Schwergewichtlern gehört, hatte das Interesse an ihr in Rußland nachgelassen. Wlasenko erklärt: „In den letzten Jahren verspürte ich eine Art Bruch zwischen uns und der EBF. Manche hielten die EBF für eine überflüssige Organisation und meinten, es sei ergiebiger, sich mit anderen international Gremien und Missionen zu befassen. Doch ich möchte unterstreichen, daß die EBF sehr wohl eine konstruktive und nutzbringende Organisation ist“.

Witali Wlasenko fährt fort: „Wir Russen befinden uns in der Mitte Europas und Asiens. Es ist sehr wichtig, daß wir die Schultern unserer Brüder – und Schwestern – in Europa berühren. Wir sind nicht nur geographisch, sondern auch geistlich verbunden. Unsere Herzen sind miteinander verwoben. Es ist wichtig, daß die Baptisten Europas erfahren, was sich unter uns tut. Und wir wollen auch hören, was unter ihnen geschieht. Dieser Austausch der Herzen kann Einheit schaffen, und darum geht es auch zwischen den Kirchen. Jesus sagt, daß die Welt glauben wird wenn sie merkt, wie sehr wir einander lieb haben. Wir müssen glaubwürdig unsere Einheit in Christus vorleben.“ Der Wunsch nach verstärkten Verbindungen zur EBF war ein Grund für die erneute Schaffung der Abteilung für Außenbeziehungen im Januar 2007. Pastor Wlasenko wird ebenfalls der jährlichen Ratstagung der EBF, diesmal in Budapest vom 26-29 September, beiwohnen.

Das vom 24. bis 26. Juli 2009 vorgesehene Ereignis „Amsterdam 400“ soll die Gründung der ersten Baptistengemeinde auf dem europäischen Festland durch den ehemaligen, anglikanischen Priester John Smyth im Jahre 1609 feierlich begehen. Das Jubiläum wird voraussichtlich 1.750 Baptisten aus allen europäischen Staaten in die niederländische Großstadt bringen.

Die Europäische Baptistische Föderation wurde 1949 geschaffen mit der Absicht, zur Heilung der vom II. Weltkrieg herrührenden Wunden beizutragen. Sie vereinigt 52 baptistische Unionen mit einer Mitgliedschaft von rund 800.000, die sich bis in den Russischen Fernost und nach Nahost erstrecken

Dr. William Yoder
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Im rechtlichen Niemandsland aktiv
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Die „Christliche Soldatenunion Rußlands“ erleidet Rückschläge


M o s k a u - Der Baptist Oleg Askalenok (Moskau), Präsident der „Christlichen Soldatenunion Rußlands“ berichtete am 12. Juli, daß ein Aufsatz vom 19. April 2007 in der Zeitschrift des russischen Verteidigungsministeriums, „Roter Stern“, schwerwiegende Folgen gehabt hat. Der Artikel unter der Überschrift „Mission nicht erfüllt?“ berichtete äußerst negativ über die Soldatenunion und die pensionierten Offiziere aus dem Westen, die schon bei ihr zu Gast waren. Askelenok beklagt, daß er selbst je nach Bedarf als Mitarbeiter vom US-amerikanischen, deutschen, südkoreanischen oder kanadischen Geheimdienst verunglimpft werde. Er erzählt: „Seit diesem Aufsatz sind praktisch alle Türen für unsere Mission verschlossen. Oftmals bleibt uns nur noch übrig, zu beten und unsere Zeitschrift an die Soldaten auf den Bahnhöfen zu verteilen.“

Dennoch bezeugt Askalenok, selbst ein ehemaliger Offizier, seinen anhaltenden, guten Willen gegenüber staatlichen Stellen. „Wir sind bereit, Truppenteile aufzusuchen und zu tun, was wir können, um Laster wie Trunksucht und Hazing (die Mißhandlung neuer Rekruten) zu überwinden. Wir sind bereit, mit den schwersten menschlichen Fällen zu arbeiten.“ In einem früheren Gespräch mit dem christlichen Sender „Radio Teos“ hatte er versichert: „Wir haben die Erfahrung. Unsere Soldatenunion befaßt sich mit den härtesten Fällen – und wir können auf positive Ergebnisse hinweisen.“

Doch gleich nach solchen Angeboten werde er von Offizieren gefragt: „Und haben Sie den Segen des orthodoxen Priesters eingeholt? Haben Sie eine Abmachung mit dem Verteidigungsministerium?“ Tatsächlich verfügt nur die Russische Orthodoxe Kirche über ein derartiges Abkommen – auf dem militärischen Sektor bewegen sich alle anderen Konfessionen in einem rechtlichen Niemandsland. Tatsächlich wurden auch muslimische und jüdische Geistliche zu einer Konferenz der Militärgeistlichen in Nowgorod Ende Juni eingeladen. Doch Askelenok fügt hinzu, daß nur Orthodoxe das recht haben, militärische Einheiten, Fahnen und ihre Technik zu weihen. Im Anbetracht der vermeintlichen, weltanschaulichen Neutralität des Staats fragt er: „Wie sollten sich Muslime und Protestanten bei orthodoxem Militärgut verhalten? Wir sehen die Armee in derartigen Fällen einfach als orthodox an.“

Wegen der fehlenden Abkommen sind die Mitarbeiter der Christlichen Soldatenunion auf das Wohlwollen der jeweils zuständigen Offiziere angewiesen. Abgesehen von zufälligen Bekanntschaften mit Offizieren, die etwa bei Bahnfahrten entstehen, muß Askelenok immer wieder seine alten Beziehungen aus den eigenen Soldatentagen spielen lassen, um in die Kasernen zu gelangen.

Obwohl die Mission nur drei vollamtliche Mitarbeiter in Moskau hat, hat sie bis zu 500 Helfern auch in sehr entlegenen Baptistengemeinden. Die Helfer besuchen Kasernen in ihrer Nähe und bemühen sich, Soldaten beizustehen.

Doch nicht nur bei der Orthodoxie - auch in den eigenen Reihen ist der protestantische Dienst unter Soldaten umstritten. Jakow Zhidkov, ein leitender Vertreter des alten All-Unionrats der Baptisten, hatte bereits im Zweiten Weltkrieg zwei gefallene Söhne zu beklagen. Aber pazifistische Überzeugungen halten sich in Teilen der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB) aufrecht.

Die Fragen eines Armeeoffiziers beantwortete Juri Sipko (Moskau), Präsident der RUECB, auf der Webseite der Kirche am 13. Juli. Mit einem Hinweis auf das allgemeine Priestertum ordnete der Präsident den Waffendienst und das Leisten eines Eides als Fragen ein, die dem Gewissen des einzelnen Gläubigen überlassen werden müssen. Er fügte hinzu: „Wir haben Gemeindeglieder, die sich gar nicht vorstellen könnten, die Waffe auf einen anderen Menschen zu richten. Wir achten diese Überzeugung. Das tut der Staat auch, denn er hat den Ersatzdienst gesetzlich verankert. Aber es gibt auch Soldaten und Offiziere in unseren Gemeinden, die ihr Leben dem Schutz des Vaterlandes gewidmet haben. Leider bleibt die Armee den Bediensteten unseres Bundes verschlossen. Ich bin zuversichtlich, es werden sich noch Möglichkeiten ergeben für unsere Mitarbeiter, jungen, christlichen Soldaten an kritischen Zeitpunkten in ihrem Leben zu richtigen Entscheidungen zu verhelfen.“

In diesem Jahr feiert die Christliche Soldatenunion Rußlands den 10. Jahrestag ihrer staatlichen Zulassung.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 18. Juli 2007
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Gennadi Krjutschkov verstorben
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RUECB trauert um den Tod des langjährigen Leiters der nichtregistrierten Baptisten in Rußland

M o s k a u -- Gennadi Konstantinowitsch Krjutschkov, seit 1965 Präsident der heute unter dem Namen “Internationaler Rat der Kirchen der Evangeliumschristen-Baptisten” bekannten Kirche, ist am 15 Juli 2008 in Tula verstorben. Im Oktober wäre er 81 geworden; seit anderthalb Jahren litt er an Herzbeschwerden.

Gennadi Krjutschkovs Leben und Dienst waren mit der Kirche, die am besten unter dem Namen “Rat der Kirchen der Evangeliumschristen-Baptisten“ oder „Initativniki” bekannt ist, eng verknüpft. Vor allem wegen Meinungsverschiedenheiten bezüglich der richtigen Reaktion auf staatliche Repressalien, trennte sich seine Gruppierung vom „All-Unionsrat der Evangeliumschristen-Baptisten“ im August 1961. Sie erreichte eine Spitzenmitgliedschaft von bis zu 155.000 im Jahre 1966. Heute, nach größeren Emigrationswellen, befinden sich wahrscheinlich nicht mehr als 20.000 ihrer Mitglieder in Rußland. Ein Mittelpunkt ihrer heutigen Tätigkeit ist die wiederhergestellte Kirche in Tula, die sich 200 km südlich von Moskau befindet. Im Oktober 2005 fand dort eine Hauptkonferenz dieser Kirche statt. Diese Denomination bleibt weiterhin dem Prinzip der staatlichen Nichteinmischung verpflichtet – wie ebenfalls der kirchlichen Nichtbeteiligung an staatlichen Angelegenheiten. Aus dem Grunde bleiben diese Gemeinden bis heute unregistriert – sie sind aus juristischer Sicht weiterhin eine „Untergrundkirche“.

Die ersten beiden Leiter der Kirche der Initiativniki waren A.F. Prokofev and Boris Sdorowez. Beide wurden schnell verurteilt und mußten 1962 durch das Paar Gennadi Krjustschkov und Georgi Wins ersetzt werden. Aufgrund breiter, westlicher Berichterstattung war Wins wohl besser bekannt. Verhaftet im Jahr 1966 und nochmals 1974, Wins wurde 1979 in die USA abgeschoben. Dort blieb er weiterhin den Belangen der Initiativniki treu bis zu seinem Tode 70-jährig im Jahre 1998.

Dem menschlichen Leiden war auch Pastor Krjustschkov bekannt. Seit gläubiger Vater wanderte 1931 für fünf Jahre ins Arbeitslager als Gennadi nur vier Jahre alt war. Mit 17 Jahren 1943 in die Rote Armee eingezogen; wurde er erst 1951 entlassen.

Nach einer öffentlichen Protestdemonstration der nichtregistrierten Baptisten – einschließlich Vins und Krjutschkov - am Kreml im Jahr 1966, wurden beide verurteilt. Krjutschkov wurde entlassen 1969. Doch angesichts der drohenden Gefahr erneuter Verhaftung begab er sich im drauffolgenden Jahr in den Untergrund. Für die nächsten zwei Jahrzehnte befand sich dieser neunfache Vater auf der Flucht vor einem Staat, der sich seiner habhaft werden wollte.

Einiges ist passiert in den letzten Jahren um die Wunden zu heilen, die im Zuge der Aufspaltungen in den 60er Jahre geschlagen worden sind. Pastor Walentin Wasilizhenko (Moskau), Sekretär des „Öffentlichen Rats“, einer Dachorganisation, die sich dem Dialog mit allen Gruppierungen der russischen Baptisten widmet, berichtet, daß er sich häufig mit Pastor Krjutschkov unterhielt. Sein „Internationaler Rat“ genoß Beobachterstatus beim „Öffentlichen Rat“.

In einem Beileidsbrief schreibt Juri Sipko (Moskau), Präsident der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten”: „Gennadi Konstantinowitsch hat sein ganzes Leben dem Dienst für Gott gewidmet. In seinem Leben hatte er mit nicht wenigen Prüfungen zu tun, doch er überwand sie mit Ehre, Würde und einem tiefen Glauben. Er blieb Christus und seiner Kirche treu. Die Brüderschaft der Evangeliumschristen-Baptisten hat einen würdigen Bruder, einen ergebenen Diener, einen gesegneten Leiter und liebvollen Familienvater verloren. Heute betrauern wir alle seinen Heimgang.“

Am Samstag, dem 21. Juli, wird Gennadi Krjutschkov in Tula zu Grabe getragen.

Die RUECB ist rechtliche Nachfolgerin des All-Unionrats der Evangeliumschristen-Baptisten der Sowjetära. Heute vertritt sie rund 75.000 erwachsene Mitglieder in 1.300 Ortsgemeinden und Gruppen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 17. Juli 2007
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Der Verfall des Massenformats verhindert Großevangelisationen
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Interview mit Juri Sipko, Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten

M o s k a u - In einem am 12. Juli veröffentlichten Interview mit dem Moskauer Internetportal „Die anderen Nachrichten“ versicherte Pastor Juri Sipko (Moskau), Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten, daß es nicht nur der russische Staat und die Russische Orthodoxe Kirche seien, die der Durchführung von evangelistischen Großveranstaltungen im Wege stehen. Dank der medialen Übersättigung erlebe Rußland einen „Verfall des Massenformats“. Auch bei Sport- und Theaterveranstaltungen blieben Stadien und Sälen leer. Sipko hält es deshalb für effektiver, wenn „jeder Gläubige auf seinem Platz zuhause, auf der Arbeit und unter Freunden“ mit seinem Leben und mit seinen Worten „seine Zugehörigkeit zum Reich Gottes bezeugt“.

Sipko will seine Bemerkungen keineswegs als Kritik an den gerade stattgefundenen Kiewer Großveranstaltungen mit Franklin Graham verstanden wissen. Doch bis auf Weiteres werde die russische Staatsmacht „eine derartige Massenveranstaltung nicht billigen“. Für drei Tage ab dem 6. Juli war Franklin Graham vor insgesamt 125.000 Zuhörern in Kiew/Ukraine aufgetreten. Im Oktober 1992 hatte sein Vater, der Evangelist Billy Graham, vor 155.000 Besuchern bei drei Veranstaltungen im Moskauer Olympiski-Stadion gepredigt.

Diese Haltung des Staates beschrieb Juri Sipko im Interview als eine „Beobachtung aus der Ferne“. Diese stellte er auch auf juristischer Ebene fest. In der Duma am 15. Juni hatte Sergei Rjachowski (Moskau), Bischof der charismatischen „Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelischen Glaubens“, eine gesetzliche Zuordnung der Freikirchen zu den traditionellen Kirchen Rußlands verlangt. Das bleib ohne Reaktion seitens des Staates. Nach Sipko bedeutet die staatliche Distanz im Alltag auch, daß Anschläge auf baptistische Einrichtungen nicht geahndet werden. Nicht nur aus diesem Grund folgert der Baptist, daß gegen demokratische Grundregeln verstoßen werde. „Bei weitem nicht alle können in unserem Lande mit dem gleichen Schutz seitens der Justiz und des Innenministeriums rechnen.“

Im Interview äußerte sich der Baptistenpräsident auch zu einem beliebten Volksthema: Wohin mit dem Leichnam Lenins? Obwohl er sich gegen jegliche kirchliche Beteiligung an populistischen Aktionen etwa zur spontanen Entfernung des Einbalsamierten vom Roten Platz aussprach und hinzufügte, daß sich Christen „außerhalb der Politik befinden“, müsse „Staub dem Staube übergeben werden“. Man dürfe diese Art Fetisch „nicht mehr gestatten, unser heutiges Bewußtsein und das Bewußtsein unserer Kinder zu verdrehen. Es ist falsch, daß an einem zentralen Platz unseres Landes ein unbeerdigter Körper übrigbleibt, zu dem Tausende hinpilgern, um sich zu verneigen. Das ist für mich eine verwerfliche Erscheinung, die uns allen merkwürdig verkommen sollte.“

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 14. Juli 2007
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Den eigenen Bauch nicht schonend
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3. Etappe der Fahrradexpedition Deutschland-Wladiwostok gestartet

M o s k a u -- Die Fahrradexpedition der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten von Deutschland nach Wladiwostok am Pazifik verläuft nach Plan. In der westsibirischen Stadt Tiumen wurde am 6. Juli der Stab termingemäß an die dritte Mannschaft weitergereicht. Mit zunehmender Entfernung wird das Fahren sogar schneller: anhaltende Geschwindigkeiten von 40 km/h sind keine Seltenheit mehr. Im Raum Tscheljabinsk/Ural stellte die Gruppen einen neuen, eigenen Geschwindigkeitsrekord auf: 210 km bewältigte man innerhalb von sieben Stunden bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 33 km/h.

Allerdings haben die physischen Härten ebenfalls zugenommen. Es haben Fahrer vor dem eigentlichen Endziel ihrer Etappe aufgeben müssen. Kurz nach dem Ural stieß man auf die gewaltige sibirische Hitze mit Temperaturen oberhalb von 30 Grad. Am 4. Juli nahe Kugan wurden die Radler von riesigen Mücken überfallen. Da der schwarze Mercedes-Geländewagen, der schon in Deutschland dabei war, wegen fehlender Klimaanlage mit offenen Fenstern fahren muß, blieb auch die Begleitmannschaft nicht vor den Viechern verschont. Drei Tage später vor Sawodojukowsk entpuppte sich die Landeshauptstraße voller Schlaglöcher. Von der menschlichen Armut in diesem Teil Westsibiriens zeigten sich auch die abgehärteten russischen Radfahrer betroffen.

Seit Moskau – anders als ist Deutschland – fährt ein riesiger Kamas-Lkw an der Spitze; der fahnenbestückte Mercedes bildet das Schlußlicht. (Siehe Foto.) Der neue, vom niederländischen Hilfswerk „Dorcas Aid“ gestiftete Lkw soll später als mobiles Gotteshaus und als Missionsstation eingesetzt werden.

Auf dem Sattel seit Varel an der Nordsee (am 13.5.) sind der Mannschaftsleiter und ehemalige Nationalsportler Wladimir Skovpen (Klinzy bei Briansk) sowie der Zahnarzt Lewon Sarkisov (Krasnodar). Der Moskauer Baptist Wiktor Kabatschewski ist seit Briest/Belarus dabei. In Tiumen kamen acht neue Radler hinzu; sie werden am 27. Juli in Irkutsk von der vierten und letzten Mannschaft abgelöst. Sie soll dann am 2. September am Zielort Wladiwostok ankommen.

Zum Glück sind es nicht die kaputten Radfahrer, die noch bei den allabendlichen Veranstaltungen in Gemeinden die große Leistung erbringen müssen. Die Begleitmannschaft sorgt neben Essen und medizinischer Betreuung auch fürs Programm. Wegen Zurückhaltung bei Erwachsenen ist man verstärkt zur Kinderarbeit übergegangen. Kindermitarbeiter der deutschen Missionsgesellschaft „Licht im Osten“ aus dem fernen Wladikawkas sind streckenweise dabei. Sie machen Puppentheater und ihre bunte, landesweit bekannte Kinderzeitschrift „Tropinka“ (der Pfad) findet reißenden Absatz. Kinderheime und Schulen werden regelmäßig besucht.

In einem Gespräch mit dem christlichen Radiosender „Teos“ lobte Unionspräsident Juri Sipko (Moscow) die Radler in überschwenglichen Tönen: „Ich bin besonders glücklich darüber, daß unsere Jugend zu einer derartigen Heldentat fähig ist. Sie ist bereit - den eigenen Bauch nicht schonend – sich zu Fuß oder auf dem Fahrrad bis zu den entlegendsten Dörfern und zu den am meisten verzweifelten Menschen durchzuschlagen, um ihnen die Botschaft des Reiches Gottes zu bringen. Sie tun das damit unser Rußland zu neuem Leben erwacht.“

Wer des Russischen mächtig ist, kann den Alltag der Radler im Internet unter der Anschrift „www.baptistyouth.ru“ oder „www.baptist.org.ru“ verfolgen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 10. Juli 2007
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Spät – aber nicht zu spät
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Russische Baptisten wollen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen


M o s k a u -- Sechszehn Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nimmt die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten das Schmieden ihrer Zukunft in die eigene Hand. Bei intensiven bis in die Nacht hinein reichende Sitzungen im „Moskauer Theologieseminar“ (MTS) vom 26. bis 28. Juni faßte eine 25-köpfige Expertenkommission den Entschluß, bis zum Treffen der 54 Bischöfe des Landes im kommenden Herbst ausgearbeitete Pläne für die Neuorientierung der Union vorzulegen. Die Studien, über die die Bischöfe zu befinden haben werden, sollen alle Aspekte kirchlichen Dienstes berühren.

Witali Wlasenko, Leiter der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der RUECB erklärte: „Unsere Gesellschaft befindet sich in einem vollständigen Umbruch – da können wir nicht außen vor bleiben. Die Mauern um uns herum, die wir in den Jahrzehnten der Verfolgung um unsere Gemeinden und Familien errichtet haben, halten nicht mehr. Internet und Fernsehen haben die Schutzwälle durchlöchert. Wir müssen ein kirchliches Dasein für Friedenszeiten und den freien, ‚kirchlichen’ Markt entwickeln. Die Zeit dafür mag fortgeschritten sein, aber zu spät ist es auf keinen Fall.“

Pastor Wlasenko, der maßgebend an dieser im vergangenen November entstandenen Kommission beteiligt ist, versichert, daß ein Bruch mit der eigenen, 140-jährigen Tradition verhindert werden soll: „Es geht nicht darum, daß wir unsere Theologie verändern. Aber unsere Gesellschaft hat sich grundlegend gewandelt, und das müssen wir bei der Anwendung biblischer Theologie berücksichtigen.“ Ein reges Nachdenken über die Zukunft ist angesagt. Dafür hat sich die Kommission bemüht, die nachdenklichsten und am meisten strategisch denkenden Köpfe unten der russischen Baptisten ausfindig zu machen und zu Rate zu ziehen.

Der Abteilungsleiter betonte, daß bei Veränderungen die Anliegen der Basis oberste Priorität haben. Was der Ortsgemeinde dient und sie unterstützt, müsse an erster Stelle stehen. Zu den brennendsten Fragen der Union zählen die Definition des pastoralen Dienstes, Erziehung und Ausbildung, Finanzen und Verwaltung, Kirchenbau, PR und die Medien. Er fragte: „Welche Kriterien haben wir, um den Erfolg eines pastoralen Dienstes zu messen? Die Größe des Kirchengebäudes und die Zahl westlicher Partner dürfen nicht bestimmend sein. Viel wichtiger ist die Frage, ob der Pastor Menschen zur Nachfolge Christi erzieht.“ Theologische Ausbildung muß den wahren Bedarf abdecken. Die übergroße Zahl kleiner, kirchlicher Bildungsstätten führt Wlasenko auf den dezentralisierten und unkoordinierten Einsatz ausländischer Gelder zurück. Dafür müßte ein Bildungskonzept her.

Der RUECB bleibt weiterhin der Rat und das Mitdenken ausländischer Partner höchst willkommen. Die Union denkt über die Trennung der Ämter von Präsident und Generalsekretär nach. Dafür wurden bei den jetzigen Sitzungen die Strukturen der Baptistenunionen von Deutschland und Südkorea unter die Lupe genommen. Weitere ausländische Literatur über die Erziehung in der Familie ist ebenfalls vonnöten.

Die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten vertritt 78.000 getaufte Christen in 1.390 Ortsgemeinden und Gruppen. Generalsekretär – und Präsident – ist Juri Sipko, Er war an den Beratungen im Moskauer Seminar beteiligt.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 30. Juni 2007
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Durchlöchert aber von Bestand
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Aussprache über das Religionsgesetz in der russischen Duma

M o s k a u – Bei einer Aussprache in der russischen Duma zum 10. Jahrestag des „Gesetzes über die Gewissensfreiheit“ am 15. Juni gingen Redner mit dem umstrittenen Gesetz ins Gericht. Obwohl sich ein Redner für die völlige Verschmelzung von Orthodoxie und Staat stark machte, plädierte Sergei Rjachowski, Bischof der charismatischen „Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelischen Glaubens“, für die Hinzufügung des Wortes „Protestant“ in das Gesetzespräambel. Im Nachgespräch verdeutlichte der ebenfalls anwesende Pastor Witali Wlasenko vom Russischen Bund der Evangeliumschristen-Baptisten den Hintergrund: „Im Präambel heißt es nur die Russische Orthodoxie Kirche ‚und andere christliche Organisationen’. Das sagt vielen Lokalfürsten nichts, denn ihnen ist nicht bekannt, daß auch die Protestanten als Christen gelten.“

Bei seinem Grundsatzreferat in der Duma berichtete Andrei Sibinzov vom Büro der Russischen Föderation für Religiöse Angelegenheiten von einer fortlaufenden Unterhöhlung dieser Gesetzgebung und plädierte für eine Durchsetzung des Gebotes staatlicher Neutralität in Glaubensfragen. Die ständige politische Bevorzugung des Moskauer Patriarchats der Orthodoxie mache dieses Gebot zunichte. Nicht zuletzt werde in den öffentlichen Schulen der islamisch-reagierten Provinzen (Tatarstan z.B.) muslimisches Dogma unumwunden propagiert.

Besonders umstritten in diesem Gesetz zur Gewissensfreiheit aus dem Jahr 1997 war die Bestimmung, daß nur solche Glaubensgemeinschaften staatlich zuzulassen sind, die seit 15 Jahren (d.h. 1982) in Rußland existieren. Diese Bestimmung wird – so Sibinzov – u.a. von protestantischen Gruppierungen ständig umgangen. Wem es einerseits gelingt, die staatliche Zulassung für ein zentrales Büro zu erzielen, kann problemlos Hausgemeinden in den Provinzen registrieren lassen. Andererseits begrüßen das Moskauer Patriarchat sowie die Römisch-Katholische Kirche diese Bestimmungsfrist, da sie sich auf diese Weise Schutz vor der Entstehung von Splittergruppen in den eigenen Reihen erhoffen.

Andrei Sibinzov plädierte ferner für eine deutliche Trennung zwischen Kirche und Wirtschaft in der russischen Gesetzgebung. Immer wieder drängen wirtschaftliche Unternehmen – z.B. der Gold- und Silberhandel – unter das Dach des Moskauer Patriarchats, da diese Kirche als einzige Steuerfreiheit genießt. Im Jahr 2008 soll sie Tausende von Hektarn Ackerland zurückerstattet bekommen.

Am Abend des 15. Juni besuchte Wlasenko, der als Direkter des Büros der Baptisten für kirchliche Außenbeziehungen fungiert, den Empfang des Patriarchen Alexei II. zum 17. Jahrestag seiner Inthronisation. Obwohl auch russische Lutheraner eingeladen worden waren, war der Baptistenpastor wohl der einzige russische Protestant unter den 500 geladenen Gästen. Nach seinen Berichten war die Elite aus Staat und Wirtschaft zugegen; für ihn war die gewollte Verschmelzung der Orthodoxie mit Staat und Wirtschaft schon visuell nicht zu übersehen.

Pastor Wlasenko ist nicht optimistisch, daß das Gesetz von 1997 geändert wird „Dieses Gesetz mag durchlöchert sein, aber es ist von Bestand. Wir haben keine wirkliche Glaubensfreiheit, aber das ist den meisten mächtigen Menschen in unserem Lande nicht wichtig.“ Wahrscheinlich könne weiterhin nur auf eine zögerliche Duldung der Protestanten durch die gesellschaftliche Mehrheit gehofft werden.

Die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten, die größte Freikirche Rußlands, vertritt 78.000 getaufte Christen in 1.930 Ortsgemeinden und Gruppen. Insgesamt bilden Protestanten weniger als 1% der russischen Gesellschaft.

Dr. William Yoder
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Moskau, den 18. Juni 2007
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Peter Mitzkewitsch zum Rektor gewählt
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Entwicklungen im Seminar der russischen Baptisten

M o s k a u – Am 13 Juni 2007 wurde Pastor Peter Mitzkewitsch vom Exekutivkomitee des Vorstandes des Moskauer Theologieseminars (MTS) einstimmig zum Rektor gewählt. Pastor Mitskewitsch ist Pastor der Golgotha-Baptistengemeinde und Leitender Vizepräsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB). Durch seine pastorale Arbeit und seine Tätigkeit als Sprecher von Rundfunksendungen wurde er in weiten Teilen Rußlands bekannt.

In diesem Jahr wurden das Moskauer Theologieseminar und das Moskauer Theologieinstitut (MTI) zusammengelegt. Daraus ist ein vereinigtes Theologieseminar für die Pastorenausbildung entstanden. Dieses Seminar hat nun 223 Studenten und trifft sich an fünf Orten in Rußland.

Auf die Frage, was ihn als künftiger Rektor begeistert, antwortete Pastor Mitzkewitsch: „Ich bin begeistert von der Chance, meinem Herrn und meiner russischen Heimat zu dienen. Die Menschen Rußlands brauchen unseren Herrn.“ Ein gebürtiger Moskauer, Pastor Mitzkewitsch ist mit Tatiana verheiratet. Das Paar hat fünf Kinder.

Exekutivkomitee des Vorstandes des MTS
Moskau, den 15 Juni 2007

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Zusätzliche Informationen von der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen:

Die vier Standorte des Seminars außerhalb von Moskau sind Tscheljabinsk (Ural), Kemerowo (Westsibirien), Tschita (Hinterbaikal) und Najabrsk (Nordsibirien). Von den 223 Seminarstudenten sind 199 Fernstudenten und gehen ihrem Studium nicht vor Ort in Moskau nach.

Gründungsrektor des MTS war Alexander Kosynko; als Interimsrektor haben Juri Tschubienko und Alexander Mitrofanov gedient. Letzter Rektor des MTI war Wladimir Rjagusov.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 15. Juni 2007
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 17



Eine Evangelisation mit Leistung dahinter
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Radfahrt nach Wladiwostok erreicht Moskau


M o s k a u - Mit einer Exkursion durch drei Moskauer Gemeinden am 10. Juni ist die zweite Etappe der Fahrradtour der russischen Baptisten von der Atlantik bis zum Pazifik feierlich angetreten worden. Diese Tour war am 13. Mai in der deutschen Nordsee-Stadt Varel gestartet und hat inzwischen 3.400 Kilometer zurückgelegt. Es wird voraussichtlich mit vier Mannschaften in vier Etappen gefahren; die erste Etappe ging am 6. Juni in der westrussischen Stadt Brjansk zuende. Diese zweite Etappe soll am 5. Juli in der westsibirischen Tjumen enden. Doch zwei der gegenwärtig acht Fahrern waren bereits in Varel dabei und wollen die 15.000 km bis Wladiwostok durchhalten: der Zahnarzt Lewon Sarkisov (Krasnodar) und der 10-fache Familienvater und Gemeindediakon Wladimir Skovpen (Klinzy bei Brjansk). Da der 50-jährige Skovpen bereits 1980 Landessieger der UdSSR war, ist ihm die Ankunft in Wladiwostok am 2. September durchaus zuzumuten. Am Tage werden bis zu 300 Kilometern zurückgelegt. Ein dritter Fahrer, der hörbehinderte Moskauer Baptist Wiktor Kabatschewski, will ebenfalls in Wladiwostok ankommen. Doch weil er als ukrainischer Staatsbürger kein Visum für Deutschland bekam, ist er erst seit Briest/Weißrußland dabei.

Diese Fahrt findet im Rahmen der jährlichen, missionarischen „Expeditionen“ der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) statt. Sie geschehen unter der Losung „Das Evangelium den Völkern der Welt“ (oder Rußlands) und werden mitunter mit motorisierten Fahrzeugen durchgeführt. Doch erfolgreiche Veranstaltungen am Abend setzen eine sorgfältige Vorbereitung der Gastgeber voraus. Bei der jetzigen Fahrt kamen bis zu 1.000 Menschen bei Evangelisationen im Raum Brjansk und in Rowno in der Westukraine zusammen. Hingegen fand in Polen nur eine einzige Veranstaltung (in Warschau) statt.

Aus den Radfahrten könnte irgendwann eine Massenbewegung werden: Schon in diesem Sommer plant die Heimatmission der RUECB 32 Fahrradfahrten durch 32 russische Bezirke. Es wird mit bis zu 10.000 Beteiligten – allerdings nicht alle auf dem Fahrrad – gerechnet. Die Union selbst besitzt 154 Fahrräder, die auf die Bezirke verteilt worden sind. Manche träumen bereits – nicht nur in Rußland - von einer Fahrradsternfahrt aus allen Himmelsrichtungen zum Weltjugendkongreß der Baptisten, der am 30 Juli 2008 in Leipzig beginnt.

Zum Sinn dieser Radfahrten erzählt Leonid Kartawenko (Moskau), Vorsitzender der Heimatmission, gerne eine Anekdote. Informiert davon, daß die russischen Baptisten eine ausgedehnte Radtour unternehmen, erwiderte eine Außenstehende: „Können auch Omis radfahren?“ Kartawenko, der als Hauptverantwortlicher für die Fahrt nach Wladiwostok fungiert, erklärt, daß Baptisten beweisen wollen, daß auch sie richtige Männer sind. „Wir wollen zeigen, daß wir nicht nur Worte verkündigen. Wir wollen zeigen, daß auch Leistung hinter unseren Worten steckt.“ Die Fahrer wollen neben dem Verkündigen des Evangeliums unter Beweis stellen, daß auch ein fittes, sporttaugliches Leben ohne Drogen und Alkohol Spaß machen kann.

Die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten, die größte Freikirche Rußlands, vertritt 78.000 getaufte Christen in 1.930 Ortsgemeinden und Gruppen. Generalsekretär ist der 54-jährige Pastor Juri Sipko (Moskau).

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 11. Juni 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 16, 453 Wörter



Russische Protestanten bitten um Klärung
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Chef des russischen Geheimdienstes warnt vor religiösen „Sekten“

M o s k a u - Bei seiner Sitzung in Moskau am 7. Juni faßte der „Konsultative Rat der Führer der protestantischen Kirchen Rußlands“ den Entschluß, den russischen Geheimdienst FSB um Klärung zu bitten. In kürzlich veröffentlichten Stellungnahmen hatten Nikolai Patruschew, Leiter des FSB, sowie Justizminister Juri Tschaika vor gefährlichen religiösen und auch protestantischen „Sekten“ gewarnt. Pastor Witali Wlasenko, Leiter der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) erläuterte: „Diese Männer haben nicht spezifiert, welche Arten von Sekten sie gemeint haben. Das möchten wir gerne erfahren, denn so werfen ihre Ausführungen ein schlechtes Licht auf alle protestantischen Kirchen.“

Nur ein Tag zuvor war ein baptistischer Pastor in der Kleinstadt Uslawaja unweit von Tula genötigt, die Vorbereitungen auf ein christliches Open-Air-Fest abzubrechen. Anonyme Gestalten im Zivil hatten gedroht, das Fest zu sprengen und das aufgestellte Zelt zu verbrennen. Wlasenko merkte an, daß derartige Entwicklungen Verwirrung stiften, denn sie stehen im Widerspruch zu den hervorragenden Beziehungen, die zwischen der Russischen Orthodoxie und der RUECB auf oberster Ebene vorherrschen.

Auf dieser Sitzung erläuterte Sergei Melnikow vom Kirchenamt des Russischen Präsidenten die Position seiner Regierung zu einem orthodoxen Religionsunterricht als Pflichtfach in Schulen. Rußland verstehe sich als einen säkularen Staat. Mit der Begründung beschrieb der Gast die Position der Bundesregierung als abwartend. Entwicklungen in den Regionen stehen unter Beobachtung.

Der seit 1998 bestehende Konsultative Rat setzt sich aus den Oberhäuptern vierer Denominationen zusammen: des RUECB, der Adventisten des Siebenten Tages, der pfingstlerischen «Russischen Kirche der Christen Evangelischen Glaubens“ und der charismatischen „Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelischen Glaubens“.
Lutheraner und vereinzelten Werke genießen Beobachterstatus. Der Rat tagt am ersten Donnerstag in jedem zweiten Monat.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 8. Juni 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 15, 278 Wörter


Protestanten legen zum zweiten Mal Kränze an der Kremlmauer nieder
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Erstmals ausschließlich als Protestanten zugelassen

M o s k a u – Zum zweiten Mal in ihrer Geschichte legten Vertreter der protestantischen Kirchen Rußlands am 8. Mai Kränze am Grab des Unbekannten Soldaten an der Moskauer Kremlmauer nieder. Doch erstmals wurden die russischen Protestanten ausschließlich als Protestanten zum verehrtesten Ort der russischen Gegenwart vorgelassen. Bei der ersten Feierstunde vor einem Jahr hatte der zweite Gastgeber – die soziale Abteilung eines Teils der Stadtverwaltung – wesentlich zur Zulassung beigetragen. Träger in diesem Jahr waren zwei Organisationen aus dem vorigen Jahr: der „Konsultative Rat der Leiter der protestantischen Christen Rußlands“ und ein Mitglied dieses Gremiums - das „Nationale Gebetsfrühstück“. Das Gebetsfrühstück wird von dem Baptistenpastor Witali Wlasenko (Moskau) angeführt.

Dieses Mal war der Wechsel der 30-köpfigen Delegation in die abgesperrte Zone vor dem Grabmal von den vehementen Protesten einer zufällig anwesenden Zuschauerin überschattet. Sie bestand darauf, daß ein Russe nur orthodoxen Glaubens sein könnte. Das schien die Versammelten nur noch entschlossener zu machen, ihre Zugehörigkeit zur russischen Nation gebührend zu bekunden.

Im Nachgespräch erklärte Pastor Wlasenko: „Jahrzehntelang wurde in uns einen Fremdkörper und eine fünfte Kolonne des Westens vermutet.. Aber wir sind auch Russen. Wir lieben unser Land und teilen die Freuden und Leiden unseres Volkes. Soviel Solidarität sind wir unserem Volk schuldig.“ In der Teilnahme an diesem höchst militärischen Feiertag sieht der Pastor keinerlei Verbeugung vor einem Geist des Militarismus.

Im ersten Jahr wohnten 110 Besucher der Feierstunde bei, doch In diesem Jahr sind protestantische Kriegsveteranen in nur sehr geringer Anzahl erschienen. Die kleine Schar ist u.a. darauf zurückzuführen, daß der 8. Mai in diesem Jahr auf einen Wochentag fiel. Wlasenko ist dennoch zuversichtlich, daß sich Protestanten weiterhin an diesen staatlichen Feierlichkeiten beteiligen werden. Von der Hierarchie des Moskauer Patriarchats der Russischen Orthodoxie erwartet er wenig bis keinen Widerstand.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 11. Mai 2007
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Fahrradtour von Deutschland nach Wladiwostok findet statt
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Nur die Ukrainer bleiben vorerst draußen

M o s k a u - Die Fahrradtour der russischen Baptisten durch Deutschland findet tatsächlich statt. Gefahren wird (fast) von der Atlantik bis zum Pazifik; bis zur Ankunft in Wladiwostok am 2. September sollen rund 15.000 Kilometer zurückgelegt werden. Allerdings beginnt die Fahrt ohne die vorgesehenen sieben ukrainischen Teilnehmer – für Staatsbürger der Ukraine hatte die deutsche Botschaft in Kiew keine Visa. Da die erhoffte Jugendband auch aus Ukrainern bestand, wird nun die sechsköpfige Familie Larionovy aus Riga für die heißen Töne in Deutschland sorgen. Diese Gruppe singt sowohl auf Russisch wie auf Deutsch; sie spielen u.a. Geige und Balalaika.

In Deutschland wird es neben der lettischen Musikgruppe nur neun Radler aus Rußland geben sowie zwei russische Begleitpersonen, die die beiden Begleitfahrzeuge steuern. Schon wegen der geschrumpften Zahlen sind Mitfahrende aus dem Gastland bei den verschiedenen Tagesetappen höchst willkommen. Erforderlich sind nur ein flinkes Fahrrad und eine entsprechende Kondition.

Diese Fahrt – sie wird „Expedition“ genannt - geschieht im Rahmen des missionarischen Programms „Das Evangelium den Völkern der Welt“ des Russischen Bundes der Evangeliumschristen-Baptisten. Für die Fahrt nach Wladiwostok ist Leonid Kartawenko (Moskau), Vorsitzender der Heimatmission, verantwortlich. Vier verschiedene Mannschaften werden für jeweils einen Monat Wladiwostok entgegenfahren.

Die Tagesetappen

12. Mai, Samstag
Ankunft in Espelkamp/Westfalen der beiden Minibusse mit allen Teilnehmern aus Moskau

13. Mai, Sonntag
Fahrt auf dem Umweg über die Nordseeküste zum Großraum Bielefeld. In der Gegend von Varel sollen die mitgebrachten Flaschen mit „atlantischem“ Wasser aus der Nordsee abgefüllt werden.

14. Mai, Montag
Ein sehr harter Tag. Fahrt von mehr als 350 Kilometern aus dem Raum Bielefeld bis zum Gelände der „Marienschwestern“ in Darmstadt.

15. Mai, Dienstag
Fahrt von Darmstadt in die Gegend von Wetzlar. Man hofft, die Studios des ERF - Evangeliumrundfunks – besuchen zu können.

16. Mai, Mittwoch
Fahrt von Wetzlar nach Kassel. Besuch des Eröffnungsabends der Jahreskonferenz des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). EFG (Ortsgemeinde) Kassel-Möncheberg, Mönchebergerstr. 10, 34125 Kassel. Kontaktperson ist Christoph Haus,
Gemeindejugendwerk des BEFG in Elstal bei Berlin, Tel. 033234-74 128, CHaus@baptisten.org.

17. Mai, Donnerstag
Fahrt von Kassel nach Leipzig, möglicherweise mit einer Veranstaltung in der Gemeinde, in der übernachtet wird: EFG Leipzig, Bernhard-Göring-Str. 18-20, 04109 Leipzig. Kontaktperson ist Martina Diekmann, Tel. 0341-997 360, info@kueche-leipzig.de.

18. Mai, Freitag
Fahrt von Leipzig über Lutherstadt Wittenberg nach Berlin-Friedrichshain. Übernachtet wird zwei Nächte in der Zwinglikirche des Gemeindejugendwerks Berlin-Brandenburg,
Rudolfstr. 14, 10245 Berlin-Friedrichshain. Nähe S-Bhf. Warschauer Str. Kontaktperson ist das GJW Berlin-Brandenburg bzw. Hendrik Kissel, 030-787 02515, hkissel@gjw-bb.de.

19. Mai, Samstag
Erholungstag. Konzert wahrscheinlich um 19,00 Uhr mit der Familie Larionovy in der
EFG Eberswalde, Goethestr. 23a, 16225 Eberswalde. Kontaktperson ist Friedemann Gillert, Tel. 03334-212429, „info@gillert-medizintechnik.de“. Fahrradfahrt nach Eberswalde ist nicht vorgesehen; Übernachtung nochmals in der Zwinglikirche zu Berlin.

20. Mai, Sonntag
Besuch von Gottesdiensten in mehreren Berliner Gemeinden. Auftritt der Musikgruppe womöglich in der Evangeliums-Christengemeinde, Rudolf-Seiffert-Str. 37a in Berlin-Lichtenberg

Am Nachmittag die Fahrt von Berlin-Friedrichshain über Seelow nach Küstriner-Vorland. Ein Grillabend mit Begegnung - und Übernachtung - ist vorgesehen auf dem Gelände des „Missionscamps Oderbruch“ direkt an der B1 kurz vor Küstrin. Die Anschrift ist Str. der Freundschaft 47 – Gäste sind herzlich willkommen. Kontaktperson ist Theodor Masche, Tel. 033472 –51861, Theodor.Masche@t-online.de.

21. Mai, Montag
Fahrt von Küstrin über die Grenze nach Poznan in Polen. Anschließend geht die Fahrt über Brest und Kiew nach Moskau.

Leonid Kartawenko wird in Deutschland ein Begleitfahrzeug steuern und über die Handynummer 0162-815 9792 zu erreichen sein. Eine zweite Kontaktperson in Deutschland für die Fahrt ab Kassel ist William Yoder, 0162-906 0578, kant50@gmx.de. Nur Yoder spricht Deutsch und auch Englisch.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 8. Mai 2007
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Einseitig um das Seelenheil bemüht gewesen
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In Rußland spricht die Saddleback-Gemeinde die Aids-Problematik an

M o s k a u -- Es war nicht das Evangelisieren im üblichen Sinne, sondern die Sorge um HIV- und Aids-Kranke, die drei Frauen aus der weltbekannten, kalifornischen Saddleback-Gemeinde in der Woche nach dem 29. April nach Rußland führte. In Moskau stellte Kay Warren, Direktorin des HIV/Aids-Initiative der Gemeinde und Ehefrau des leitenden Pastors Rick Warren fest: „Wir haben uns darum bemüht, die Menschen zu bekehren und auf den Himmel vorzubereiten. Das ist sehr lobenswert, aber das Evangelium und Jesus kümmerten sich gleichzeitig um die Körper der Menschen. Wir hätten uns mehr um die Schwachen, die Witwen und Waisen kümmern sollen.“

Im Einsatz für die von Aids Betroffenen erkennen die drei Frauen ein ureigenes, christliches Anliegen: Jesus habe sich um die Geringsten bemüht, und nach Auffassung dieser Frauen ist er den Verstoßenen und Verfemten – Aidskranken z.B. – besonders nahe. Auch rein praktisch könne die Kirche bei der Verteilung von Aids-Medikamenten eine entscheidende Rolle spielen. Elizabeth Styffe von dieser Initiative wies darauf hin, daß es in Ruanda bis zu hundertfach mehr Gemeinden als Kliniken gibt. Da auch Rußland unter Verteilungsproblemen bei Medikamenten leidet, könnten in diesem Falle christliche Gemeinden eine ähnliche Rolle spielen. Sie versicherte: „Gerade die Kirchen sollten der größte Aids-Gegner überhaupt sein.“

In Rußland besuchten die Frauen protestantische Rehabilitationszentren in St. Petersburg, Wladimir, Woronesch und Moskau. Hierzu meinte Kay Warren: „Wir sind gekommen um zu erfahren, was die Gläubigen Rußlands zu Wege gebracht haben.“ In der Ortsgemeinde sieht Saddleback das Geheimnis kirchlichen Gedeihens. Die Ortsgemeinde und alle Mitglieder sollen ermächtigt werden, auch im diakonischen Bereich etwas für das Allgemeinwohl zu erreichen.

Zur Kritik an Saddleback, die in den USA geäußert wird und auch nach Rußland gelangt, meinte eine der Gäste: „Bestimmte Kirchenvertreter kritisieren uns, aber wir kritisieren sie nicht.“ Kritisiert wird nach Angaben der Frauen eine Predigtform, die sich nicht an einer konsekutiven Auslegung von Bibelversen im engeren Sinne hält. Die Gottesdienststile von Saddleback sind auch manchen zu zeitgenössisch und offen. Doch Saddleback gehört weiterhin zu der eindeutig konservativen Southern Baptist Convention - der größten protestantischen Kirche der USA.

Die 1979 von Rick Warren in Lake Forest/Kalifornien gegründete Saddleback-Gemeinde wird jeden Sonntag von rund 18.000 Menschen besucht. Warrens bekannteste
Buch, „Leben mit Vision“, hat weltweit eine Auflage von 16 Millionen erreicht. Es übertrifft somit die Verkaufsrekorde von Harry Potter. Warrens Buch ist auch auf Russisch erschienen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 8. Mai 2007
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Aufbruch in die Provinz
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Zweites Petersburger Filmforum zieht in die Weiten Rußlands

M o s k a u – Am 8. April ging in St. Petersburg zum zweiten Mal das jährliche Kinoforum „Wremja zhits“ (Zeit zum Leben) zu Ende. Nun warten christliche Gemeinden in 26 Städten und Regionen darauf, die prämierten Filme zeigen zu können. Die 26 Orte reichen von Krasnodar im Süden und Norilsk im Norden bis mindestens Krasnojarsk im Osten. Den Anfang machten Schulen in der Leningrader Region, die im Zeitraum vom 1. bis 15. Mai sieben der besten Filme zeigen.

Dieses erste russische Filmforum zu sozialdiakonischen Themen zeigte in diesem Jahr innerhalb von 10 Tagen 85 Filme in drei großen Petersburger Kinos. Allein in dieser Stadt haben 24.000 Menschen das Forum besucht. Das Forum richtet sich an Menschen unterhalb von 30 Jahren und befaßt sich mit Fragen wie Drogen- und Alkoholmißbrauch, Aids, Prostitution, Rauchen, Kinderverwahrlosung und Armut. Im Zusammenhang mit dem Forum fanden Konzerte, Seminare und Gesprächsforen mit Filmemachern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens statt. Man will prophylaktisch handeln.

Der erste Preis in diesem Jahr erhielt der von Nora Hoppe gemachte deutsch-französisch-italienische Film „La fin del mare“ (Das Ende des Meeres). Eine besondere Auszeichnung erhielt ein sehr religiöser Film aus der traumatisierten Stadt Beslan: „Elf Briefe von Gott“ von Akim Salbiev. Der georgische Film „Tblissi“ von Levon Sakareischwili zeigt erschütternde Szenen vom Drogenmißbrauch unter Kindern.

Koordinator für das Vorführen der Filme in den Regionen ist der Moskauer Baptist und klassische Schlagzeuger Alexander Belenkii. Er betont, daß ein sozialausgerichtetes, nicht spezifisch religiöses Vorhaben die Hindernisse, die gegenüber evangelistischen Aktionen aufgebaut werden, umgehen kann. Er sagt: „Uns stehen die Gefängnissen offen, aber auch Schulen, Krankenhäuser und die Armee. Es hängt stets von den Verantwortlichen vor Ort ab.“ Obwohl Baptistengemeinden als Koordinatoren für das Zeigen der Filme in den Regionen fungieren, kam der orthodoxe „Blagowest“ Fernsehkanal für die Druckkosten des Festivalprogramms auf. Ein führender Partner ist der staatliche „Bundesdienst zur Kontrolle der Verbreitung von Narkotika“ (FSKN). Zu den weiteren Partnern zählen der „Rossija“ Fernsehsender, die bekannte Zeitung „Rossiiskaja Gaseta“ und das Goethe-Institut.

„Wir haben nun den ersten Schritt getan“, stellt Belenkii fest. Noch vor den Sommerferien sollen die Filme in möglichst viele Schulen kommen; im Sommer sind die Gefängnisse an der Reihe. Eine Haupthürde bleiben die Vorführungskosten. Notfalls will das Forum ein Kredit aufnehmen wenn Spenden nicht in der erhofften Höhe eintreffen. „Wir betreiben keine Piraterie“, versichert Koordinator Belenkii. „Wir zahlen die anfallenden Honorargebühren.“ Da es sich bei den Filmen jedoch um keine Hollywood-Schlager handelt, bleiben die Honorare übersichtlich.

Wer das Forum erreichen will, wird gebeten, sich an unsere Abteilung in Moskau zu wenden: baptistrelations@yandex.ru, Tel/Fax: 007-495-954-9231.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 4. Mai 2007
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Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 11, 418 Wörter



Nicht mehr dort, wo wir dachten, daß sie steckengeblieben waren
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Moskauer Protestanten feiern ihr 4. Osterkonzert


Ein Kommentar

M o s k a u - Das Osterkonzert der Protestanten in einem Moskauer Konzertsaal am 8. April hatte fast alles drin, was das jugendliche Herz begehrt. Für die 1.300 Zuschauer gab es ohrenbetäubenden Rock, Ballett-Einlagen, Kosmetik, ein bißchen Punk, hohe Stiefel oder Abendkleider bei Damen, computergesteuerte Bühnenchoreographien wie sie im russischen Staatsfernsehen zu bewundern sind, und nicht zuletzt - Jesus-Rufe. Gruppen und Solisten hatten einen Schmiß und eine Harmonie drauf, die die christlichen Bands in Deutschland erst noch nachmachen müssen.

Und die Ehrengäste des Abends waren kein verlängerter Arm nicht zu bremsender US-Charismatiker, sondern historisch gewachsene und bewährte russische Freikirchen: die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten, die Adventisten des Siebenten Tages, und zwei Pfingstkirchen. Organisator dieses vierten, jährlichen Osterkonzerts war die „Stiftung christlicher Unternehmer“. Sie wird angeführt von dem bekannten, baptistischen Mäzenen und Sponsor der Zeitung „Protestant“, Alexander Semtschenko.

Ein weiteres, verwegenes Ereignis ist für Mai 2007 vorgesehen: eine Fahrradtour der russischen Baptisten durch Deutschland mit Endziel Wladiwostok. Ursprünglich hatten die Organisatoren die Absicht, ein Orchesterensemble zur Begleitung der Tour nach Deutschland zu entsenden. Begründung: Einen heißen, christlichen Sound würden die biederen, deutschen Kids nicht ertragen. Ich denke, die deutschen Kenntnisse der protestantischen Szene Rußlands bewegen sich auf ähnlichem Niveau. Wir sind uns noch ferne, und das ist nicht nur geographisch gemeint.

Beide Seiten haben die Aussiedlergemeinden Deutschlands im Kopf und dehnen das auf die Gesamtheit aus. Für uns im Westen stellen die Aussiedler den russischen Protestantismus dar; in ihnen sehen die daheimgebliebenen Russen - Deutschland. Doch wäre es sträflich, das, was sich in den Aussiedlergemeinden tut, auf die Großstädte Rußlands zu übertragen.

Das Gesprochene an diesem Abend umfaßte Begrüßungswort und Applaus für einen orthodoxen Abgesandten des Moskauer Patriarchats. Im Pressegespräch während der Pause bekundeten leitende Vertreter der obengenannten Kirchen guten Willen nach allen Seiten hin - nur kommen tun die säkularen und orthodoxen Journalisten noch nicht.

Zweifellos haben russische Protestanten – wie andere Evangelikale auch - das Eingehen auf die Welt, in der sie sich befinden, noch nicht ausreichend beherzigt. Das Glaubensghetto – nur unter Seinesgleichen fühlt man sich wohl – löst sich nur allmählich auf. Aber Russen haben bereits kapiert, daß der Köder dem Fisch, und nicht dem Angler, schmecken muß . Auf jeden Fall ist die Welt der meisten Aussiedlergemeinden schon meilenweit vom Moskauer Konzert am 8.4. entfernt. Der russische Protestantismus ist nicht mehr dort, wo wir dachten, daß er steckengeblieben war.

Dr. William Yoder
Moskau, den 11. April 2007
Kant50@gmx.de

Als Kommentar ist dieser Bericht nicht als eine offizielle Erklärung der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ zu interpretieren. Veröffentlichung möglich. Meldung Nr. 9, 386 Wörter


Eine Idee, deren Zeit gekommen ist
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Versöhnungsgespräche unter Baptisten in Moskau


M o s k a u - Mit Umarmungen und einer starken Deklaration ging am 16. Februar in der Moskauer Zentrale der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB) die dritte Tagung des „Öffentlichen Rats“ (Obschestwenii Sowjet) der Russischen Baptisten zuende. Gegründet im Juni 2006 auf Initiative der RUECB und der „Assoziation der Brüdergemeinden“ umfaßt dieser Verband neun Kirchen sowie weitere Missionswerke und Initiativen baptistischen Ursprungs. Zur dieser Tagung sind 150 kirchliche Mitarbeiter erschienen – unter ihnen befanden sich 12 Kirchen und Assoziationen.

Im Hinblick auf die Abspaltung der nichtregistrierten Baptistengemeinden (Initiativniki) Anfang der 60er Jahre sprach Pastor Walentin Wasilizhenko (Moskau), Sekretär des Öffentlichen Rats, auf der Tagung wiederholt von „100 gemeinsamen Jahren“ baptistischer Geschichte gefolgt von 40 Jahren einer bis heute anhaltenden Trennung.

Diese jüngste Deklaration des Öffentlichen Rats nennt sich „Aufruf von drei Generationen der Mitarbeiter der ECB“ und ist von der Sorge um die Weitergabe eines gebrochenen Erbes an die künftigen Leiter dieser Kirchen getragen. In der Deklaration versichert die mittlere Generation: „Wir wollen nicht, daß die tragische Trennung, die unseren Vätern anzulasten ist, das Schicksal unserer Kinder, Enkel und Urenkel bestimmt. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um die trennungsverursachte Verletzungen zu überwinden und hinter uns zu lassen.“

Die Generation der Großväter macht in diesem Schreiben deutlich, es sei nicht nur der atheistische Staat gewesen, der den Protestanten Leid zufügte. Eigenes „Mißtrauen und gegenseitige Verurteilungen“ hätten ebenfalls Verwundungen verursacht. „Wir bitten um Verzeihung bei allen, die durch unsere Taten und Worte verletzt worden sind. Wir verzeihen auch alle, die uns durch ihren Betrug, ihre Gewalt, ihre Verleumdung und ihr Unverständnis Schmerz zubereiteten.“ Verschiedentlich wurde die Aufspaltung der Baptisten auf eigene Sünden und eigenes Versagen zurückgeführt. Jewgenii Krawzow (Rybinsk) von der „Brüderschaft unabhängiger Kirchen der ECB“ sprach nicht nur von einer einst „totalitären Kirchenleitung“ sondern auch davon, daß die eigenen Väter der Versuchung Adam und Evas erliegen seien, sich selbst wie Götter aufzuspielen.

Teilnehmer des Treffens äußerten immer wieder ihr Bedauern darüber, daß Schritte zur Versöhnung nicht schon eher gekommen sind. Josef Bondarenko (USA) gab an, seit 30 Jahren um diese Entwicklung gebetet zu haben. „Der Krieg hörte schon vor langer Zeit auf,“ versicherte ein Pastor aus dem südlichen Wladikawkas. Peter Rumachek (Dedowsk), der lange inhaftierte Pastor einer Gemeinde der „Assoziation der Brüdergemeinden“, stellte fest: „Gott hat zu gegebener Zeit den zentrifugalen Kräften Einhalt geboten. Wir sehen nicht mehr nur uns selbst, sondern einander. Der Herr hat gezeigt, daß wir einander brauchen, um seinen Willen erfüllen zu können.“

Doch am Ziel einer umfassenden Versöhnung ist man noch nicht angekommen. Wiktor Abramov, Stellvertreter des Bischofs der russischen Baptisten in Lettland, berichtete, daß die „Krankheit der Nichtvergebung“ weiterhin von brennender Aktualität sei. Ein anderer Teilnehmer versicherte, die Versöhnung unter Baptisten sei begrüßenswert, „aber wir dürfen Pfingstlern und Charismatikern die Tür nicht öffnen“.

Seit ihrer Gründung ist der Öffentliche Rat in seiner Zielsetzung bescheiden geblieben. Peter Mitskiewitsch, Stellvertretender Präsident der RUECB, versicherte: „Es geht uns vor allem um die Einigkeit im Geist und im Verständnis. Das ist eine geistliche Bewegung, keine strukturelle. Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig. Es ist wichtig zu begreifen, daß wir Brüder und Schwestern sind. Wir sind weder Konkurrenten, Klatschtanten noch Neider.“

Im Gründungsschreiben vor 10 Monaten wurde versichert, daß es mit dem Öffentlichen Rat keineswegs um die Schaffung einer „neuen ökumenischen Organisation“ handele. Vielmehr sei eine geistliche Einheit sein Ziel. Obwohl sich der wichtige „Internationale Rat der Kirchen der ECB“ – einst CCECB oder Initiativniki – mit dem Öffentlichen Rat im ständigen Kontakt steht, hat er offiziell nur Beobachterstatus.

Daß es sich um eine Idee handelt, deren Zeit gekommen ist, zeigt sich darin, daß es in der Ukraine bereits ein Pendant gibt. Am 2. und 3. März 2007 tagte an der Christlichen Universität Donezk ein Kongreß, das auf eine seriose Bewertung der geschichtlichen Entwicklungen seid 1945 zielte. Die Tagung hatte die Losung „Sich der gesamten Geschichte erinnern“ (Pomni ves put) und wurde von 230 – auch weitgereisten - Teilnehmern besucht. Auch diese Begegnung zeichnete sich durch innige Umarmungen und Worte der Versöhnung aus. Vertreter der jeweiligen, baptistischen Kirchen beteten öffentlich für das Wohlergehen einer ihnen einst gegnerischen Kirche.

In einem Jahr trifft sich der Donezker Kreis wieder – der Moskauer Öffentliche Rat in diesem Herbst. Der Öffentliche Rat verfügt über eine eigene Webseite in russischer Sprache: „www.bpcr.org“.

Die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten, heute die größte baptistische Kirche Rußlands, vertritt 78.000 getaufte Christen in 1.930 Ortsgemeinden und Gruppen. Generalsekretär der Union ist Pastor Juri Sipko (54).

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 23. März 2007
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Vom Atlantik bis an den Pazifik
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Russische Baptisten wollen von Frankreich bis Wladiwostok strampeln

M o s k a u - Wer ein eigenes Wässerchen aus dem Atlantik in den Pazifik gießen will, darf sich an einer Fahrt der baptistischen Jugend aus Rußland beteiligen. Allerdings müßten Interessenten mit 15.000 harten Kilometern auf dem Fahrradsattel rechnen. Ungefähr vom 13. bis 20. Mai tourt die Fahrradgruppe durch Deutschland, am 2. September will die Mannschaft von 14 männlichen Fahrern plus etwa sechs Begleitpersonen in Wladiwostok ankommen.

Nach dem Tourstart an der französischen Atlantikküste sieht die vorgesehene Reiseroute durch Deutschland die Städte Troisdorf, Kassel, Espelkamp, Porta Westfalica und Berlin vor. In Deutschland will man 150 – 200 km pro Tag zurücklegen. Eine schmissige, russisch-ukrainische Jugendband, der „Lebendige Tropfen“ soll für die Musik bei abendlichen Veranstaltungen in Deutschland sorgen. Über Posen und Warschau geht die Reise dann nach Brest/Weißrußland weiter.

Bei solchen Fahrten sind die russischen Baptisten keine Neulinge. Im Jahr 2005 tourten 24 Gruppen durch 24 russischen Regionen, eine Gruppe von durchtrainierten Sportlern schaffte 2006 die Fahrt von Brjansk nahe der weißrussischen Grenze bis Omsk in Sibirien. Diese Fahrten geschehen im Rahmen des missionarischen Programms „Das Evangelium den Völkern der Welt“. Für die Fahrt nach Wladiwostok ist Leonid Kartawenko (Moskau), Vorsitzender der Heimatmission, verantwortlich.

Auf die Frage, warum russische Baptisten diese Mühen auf sich nehmen, antwortet Katja Kolesinskaja (Moskau), eine Mitarbeiterin der Heimatmission: „Wir möchten vor allem das Evangelium weitergeben und junge Menschen daran gewöhnen, das Wort weiterzusagen. Ungläubigen Jugendlichen wollen wir zeigen, wie ein erfülltes, drogenfreies Leben aussehen kann. Kleinen, versprengten Gemeinden möchten wir Mut machen.“

Zum Deutschlandaufenthalt fragt die Gruppe, ob es Sportler auf dem Cross-Rad gibt, die abends Jugendliche unterhalten könnten. Ein Liegerad würde erst recht in Rußland für Aufsehen sorgen. Noch wird ein Minibus als Begleitfahrzeug in Deutschland gesucht.

Spätestens Ende April werden Termine und die genaue Reiseroute durch Deutschland bekanntgegeben.

Wer mithelfen oder – auch nur für einen Tag - mitfahren will, kann sich in der Moskauer Baptistenzentrale melden. Die Kontaktpersonen sind Katja Kolesinskaja, kolesinskay@gmail.com (Russisch) und William Yoder kant50@gmx.de (Deutsch und Englisch).
Die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten vertritt 78.000 getaufte Christen in 1.930 Ortsgemeinden und Gruppen. Generalsekretär der Union ist Pastor Juri Sipko (54).

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RU ECB
Moskau, den 17. März 2007
baptistrelations@yandex.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 7, 343 Wörter


Treue zu denselben geistigen Werten
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Nationales Gebetsfrühstück findet in Moskau statt

M o s k a u – Beim siebten Frühstück in den letzten 12 Jahren ist am 13. März erstmals ein russisch-orthodoxer Geistlicher als offizieller Abgesandter seiner Kirche auf dem Nationalen Gebetsfrühstück der russischen Protestanten aufgetreten. In seinen Ausführungen vor 250 Geschäftsleuten, Politikern, Pastoren und Journalisten im Moskauer Präsidentenhotel wiederholte Vater Igor Wyzhanow (Moskau), Sekretär der orthodoxen Abteilung für Außenbeziehungen, die meisten Auffassungen seiner protestantischen Vorredner. Er sagte z.B.: Im Einsatz für einen „konstruktiven Konservatismus“ fühlten sich alle Gläubigen Rußlands vereint. Die Aufrechterhaltung zwischenkirchlicher Zusammenarbeit in einer Phase nationalen Niedergangs führte er “auf unsere Einheit in der Treue zu denselben geistigen Werten“ zurück. Auch ein Rabbi kam beim Essen zu Wort; in einem weiteren Beitrag wurden die Muslime zum Partner im Kampf um die Erhaltung moralischer Werte deklariert.

Sergei Rjachowski (Moskau), Bischof der charismatischen „Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelischen Glaubens“ und Mitglied der Vaterlandskammer, meinte, dieser Konsens müsse mehr als nur die leitenden Kirchenmänner vereinen. Im Einsatz für diese Werte dürfe in den Weiten Rußlands nirgendwo ein Pastor oder Geistlicher „erniedrigt werden“.

Im Nachgespräch räumten russische Teilnehmer ein, daß manche Landesleute den von der Orthodoxie angeführten Kampf gegen einen Liberalismus westlicher Prägung als das Aufspringen auf einen längst abgefahrenen Zug werteten.

Zur allgemeinen Entwicklung des Gebetsfrühstücks meinte der Baptistenpastor Witali Wlasenko (Moskau), Vorstandsvorsitzender der Stiftung Nationales Gebetsfrühstück: „Wir kommen stets voran. Noch nie waren so viele Politiker und Repräsentanten des öffentlichen Lebens präsent. Doch die Hauptsache ist nicht, wer kommt, sondern, daß die Gesellschaft die Stimme der Protestanten wahrnimmt. Die Menschen Rußlands müssen von unserem Anliegen, unserem Tun und unserer Liebe erfahren. Sie müssen wissen, daß auch wir Rußland verbessern wollen. Wir sind keine Ausländer – auch wir bilden russische Kirchen.“

Die Stiftung ist unabhängig von den mehr als 60 anderen nationalen Frühstücken der Welt und möchte das Frühstück als ein bewußt protestantisch geführtes Ereignis fortführen. Doch das Frühstück ist nicht mehr das einzige Standbein der Stiftung. Konzerte und eine Feierstunde zum Sieg über den deutschen Faschismus sind ein Ausdruck des Wunsches der Stiftung, einen loyalen und patriotischen Protestantismus darzustellen. Die erste solche protestantische Feierstunde fand an der Kremlmauer am 9. Mai 2006 statt.

Langsam springt der Funken auf andere Orte über: Am 14. März fand zum zweiten Mal ein regionales Gebetsfrühstück in Kransnojarsk/Sibirien statt; das erste ukrainische Gebetsfrühstück überhaupt wurde für den kommenden November angesagt. Auch Moldowa zeigt deutliches Interesse an einem solchen Ereignis.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB (Baptisten)
Moskau, den 20. März 2007
baptistrelations@yandex.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Ausnahmsweise keine offizielle Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 6, 388 Wörter


Unentschlossen aber offen
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Russische Baptisten vertreten die protestantischen Kirchen in einem ökumenischen Gremium

M o s k a u – Bei den Moskauer Beratungen der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) am 27. und 28. Februar wurde beschlossen, daß Baptisten die russischen Protestanten im wiederentstandenen „Christlichen Interkonfessionellen Beratungskomitee“ (Christian Inter-Confessional Advisory Committee – CIAC) vertreten werden. Dieses Komitee der KEK soll die Kommunikationswege zwischen den Kirchen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion vereinfachen und gemeinsame, interkonfessionelle Stellungnahmen zu ethischen und gesellschaftlichen Fragen ermöglichen.

Diese Zusammenwirkung ist ein Indiz für die Bereitschaft der Russischen Orthodoxie, die anderen christlichen Konfessionen als Partner im Streben um die Wiedergeburt christlichen Glaubens und christlicher Werte in Zentral- und Osteuropa zu akzeptieren. Kyrill, der Metropolit von Smolensk und Kaliningrad, wird die russische Orthodoxie in der dreiköpfigen Leitung dieses Gremiums vertreten; ein katholisches und ein baptistisches Mitglied werden bald ernannt.

Pastor Witali Wlasenko (Moskau), Beauftragter für die Außenbeziehungen der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), erklärt: „An ökumenischen Aktivitäten sind wir nicht maßgebend beteiligt. Wir wollen mitmachen, aber wir brauchen Zeit. Wir schauen zu und werden manche weiteren Entwicklungen in der KEK abwarten. Für uns haftet an der KEK und am Genfer Weltrat der Kirchen der Ruf, theologisch liberal zu sein, und es ist klar, daß wir nicht handeln können ohne Einvernehmen mit unserer Kirchenleitung in diesen Fragen. Wir bleiben unentschlossen aber offen.“

Diese Konferenz im Moskauer Pilgerzentrum der russischen Orthodoxie, die Kirchen aus allen GUS-Staaten und dem Baltikum umfaßte, verstand sich als ein Vorbereitungstreffen für die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung, die vom 4. – 9. September in Sibiu/Rumänien stattfindet. Die Russischen Baptisten erwägen, sich an der Ökumenischen Versammlung in Rumänien zu beteiligen. Schon bei der letzten Ökumenischen Versammlung in Trondheim/Norwegen 2003 waren die russischen Baptisten – wie auch andere baptistische Unionen, die nicht dem Weltrat angehören – vertreten.

Die 1959 gegründete KEK ist eine Gemeinschaft von 126 Kirchen aus allen europäischen Staaten.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 2. März 2007
baptistrelations@yandex.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 5, 284 Wörter


Einheitlicheres Denken und Wollen erwünscht
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Pastoren aus der kalifornischen Saddleback-Gemeinde besuchen Rußland


M o s k a u – In der Woche vom 13.-17. Februar besuchten zwei Pastoren der kalifornischen Saddleback-Gemeinde, Mark Carver und Dave Arnold, Moskau und Sankt Petersburg. Dort lernten sie leitende Vertreter der Union der Evangeliumschristen-Baptisten kennen. Damit folgten sie einer Einladung, die Pastor Juri Sipko, Präsident der Russischen Union, vor einem Jahr in ihrer Gemeinde aussprach. Nun wird daran gedacht, im Herbst dieses Jahres eine größere Konferenz in Rußland zu den besonderen Anliegen der Saddleback-Gemeinde durchzuführen.

Der Moskauer Pastor Witali Wlasenko, Leiter der baptistischen Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen, erläutert: „Wir in Rußland haben nicht alle Aspekte des Evangeliums betont. Manchmal fehlte uns das Ausbuchstabieren der Nachfolge. Zu selten wurden Leben wirklich verändert. Jeder tut und denkt was er für richtig hält. Wir brauchen ein einheitlicheres Denken und Wollen. Wir müssen genauer erfahren, wer wir sind und was wir zu tun und zu lassen haben.“

Die 1979 von Rick Warren in Lake Forest/Kalifornien gegründete Saddleback-Gemeinde wird jeden Sonntag von rund 22.000 Menschen besucht. Warrens bekannteste
Buch, „Leben mit Vision“, ist auch in Deutschland erschienen. In den USA hat es eine Auflage von 11 Millionen erreicht. Eine russische Fassung wurde ebenfalls verlegt und hat bereits Veränderungen im Gebiet Krasnodar bewirkt.

Die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten vertritt 78.000 getaufte Christen in 87 Gemeindebezirken, die sich in 1.930 Ortsgemeinden und Gruppen versammeln. Die Landeszentrale befindet sich in 117105 Moskau, Warschawskoje Schosse 29, Korpus 2.

Dr. William Yoder
Moskau, den 28. Februar 2007
baptistrelations@yandex.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 4, 225 Wörter


Filme zu sozialen Themen gesucht
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Petersburger Filmforum beginnt am 30. März


M o s k a u – Ein russisches Filmforum sucht bis zum 1. März hochwertige Filme mit einer sozial-diakonischen Ausrichtung, die nicht vor 2003 gedreht worden sind. Vom 30. März bis 8. April 2007 findet in St. Petersburg zum zweiten Mal „Wremja zhits“ (Zeit zum Leben), das erste größere, internationale Filmforum Rußlands zu sozialen Themen statt. Das Forum richtet sich an Menschen unterhalb von 30 Jahren und befaßt sich mit Fragen wie Drogen- und Alkoholmißbrauch, Aids, Prostitution, Rauchen, Kinderverwahrlosung und Armut. Beim ersten Forum vom 31. März bis 9. April 2006 waren 120 Filme aus 20 Ländern von China bis USA im Angebot; es gaben in Petersburg 38 Vorführungen. Zum ersten Forum waren 24.000 überwiegend junge Menschen erschienen; bis zum 20. April kamen weitere 10.000 hinzu.

Das 10-tägige Ereignis bietet mehr als nur Dauerkino. Im Zusammenhang mit dem Forum finden Konzerte, Seminare und Gesprächsforen mit Filmemachern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens statt. Man will prophylaktisch handlen. Beim ersten Forum gab es eine Kunstausstellung und einen Tag mit Sportlern zum Thema gesundes Leben.

Für diese Thematik erscheint St. Petersburg wie geschaffen: Neben sehr hohen Suchtkrankheitsziffern gibt es Kommunalpolitiker, Universitäten und nichtstaatliche Organisationen, die sich der sozialen Frage verpflichtet wissen. Koordinator Alexander Belenkii (Moskau) erzählt: „Mit dem Beschaffen von Geld wird es immer sehr schwierig, doch im vergangenen Jahr hat uns die Petersburger Stadtverwaltung viel Werbung gespendet und uns eins der größten Kinos der Stadt zur Verfügung gestellt.“ Bisher mußte das Forum ohne bezahlte Mitarbeiter auskommen. Angebotene Filme werden ohne Gage vorgeführt – doch immerhin bringt der erste Preis eine Belohnung von 5.000 Euro mit sich. Der beste Kurzfilm im vergangenen Jahr war der 2005 in Deutschland erschienene Streifen „Leroy Cleans Up” von Armin Velkers. Auch Stefan Spielberg hatte Filme angeboten.

Nach Abschluß des Forums wurde viel Wert auf die Vorführung der besten Filme im ganzen Lande gelegt. Meistens im Zusammenhang mit Seminaren und Gesprächsforen wurden die 2006 ausgezeichneten Filme u.a. in Moskau, Rostow-na-Donu, Jaroslawl, Krasnojarsk und sogar bis Chabarowsk und Sachalin in Fernost gezeigt.

Belenkii gibt an, daß Filme eindeutig evangelistischen Charakters – den Film „Jesus“ z.B. - im heutigen Rußland meistens vor geschlossen Türen stehen. Der Zugang zu Schulen wird immer schwieriger – doch Gefängnisse und Erziehungsanstalten bleiben für ein erzieherisches Filmangebot offen. Aus diesen Gründen beruft sich das Forum auf die allgemeinen, geistigen und moralischen Werte. Das hat den Vorteil, daß nicht nur Orthodoxe, sondern auch Rabbiner und Muftis sich beteiligen. Die Forumsleitung ist in charismatischen und baptistischen Kreisen verankert. Dennoch gibt der Petersburger Metropolit Wladimir dem Forum seinen Segen und sorgt dafür, daß sich orthodoxe Geistliche beteiligen.

Präsident des Forums ist W. I. Cholodow (St. Petersburg); Koordinator ist der Moskauer Baptist und klassische Schlagzeuger Alexander Belenkii. Angebote und Anfragen sind zu richten an: Forum Time to Live, Ul. Karavannay 12, 190011 St. Petersburg, Rußland, Tel/Fax 007-812-572-1063, 007-950 027 1058 oder 007-917 539 2925 in Moskau, E-mail: newvolna@inbox.ru“, Webseite: http://Time-to-live.ru.

Dr. William Yoder
Moskau/Berlin, den 13. Februar 2007
kant50@gmx.de

Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben.
Meldung Nr. Y-3, 470 Wörter


Ein neues Gesicht nach außen und innen
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Russische Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen neu entstanden


M o s k a u - Im 140. Geburtsjahr der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten verändert sich nicht nur das äußere Gesicht ihrer Moskauer Zentrale. Das hat auch ein inhaltliches Pendant: Im Oktober 2006 wurde eine Abteilung neu belebt, die in der Ära von Perestroika eingestellt worden war: die Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen. Ihr Direktor, der Moskauer Pastor Witali Wlasenko ist überzeugt: „Wenn wir Baptisten zueinander finden und unsere Ressourcen quer über alle europäischen Grenzen hinweg teilen, können Synergieeffekte entstehen, die dem gesamten Reich Gottes zugute kommen!“

Diese neubelebte Abteilung teilt sich in drei Arbeitsbereiche auf: Der diplomatisch-repräsentative Bereich will die Aktivitäten und Auffassungen der Union nach innen und außen hin bekanntmachen. Er will wesentlich zum Ausbau der interkirchlichen Beziehungen im In- und Ausland beitragen.

Ein zweiter Arbeitsbereich verpflichtet sich dem Informationsaustausch mit anderen Kirchen und Ländern. Mit Veröffentlichungen und Pressegesprächen will er um Vertrauen für die Anliegen der evangelischen Christenheit in Rußland werben. Schließlich machen die evangelischen Christen weiterhin weniger als ein Prozent der russischen Bevölkerung aus.

Ein dritter Arbeitsschwerpunkt ist der rechtliche Schutz der Interessen des Bundes auf den Gebieten von Eigentum und Finanz. Es gilt ferner, die Glaubensfreiheit in der Gesellschaft zu verteidigen.

Abteilungsleiter Witali Wlasenko (37) war von 1993 bis 2006 Direktor des russischen Zweigs von Campus Crusade/Young Life. Zuständig für Rechtsfragen ist seine Mitarbeiterin Jewgenia Kuschnir. Beide Mitarbeiter sind des Englischen mächtig, doch offiziell zuständig für die Medienarbeit in deutscher und englischer Sprache ist der Deutsch-Amerikaner Dr. William Yoder. Die Telefon- und Faxnummer der Abteilung lautet: 007-495-954-9231 bzw. „vitaly.vlasenko@promail.ru“.

Die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten vertritt 78.000 getaufte Christen in 87 Gemeindebezirken, die sich in 1.930 Ortsgemeinden und Gruppen von Kaliningrad bis Wladiwostok versammeln. Generalsekretär der Union ist Pastor Juri Sipko (53). Die Landeszentrale befindet sich in 117105 Moskau, Warschawskoje Schosse 29, Korpus 2.

Dr. William Yoder
Moskau, den 23. Januar 2007
kant50@gmx.de

Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben.
Meldung Nr. Y-2, 290 Wörter


Gemeinsam für den Schutz traditioneller, religiöser Minderheiten
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Zweites Spitzengespräch zwischen Orthodoxen und Baptisten in Moskau

M o s k a u – Ein gemeinsames Kommunique der russischen Orthodoxen und Baptisten zählt „Fürsorge für die nationalen und traditionellen, religiösen Minderheiten“ zu den Werten, die alle Christen Rußlands zu vertreten hätten. So verlautete es nach einem zweiten Spitzengespräch zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) im orthodoxen Moskauer Pilgerzentrum am 20. Dezember. Baptisten zählen zu diesen „traditionellen, religiösen Minderheiten“. Mit Berufung auf die Menschenrechte ruft das Dokument ebenfalls zum „Widerstand gegen Verbrechen aus religiösen oder nationalistischen Gründen“ auf. Gewisse Werte sollten kirchlicherseits auch gegen die Vorhaltungen der „politischen Korrektheit“ verteidigt werden. Das Schreiben verweist auf die gemeinsame Leidenszeit im Kommunismus.

Das Gespräch, das unter der Gesamtüberschrift: „Die Richtigkeit der traditionellen christlichen Werte und die Freiheit des Gewissens“ stattfand, wohnten jeweils 20 Vertreter der beiden Kirchen bei. Die Delegationen wurden von Kyrill, Metropolit von Smolensk und Kaliningrad, und Juri Sipko (Moskau), Generalsekretär der RUECB, angeführt. Die Vortragenden auf baptistischer Seite waren Sipko, Michael Iwanow (Moskau), Leiter der Abteilung für Theologie und Katechetik, und der Jurist Alexander Ptschelinzew (Moskau) Redakteur der Zeitschrift „Religion und Recht“.

Bei der Fortsetzung des Gesprächs am Nachmittag waren die Theologen fast unter sich. Pastor Witali Wlasenko (Moskau), neuer Beauftragter für die Außenbeziehungen der RUECB, berichtet, daß diese zweite, vertraulichere Runde von einer herzlichen, mit Humor gespickten Atmosphäre gekennzeichnet war. Zu dieser guten Stimmung trug nicht zuletzt der Metropolit selbst bei.

Das Dokument endet mit der Empfehlung, das begonne Gespräch fortzusetzen. Das dritte Gipfelgespräch ist schon für Feburar 2007 vorgesehen. Das erste Gespräch fand im April 2004 statt.

Dr. William Yoder
Moskau, den 22. Dezember 2006
kant50@gmx.de

Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben.
Meldung Nr. Y1, 253 Wörter

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