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Nachrichten 2008

Ein Gläubiger, der an Wunder glaubt
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Ein baptistischer Geschäftsmann in Usbekistan


Reportage

M o s k a u -- Dmitri Pitirimov, ein baptistischer Laienpastor und gelernter Computerprogrammierer, hält es für ein Wunder, wenn sich im heutigen Usbekistan ein erfolgreicher, christlicher Geschäftsmann behaupte. In einem Gespräch in Berlin Anfang Dezember meinte er: „Ohne Wunder bleibt der Geschäftserfolg aus. Aber wir sind Gläubige, und die Gläubigen glauben an Wunder, nicht wahr? Wenn wir im Glauben etwas versuchen, bleiben uns alle Türen offen.“

Im Jahre 1989, drei Jahre vor Pitirmovs Bekehrung, traf ein US-Amerikaner in Taschkent ein. Rasch gründeten die beiden eine Firma für den Computervertrieb. Sie waren besonders zeitig ins Geschäft eingestiegen: Sie waren sogar das erste US-usbekische Joint Venture im damals noch sozialistischen Usbekistan. Das Geschäft lief sehr gut. Doch 1991 ging die Bank unter, in der der Gewinn deponiert worden war. Der usbekische Baptist gibt zu: „Das war ein erheblicher Geldbetrag, der uns für immer verloren ging.“

Der Amerikaner kehrte nach Hause zurück und 1995 gelang es Pitirimov, in Taschkent ein offizielles Reisebüro zu öffnen. Das war eine natürliche Entwicklung, denn er hatte bereits Jahre damit verbracht, für kirchliche und geschäftliche Besucher aus dem Westen als Gastgeber zu fungieren. Er erzählt: „Wir hatten bereits für viele Gäste gedolmetscht. Für manche hatten wir Wohnraum und sogar Lebensmittel besorgt. Wir halfen vielen größeren Firmen Usbekistans auf die Beine. Ich bin im Herzen ein Programmierer geblieben, doch die Tourismusindustrie spielt sich auch größtenteils im Internet ab.“

Diesem Baptisten gelingt es nicht, zwischen Glaube und Geschäft zu trennen. Er betont, daß seine fünfköpfige Reisebüromannschaft nur mit Kunden zu tun habe, die aus moralisch vertretbaren Gründen nach Usbekistan einreisen. „Wir weigern uns, mit Touristen zusammenzuarbeiten, die dorthin kommen, um Wodka zu trinken oder sich mit der Prostitution zu beschäftigen. Ihr Geld brauchen wir nicht. Also sind viele unserer Klienten Mehrfachkunden – viele sind auch Christen.“ Siehe ihre Webseite: “www.parus87.com”.

Der Geschäftsmann glaubt ferner an die Einheit aller Christen: „Ich gehe nicht davon aus, daß wir uns auf ein gemeinsames Haus einigen könnten. Aber wir können uns einig sein im Streben um eine bessere Zukunft für uns Land.“ Dabei berief er sich auf Kolumbien/Südamerika, wo der geschlossene Protest der Gläubigen zu einer dramatischen Abnahme staatlicher Korruption geführt habe.

Als Geschäftsmann hat Dmitri Pitirimov harte Schläge einstecken müssen – seine Kirche ebenfalls. So viele russischsprachige Baptisten haben Usbekistan verlassen, daß die Kirche heute im wesentlichen aus einer neuen Generation bestehe, „die erst in den 90er Jahren hinzustieß“. Es gibt in den Gemeinden wenige ethnische Usbeken, und die wenigen Gemeinden, in denen sie die Mehrheit bilden, „bekommen vom Staat viele Schwierigkeiten. Wenn also Usbeken den Weg zur Gemeinde finden, halten sie die Tatsache meistens geheim.“
Dennoch bleibt der Geschäftsmann ein unverbesserlicher Optimist. „Es mag einem merkwürdig vorkommen“, räumt er ein, „aber ich halte nur eine positive Zukunft Usbekistans für denkbar. Ich werde weiterhin dort leben und wünsche auch meinen Enkelkindern eine glückliche Zukunft. Wir werden beten und den Kampf gegen die Korruption fortsetzen. Wir werden das Evangelium verkünden und auch das wird unser Land zum Besseren hin verändern.“ Er fährt fort: „Das Hauptproblem ist unsere Angst, und aus der Angst ergibt sich Passivität. Doch wenn einer an Jesus Christus glaubt, gibt es keinen Grund, ängstlich zu sein.“

Der weitere Verbleib in Usbekistan ist auch das Ergebnis des Glaubens an die Verheißungen Gottes. Pitirimov erinnerte sich: „Im Jahre 1993 stellte ich mir die Frage: ‚Warum emigrieren Russen nach Amerika während die Amerikaner nach Usbekistan ziehen, um das Evangelium zu verkünden?’ Wenn auch ich gehen würde, müßte das heißen, daß ich mit meinem Einkommen oder dem Sicherheitsstand unzufrieden wäre. Aber ich wünsche mir nichts anderes – ich bin zufrieden.“ Dabei hat der Geschäftsmann eine Absprache mit Gott getroffen: Wenn er Brot habe und über die Freiheit verfüge, das Evangelium weiterzusagen, ziehe er nirgendwo sonst hin. „Ich will dort bleiben, wo Gott versprochen hat, mich mit dem Notwendigen zu versorgen.“

Der Baptist gibt an, daß alle körperlich Tüchtigen in seiner kleinen Gemeinde von 30 Mitgliedern über eine Arbeitsstelle verfügen. „Wenn einer ohne Arbeit ist, beten wir darum, daß er eine Stelle finden möchte. Wir meinen, Gott hat eine Arbeit für jeden – daß du ihn finden kannst und Er dich mit dem Nötigen ausstatten wird.“ Dabei betont er, daß seine Gemeinde durchaus imstande sei, sich selbst zu finanzieren.

In Sommerlagern erkennt Pitirimov eine einmalige Chance, die Jugend mit christlichen Werten bekanntzumachen. Obwohl es nur ein paar Tausend Baptisten in Usbekistan gibt, führen sie ein Sommerlager durch, das aus acht Einheiten mit jeweils 70 Kindern besteht. Der Lagerleiter stellt fest: „Kids brauchen das Gefühl, wertvoll zu sein und in der Lage, Beachtliches zu leisten. Wenn sie ihre Gaben nicht realisieren können, um Gutes zu vollbringen, setzen sie die Gaben ein, um das Böse zu realisieren. Die Kinder sind eben das wundervollste Geschenke, das wir überhaupt besitzen.“

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 26. Dezember 2008
baptistrelations@yandex.ru
www.baptist.org.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-59, 780 Wörter.


Starke Familien statt starke Kirchengebäude
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Gedanken von Dr. Denton Lotz nach Besuchen in der UdSSR und Rußland im Laufe von 49 Jahren

M o s k a u – Trotz gravierender sozialer und wirtschaftlicher Mißstände ist Dr. Denton Lotz (Forestdale, Massachusetts/USA), der pensionierte Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes, optimistisch bezüglich der Zukunft der russischen Baptisten. Lotz, der von 1988 bis 2007 als Generalsekretär diente, besuchte von 12. bis 15. Dezember die Feierlichkeiten zum 15. Jubiläum des Moskauer Theologieseminars (MTS) und zum 40. Jubiläum des auf Fernstudium ausgerichteten Moskauer Bibelinstituts. Pastor Lotz, der im Dezember 1959 der Sowjetunion den ersten seiner fast unzähligen Besuche abstattete, wies darauf hin, daß viele Fragen, mit denen die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) heute konfrontiert sei, die Protestanten in sehr vielen Ländern zu schaffen machten. Zu ihnen zählten der Generationskonflikt sowie das Mißtrauen, das Ortsgemeinden und regionale Stellen einem zentralen, nationalen Bund entgegenbringen.

Im raschen Anwachsen baptistischer Gemeinden in der Megastadt Moskau sieht Denton Lotz einen Grund für Optimismus und Dankbarkeit. „Noch 1989 gab es in Moskau nur eine einzige Baptistengemeinde; nun gibt es 26. Die Freiheit traf ein und brachte viele Veränderungen mit sich.“ Da es dem MTS gelungen sei, eine Reihe autonomer Hochschulen in Filialen seiner eigenen Einrichtung zu verwandeln, schreibt er dem Seminar eine führende, einigende Rolle bei der Festigung der RUECB zu. „Vor 20 Jahren arbeiteten viele unserer Gemeinden ausschließlich mit überkonfessionellen Missionen zusammen, was der Einheit der Union schadete. Doch inzwischen sind die meisten überkonfessionellen Gruppen nach Hause zurückgekehrt. Ich meine, daß die neue Seminarführung unter Leitung von Dr. Peter Mitskewitsch stark zur Einheit beigetragen hat. Studenten treffen aus allen Regionen des Landes ein und das gemeinsame Studieren vermittelt ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Die russischen Baptisten entwickeln ihre eigenen Theologen und Lehrer und diese Menschen können besser auf die Fragen eingehen als Außenstehende, die häufig den Kontext und Kultur Rußlands nicht verstehen.

Lotz ist beeindruckt vom neuen Ansatz in der theologischen Ausbildung der russischen Baptisten. Dem MTS sei es gelungen, Hochschulen mit einer Gesamtzahl von 400 bis 500 vollzeitigen und externen Theologiestudenten unter einen Hut zu bringen. Zutreffend auch im Weltmaßstab sei der Umstand, daß die Absolventen theologischer Seminare oftmals außerstande seien, vollzeitige Arbeitsstellen mit einem vollständigen Gehalt für die Versorgung einer Familie zu finden. Der zweiberufliche Pastor mit einer teilzeitigen Stelle im säkularen Bereich hält er für das verheißungsvollste, längerfristige Modell. Bereits zu Sowjetzeiten seien Baptistenpastoren gleichzeitig in mehreren Berufen tätig gewesen.

Dr. Lotz legte den Baptisten Rußlands nahe, ihre traditionellen Stärken zu pflegen – bei der Größe und Zahl orthodoxer Kirchenbauten würden sie niemals mithalten können. „Nach der Perestroika begannen wir damit, uns die Mentalität der Orthodoxen anzueignen. Eine Kirche mußte groß sein und wie eine uralte Kirche aussehen. Also wurden unsere Bauprojekte manchmal zu extravagant und zu ehrgeizig. Wir sollten deshalb einem anderen Kirchenmodell nacheifern,“ betonte Pastor Lotz. „Die Kirche als Leib Christ stellt mehr als nur ein Gebäude dar. Das ist unser evangelisches Verständnis von Kirche. Zu kommunistischen Zeiten wurde der Staat immer wieder von der moralischen Stärke der Baptisten überrascht. Das Gleiche gilt noch heute. Die russischen Baptisten verfügen weiterhin über ein hervorragendes Zeugnis durch die Hervorkehrung ihres starken Familienlebens.“ Der Gast fügte hinzu, daß die russischen Baptisten stärker als westliche Baptisten den evangelistischen Eifer verinnerlicht hätten. Im Gegensatz zu Teilen der Welt, in denen die Baptisten die Mehrheit stellten, blieben die Baptisten Rußlands eine kleine, alternative Minderheit, die sich auch aus diesem Grunde mühelos von der Allgemeinheit absetzen und einen biblischeren Lebensstil anbieten könne.

In einem Beitrag am Seminar riet Denton Lotz den versammelten Baptisten, gegenüber der charismatischen Bewegung Geduld walten zu lassen. Er merkte an, daß manche Pfingstkirchen wie die 1914 gegründete „Assemblies of God“ inzwischen starke Ähnlichkeiten mit den Baptisten in Theologie und Praxis auswiesen und oftmals nicht mehr darauf bestünden, daß alle in Zungen redeten. Er meint, die dritte Generation der Kirchenglieder kehre nicht selten zu den Praktiken der ursprünglichen, größeren Kirche vor deren Aufspaltung zurück.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt heute rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 18. Dezember 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-58, 647 Wörter.


Dem Patriarchen für seine Herzlichkeit danken
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Russische Baptisten geben dem Patriarchen Alexei II. das letzte Geleit

M o s k a u – Pastor Juri Sipko, Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten” (RUECB), und Pastor Witali Wlasenko, Abteilungsleiter der RUECB für kirchliche Außenbeziehungen, gehörten zu den rund 500 geladenen Gästen, die in einer Moskauer Prozession an einem verregneten 9. Dezember Alexei II., dem Patriarchen der Russischen Orthodoxen Kirche, das letzte Geleit gaben. „Uns war es wichtig, dem Patriarchen gegenüber unsere Pflicht zu tun - wir mußten uns für seine Herzlichkeit revanchieren“, erklärte Wlasenko. „Er redete sehr freundlich mit uns und erwiderte stets auf unsere Grüße mit den Worten: ‚Möge Gott Sie segnen’.“

Beim anschließenden Empfang bezeichnete der russische Präsident Dmitri Medwedew die Bemühungen um das interkonfessionelle Gespräch als ein besonderes Verdienst des Verstorbenen. Premierminister Wladimir Putin fügte hinzu, daß im heutigen Rußland Staat und Kirche tatsächlich getrennt seien. „Wir Baptisten sind mit einer neuen Realität konfrontiert“, meinte Wlasenko in einem späteren Interview. „Diese Fortschritte sind u.a. auch Alexei zu verdanken. Wir befinden uns erstmals in einem Staat, der sich zur konfessionellen Neutralität bekennt und wir müssen die Chancen nutzen, die diese Lage uns bietet. Der gegenwärtige Stand unterscheidet sich wesentlich von der zaristischen oder kommunistischen Ära. Wir wissen zwar nicht, was in Zukunft noch auf uns zukommt, doch das ist unsere jetzige Ausgangslage.“ Russische Lutheraner, Charismatiker, Pfingstler und Adventisten gehörten ebenfalls zu den geladenen Gästen.

Wlasenko räumte ein, daß manche orthodoxen Würdenträger in den Regionen Baptisten und andere Protestanten schlecht behandelten. Doch er ist der Überzeugung, wenn sie sich auf repressive Maßnahmen gegen Andersgläubige einließen, verstößen sie gegen staatliche Gesetze und nicht zuletzt gegen die Prinzipien religiöser Toleranz, die ihr Patriarch propagierte.

Im Westen hat die Russische Orthodoxe Kirche zahlreiche Widersacher. An solche Personen richtete der baptistische Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen die Bitte, sie mögen nicht vergessen, daß der orthodoxe Patriarch von den führenden Christen Rußlands respektiert werde. „Wir Protestanten gehören einer sehr großen, christlichen Familie an. Wenn der Patriarch für christliche Moralvorstellungen eintritt, spricht er auch für uns. Wir sind ein selbständiger Kirchenbund, aber wir sind auch Russen und können uns deshalb nicht völlig abkapseln.“

Pastor Tony Peck (Prag), Generalsekretär der Europäischen Baptistischen Föderation, und Pastor Neville Callam (Falls Church/USA), Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes, ließen der Russischen Orthodoxie Kondolenzschreiben zukommen. Der neue Patriarch soll am 28. oder 29. Januar 2009 gewählt werden; er wird am 1. Februar in sein Amt eingeführt.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt heute rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 11. Dezember 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-57, 398 Wörter.


Ein Stifter von Frieden und Verständigung
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Russische Baptisten bedauern das Ableben von Alexei II.

M o s k au – Nur Stunden nach dem Ableben von Alexei II., dem orthodoxen Patriarchen von Moskau und ganz Rußland, am 5. Dezember, erschien ein Kondolenzschreiben auf der Webseite der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB). In diesem Brief lobt der Unionspräsident Juri Sipko den Patriarchen wegen seiner „umfassenden, einigenden Rolle bei der Stiftung von Frieden und Verständigung in der Stunde der Not der russischen Gesellschaft in den 90er Jahren. In jenen Jahren war die Stimme der Russischen Orthodoxen Kirche eine Stimme der Versöhnung und Hoffnung. Wir schätzen sehr den Mut und die Festigkeit, die der Patriarch Alexei II. erwiesen hat bei der Schaffung des Neuen Rußlands.“ Damit wird Bezug genommen u.a. auf seine Rolle während des Putschversuchs im August 1991. Damals hatte der Patriarch entschieden für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit Partei ergriffen und sowohl Michael Gorbatschow wie Boris Jelzin seine Unterstützung zukommen lassen.

Pastor Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchlichen Außenbeziehungen bei der RUECB, wurde am 7. Dezember vom bekannten Moskauer Sender NTV interviewt. Zu diesem und anderen Anlässen hat Wlasenko dem verstorbenen Patriarchen wegen seiner mutigen, wenn auch immer wieder umstrittenen Haltungen in moralischen Fragen gelobt. Ein Beispiel hierfür war eine Sitzung der Parlamentarischen Versammlung der Europäischen Union in Straßburg am 2. Oktober 2007. In jener Rede bzw. in der Aussprache danach geißelte Alexei die Homosexualität als Sünde und warnte, daß ein allzu umfassendes Verständnis von individuellen Rechten und Toleranz die christliche Moral unterminieren könne. In ihrer Pressemeldung vom 15. Oktober 2007 stimmte die RUECB Alexei zu und sagte ferner, daß „christliche Moralvorstellungen im öffentlichen Leben hochgehalten und unterstützt werden müssen“. Beide waren sich einig, daß dem Christentum ein gebührender Platz im öffentlichen Raum zugestanden werden müsse.

Wlasenko, der sich nicht selten mit Alexei traf, pries seine Bemühungen um die Fortsetzung des interkonfessionellen Dialogs. Erst am 2. Oktober hatte nach fast siebenjähriger Unterbrechung das aus Orthodoxen, Baptisten und Katholiken bestehende „Christliche Interkonfessionelle Beratungskomitee“ (Christian Inter-Confessional Advisory Committee – CIAC) erneut getagt. Alexei spielte auch eine entscheidende Rolle bei der Verwirklichung des orthodox-baptistischen Dialogs, der u.a. zwei theologische Konsultationen Ende 2006 und Anfang 2007 umfaßte. Bei einer Begegnung mit Neville Callam, dem Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes, in Moskau am 18. Juni hatte sich der Patriarch für eine Fortsetzung dieser Konsultationen in der absehbaren Zukunft ausgesprochen.

Pastor Wlasenko fügte hinzu: „Der Patriarch hatte eine sehr elegante und warme Art. Er redete immer äußerst freundlich mit uns und hat sich stets an uns Baptisten erinnert. Wir hatten das Gefühl, er verkörpere in seiner Person die christliche Weisheit der Jahrtausende. Wir hoffen sehr, daß sein Nachfolger den Weg der Verständigung zwischen unseren beiden Kirchen fortsetzt. Das ist der Weg, den Alexei selbst eingeschlagen hatte.“

Erste Anzeichen sind hoffnungsvoll. Vorläufiges Haupt der Kirche bis zur Wahl des neuen Patriarchen ist Kirill, Metropolit von Smolensk und Kaliningrad sowie Leiter des orthodoxen Außenamtes. Kirill hat sich schon häufig mit leitenden, russischen Baptisten getroffen und führte die orthodoxe Delegation bei den genannten orthodox-baptistischen Konsultationen an.
Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 8. Dezember 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-56, 478 Wörter.

Erstaunlich gute Beziehungen
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Die Baptisten in Moldawien und Transnistrien

M o s k a u – Erstaunlicherweise sind die Beziehungen der Baptisten zum Staat besser in Transnistrien - die schmale, 202 km lange Landzunge, die sich 1990 von Moldawien abspaltete – als im großen Moldawien. Das zwischen Moldawien und der Ukraine eingezwängte Transnistrien ist eng mit Rußland liiert. Valeriu Ghiletchi (Kischinau), Präsident der „Union der christlich-evangelischen Baptistenkirchen Moldawiens“, erläutert: „Igor Smirnow, der Präsident von Transnistrien, schickt Briefe an unsere Führung. Wenn Treffen mit religiösen Leitern geplant sind, werden auch wir eingeladen. Einmal bei einer öffentlichen Veranstaltung hob Smirnow die Baptisten als lobenswertes Beispiel hervor.“ Wladimir Woronin, der kommunistische Präsident Moldawiens, ist mit dem Moskauer Patriarchat eng verbunden.

Das Ende 2007 verabschiedete Religionsgesetz hat das Leben der moldawischen Protestanten weiter erschwert. Ghiletchi berichtet: „Wir haben noch relativ viel Freiheit, aber das neue Gesetz ist nicht das, was wir uns gewünscht hätten. Es räumt der Orthodoxie eine Vorrangstellung ein und erweitert die Definition des Proselytismus. Wenn der Staat es will, könnte er nun dem Evangelisieren viele Restriktionen auferlegen.“

Moldawien verfügt über zwei orthodoxe Großkirchen: eine dem Moskauer Patriarchat angehörende Russische Orthodoxe Kirche sowie eine mit Rumänien liierte Bessarabische Orthodoxe Kirche. Obgleich die bessarabische Kirche vom Moskauer Patriarchat behindert wird und kaum im Gebiet Transnistriens vertreten ist, fühlen sich beide Kirche für das gesamte Gebiet Moldawiens zuständig. Auch Baptisten erkennen die politische Trennung nicht an: Ihre Gemeinden in Transnistrien bilden einfach einen ihrer neun Landesverbände. Der baptistische Präsident Gesamtmoldawiens erläutert: „Unser Landesverband in Transnistrien ist dort gesondert zugelassen, aber in der baptistischen Verfassung bleiben alle neun eine Einheit. Uns ist es sehr wichtig, daß wir weiterhin eine einzige brüderschaft¬liche Union bilden.“ Das Passieren der Grenze nach Transnistrien ist zum Alltag geworden; kompliziert wird es für moldawische Baptisten nur wenn sie mehrere Tage in Transnistrien verbringen wollen.

Knapp 50% der moldawischen Baptisten besuchen rumänisch-sprechende Gemeinden, 45% besuchen russisch-, ukrainisch- oder bulgarisch-sprechende Gemeinden. Der Präsident erzählt: „Unsere Union und Führung sind multiethnisch. Das bereitet uns manchmal Kopfschmerzen, aber das ist auch unsere große Stärke. Als Minderheit in einem orthodoxen Lande, müssen wir unbedingt zusammenstehen.“ Er selbst versteht sich als rumänisch-sprechenden Moldauer. Allerdings spricht er auch Russisch und Englisch und verfügt über einen Familiennamen polnischen Ursprungs.

Doch vielleicht haben die moldauischen Baptisten am meisten mit sich selber zu kämpfen. In den letzten 17 Jahren sind mehr als 10.000 Baptisten nach Westen ausgewandert; „Ich erwarte eine Führungskrise,“ sagt Valeriu Ghiletchi. „Es fällt uns schwer, neue Leitungsperso¬nen zu rekrutieren. Die Wirtschaft ist sehr schwach und Gemeinden können es sich nicht leisten, Pastoren ein Gehalt zu zahlen.“ Insgesamt vereint die moldauische Baptistenkirche 21.000 Gläubige in 500 Gemeinden und Predigtstätten; davon befinden sich 25 Gemeinden mit bis zu 4.000 Mitgliedern in Transnistrien. Die moldauischen Baptisten erleben einmalige Zuwachsraten: Zu Sowjetzeiten gab es im Gebiet Transnistriens nur drei oder vier Gemeinden.

Valeriu Ghiletchi ist überzeugt, daß die politische Auseinandersetzung zwischen einem einst sowjetischen Staat und einem Gebiet, das sich von ihm abgespalten hat, nicht zwangsläufig in den Krieg führen müsse. Obwohl Transnistrien (Russisch: Pridnestrowie) nur 17% der Bevölkerung und 12% der Landesfläche stellt, führte es zwischen März und Juli 1992 einen Krieg mit Restmoldawien. Doch Ghiletchi versichert: „Es ist sehr unwahrscheinlich, daß es irgendwann bald wieder zu einem Krieg zwischen den beiden Teilen meines Landes kommt. Wir haben keine besonderen, ethnischen Probleme – uns fehlen die haßerfüllten interethnischen Beziehungen, die es etwa in Georgien gibt.“ Die 555.000 Einwohner Transnistriens sind jeweils etwa zu einem Drittel Moldauer. Russen und Ukrainer: das gesamte Gebiet zählt 3,3 Millionen Einwohner.

Ghiletchi, ein Vizepräsident der Europäischen Baptistischen Föderation, fügt hinzu, daß die um Ausgleich zwischen Ost und West ringende moldauische Regierung nur eine Kooperation mit NATO und EU anstrebe. Da Transnistrien international nicht anerkennt sei, verfügen seine Bewohner in beliebiger Kombination über moldauische, ukrainische und/oder russische Pässe.

Leitender Baptistenpastor im Gebiet Transnistrien ist Peter Kuzminski (Bender).

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 3. Dezember 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-55, 622 Wörter.


Orthodoxe Marschieren zur Baptistenkirche in Lipezk
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Orthodoxe verlangen die Rückgabe einer Kirche

M o s k a u – Am 4. November wurde eine jährliche orthodoxe Prozession von der zentralen orthodoxen Kirche in Lipezk zur „Kirche der Zeugung der Dreieinigkeit“ in „Sokol-Metallarbeiter“ am Rande der Stadt durchgeführt. Doch nicht alle 200 Teilnehmer hatte spirituelle Absichten – die historisch-martialischen Kosaken und die nationalistische „Slawische Union“ waren mit von der Partie. Zwei Nächte danach gingen 28 Fenster in dem von Baptisten geführten Gotteshaus zu Bruch.

In den letzten Jahren ist diese Gebietshauptstadt 375 km südöstlich von Moskau zu einem Brennpunkt der Spannungen zwischen Orthodoxen und Baptisten geworden. Im Jahre 1989 hatten Stadtväter die Dreieinigkeitskirche den Baptisten zur Nutzung überlassen. Gemeinde¬pastor Wladimir Ilowaiski gibt an, orthodoxe Stellen hätten damals keine Einwände gegen die Übergabe des stark beschädigten Gebäudes an die Baptisten gehabt.

Womöglich steht vor allem das Geld im Mittelpunkt. Bereits 1993 hatte die Stadt ihre eigene Entscheidung zurückgenommen und verfügt, daß die Baptisten gegen eine angemessene Entschädigung das Gebäude abzugeben hätten. (Die Höhe der baptistischen Investitionen wurde mit 22 Mill. Rubeln angegeben - $53.000 US im Dezember 1992.) Doch die orthodoxe Seite weigerte sich, eine Entschädigung zu zahlen. In den folgenden Jahren lehnte sie stets das Gesprächsangebot der Baptisten ab und warf ihnen vor, sich orthodoxen Besitzes bemächtigt zu haben. Die Haltung der Baptistengemeinde mit ihren rund 100 Mitgliedern besagte, daß sie gegen eine monetäre Entschädigung oder die Überlassung eines Gebäudes von ähnlichem Wert und ähnlicher Größe die Kirche räumen würde. Im April 2008 verfügte die Stadt, daß die Baptisten die Kirche entschädigungslos abzugeben hätten. Mit einem Hinweis auf das Fehlen gewisser Steuerunterlagen verlieh die staatliche Seite ihrer Position Nachdruck mit der rechtlichen Auflösung der Baptistengemeinde.

Pastor Ilowaiski erwidert: „Wir haben unsere Steuererklärungen stets fristgemäß eingereicht. Wenn wir uns etwas schuldig gemacht hätten, hätte uns die Steuerbehörde davon in Kenntnis setzen oder uns eine Strafe auferlegen müssen. Sie haben uns statt dessen unser gesetzliches Existenzrecht genommen.“ Er fügt hinzu: „Wir sind keine Barbaren und habe nicht die Absicht, das Gebäude etwa mit Gewalt zu verteidigen. Wir sind uns bewußt, daß sie sich des Gebäudes auch durch Betrug oder List bemächtigen könnten. Aber wir hoffen weiterhin auf eine Regelung der Fragen auf rechtlichem Wege.“

Im Streben um Entschädigung und die Wiederherstellung ihres rechtlichen Status wird die Gemeinde durch Anatoli Ptschenlintsev vom Moskauer „Slawischen Rechtszentrum“ (SLC) verteidigt, Das SLC, eine offizielle Filiale der in Washington beheimateten “American Center for Law and Justice”, ist der erfahrenste Rechtsvertreter protestantischer Belange in Rußland.

Vandalismus

Vandalismus kommt auch in anderen Gebieten Rußlands vor: Brandstiftungen im Falle protestantischer Einrichtungen finden etwa monatlich statt. Am 23 Oktober wurde das Gebäude eines Sommerlagers, das den Baptisten von Smolensk unweit der belorussischen Grenze gehört, durch Brandstifter schwer beschädigt. Das Gebäude wird als Totalverlust abgeschrieben werden müssen. Ein Dienst der US-Presbyterianer (PCUSA), die in Franklin/Tennessee beheimatete „Outreach Foundation“, will sich um die Finanzierung eines Wiederaufbaus kümmern.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 11. November 2008
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-54, 463 Wörter.


Rußlanddeutsche Baptisten sind nicht käuflich
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Ein Gespräch mit Pastor Hermann Hartfeld

M o s k a u -- Der aus Omsk stammende Rußlanddeutsche Hermann Hartfeld (Brühl) wurde wegen seiner missionarischen Arbeit 1962 im Alter von 20 Jahren zu fünf Jahren Straflager verurteilt. Da durfte er gemeinsam mit anderen Gläubigen ohne Schutzbekleidung auf dem Atomtest¬gelände in Semipalatinsk/Kasachstan Reinigungsarbeiten vornehmen und im Uranbergwerg arbeiten. Im Jahr 1973 wurde er ein drittes Mal verhaftet; ein Jahr danach reiste er in den Westen aus. Nach einem Theologiestu¬dium in Westeuropa, Winnipeg und Fresno/Kalifornien diente er ab 1981 als Gemeindepastor in der Schweiz und in Deutschland. Von 1999 bis zu seiner Berentung 2007 wirkte der promovierte Theologe als Dozent an dem von Aussiedlergemeinden unterstützten „Bibelseminar Bonn“ (BSB). Seit der Wende wirkt er beim Aufbau der theologischen Ausbildung in Rußland mit. Kürzlich hielt er Vorlesungen zum Thema Beratende Seelsorge am Moskauer Theologischen Seminar der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB). Dort konnte William Yoder ihm am 16. Oktober einige Fragen stellen.

Könnte man sagen, daß die Aussiedler aus Rußland in Deutschland einfach viel konservativer sind als die Baptisten, die heute in Rußland leben?
Schon in der Sowjetunion waren die Deutschstämmigen konservativer als die russischen Baptisten. Sie hatten oft ihre eigenen Gemeinden und lebten zusammen in bestimmten Dörfern. Nur die russischen Baptisten waren bemüht gewesen, auf die russische Kultur einzugehen.

In Deutschland sind sie dann auf einen deutschen Baptismus gestoßen, der ihnen wiederum sehr fremd erschien. Sie waren weder in Rußland noch in Deutschland zuhause. Sie sind weiterhin auf der Suche nach einer Identität.

Weshalb haben die Aussiedler soviel Angst vor zwischenkirchlichen Beziehungen? Angesichts der Übermacht der Orthodoxie müssen die Protestanten Rußlands – natürlich auch mit Pfingstgemeinden – zusammenstehen. Das ist eine Lebensnotwendigkeit.
Man ist verängstigt, man fühlt sich unsicher. Diese Angst wird auch oft theologisch untermauert, z.B. mit einem Text wie 2. Thessalonicher 2,9-10. Der Antichrist wird von vielen Aussiedlerchristen in der Ökumene geortet.

Die wenigen Aussiedler, die es noch in deutschen Baptistengemeinden gibt, wirken oft sehr schüchtern und unsicher. Sie tun mir richtig leid!
In der Sowjetunion war man sehr eingeschüchtert, man hat sich kaum artikuliert. Man hatte die Diskussionsfähigkeit nicht eingeübt. Der zweite Punkt ist wohl die Sprache: Die Aussiedler reden Deutsch anders als die Deutschen aus Deutschland. Auch bildungs¬mäßig können die in der UdSSR aufgewachsenen Aussiedler nicht mithalten. Die Mentalität ist anders und die Minderwertigkeitskomplexe sind stark.

Du gehörst zu den wenigen, die ihren Weg innerhalb des Bundes der deutschen Baptisten (BEFG) gefunden haben. Warum gehörst Du nicht einem Bund der Aussiedlergemeinden an?
Ich komme aus den Kreisen der Nichtregistrierten Baptisten. Ich habe die Spaltungsten¬denzen - auch in Deutschland – beobachtet, und das hat mich abgeschreckt. Daß man sich gegenseitig unterstellt, für die KGB gearbeitet zu haben; wer überhaupt anders dachte war schon deswegen ein Liberaler. Ich sagte mir: „Das mache ich nicht mit. Davon habe ich genug. Ich will doch Gemeinde Jesu bauen.“

Läuft die Zeit zu Gunsten der alteingesessenen, deutschen Baptisten? Wird es in den nächsten Generationen zu einem Zusammengehen zwischen Rußlanddeutschen und Deutschen kommen?
Im Äußerlichen ist die junge Generation freier. Aber viele Absolventen des BSB sind theologisch-ethisch noch strenger als ihre Eltern - was ich nicht unbedingt für einen Nachteil halte. Nur einige wenige Jugendliche werden sich dem BEFG anschließen. Die Ansätze einer historisch-kritischen Exegese stören sie, wohl aber nicht alle.

Ist also eine Dauerexistenz rechts vom evangelikalen Mainstream (BEFG, Pfingstgemeinden, Lausanne, Baptistischer Weltbund) denkbar?
Das ist denkbar. Institute wie Brake, Gießen und das BSB werden eine längere Existenzberechtigung haben. Nur einzelne Aussiedler werden einen anderen Weg gehen.

Sind die deutschen Baptisten aber wirklich freundlich genug gewesen? Ihre Gemeinden wirken nicht immer einladend. Oftmals kommen sie den Aussiedlern nicht entgegen.
Ich denke, das stimmt nicht ganz. Dr. Günter Wieske und Pastor Viktor Krell z.B. haben sich sehr viel Mühe gegeben. Sie haben die ersten Aussiedler beschenkt mit allem was es nur gab. Ich glaube, die Enttäuschung kam in den 80er Jahren als der große Exodus aus Rußland begann. Dann fing man an, die deutschen Baptisten u.a. als Ökumeniker zu verurteilen – obwohl sie gar nicht zum Weltrat der Kirchen gehören. Man hielt die Deutschen auch – etwa im sexuellen Bereich - für ethisch bedenklich.

Dann kam noch die Enttäuschung seitens der deutschen Baptisten: „Wir haben so viel investiert, so viel Liebe bewiesen. Wir dachten, es kommen Leute aus dem Osten, die unseren Bund beleben werden! Und nun wollen sie gar nichts mit uns zu tun haben.“ Deshalb sind die Deutschen müde geworden. Man sagt sich, es hat sowieso keinen Sinn. Man hat so viel geleistet und sie sind undankbar geblieben. Aber das ist auch ein Beweis dafür, daß die rußlanddeutschen Baptisten stur und absolut nicht käuflich sind. Sonst hätten sie die furchtbaren Verfolgungen nicht überlebt.

Aussiedler mit baptistischem Hintergrund übersteigen die Zahl der einheimischen Baptisten in Deutschland fast um das Dreifache. (Der BEFG hat rund 86.000 Mitglieder.) Man hat Angst, die Aussiedler könnten – etwa in Zusammenarbeit mit der Southern Baptist Convention aus USA – einen alternativen, internationalen Baptistenbund gründen.
Die großen Aussiedlergemeinden haben keine Notwendigkeit, sich der SBC anzuschließen. Sie werden sich auch nicht von dem Geld der SBC beeindrucken lassen. Rußlanddeutsche Baptisten sind nicht käuflich.

Ich glaube, beide Seiten machen sich große Illusionen. Wenn die Aussiedler nur wüßten, was in der SBC so alles passiert! Die Südbaptisten sind sich nicht einig - sie sind keine homogene, fundamentalistische und bibeltreue Baptistenbewegung. Sie haben jetzt eine konservative Leitung. Aber wenn sich die Leitung ändern sollte, wird sich vieles wieder ändern. Die SBC ist mancherorts in USA eine Art Volkskirche, und große, dezentralgeführte Kirchen können von Ort zu Ort sehr verschieden sein. Es gibt auch charismatische Südbaptisten.

Da ist viel Ungutes in der Geschichte der SBC zu finden. Sie hat mal die Sklaverei und den Rassismus gutgeheißen. Die SBC-Leitung hat auch den jetzigen Krieg mit dem Irak willkommengeheißen. Wenn die Rußlanddeutschen Wind davon bekommen, könnten sie sofort auf Distanz gehen. Die SBC muß nur einen einzigen größeren Fehler machen und schon ist sie abgeschrieben.

Manche Baptistenbünde in Mittelasien sind auf Gelder aus dieser Quelle angewiesen. Aber das geht nur bis man sich kennengelernt hat. Das sieht man immer wieder: Wenn man eine andere Bewegung kennengelernt hat, entdeckt man, daß die Differenzen zu groß sind. In der SBC gehen die Frauen ohne Kopfbedeckung und in Hosen. Auch ein Südbaptist kommt nicht immer ohne Zigarre aus. Was man in den eigenen Gemeinden zu verbieten versucht, ist beim ausländischen Partner Gang und Gäbe.

Sind die Emigranten aus der UdSSR in den USA anders als in Deutschland?
In den USA sind die Leute kulturell angepaßter. Sie sind etwas liberaler, doch nicht unbedingt theologisch liberaler. Die Emigranten in Nordamerika und Deutschland sind sehr zurückhaltend einander gegenüber. Der Rußlanddeutsche glaubt, zu viel an den Russen gelitten zu haben, um sie jetzt noch finanziell zu unterstützen. Missionarisch geben sie ihr Geld lieber nach Afrika oder Südamerika. Auch in der Ukraine wird eher geholfen; nach Moldawien fließen Hunderttausende. „Die Russen haben uns Böses angetan“, heißt es und man verwechselt die kommunistische Tortur mit den Russen per se. Das sitzt bei den Älteren tief drin; das kriegt man nicht mehr raus. Die junge Generation denkt da ganz anders.

Das ist sehr ungerecht! Die Russen selber haben auch stark am kommunistischen System gelitten.
Da haben die Russen auch vollkommen Recht! Mit mir im Gefängnis waren weit mehr russische Baptisten als deutsche. Aber die drei Jahrhunderte Geschichte der Deutschen in Rußland lassen sich nicht einfach auslöschen.

In Deutschland werden Russen von den Rußlanddeutschen zu Gast sehr gerne aufgenommen.
(RUECB-Präsident) Juri Sipko ist immer willkommen – auch am BSB z.B. Aber man hat trotzdem nicht das Gefühl, man würde zusammengehören.

Was ist anders geworden bei den Baptisten in Rußland in den letzten 20 Jahren? Was überrascht Dich?
Sie sind lau geworden. Der Druck früher hat den Eifer gefördert. Man war missionarisch ausgerichtet. Heute kämpft man ums finanzielle Überleben – man hat aber auch den Hang, etwas mehr besitzen zu wollen. Das Gemeindeleben steht nicht mehr im Vordergrund, sondern das finanzielle Wohlergehen. In meiner Jugendzeit lebten wir von Brot und Wasser und man war glücklich. Heute jedoch sehe ich meistens mürrische, gequälte Gesichter, die mit dem materiellen Leben unzufrieden sind.

Heute wollen Gemeinden von zentralistischen Strukturen nichts mehr wissen. Da treten Gemeinden einfach aus dem Bund aus. Man möchte autonom sein. Das macht mich sehr traurig. Wir brauchen die Einheit in Christo und keine Splittergruppen, die ihr "eigenes Süppchen" kochen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 8. November 2008
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und gibt nur die Auffassung der interviewten Person wieder. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-53, 1.368 Wörter.


Russische Baptisten und Barack Obama
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Russische Stellungnahme zum Wahlsieg in den USA

Kommentar

Uns ist bekannt, daß viele unserer Freunde in den USA über die Niederlage John McCains bei den Präsidentschaftswahlen enttäuscht seien. Wir russische Baptisten sind ebenfalls besorgt, daß das Ringen um die Stärkung christlicher Werte – für die Familie und gegen die Abtreibung – durch den Sieg der Demokraten Schaden genommen haben könnte.

Gleichzeitig hegen wir die Hoffnung, daß der Wahlsieg des demokratischen Kandidaten zu verbesserten Beziehungen zwischen den USA und Rußland führen könnte. Wir hoffen, daß der Krieg im Irak bald beendet wird, und, daß die USA wieder ein Instrument „im Konzert“ der europäischen Staaten werden möchten. Mögen sich die USA als Partner und nicht als besonderes Land abgehoben von allen anderen Nationen begreifen. Wir wünschen uns keine Wiederholung des Kalten Krieges.

Wir freuen uns, daß Barack Obama Mitglied einer protestantischen Kirche (United Church of Christ) sei, und, daß er über enge Beziehungen zu den Baptistengemeinden im Raum Chicago verfüge. Wir gratulieren Dr. Obama zu seinem Sieg – er zeigt uns, daß auch ein Mensch mit einer sehr bescheidenen Herkunft große Dinge vollbringen könne. Das kann uns allen eine Quelle der Hoffnung sein. Sein Sieg ist ein Beleg für die wunderbaren Möglichkeiten, die in der Demokratie stecken.

Wir wünschen Barack Obama und unseren beiden Ländern Gottes Allerbeste.

Pastor Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen
Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten
Moskau, den 7 November 2008

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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-52, 204 Wörter.


Den Dialog durch Taten ergänzen
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Interkonfessionelles Komitee in Rußland bereitet einen Besuch in Georgien vor

M o s k a u – Noch vor Jahresende will das in Moskau ansässige „Christliche Interkon¬fessionelle Beratungskomitee“ (Christian Inter-Confessional Advisory Committee – CIAC) eine Delegation von Katholiken, Orthodoxen und Protestanten nach Georgien entsenden. Der Protestant im dreiköpfigen Leitungsgremium des CIAC, der Baptistenpastor Witali Wlasenko (Moskau) erläuterte: „Wir müssen dorthin fahren und uns mit Staats- und Kirchenvertretern, und den Menschen überhaupt, treffen. Wir müssen begreifen, was sich dort abspielt und erfahren, wie wir am besten helfen können. Die russischen Kirchen haben sich in Südossetien stark engagiert, doch für Georgien haben wir bisher sehr wenig getan. Ich hege die Hoffnung, daß sich nicht nur Wörter, sondern auch Taten, aus dem anhaltenden, kirchlichen Dialog zwischen Rußland und Georgien ergeben werden. Wlasenko, der Leiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) ist, meinte, daß angesichts der großen Vielfalt christlicher Gruppen in Georgien, eine Delegation mit orthodoxer und katholischer Beteiligung viel hilfreicher sein würde.

Der Wunsch zur Bildung einer russischen Delegation ist ein Ergebnis des Tref¬fens zwischen führenden Baptisten aus Rußland, der Ukraine und Georgien in Irpen unweit von Kiew am 30. Oktober. Da RUECB-Präsident Juri Sipko (Moskau) Ende September nicht mit Wlasenko zum Rat der Europäischen Baptistischen Föderation in Lissabon gefahren war, hatte der baptistische Erzbischof von Georgien, Malkhaz Songulashvili (Tiflis), um ein weiteres Gespräch zwischen den beiden Seiten gebeten.

Pastor Wlasenko beschrieb das Gespräch in Irpen als „außerordentlich herzlich“: „Wir sind alte Freunde und haben uns dementsprechend unterhalten. Ich verspürte Liebe und eine völlige Akzeptanz. Diese hervorragende Atmosphäre wird ein gutes Fundament für künftige Gespräche sein.“ Er räumte ein, daß Sipkos Fehlen in Portugal Restzweifeln bezüglich der Verpflichtung der RUECB zu einer tiefergehenden Beziehung mit Georgien Auftrieb verlieh. Durch seine Handlungen in Irpen habe Präsident Sipko jedoch „bewiesen, daß wir tatsächlich die Hand der Freundschaft den Georgien entgegenstrecken. Es hat drei sehr positive Entwicklungen in Folge gegeben: unsere Stellungnahme zur Freundschaft im August sowie die Begegnungen in Lissabon und Irpen. Sie beweisen, daß wir russische Baptisten es mit unseren Beziehungen zu den georgischen Baptisten ernst meinen.“

Der Direktor für kirchliche Außenbeziehungen wies jedoch darauf hin, daß eine völlige Übereinstimmung noch nicht erreicht worden sei, „aber wir bauen weiter an einer Beziehung, die tief nach innen geht. Wir wollen mehr über unsere Differenzen erfahren und wir hoffen darauf, Einheit in der Vielfalt zu erzielen. Jede Landesunion hat das Recht, ein Unikum zu sein. Wenn ihre besonderen Traditionen uns dazu verhelfen, Gott besser zu verstehen und einander noch inniger zu lieben, dann wird das uns allen sicherlich eine Hilfe sein.“

Die Einführung von Ikonen und orthodoxartiger Amtskleidung bei baptistischen Geistlichen in Georgien hat zu Stirnrunzeln in der baptistischen Welt – erst recht in Osteuropa - geführt. Die georgischen Baptisten verstehen sich inzwischen als eine episkopale, hierarchisch-gegliederte Kirche. Sie sind keine kongregationalistische, baptistische Union im herkömmlichen Sinne mehr. Pastor Wlasenko ist nicht bekannt, wie die georgische Orthodoxie auf diesen Wandel reagiert hat und möchte gerne bald vor Ort persönlich die Orthodoxen dazu befragen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 3. November 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-51, 482 Wörter.

Unsere Meldung 08-50 besteht aus einer Deklaration, die in Irpen am 30.10. verabschiedet worden ist.

Erklärung

”Selig sind die Friedfertigen." Matthäus 5,9

Wir Repräsentanten der Evangelischen Baptistenkirche Georgiens, vertreten durch den Erzbischof Malkhaz Songulashvili und Bischof Merab Gaprindashvili, und die Russische Union der Evangeliums¬christen-Baptisten, vertreten durch den Präsidenten Juri Sipko und Pastor Witali Wlasenko, trafen sich in Kiew am 30. Oktober 2008. Die Begegnung wurde durch den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Baptistischen Föderation, Pastor Gregori Komendant, vermittelt.

Sie hatte den Zweck, die Beziehungen zwischen unseren Kirchen zu klären und ein sichtbares Zeichen für die mögliche Aussöhnung zwischen unseren Kirchen, Völkern und Ländern zu setzen.

Wir verurteilen den zwecklosen und brutalen Krieg zwischen unseren beiden Ländern. Die zwischen unseren Ländern anstehenden Fragen sollten nicht mit militärischen Mitteln gelöst werden.

Wir rufen die Verantwortlichen in Rußland und Georgien dazu auf, sich um eine friedliche Beilegung des Konflikts zwischen unseren Ländern zu bemühen.

Wir legen allen Menschen in den Glaubensgemeinschaften nahe, den Prozeß der Vergebung und Versöhnung zwischen unseren Völkern zu fördern.

Wir beklagen den Tod aller Zivilisten und Soldaten auf allen Seiten, die in diesem Krieg ums Leben gekommen sind.

Wir willigen ein, die Integrität der jeweils anderen Kirche völlig anzuerkennen und mutige Schritte einzuleiten, um einander zu verstehen und die Erfahrungen der anderen Seite zu respektieren.

Wir haben als Ausdruck unserer gemeinsamen Treue gegenüber Christus beschlossen, uns in unseren Ländern gegenseitig zu besuchen, um die Freundschaft und Verständigung zwischen unseren Völkern zu fördern.

Wir verpflichten uns zu einem theologischen Dialog zwischen unseren Kirchen, um so die gegenseitige Kooperation bei der Erfüllung der Mission Gottes voranzubringen.

Erzbischof Malkhaz Songulashvili
Evangelische Baptistenkirche Georgiens

Pastor Präsident Juri Sipko
Russische Union der Evangeliums¬christen-Baptisten

Pastor Gregori Komendant
Europäische Baptistische Förderation

Kiew, 30 Oktober 2008

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 30. Oktober 2008
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Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-50, 268 Wörter.


Die Brüderschaft lebt
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Neue Komitees geschaffen auf der Herbstsitzung der russischen Baptisten

M o s k a u -- „Unsere Brüderschaft lebt und setzt ihre Beschlüsse in die Tat um.“ So reagierte Juri Sipko (Moskau), Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) auf die Nachricht, Opfersammlungen der Bundesgemeinden in diesem Jahr würden jene von 2007 bei weitem übertreffen. Ende Juli lagen die Opfereinnahmen bereits doppelt so hoch wie für das gesamte vorige Jahr. Bekanntgegeben wurde diese Nachricht auf der Herbstsitzung des Bundesrates (Sojus Sowjeta), der im Moskauer Seminar der RUECB am 24. Oktober zu Ende ging.

Präsident Sipko bezeichnete die Entstehung von fünf neuen Komitees als die besondere Leistung dieser Herbstsitzung – sie seien geschaffen worden, um gefällte Beschlüsse viel effektiver umzusetzen. Jedes der fünf Komitees wird von einem Superintendenten aus den Regionen (auch „Starschy Preswiter“ oder „Bischof“ genannt) geleitet. Witali Wlasenko (Moskau), Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen meinte hierzu: „Ich denke, die fünf neuen Komitees werden dazu führen, daß sich die Regionen stärker am Geschehen in der Zentrale beteiligen. So können die Aufgaben besser koordiniert und getragen werden. Das wird die Verbindungen zwischen der Zentrale und den Regionen verbessern.“

Die neu konstituierten fünf Komitees haben die Aufgabe, die Arbeit der Bundesabteilungen zu kontrollieren und unterstützen. Das von Alexander Mandsjuk (Nabereschnyje Tschelny) geleitete Komitee für den Kirchlichen Dienst wird für die Arbeit der Abteilungen Pastoren¬dienst, Theologie und Katechismus, Jugend, Kinder, Männer-und Frauenarbeit zuständig sein. Superintendent Wiktor Sajzew aus dem fernen Irkutsk wird das Komitee für den Missions- und Verkündigungsdienst leiten. Das Bildungskomitee, dem Super¬¬inten¬dent Peter Worobjov (Wolgograd) vorsteht, soll sowohl die formelle wie die informelle Bildung umfassen. Das von Wiktor Ignatenkov (Smolensk) angeführte Komitee wird die Bereiche Massenmedien und Externe Beziehungen umfassen. Das Finanz- und Budgetkomitee wird von Andrei Protasov aus Protowsk-Sabaikalsk (Gebiet (Tschita) geleitet.

Nach dem Bundesrat meinte ein Teilnehmer: „Es hat ein erster Schritt auf dem Weg der Reform stattgefunden. Wir werden uns anstrengen müssen, um dem Reformprozeß Nachhaltigkeit zu verleihen.“ Der nächste Bundespräsident soll 2010 sein Amt antreten.

Präsident Sipko betonte, die RUECB wolle sich verstärkt um die nichtslawischen Minderheitsvölker Rußlands bemühen, u.a. in den Republiken von Jakutien, Chakassien und Baschkortostan. Missionare sollen ihre Geschichte, Sprachen und Kulturen kennenlernen. Man will dafür sorgen, daß diese Völker zumindest das Neue Testament in der Muttersprache zu lesen bekommen – auch wenn es bisher eine Übersetzung noch gar nicht gibt.

Hinsichtlich der Immobilien wurde mitgeteilt, daß seit Anfang August ein zahlungskräftiger Mieter (eine Firma, die Brandlöschungs¬technik vertreibt) die 2. und 3. Etage in der Moskauer Bundeszentrale nutzt. Eine kostspielige Erneuerung der Stromleitungen und des Ventilationssystems im Hause stehen noch an.

In den 10 Tagen vor Beginn des Bundesrats wurde für die Superintendenten die zweite Etappe eines Fortbildungsprogramms durchgeführt, das erst im vergangenen März angelaufen ist. Wer noch über keinen theologischen Magisterab¬schluß verfügt, kann sich innerhalb der kommenden zwei Jahre über dieses Programm für einen Abschluß qualifizieren. Etwa 51 der 57 Superintendenten waren zu diesem Seminar erschienen; die restlichen waren krankheitshalber entschuldigt.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 29. Oktober 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-49, 470 Wörter.


Den Fernseher ausschalten und ins Gespräch kommen
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Leitender russischer Protestant besuchte Parlamentarische Versammlung in Straßburg


Kommentar

M o s k a u – Sergei Rjachowski (Moskau), Bischof der dezentral-strukturierten, 2.000 Gemeinden zählenden „Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelisch-Pfingstler¬ischen Glaubens“, hat sich in der Vergangenheit entschieden zugunsten der Regierungen von Putin und Medwedew ausgesprochen. Von dem Standpunkt ausgehend hat er immer wieder protestantische Interessen verteidigt gegen Nationalisten, die die Vernichtung der evangelischen Präsenz in Rußland im Auge haben. Eine Polemik Rjachowskis Ende August veranschaulichte diese Haltung. Dabei attackierte er den umstrittenen orthodoxen Geistlichen und Sektenkundler Alexander Dworkin (Moskau) als Agenten US-amerikanischer Außenpolitik. Dworkin, ein eingebürgerter Staatsbürger der USA, hatte bis 1990 zwei Jahrzehnte in den USA verbracht, dort orthodoxe Theologie studiert und zeitweilig für Radio Free Europe und Radio Liberty gearbeitet. Der Bischof versicherte: „Die US-Administration macht sich einer Doppelmoral schuldig. Unter dem Deckmantel ihres Bürgers, des orthodoxen Zeloten Dworkin, schlägt sie mit aller Gewalt auf den Protestantismus ein und schürt Haß gegen ihn. Im Gegenzug wird Rußland jahrein, jahraus Vergehen gegen die Menschenrechte und die Glaubensfreiheit beschuldigt. Doch in Georgien fällt derselben US-Administration die systematische Unterdrückung der (protestantischen) Gläubigen überhaupt nicht auf.“

Als Mitglied des „Rats für die Zusammenarbeit mit religiösen Organisationen am Sitz des russischen Präsidenten“ gehörte Bischof Rjachowski der russischen Delegation bei den Herbstsitzungen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates an. Sie fanden vom 29. September bis 3. Oktober in Straßburg statt. In einem Bericht, den er am 22. Oktober veröffentlichte, schrieb er: „Das allgemeine Klima unter den Parlamentariern war – gelinde gesagt – Rußland nicht sonderlich gewogen. Es war offenkundig, daß die europäischen Massenmedien die Absicht hatten, unsere Delegation zu ignorieren. Wenn unsere Delegierten aus innerster Überzeugung sprachen, neigten die Dolmetscher dazu, sich zu verschlucken. Es war sehr deutlich, daß wir Russen im Bereich der Informationspolitik noch viel aufzuholen haben. Ich war zum ersten Mal in Straßburg und hatte das Gefühl, daß wir Fremdlinge seien.“
“Die westliche Haltung in der Wahrheitsfrage ist mehr als einfach anti-russisch. Sie stellt Rußland als den Aggressor dar – oder noch schlimmer. Wir verstehen einander nicht. Die Emotionen liegen blank; alle lassen ihrem Schmerz freien Lauf.“

Rjachowski gab an, daß die georgische Delegation in Straßburg aus jungen, hochgebildeten Mitarbeitern bestand, die ein hervorragendes Englisch sprachen. „Diese Menschen wurden in der Phase nach dem Zerfall der Sowjetunion und seiner Tradition der internationalen Freund¬schaft ausgebildet. Sie gehören einer neuen Generation an, die nur die antirussische Rhetorik kennt; sie können sich an unseren Staat nicht mehr erinnern. Darum ist es wichtig, daß wir verstehen, warum sie so sind, wie sie sind. Es ist bedauerlich, daß die Visabestimmungen uns davon abhalten, einander kennenzulernen.“

Rjachowski folgerte: Der Westen “hat eine andere Mentalität und verfügt über andere Institutionen, um die Demokratie zu realisieren. Aber aus den Ratssitzungen habe ich den Schluß gezogen, daß wir uns nicht weiterhin nur auf unsere eigenen Wahrheiten verlassen dürfen – denn unsere Wahrheiten ziehen oftmals die Wahrnehmungen anderer nicht in Betracht. Wir Menschen verfügen über ein kolossales Vermögen, aufeinander zu hören und von anderen gehört zu werden. Wir leben alle in einem gemeinsamen Haus namens ‚Erde’,“

Pastor Witali Wlasenko (Moskau), Direktor für Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), erwiderte in einem Gespräch: „Wir Baptisten Rußlands stellen uns der Tatsache, daß auch wir russische Staatsbürger seien. Wir sind für das Tun unseres Staates mitverantwortlich. Wir sind Patrioten – doch nicht auf Kosten anderer Völker, und nicht auf Kosten der historischen und gegenwärtigen Wahrheit. Wir möchten gemeinsam mit Sergei Rjachowski zum Gedeihen unseres Landes und seines Volkes beitragen. Bischof Rjachowski ist nicht befugt, für die RUECB zu sprechen. Manchmal haben wir auch den Eindruck, seine Aussagen bezüglich des Westens seien übermäßig aggressiv. Doch vieles, was er über Straßburg erzählte, können unsere Leute nachvollziehen – solche Gedanken sind den russischen Protestanten nicht fremd. Wenn die Massenmedien problematisch seien, müssen wir tatsächlich den Fernseher ausschalten, das Internet abschalten und ins Gespräch kommen.“

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 24. Oktober 2008
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-48, 630 Wörter.


Eine erste Warnung seitens des russischen Staates
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56 religiöse Organisationen zur Auflösung vorgesehen


M o s k a u – Am 15. Oktober erschien eine unangekündigte Mitteilung auf der Webseite des russischen Justizministeriums, die 56 religiöse Organisationen aufzählte, die zur Auflösung vorgesehen sind („minjust.lgg.ru/ru/activity/nko/religorg“). Diese gehören einer Reihe der größten Glaubensgemeinschaften der Welt an und schließen Buddhisten, Juden, Muslime und die katholische „Caritas“ mit ein. Auch orthodoxe Dissidentengruppen und eine Organisation des Kiewer Patriarchats gehören dazu. Doch mindestens 35 der aufgezählten Gruppen ließen sich als protestantisch einordnen. Dazu zählen „World Vision“ und „Jugend mit einer Mission“. Mindestens sechs baptistische Organisationen sind dabei: eine von der „Billy Graham Evangelistic Association“ gegründete Mission sowie drei kirchliche Regionen der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB). Offensichtlich sind mehrere Gesamtkirchen zur Liquidierung bestimmt: z.B. die „Union der Kirchen presbyterianischer Christen“ und die pfingstlerischen „Assemblies of God“. Sogar die 26-Gemeinden-zählende „Union der Kirchen evangelischer Christen“ ist dabei. Ihr Bischof, der Unternehmer Alexander Semtschenko (Moskau), gehört weiterhin dem prestigeträchtigen „Rat für die Zusammenarbeit mit religiösen Organisationen am Sitz des russischen Präsidenten“ an.

Pastor Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der RUECB, warnt vor voreiliger Aufregung, denn die Mitteilung gäbe nur bekannt, daß das Justizministerium Auflösungsklagen gegen die 56 Organisationen „plant“. „Das ist nur eine erste Warnung,“ versichert der Pastor. „Darüber ist noch längst nicht das letzte Wort gesprochen.“ Er läßt wissen, daß Tausende religiöse Organisationen in den 90er Jahren registriert worden seien, und, daß sie heute zum Teil nicht mehr funktionstüchtig seien. Viele hätten darauf verzichtet, die jährliche anfallenden Berichte über Aktivitäten und Finanzen den staatlichen Stellen zukommen zu lassen. In bestimmten Fällen paßten Zulassung und tatsächlicher Aktivität nicht mehr zueinander. In einem Falle sei eine in Moskau zugelassene, baptistische Organisationen nur in Sibirien tätig.

Anwalt Anatoli Ptschelinzev (Moskau)´vom „Slavic Centre for Law and Justice“ (SCLJ) erkennt eine erhebliche Ungerechtigkeit im nicht zufälligen Fehlen des Moskauer Patriarchats auf der besagten Liste. Schon aufgrund seiner massiven Übergröße müßte das Wahrscheinlichkeits¬gesetz dafür sorgen, daß einige ihrer Organisationen auf der Liste stünden. Doch die Protestanten, die weniger als 1% der Bevölkerung vertreten, stellen 62% der genannten Organisationen. Der Anwalt kann keine Angemessenheit der Mittel erkennen und vergleicht den Erlaß mit einem Todesurteil für Fußgänger, die außerhalb von Zebrastreifen Straßen überqueren. „Derartige Aktionen stehen im krassen Widerspruch zur offiziellen russischen Politik bezüglich der Freiheit von Glaube und Bekenntnis.“ Ptschelinzev, ein Anwalt mit langjähriger Erfahrung, meint, die verantwortlichen Staatsbeamten hätten wenig Überblick über die internationalen Auswirkungen und „das Chaos und die Destabilisierung in den Beziehungen zwischen Kirche und Staat“ im Inland, die ein derartiger Erlaß auslösen würde.

Im Juni erwirkte das emsige SCLJ die Rücknahme eines Urteils bezüglich der Liquidierung einer 30-köpfigen Methodistengemeinde in Smolensk. Vor zwei Jahren gewann es vor dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg einen Prozeß, der die Russische Föderation zu einem Strafgeld wegen eines unzulässigen Verbots der Heilsarmee verurteilte. Das 1993 gegründete SCLJ nahm 1998 seinen gegenwärtigen Namen an als es eine Niederlassung der in Washington/USA beheimateten “American Center for Law and Justice” (ACLJ) wurde. Das ACLJ wird von Jay Sekulow geleitet, dem wohl bekanntesten Anwalt kirchlicher Rechtsbelange in den USA. Das ACLJ wurde 1990 von dem umstrittenen Südbaptisten und Charismatiker Pat Robertson gegründet. Er ist wohl der renommierteste, US-amerikanische Fernsehprediger.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt heute rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 21. Oktober 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-47, 517 Wörter.

KURZINFO: Im August berichteten wir, daß das von einer Brüdergemeinde geführte Kinderlager „Rutschejok“ (Bächlein) in Rumjantsewo westlich von Moskau bis zum 6. September geschlossen bleiben mußte. Es durfte dann im September tatsächlich seine Tore wieder öffnen und arbeitet wieder normal. Seine Schließung geschah im Zusammenhang mit dem zweijährlichen Kongreß der RUECB, der vom 31. Juli bis zum 4. August auf dem dortigen Gelände stattfand.


Die Weisheit ist noch nicht globalisiert
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Ein russischer Baptist besuchte zum ersten Mal das World Public Forum

M o s k a u – Vom 9. bis 13. Oktober, versammelte sich das World Public Forum (Globale Öffentlichkeitsforum) auf der griechischen Insel Rhodos kurz vor dem türkischen Festland zu seinem sechsten Jahrestreffen. Dem Ereignis wohnten 700 Politiker, Kulturschaffende, Geschäftsleute und Geistliche aus mindestens 60 Ländern bei. Zum ersten Mal wurde auch ein russischer Baptist eingeladen: Pastor Witali Wlasenko (Moskau) von der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) durfte sogar auf einer kleineren Versammlung eine Rede halten. Nach der Heimkehr stellte der Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der RUECB fest: „Der Dialog der Kulturen hat mir neue Horizonte eröffnet. Ich denke, solche Begegnungen sind von einschneidender Bedeutung im Bemühen um den globalen Frieden und die Verständigung.“ Dem Pastor gefiel besonders der oft wiederholte Satz: „Wir haben bereits alles globalisiert – bis auf die Weisheit.“ Dabei fügte er hinzu: „Nur der ehrliche und vertrauensvolle Dialog zwischen den politischen, religiösen und wirtschaftlichen Sektoren kann den internationalen Frieden und die Aussichten auf Verständigung Wirklichkeit werden lassen. Doch eher ähnelt die Welt noch einem Turmbau zu Babylon. Es ist deshalb äußerst wichtig, daß christliche Führungskräfte im öffentlichen Bereich Präsenz zeigen.“

Wlasenko lobte ausdrücklich den Vortrag von Damir Mukhetdinov, dem Rektor des “Islamischen Instituts Nischny Nowgorod”. Dabei hatte sich der Referent von einem fundamentalistischen Islam eindeutig distanziert und behauptet: „Der ursprüngliche Unterricht über den Koran verkündigte den Pluralismus von Religion, Kultur und Zivilisation für alle Zeiten. Der Pluralismus ist ein integrativer Bestandteil irdischen Lebens und Meinungsverschiedenheiten sind ein natürlicher Teil menschlicher Existenz.“

Das World Public Forum wurde 2002 von Wladimir Jakunin, dem gegenwärtigen Präsidenten der Russischen Eisenbahnen, gemeinsam mit einem Griechen und einem Inder ins Leben gerufen. Bei der Gründung wirkte auch der gemäßigte Mohammad Khatami – damals Präsident von Iran - mit. Khatami hatte zum einem „Dialog der Zivilisationen“ aufgerufen als Antwort auf den unausweichlichen „Kampf der Zivilisationen“, den der US-Politikwissenschaftler Samuel Huntington angekündigt hatte. Der russische Staat steht voll hinter dieser Bewegung – am 19. Mai 2002 hatten Eröffnungsfeierlichkeiten im Moskauer Kreml stattgefunden. Das Forum propagiert das Konzept einer multipolaren Welt und verwirft die Idee einer Globalisierung, die von der hervorgehobenen Stellung einer einzigen Weltmacht ausgehe. Eine Hauptrede bei der diesjährigen Begegnung hielt Alfred Gusenbauer, Kanzler des militärbündnisfreien Staates Österreich.

Dr.phil. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 16. Oktober 2008
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Eine Veröffentlichung aus der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-46, 356 Wörter.


Eine notwendige Umarmung
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Zur Jahrestagung des General Council der Europäischen Baptistischen Föderation in Lissabon

Kommentar

M o s k a u -- Vor dem versammelten „General Council“ der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) in Lissabon am 26. September haben sich Malkhaz Songulashvili (Tiflis), Erzbischof der Georgischen Baptistenkirche, und Witali Wlasenko (Moskau), Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) kräftig umarmt. Das geschah auf dem Hintergrund eines mehrstündigen Gespräches zwischen beiden und war Ausdruck einer Annäherung, die sich auf geistlicher Ebene vollzogen hatte. Im Verhältnis zwischen den Baptisten Rußlands und Georgiens ist eben mehr im Spiel als nur die moralische und politische Bewertung eines bedauerlichen Kriegs. Georgien machte die Erfahrung, ein kleiner Bruder im All-Unionsrat der Evangeliumschristen-Baptisten der Sowjetära zu sein – der große Bruder waren die Moskauer. Dieses und die kulturelle Öffnung der georgischen Baptistenkirche – sie versteht sich nicht mehr als Union – zur georgischen Orthodoxie hin boten mehr als genügend Gesprächsstoff für beide Seiten.

Es besteht weiterhin Klärungsbedarf. Da RUECB-Präsident Juri Sipko (Moskau) in Portugal nicht zugegen war, ist eine erneute Begegnung von Repräsentanten der georgischen und russischen Baptisten für Ende Oktober in Kiew vorgesehen.

Überhaupt macht das anhaltende Ost-West-Gefälle im europäischen Baptismus die EBF zu schaffen. EBF-Generalsekretär Tony Peck (Prag) und sein Team sind ehrenwerte Leute, die den Wunsch hegen, die Baptistenbünde Osteuropas im Rahmen der EBF voll aufgehen zu lassen. Das zeigte sich 2007 mit der Wahl des Kroaten Toma Magda (Cakovec) zum Präsidenten der EBF. Sein Nachfolger, der 2009 das Amt antritt, wird der Moldawier Valeriu Ghiletchi (Kischinau) sein.

Nichtsdestotrotz vermittelt die EBF den Eindruck, eine anglo-skandinavische Schlagseite zu haben. Das kann zum Teil sprachlich bedingt sein: Wer des Englischen nicht mächtig ist, bleibt bei den Tagungen der EBF am Rande. In der “Euro-Asiatischen Föderation der Unionen der Evangeliumschristen-Baptisten” herrscht der umgekehrte Fall vor. Dort gilt Russisch als die lingua franca und die russischen und ukrainischen Baptisten sind meistens federführend. Vielleicht dürfte man sie eine Art Ost-EBF nennen – bis auf das Baltikum und Georgien vertritt sie alle Bünde, die einst zur UdSSR gehörten.

Das Gefälle war aber auch an der Themenwahl zu erkennen. Christen und die Ökologie war das Hauptthema der diesjährigen Konferenz in Lissabon. Doch osteuropäische Baptisten sind noch dualistisch genug, um die Welt in mehr-und-minder-wichtige Themen zu teilen. Und für diese Kirchenführer zählt die Ökologie eben zu den weniger wichtigen Fragen.

Das Abendmahl ist für osteuropäische Baptisten eine bedeutende geistliche Angelegenheit. Sie bedauerten, daß das einzige Abendmahl, das Lissabon zu bieten hatte, von der georgischen Kirche nach einem orthodox-ähnlichen Ritus abgehalten worden ist. Vertreter westlicher Kirchen begeistern sich für die Kreativität und die kulturellen Integrationsbemühungen, die aus der Ecke des georgischen Baptismus hervorquellen. Doch da möchten die Osteuropäer lieber bei ihrer bewährten, in der Verfolgung geprüften baptistischen Identität bleiben.

Es hat gerade im Spätsommer 2008 zwei große baptistische Jugendkonferenzen gegeben: ein Jugendtreff- West in Leipzig und ein Jugendtreff-Ost in Odessa. Das war nicht unbedingt so gewollt – schon gar nicht in Leipzig. Preise und die strenge Visahandhabung in den Ländern des Schengener-Abkommens trugen dazu bei - doch vielleicht ist man auch lieber unter sich im weitesten Sinne.

Was ist zu tun? Man darf sich stark machen für die Vorstellungen und Wünsche der Unionen Mittel- und Osteuropas. Es ist klar, daß sie ohne die westlichen Bünde nicht mehr auskommen wollen - wer will schon Zustände wie im Kalten Krieg wieder haben? Das wäre eine Aufgabe für Pastor Valeriu Ghiletchi.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 7. Oktober 2008
baptistrelations@yandex.ru
www.baptist.org.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung aus der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Es handelt sich jedoch um einen Kommentar und gibt genau nur die Einschätzung von William Yoder wieder. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-45, 542 Wörter.


Konfessionsgebundene Missionen sind erwünscht
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Moskauer Konferenz über 20 Jahre missionarischer Erfahrung

Kommentar

M o s k a u – Am 18. September veranstaltete die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) ihre erste Konferenz, die sich mit den historischen Höhen und Tiefen protestantischer Missionsarbeit im nachsowjetischen Zeitalter befaßte. Einhundertzehn Teilnehmer besuchten die Konferenz in der Zentralen Baptistenge¬meinde Moskaus. Sie trug den Titel, „Zwanzig Jahre danach. Mission in Rußland: Erfahrungen und die Aussichten auf Partnerschaft“, und wurde vor allem von der Missionsabteilung der RUECB verantwortet.

Berichte nach der Begegnung gaben zu verstehen, daß manche negativen Entwicklun¬gen auf die mangelnde Zusammenarbeit zwischen westlichen Missionen und Ortsgemeinden in Rußland zurückzuführen waren. Ein Konferenzteilnehmer sagte aus: „Manche Missionsgesellschaften trafen mit bereits fertigen Strategien und finanziellen Vorstellungen ein. Das verdrängte Gemeinden in die zweite Reihe; die Gläubigen vor Ort fühlten sich übergangen und verloren bald Interesse an dem jeweiligen Projekt. Mission und Ortsgemeinde hatten manchmal ganz verschiedene Vorstellungen.“

Überkonfessionelle Missionsgesellschaften gehören in westlichen Gefilden zum täglichen Brot. In Rußland neigten sie jedoch dazu, sich von der Ortsgemeinde abzusondern. Unbeabsichtigt haben sie immer wieder den historischen Kirchen ihre besten Mitarbeiter entzogen. Ein Fazit der baptistischen Teilnehmer lautete: „Die Missionsgesellschaften, die wir in Rußland noch zu gründen haben, müssen den Kirchenleitungen unterworfen sein. Wir ziehen konfessionsgebundene Missionen vor, denn sie werden am ehesten imstande sein, unsere kleinen, vorhandenen Ortsgemeinden zu stärken.“

Selbstkritik hatte auch ihren Platz auf der Konferenz. Es wurde z.B. angemerkt, daß russische Gläubige wiederholt von ausländischen Missionsgesellschaften angestellt worden seien, ohne selbst die positive Vision ihres Arbeitgebers verinnerlicht zu haben.

Im gegenwärtigen Kontext, nachdem ausländische Spenden und Mitarbeiter abgenommen und der heimische Widerstand drastisch zugenommen habe, müssen finanziell tragbare Missionsmodelle gefunden werden, die auch ohne ausländische Zuwendungen durchgehalten werden können. Das Gespräch über nachhaltige Modelle befinde sich noch in den Anfangsstadien; das ehrliche Gespräch zwischen Ausländern und Einheimischen, denen die Sache der Mission am Herzen liegt, müsse fortgesetzt werden.

Die Konferenz sparte nicht mit Lob für den vielen Segen, der sich bereits ergeben hat. Pastor Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der RUECB, betonte, daß es immer wieder ausländische Missionare gegeben habe, die sich der Zusammenarbeit mit einer Ortsgemeinde verschrieben hätten. Sie traten ohne fertiges „Produkt“ und mit viel Feingefühl an die Gemeinde heran. Er fügte hinzu, daß überkonfessionelle Missionen bei der Schulung von Mitarbeitern und der Vorbereitung von Schulungsmaterialien viel Positives geleistet hätten. Er vertritt die Auffassung, „Campus für Christus“ könnte auch in Zukunft für die Zurüstung der RUECB für den Dienst an Schülern und Studenten eine entscheidende Hilfe sein.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Die „Slavic Gospel Association“, die auf der Konferenz von ihrem Präsidenten, Robert Provost (Loves Park/Illinois), vertreten worden ist, ist eine überkonfessionelle Mission. Doch seit 15 Jahren arbeitet sie eng mit der RUECB zusammen.

Auf der Konferenz merkte RUECB-Präsident Juri Sipko an, daß sich bei der Gründung der RUECB 1992 nicht mehr als 600 Ortsgemeinden zu ihr zählten. (Die RUECB war eine von mehreren Nachfolgeorganisationen des „All-Unionsrats der Evangeliums¬christen-Baptisten“ in der UdSSR.) Doch heute ist die Zahl bei 1.750 Ortsgemeinden angekommen. Dieser gewaltige Sprung ist zum Teil auf die Aufteilung der wenigen, oftmals sehr großen Gemeinden, die durch die repressiven Maßnahmen der sowjetischen Behörden verursacht worden waren, zurückzuführen. Er ist aber auch ein Beleg dafür, daß russische Baptisten durchaus imstande seien, sowohl mit wie ohne westliche Unterstützung Mission zu betreiben.

Ein zweites Forum zur Vergangenheit und Zukunft evangelikaler Mission soll vom 24.-25. Oktober in Irpen unweit von Kiew stattfinden. Veranstalter werden die in Wheaton/Illinois beheimateten „Peter Deyneka Russian Ministries” sein.

Dr.phil. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 7. Oktober 2008
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Eine Veröffentlichung aus der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Es handelt sich jedoch um einen Kommentar und gibt nur die Einschätzung von William Yoder wieder. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-44, 560 Wörter.


Ein großartiges Treffen
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Interkonfessionelles Komitee trifft sich zum ersten Mal seit sieben Jahren

M o s k a u – Nach fast siebenjähriger Pause tagte am 2. Oktober im Moskauer Pilger-Zentrum der Orthodoxie das aus Katholiken, Orthodoxen und Protestanten bestehende „Christliche Interkonfessionelle Beratungskomitee“ (Christian Inter-Confessional Advisory Committee – CIAC). Die Begegnung hatte die Überschrift: „Das Christentum in der heutigen Welt – national und global“. Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbe¬ziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) und Vertreter der Protestanten im dreiköpfigen Führungsteam, meinte hierzu: „Das war ein großartiges Treffen.“ Er zeigte sich überrascht und erfreut über die Ehrlichkeit und Offenheit, die die 25 Kirchenführer aus Armenien, Lettland, Belarus und Rußland während des geschlossenen, fünfstündigen Teils der Begegnung zeigten.

Danach berichtete der Baptistenpastor von dem Schmerz und Affront, den Russen empfinden, wenn das gesamte Volk für die Verfehlungen und Verbrechen der verblichenen Sowjetunion verantwortlich gemacht wird. Josef Stalin war Georgier mit ossetischer Mutter; sein langjähriger Chef der Geheimpolizei, Lawrenti Beria, war Mingrelier aus Abchasien. Tscheka-Gründer Felix Dserschinski war ein weißrussischer Pole. Nikita Chruschtschow, Parteichef von 1953 bis 1964, stammte aus der Ukraine. Nur die Hälfte aller Bürger der Sowjetunion waren ethnische Russen. Pastor Wlasenko wies darauf hin, daß auch Millionen von Russen vom sowjetischen Staat verfolgt wurden.

Wlasenko freute sich über die Äußerung eines Repräsentanten der armenischen Orthodoxie, der fragte: „Haben wir uns jemals bedankt für das Gute, das unsere Völker zum Wohl anderer vollbracht haben? Nach dem II. Weltkrieg hat der sowjetische Staat sehr viele Häuser und Fabriken wiederaufgebaut.“ Wlasenko fügte hinzu: „Viele von uns ehemaligen Bürgern der Sowjetunion möchten freundschaftlich verbunden bleiben. Es sind jedoch unsere Regierungen, die einen Keil zwischen uns treiben. Die Staaten bürden die gesamte Schuld einer einzigen Nation auf; kleine Staaten werfen den größeren Ausbeutung vor.“ Er vertrat die Auffassung, viele Ukrainer hätten in ungerechter Weise nur die negativen Aspekte der russischen Nation hervorgehoben.

Bei der Begegnung am 2. Oktober wurde beschlossen, ein Sekretariat ins Leben zu rufen, das für die Planung und Gestaltung der Arbeit des CIAC verantwortlich ist. Das Sekretariat wird in Räumlichkeiten des Moskauer Patriarchats eingerichtet werden. Die aktivsten Mitarbeiter des Sekretariats werden wohl Erzpriester Wsewolod Tschaplin und Vater Igor Wyzhanow vom orthodoxen Außenamt sein. Neben Wlasenko gehören Kyrill, Metropolit von Smolensk und Kaliningrad und Leiter des orthodoxen Außenamtes, sowie Pawel Pezzi, der römisch-katholische Erzbischof der Moskauer Diözese, zum Führungsteam des CIAC.

Bei Beratungen mit der in Genf beheimateten „Konferenz Europäischer Kirchen“ (KEK) in Moskau im Februar 2007 war beschlossen worden, das CIAC wiederzubeleben. Geschaffen 1993 um das Gespräch zwischen den Kirchen in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu erleichtern, führte das CIAC in den Jahren 1994, 1996 und 1999 wichtige Konferenzen durch. Im Jahre 2001 wurde sogar eine Jugendkonferenz abgehalten. Diese Aktivitäten wurden jedoch jäh unterbrochen nachdem der Vatikan im Februar 2002 beschlossen hatte, seine nichtregionalen „Apostolischen Administraturen“ auf russischem Boden in vier regionale Diözesen umzuwandeln. Dies war nach orthodoxer Überzeugung ein flagranter Verstoß gegen das kanonische Recht. Zum Hintergrund des jetzigen Durchbruchs erläuterte Metropolit Kyrill beim Pressegespräch am 2. Oktober: „Ich kann nicht behaupten, daß alle strittigen Fragen gelöst worden seien und, daß sich alles absolut normalisiert habe. Aber es ist eine Tatsache, daß wir uns aktiv in Richtung einer Überwindung dieser Schwierigkeiten bewegen.“

Pastor Wlasenko meinte später: „Ich möchte unterstreichen, daß diese Begegnungen kein Bestandteil der ökumenischen Bewegung sind. Das CIAC ist jedoch eine wichtige Plattform für das zwischenkonfessionelle Gespräch über unsere Vergangenheit und Zukunft.“ Zu den prominenten Teilnehmern beim Treffen zählte Edmund Ratz (St. Petersburg), Erzbischof der „Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rußland, Ukraine, Kasachstan und Mittelasien“. Protestanten bildeten die Mehrheit bei dieser Begegnung am 2. Oktober.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 6. Oktober 2008
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Humanitäre Unterstützung von Südossetien angelaufen
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Russisch-protestantische Bemühungen und Gedanken zum Thema Ossetien


M o s k a u – Humanitäre Besuche russischer Baptisten in der kriegsgeplagten und verarmten georgischen Enklave von Südossetien sind angelaufen. Walentin Wasilizhenko von der Moskauer Zentrale der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) gehört zu denen, die gerade in letzter Zeit dort gewesen sind. Er berichtete von einer großen Offenheit gegenüber dem Evangelium und Dankesbekundungen seitens der Behörden für die von Protestanten gelieferte Hilfe. Ende August befand er sich vor Ort, um eine erste Ladung von 200 mit Schulmaterialen gefüllten Schulranzen bedürftigen Kindern zu übergeben. Dieses ausschließlich aus russischen Quellen gespeiste Programm hat das Ziel, die Osseten mit 1.000 Schulranzen zu versorgen. Staatsvertreter haben die Tatsache, daß die Schulranzen auch Kinderbibeln enthalten, nicht beanstandet. Pastor Wasilizhenko gab an, daß seiner Mannschaft zahlreiche Versammlungen auf öffentlichen Plätzen gestattet wurde. „Tropinka“, der protestantische Kinderchor aus der nordossetischen Hauptstadt von Wladikawkas, ist bereits nach Südossetien gereist.

In einer nicht unmittelbar mit dem Krieg verbundenen Entwicklung wurde dem evangelischen Radiosender MCC in der protestantischen „Hochburg“ von Wladikawkas ein neuer Sendemast aus St. Petersburg überbracht. Er soll ein Provisorium ersetzen, das bereits seit einem Jahrzehnten im Einsatz ist. Die Anstalt sendet rund um die Uhr auf 104,9 UKW und ist in Südossetien deutlich zu hören.

Einer der ersten Moskauer Protestanten, der nach Einstellung der Kampfhandlungen Südossetien besuchte, war Sergei Rjachowski, Bischof der großen, dezentral-strukturierten „Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelisch-Pfingstlerischen Glaubens“. Sein ausführlicher Bericht machte einen niederschmetternden Eindruck. Er sagte z.B.: „Die Menschen sind voller Haß. Ich sah Haß in den Augen unserer evangelischen Gläubigen. Es gibt Haß in ihren Seelen, und das ist etwas richtig Furchtbares.“

Nach seinem Bericht können die 300 Pfingstler und Charismatiker der Stadt Zchinwali es nicht fassen, daß der georgische Staatspräsident Mikheil Saakaschwili mit einem eklatanten Wortbruch die Kampfhandlungen einleitete. Frühmorgens am 8. August seien die Menschen durch das von georgischen Streitkräften ausgelöste Bombardement eines dichtbevölkerten Stadtteils aus dem Schlaf gerissen worden. Rjachowski bestand darauf, daß er die Evangelischen für deren Griff zur Waffe gegen die georgischen Streitkräfte nicht tadeln dürfe. „Sie wollten nur ihre Familien, ihr Gebiet und ihre Häuser beschützen. In Zchinwali standen alle Männer unter Waffe – ihnen blieb keine andere Wahl.“ Doch gleichzeitig legte er den Krieg zwischen Georgiern und Osseten als eine gewaltige Niederlage für Menschen des Glaubens aus. Obwohl Osseten, Georgier und Russen allesamt nominell orthodoxe Völker seien, hätten sie sich als unfähig erwiesen, eine militärische Auseinandersetzung zu verhindern.

In einem anderen Zusammenhang meinte der Bischof der Charismatiker: “Gott sei Dank, daß eine Million Georgier hier bei uns in Rußland leben! Viele von ihnen haben einen kühlen Kopf behalten und sie schämen sich wegen Saakaschwili.“ (Georgien hat eine Bevölkerung von nur 4,6 Millionen.)

Nochmals zurück in Moskau und nur zwei Tage nach der Anerkennung von Südossetien und Abchasien durch die Russische Föderation am 26. August, unterzeichnete Sergei Rjachowski eine Erklärung, die diese Maßnahme seines Staates lobte. Sie lautet u.a.: „Russische Protestanten sehen in der Anerkennung der staatlichen Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien durch den russischen Präsidenten einen Schritt, der dem Willen der Bewohner dieser beiden Republiken entspricht. Wir meinen, dies wird die Beendigung einer vieljährigen Geschichte von Leiden, vom Verlust Unschuldiger und von Zerstörungen auf diesem Territorium ermöglichen.“ Mitunterzeichner waren Wassili Stolyar, Präsident der Adventisten des Siebenten Tages, und der Geschäftsmann Alexander Semtschenko, Bischof der 26-Gemeinden-zählenden „Union der Kirchen evangelischer Christen“. Alle drei Unterzeichner sind Mitglieder des „Rats für die Zusammenarbeit mit religiösen Organisationen am Sitz des russischen Präsidenten“.

Die Haltung der RUECB zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Georgien und Ossetien wird am besten durch ihre Erklärung, „Wir reichen Ihnen die Hand der Freundschaft“, vom 24. bzw. 28. August verdeutlicht. Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt heute rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 12. September 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-42, 500 Wörter.


Die Reichweite unserer Liebe und Fürsorge erweitern
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Schnelle Hilfe für die Kriegsopfer in Ossetien und Georgien benötigt


M o s k a u – Liebevolle Menschen in großer Entfernung sind ebenfalls imstande, der Sache des Friedens und der Verständigung im umkämpften Kaukasus Auftrieb zu verleihen. Gläubige aus fernen Ländern bekommen selten die Chance, Flüchtlinge und Trauende im Kaukasus selbst zu umarmen und zu trösten. Doch dank der Entdeckung des Geldes, können bereitwillige und gutherzige Menschen vor Ort die Reichweite unserer eigenen Arme und Beine verlängern.

Eine Schaltstelle protestantischer, humanitärer Hilfe in den russisch-kontrollierten Gebieten von Nord- und Südossetien ist die in Wladikawkas/Rußland ansässige „Nordossetische Mission christlicher Nächstenliebe“ (North Ossetian Mission of Christian Compassion - NOMCC). Gegenwärtig hausen Tausende von Kindern aus den Kriegsgebieten in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen im Gebiet von Wladikawkas in Nordossetien-Alanien. Über die eigenen Freiwilligen schreibt die Mission: „Wir sind bereit, den am Krieg in Südossetien leidenden Kindern geistliche, geistige und materielle Hilfe zukommen zu lassen.“ Programm¬kosten pro Kind werden mit rund 1.000 Rubel (28 Euro) beziffert; die Zahl der Kinder, denen geholfen werden kann, wird im starken Maße vom Umfang der gewährten Spenden abhängen. Man zielt darauf, 4 bis 6.000 Kindern (Gesamtkosten 160.000 Euro) unter die Arme zu greifen. Der russische Staat hat die Mission explizit zur Mithilfe aufgefordert; baptistische Hilfslieferungen aus St. Petersburg sind bereits eingetroffen.

Die staatlich-anerkannte Mission NOMCC wurde 1990 von Pastor Peter Lunitschkin, der heute in St. Petersburg ansässige Diakonieleiter der Russischen Baptistenunion, aus der Taufe gehoben. Sie ist seit ihrer Entstehung mit der in Korntal bei Stuttgart beheimateten „Licht im Osten“-Mission verbunden und hat sich auch in dem Zusammenhang für evangelistische Maßnahmen eingesetzt. Eine Kinderzeitschrift und ein Kinderchor – beide Tragen den Namen „Tropinka“ (Pfad) – sind durch die Bemühungen von Licht im Osten entstanden. Zu den weiteren, schlagkräftigen Partnern der NOMCC zählen die “Baptist World Aid” (www.bwanet.org) des Baptistischen Weltbundes und der “Dorcas Aid International” (www.dorcas.net) aus Holland. Ein weiterer Partner, das in Pennsylvania ansässige „Mennonite Central Committee“, hat bereits eine größere Materiallieferung entsandt. Gegenwärtige Leitern der NOMCC ist Waleria Lunitschkin, (nomcc@nomcc.org or www.nomcc.org).

Die NOMCC spielte eine entscheidende Rolle bei der Lieferung von Hilfsmitteln in die benachbarte Stadt Beslan nach dem Schulmassaker von September 2004. Jenes grauenvolle Ereignis hatte ebenfalls viele ossetische Opfer gefordert.

Alle der genannten, nichtrussischen Organisationen können ebenfalls Hilfe den Kriegsopfern in den von Georgien kontrollierten Gebieten zukommen lassen. Ein führender Kanal baptistischer Hilfslieferungen innerhalb Georgiens ist die 10-Jahre-alte “Betheli Humanitarian Association”. Sie gehört der „Evangelischen Baptistenkirche Georgiens“ (www.ebcgeorgia.org) an. Ihr Erzbischof ist Malkhas Songulaschwili (Tiflis). Euro können auf ein Konto bei der Bank der deutschen Baptisten eingezahlt werden:

Spar- und Kreditbank EFG eG, Bad Homburg, Germany.
Konto-Nr. 11474 47,
IBAN: DE95 5009 2100 0001 1474 47
BIC: GENODE51BH2
Empfänger: Evangelical Baptist Church of Georgia

Betheli gibt an, mit den gesammelten Geldern in der benachbarten Türkei humanitäre Hilfe einkaufen zu können. Hilfsbereite, die sich eine Spendenquittung aus Nordamerika wünschen, sind herzlich eingeladen, über folgende Adresse zu spenden:

Baptist World Aid - Ossetia and Georgia Relief
Baptist World Alliance
405 North Washington St
Falls Church, VA 22182

In allen Fällen wird eine ordnungsgemäße Verwendung der gespendeten Mittel garantiert.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 29. August 2008
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Kinderlager „Rutschejok“ weiterhin geschlossen
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Zweijahreskongreß der russischen Baptisten hat ein Nachspiel


M o s k a u -- Wladislaw Wowk, Leiter des von einer Brüdergemeinde geführten Kinderlagers in Rumjantsewo nahe Moskau, gibt an, daß sein Lager dem Urteil nach zum 6. September seine Tore wieder öffnen darf. Allerdings fehle weiterhin die formelle, juristische Zusicherung, daß das Lager jemals wieder öffentlich wirken dürfe. Seine Schließung geschah im Zusammenhang mit dem zweijährlichen Kongreß der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), der vom 31. Juli bis zum 4. August auf dem dortigen Gelände stattfand. Nachdem das eilig herbeigerufene Stadtgericht von Iskra an einem Samstag, dem 2. August, einen Beschluß zum Abbruch des Kongresses gefällt hatte, wurde das Lager nach Abschluß des Kongresses am 4. August geschlossen und versiegelt für einen Zeitraum von 30 Tagen. Mehr als 2.000 Baptisten hatten sich für die Konferenz auf einem Gelände versammelt, das mit nur 350 ständigen Betten ausgestattet ist. Dessen Schließung wurde auf Sorgen um die Hygiene und Brandsicherheit zurückgeführt.

Die Zufuhr elektrischen Stroms, die die Kommune wenige Stunden vor Öffnung des Kongresses am 31. Juli gekappt hatte, wurde am 6. August wiederhergestellt. Die Beschränkung des Lagers auf eine Notversorgung durch selbständige Aggregate hatte natürlich die Sicherheitsrisiken erhöht.

Unmittelbar nach Abschluß des Kongresses beantragte die RUECB-Leitung eine Aufhebung des Gerichtsbeschlusses mit der Begründung, das Gericht habe gegen die verbrieften Rechte der Christen auf Ausübung ihres Glaubens in privaten, nichtöffentlichen Räumlichkeiten verstoßen. Endlich nach einer vierten Anhörung hob das Moskauer Bezirksgericht am 14. August den Beschluß zur Schließung des Lagers aus Gründen der Brandsicherheit auf. Doch dabei wurde der Schließungsbeschluß aus hygienischen Gründen für rechtens befunden. Das hatte zur Folge, daß die 30-tägige Schließung als Strafmaßnahme nicht aufgehoben wurde.

Wowk gab bekannt, daß die Lagerschließung im lukrativsten Monat – August – einen Einkom¬mens¬verlust von 2 Millionen Rubeln (55.556 Euro) verursachte. Sie entzog auch Hunderten von Kindern die Möglichkeit, im Jahr 2008 ein christliches Sommerlager mitzuerleben. Auch wenn das Rutschejok am 6. September die Tore wieder aufmachen darf, wird das Schuljahr bereits begonnen haben.

Witali Wlasenko, RUECB-Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen fügte hinzu: “Bitte seien Sie sich gewiß, daß wir auf keinen Fall dabei sind, das Handtuch zu werfen! Die Arbeit für die Sache Christi verläuft nach Plan. Bei Gott ist alles möglich und wir bleiben voller Hoffnung. Wir fühlen uns weiterhin verpflichtet, die Sachen zum Guten hin zu wenden.“

Anklage in Klintsy zurückgezogen

In der südwestlichen Stadt Klintsy unweit von Brjansk zog das Gericht am 5. August eine Anklage zurück. Es stellte dabei fest, daß das Treffen der 28 baptistischen Radler in roten T-Shirts auf dem Zentralplatz am 12. Juli doch keine öffentliche Versammlung darstellte. Alle Anklagen gegen den Hauptverantwortlichen, den Baptistenpastor Ewgeny Woronin, wurden fallen gelassen. Ihm war vorgeworfen worden, eine öffentliche Veranstaltung ohne vorherige polizeiliche Anmeldung durchzuführen. Die jungen Radler hatten sich während einer Evangelisationswoche in der Gemeinde zu einem Fototermin auf dem Platz versammelt; dabei hatten sie gesungen und Handzettel verteilt.

Natürlich war das Gericht außerstande, die Gesundheit des baptistischen Diakons Wladimir Skowpen, eines führenden Radsportlers in der sowjetischen Ära, wiederherzustellen. Ihm war bei einem Arbeitsunfall im vergangenen Februar das Schlüsselbein gebrochen worden – es wurde ein zweites Mal gebrochen dank rauher Behandlung durch die Polizei auf dem Marktplatz in Klintsy am 12. Juli. Nach einer erneuten Operation suchten ihn Staatsbeamten am 30. Juli im Krankenhaus auf; gegenwärtig setzt er seine Genesung zuhause fort. Skowpen hat gegen die verantwortlichen Polizeibeamten Strafanzeige gestellt – das Ergebnis steht noch aus. Der 50-jährige Gemeindediakon rechnet fest damit, 2009 nochmals auf den Sattel zu steigen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 27. August 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-40, 560 Wörter.


Wir reichen Ihnen die Hand der Freundschaft
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Stellungnahme der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten zum Krieg in Georgien

M o s k a u – In den vergangenen 15 Jahren sind die Baptisten Rußlands und Georgiens einander fremd geworden. Nach Jahrhunderten der Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern beklagen wir die Tatsache, daß unsere Freundschaft im Sterben begriffen ist. Wir Baptisten haben uns voneinander entfernt. Wir Russen durchleben keine einfache Phase. Wir ehren und lieben aufrichtig die Christen im Kaukasus und auch im Westen überhaupt. Doch nun werden wir Russen der Aggression unterstellt und wir haben nicht das Gefühl, daß viele unserer Schwestern und Brüder im Westen uns als Ausnahmen ansehen.

Wir wissen oftmals nicht, was wir zu tun und sagen hätten. Wo steckt die eigentliche „Wahrheit“ bezüglich des Konflikts zwischen Georgien und Rußland? Wir stehen sehr reserviert dem „Informationskrieg“ gegenüber. Seit einer sehr langen Zeit werden unsere Völker von der Propaganda heimgesucht, doch der mit Worten geführte Krieg wird nun stark verfeinert und professionalisiert. Wir hören von „Spin doctors“ (Deutungs¬künstlern) und von einer Verwischung der Grenzen zwischen PR und Werbung. PR-Firmen wie die „Renden-Gruppe“ in USA (es gehören auch russische Organisationen zu ihrem Kundenkreis) beschreiben sich selbst als „Informationskrieger“ und „Auffassungs-Manager“ (perception managers), die Journalisten mit Informationen versorgen. Schon deshalb können wir nur mit äußerster Vorsicht weitgehende Urteile fällen.

Wir Gläubigen müssen uns dem Schlachtgewühl entziehen; wir dürfen uns nicht in eine enge, selbstsüchtige, politische Parteilichkeit hineinziehen lassen. Die Georgier haben das Gefühl, überfallen zu werden. Russen vertreten die Auffassung, sie würden dem schwachen und ungeschützten Volk der Osseten zu Hilfe eilen. Beide Seiten haben sich an Kriegsverbrechen beteiligt. Wir müssen tiefer schauen und den Krieg als das geißeln, was er wirklich ist: ein Ausdruck satanischen Hasses. Der Krieg führt niemals tragfähige Lösungen herbei und führt nur in weitere Kriege hinein. Der Krieg hinterläßt nur Verlierer. Gott verurteilt aufs schärfste den Krieg in Georgien – und das müssen wir auch tun. Dieser Krieg hat auch seine geistlichen Ursachen und denen müssen wir auf den Grund gehen.

Die Ausdehnung der NATO und die russische Reaktion darauf sind dabei, Europa erneut zu spalten. Die NATO und ihre Raketen dringen in die einst sowjetische Einflußsphäre vor. Wenn sich die NATO und Rußland als Gegner gegenüberstehen, dann kann die Ausdehnung der NATO nur Angst und Verdacht auf der anderen Seite erzeugen. Der Krieg in Georgien ist ein Ergebnis dieser Furcht.

Den Schwestern und Brüdern in Georgien reichen wir die Hand der Freundschaft. Wir laden sie ein, mit uns ins Gespräch zu kommen. Das gleiche gilt für die anderen Staaten und Völker, die einst zur sowjetischen Interessensphäre gehörten. Wir müssen über die Vergangenheit reden – nicht allgemein, sondern darüber, in welcher Weise wir an den Vergehen der sowjetischen Regierung mitschuldig geworden sind. Wir Russen besitzen ein sehr belastetes Erbe und es besteht Erklärungsbedarf.

Doch im gleichen Atemzug müssen wir ebenfalls von der Zukunft reden. Wie können wir, die einst im östlichen Block lebten, eine große Friedenskraft entwickeln? Wir dürfen auf keinen Fall in die Vorgehensweisen und Bedingungen des Kalten Krieges zurückfallen – wir Russen wollen nicht noch einmal vom Westen isoliert sein. Zusammen könnten wir eine beachtliche Stimme zur Stärkung von Frieden und Verständigung bilden. Gemeinsam könnten wir evangelikale Christen dazu beitragen, die gegenwärtige Tendenz hinein in einen wiedererwachenden Kalten Krieg umzukehren.

Pastor Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen
Pastor Juri Sipko, Präsident
Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten
Moskau, den 28. August 2008
baptistrelations@yandex.ru
www.baptist.org.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine offizielle Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-39, 520 Wörter.


Die Stille vor dem Sturm
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Kirgisische Baptisten bereiten sich auf einen schwierigen Herbst vor

B e r l i n -- Im Spätsommer 2008 hat Alexander Schumilin, Präsident der Union der Evangeliumschristen-Baptisten Kirgisistans, das Gefühl, sich in der Stille vor einem Sturm zu befinden. Angesichts der Widerstände hatte das kirgisische Parlament im vergangenen Frühling die Verabschiedung seines sehr rigiden Religionsgesetzes vertagt. Das soll nun nach Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeit am 1. September nachgeholt werden. Neben sehr strengen Bestimmungen hinsichtlich des Immobilienbesitzes und der Fortbildung von Gläubigen sieht das Gesetz eine Registrierung nur von Gemeinden mit mehr als 200 Gliedern vor. Das würde die Zulassung neugegründeter Gemeinden unmöglich machen.

Pastor Schumilin, der russischer Nationalität ist, könnte es leichter haben. Obwohl er 1959 in der Stadt Kant/Kirgisistan auf die Welt kam, verbrachte er 17 Jahre in der russischen Hauptstadt. In Moskau studierte er und brachte es in einem technischen Fach zum Doktoranden. Doch 1988 fand er ausgerechnet an seinem Geburtsort zum christlichen Glauben. Er wurde Pastor und entschied sich 1993, in die alte Heimat zurückzukehren. „Der Herr hatte mich gerufen,“ erzählte der ledige, weißhaarige Pastor bei einem Gespräch in Bad Blankenburg/Thür. Anfang August. „Ich hatte keine andere Wahl.“ Durch Fernstudium setzte er seine theologische Ausbildung in St. Petersburg und an der Universität von Südafrika in Pretoria fort. Von ihr erhielt er 2002 den theologischen Magister. Seit 2003 ist er Unionsvorsitzender der kirgisischen Baptisten.

Der Pastor berichtete, man habe den starken Eindruck, die mittelasiatischen, ehemals sowjetischen Republiken hätten sich hinter verschlossenen Türen über eine gemeinsame Religionspolitik verständigt. Gemäß dieser Absprachen haben die beiden größten Religionsgemeinschaften das Volk unter sich aufgeteilt: Das orthodoxe Moskauer Patriarch sei für alle „Europäer“, der Islam für alle „Asiaten“, zuständig. Da wirblen die multiethnischen Gemeinschaften der Protestanten die „Zuständigkeiten“ gehörig durcheinander. Bereits 20% der im Lande verbliebenen Baptisten sind Kirgisen; es bestehen sogar ausschließlich kirgisische Gemeinden. Sie werden es in den kommenden Jahren wohl besonders schwer haben. Da die 19.000 einheimischen Bürger koreanischer Herkunft weder als Europäer noch als Zentralasiaten einzustufen sind, gehören sie zu den ethnischen Minderheiten, die am ehesten eine religiöse Sonderstellung begründen könnten. Schumilin meint, die Lage der Protestanten in Usbekistan sei bisher die schwierigste gewesen.

Der staatliche Druck hat im November 2006 zur Bildung einer Evangelischen Allianz geführt. Aus ihr ging im Juli 2008 eine „Assoziation der evangelischen Kirchen Kirgisistans“ hervor. Sie wurde nötig u.a. deswegen, weil die knapp mehr als 200 kirgisischen Lutheraner den Eindruck hatten, das Außenamt der EKD in Hannover würde einer Zusammenarbeit mit der als konservativ geltenden Allianz ablehnend gegenüberstehen. Obwohl die Assoziation keine juristische Zulassung genießt, sieht sie ihre Existenzberechtigung darin, ein gemeinsames Auftreten der protestantischen Denominationen zu ermöglichen. Alexander Schumilin, der Vorsitzender der Allianz war und nun Vorsitzender der Assoziation ist, betonte, daß es sich hierbei um keine theologische Einigungsbewegung handele. Er versicherte: „Wir führen keine gemeinsamen Gottesdienste durch und mischen uns nicht in die Glaubenslehre anderer Kirchen ein. Wir sind eher eine Art Runder Tisch, der sich über eine einheitliche Vorgehensweise gegenüber dem Staat verständigt.“ Angesichts der Überzeugungen der baptistischen Diaspora aus Kirgisistan in Deutschland, sei ein engeres Zusammengehen nicht ratsam.

Doch im Zwiegespräch mit Kirchen im Ausland ist Pastor Schumilin versiert, denn er ist ebenfalls aktives Mitglied des „Zentralasiatischen Koordinierungsrats“ (ZAKS) baptistischer Unionen. Dazu sagte er: „Wir haben enge Beziehungen zu den Kirchen in den anderen zentralasiatischen Staaten. Wir versammeln uns mehrmals jährlich und sprechen uns ab bezüglich Evangelisationen und Gebetstreffen, bezüglich gemeinsamer Frauen- und Jugendkonferenzen.“ Im April 2008 ist der Pastor aus der kirgisischen Hauptstadt Bischkek fristgemäß als Präsident der lose strukturierten „Euro-Asiastischen Föderation der Unionen der Evangeliumschristen-Baptisten in den GUS-Staaten“ ausgeschieden.

Der Präsident betonte, Sorgenbekundungen von Gruppierungen, Gemeinden und Kirchen wären in den nächsten Tagen höchst willkommen. Für die Glaubensfreiheit plädierende Briefe sollten entweder an die kirgisische Botschaft im eigenen Lande oder an die Botschaft des eigenen Staates in Bischkek geschickt werden. Das haben die deutschen Baptisten aus Kirgisistan bereits getan – ihnen ist das dünnbesiedelte Land im zentralasiatischen Hochland wohl am ehesten noch von Interesse.

Eine Wunde in der baptistischen Familie bleibt die Loslösung der baptistischen Unionen von Kirgisistan und Kasachstan vom Baptistischen Weltbund (BWA) und der in Prag ansässigen Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) von 2006. Den Austritt führt Schumilin auf die Haltung westlicher Unionen zur Frage der Homosexualität, der Unfehlbarkeit der Bibel, der Führungsrolle von Frauen und der charismatischen Gaben zurück. Nach seiner Auffassung wurde das theologische Gespräch seitens der EBF vorzeitig abgebrochen. „Unser Austritt aus BWA und EBF war keine schnelle, unerwartete Entscheidung. Doch wir bleiben offen für ein Gespräch über das, was uns bewegt. Wir möchten unsere Haltung weiter erläutern.“ Auf jeden Fall bleiben die Kontakte der Unionen dieser beiden Staaten zur EBF und zu seiner Prager Bildungsstätte, der „International Baptist Theological Seminary“ (IBTS), stark. Schumilin z.B. hat die Absicht, bei der IBTS zu promovieren.

Der kirgisische Präsident beschrieb die Beziehungen seiner Union zur US-amerikanischen „Southern Baptist Convention“ als „nicht eng“ – nur ein einziger Missionar befasse sich ständig mit Kirgisistan. Doch Schumilin bedauert es, daß seine Kirche an der SBC-Konferenz in Lemgo/Westfalen im vergangenen April nicht teilnehmen konnte. Ein Besuch von Morris Chapman (Nashville), dem Präsidenten des Vorstandes der SBC, in Kirgisistan steht an. Im Jahre 2004 war die SBC, die größte protestantische Kirche der USA, ebenfalls aus der BWA ausgetreten.

Doch eines der Hauptprobleme seiner Union – die Auswanderung - hat wenig mit der Kirchenpolitik zu tun. Der Präsident gibt an, seine Kirche sei seit 1987 von 13.000 auf 3.000 Mitglieder zusammengeschrumpft. Einst bestand die Bevölkerung zu 45% aus Menschen russischer Nationalität – heute sind es nur noch 10%. Neben einer schwachen Konjunktur sieht er in der Nationalitätenpolitik einen Hauptgrund für die Ausreisewelle. Obwohl nur 66% der Landesbevölkerung von 5,08 Millionen kirgisischer Nationalität seien, werde die Nutzung der kirgisischen Sprache zunehmend forciert.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 19. August 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-38, 929 Wörter.


In Protokollen kommen Baptisten noch immer vor
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Interview mit Baptistenpräsidenten Juri Sipko zum Ableben von Alexander Solschenizyn

M o s k a u – Gekürzte Fassung des Pressedienstes der russischen Baptisten mit Juri Sipko, dem Präsidenten der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten

Am 4. August ist mit 89 Jahren der Schriftsteller Alexander Solschenizyn in Moskau verstorben. Wie schätzen Sie sein Werk ein? Was gefällt Ihnen am meisten an seinem Wirken?
Sein Werk stellt eine ganz besondere Schöpfung dar. Er war kein Romancier im üblichen Sinne. Er war eher politischer Schriftsteller und Chronist. Sein „Archipel Gulag“ ist eher Protokoll als Roman. Sein Buch „Ein Tag im Leben des Iwan Denisowitsch“ war auch ein Protokoll – die Chronik eines einzigen Tages.

Solschenizyn war ein geistiger Gigant. Er gehört zu den wirklich wenigen, die die Wahrheit vernehmbar äußerten. Er war ein Mann der Wahrheit. Im Gegensatz zu uns und im Gegensatz zu allen, die heute Reden zu Ehren des Verstorbenen schwingen, hat er die Wahrheit nicht versteckt. Er lebte die Wahrheit und er sagte die Wahrheit. Er sprach nicht die Wahrheit zugunsten seiner eigenen Person aus; er verleugnete sich selbst. Das gefällt mir an seinem Werk. Es fordert einem viel ab, seine Bücher zu lesen. Er schrieb keine spannenden Novellen – er beschrieb vielmehr das blutige Leiden meines Volkes. Das bringt mich noch heute zu Tränen.

Wie haben seine Bücher die russische Gesellschaft verändert?
Überhaupt nicht! Erst vor kurzem hat US-Präsident George Bush die Meinung geäußert,
der Kommunismus und Faschismus seien gleichermaßen brutal gewesen. Darauf hat unser Außenministerium sofort reagiert: Wagen Sie es nicht, unseren Kommunismus in den Dreck zu ziehen! Unser Kommunismus enthält eine äußerst humane Ideologie. Eine Sendereihe in unserem Zweiten Russischen Kanal, „Rußland durch Persönlichkeiten“, hat Stalin und Lenin als die attraktivsten Führer in der russischen Geschichte dargestellt. Auf den Jüngstverstorbenen reagieren viele meiner Landsleute mit Haß.

Aber es gibt auch eine nicht ganz geringe Schar von Menschen, die über das Werk Solschenizyns zur Erkenntnis der Wahrheit kamen. Es gab Menschen, die durch seine furchtlosen Worte eine Reinigung erlebt haben. Gerade heute hat mir ein Mensch bestätigt, daß das Werk Solschenitzsyns ihn zu Gott geführt habe.

Solschenizyn hat seinen Glauben nicht versteckt, doch in seinen Büchern hat er nicht versucht, den Leser zu bekehren. Dürfen wir ihn als einen christlichen Schriftsteller ansehen?
Ich würde ihn als christlichen Schriftsteller verstehen. Ein Romancier oder Mensch jeder anderen Zunft gilt nicht als Christ nur weil er sich als solchen definiert, sondern in dem er wirklich einer ist. Übrigens: In unserem gänzlich religiösen Land bleibt mit dem Ableben Soltschenitsyns kein einziger Mensch des Gewissens und der Wahrheit übrig! Die Führung unseres Landes hat das gerade eingestanden – und das war eine wirklich seltene Einsicht!

Solschenizyn ist beinahe der einzige russische Schriftsteller, der jemals über die Baptisten geschrieben hat. Einer von ihnen ist ein Hauptprotagonist des Buches „Ein Tag im Leben des Iwan Denisowitsch“. Warum kommen Baptisten in den Novellen und Romanen der Gegenwart nicht vor?
Diese recht bekannte Geschichte ist ungewöhnlich – eigentlich ist sie eher ein Protokoll. Aloschka war als Baptist eben ein Ausdruck der wahren, russischen Gesellschaft der damaligen Zeit. Aloschka drückte die Freiheit aus – und das in einem Gulag! Einem unparteilichen Beobachter wie Solschenizyn konnte das nicht entgehen und er berichtete über diesen Teil der russischen Wirklichkeit. Die Novellen und Romane der Gegenwart sind kommerzielle Produkte – und Baptisten verkaufen sich schlecht.

Allerdings kommen Baptisten weiterhin in Protokollen vor – in jenen der Miliz. Das gehört irgendwie zu ihnen. Der Herr sagte es voraus: „Wie sie mich verfolgt haben, werden sie auch Euch verfolgen.“ „Mich haben sie gehaßt, euch werden sie auch hassen.“

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 10. August 2008
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“Das Bächlein“ trocknete nicht aus
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Nationalkongreß der russischen Baptisten erfolgreich zu Ende geführt

M o s k a u – Gegen Mittag am 4. August wurde „Transformation 2008“, der dritte Zweijahreskongreß der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), in der Nähe der Ortschaft Rumjantsewo westlich von Moskau planmäßig abgeschlossen. „Das war ein wirklich tolles Ereignis!“ schwärmte Witaly Wlasenko (Moskau), der RUECB-Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen. „Viele Teilnehmer behaupten, es sei die beste Konferenz, die sie jemals miterlebt hätten.“ Für jeden war etwas dabei – es gab auch ein Programm für die mehr als 200 Kinder. Behandelt wurden Fragen wie das Elternsein, Liebesbeziehungen, Nachfolge, Leiterschaft und das Mentoring. Das Schöpferische kaum voll auf seine Kosten: Jeden Abend zwischen 22 Uhr und Mitternacht wurden Musik und Schauspielerei angeboten.

Obwohl Gäste aus den benachbarten GUS-Staaten dabei waren, behielt das Ereignis einen eindeutig russischen Charakter. Offensichtlich gab es im Hauptzelt keine einzige Ansprache, die in einer westlichen Sprache gehalten worden wäre. Doch Chöre sangen in ihren südrussischen Muttersprachen: auf Kabardisch, Ossetisch, Balgarisch und Roma z.B. Zwei Wycliffe-Bibelüber¬setzerinnen aus Rußland wurden ebenfalls vorgestellt. Die einzige größere Gruppe mit einem westlichen Zuhause waren die 18 Mitarbeiter der „Harvest Bibel Chapel“ aus Naperville bei Chicago. Sie spielten eine wichtige Rolle beim Herrichten des Lagers für die mehr als 2.000 Besucher.

In der Woche zuvor hatte die säkulare Presse gemutmaßt, daß dieses von einer Brüdergemeinde geführte Kinderlager namens „Bächlein“ aufgrund des staatlichen Widerstandes gegen den Kongreß „austrocknen“ würde. Doch die sintflutartigen Zustände am Sonntag, als Zelte und Teile des Geländes unter Wasser standen, bewiesen das genaue Gegenteil. Russen verstehen es, Widerwärtigkeiten zu ertragen. Das Wochenende wurde zu einem „feucht aber fröhlichen“ Ereignis, das die Gläubigen auf engsten Raum zusammendrängte.

Was die Durchführung des Kongresses ein legal oder ein illegaler Vorgang? Kommunale Behörden hielten die Durchführung für illegal, doch bleibt die RUECB-Leitung bei ihrem Standpunkt, daß das Ereignis von den maßgebenden föderalen Behörden niemals untersagt worden sei. Pastor Peter Lunitschkin aus St. Petersburg, Leiter der Diakonieabteilung des russischen Bundes, warnte in einem persönlichen Gespräch vor Verbissenheit. Russische Gläubige fallen nicht gleich aus allen Wolken beim ersten staatlichen Versuch, ihnen etwas zu verbieten. Organisation und Ausführung seien nicht die Stärken der Russen, räumte er ein – welches sowohl für die Kirche wie für den Staat zutreffe. „Wir sind an staatlichem Widerstand gewohnt,“ versicherte Pastor Lunitschkin. „Gäbe es keine öffentliche Gegenwehr, könnten wir mit uns selber wahrscheinlich gar nichts mehr anfangen.“ Er fügte hinzu, daß große Freiräume zur Verkündigung des Evangeliums weiterhin bestünden. Im Raum Petersburg sei ein breiter Zugang zu den Kinderheimen nach wie vor möglich. „Wir wissen nicht, wie lange diese Freiheit noch anhält, doch jetzt ist sie auf jeden Fall noch vorhanden.“

Die Zufuhr öffentlichen Stroms, die unmittelbar vor Beginn der Konferenz am 31. Juli gekappt worden ist, wurde nicht gleich nach Abschluß am 4. August wiederhergestellt. Lokale Politiker, die im Namen der öffentlichen Sicherheit die Konferenz untersagt hatten, sind auch für die Abschaltung des Stroms verantwortlich. Das juristische Nachspiel ist bereits angelaufen.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt heute rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 6. August 2008
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Licht auf Ebbe und Stimmung auf Flut
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Nationaler Baptistenkongreß in Rußland verläuft nach Plan

M o s k a u – Wenige Stunden nach der offensichtlichen Rücknahme einer Verfügung der Regionalbehörden konnte der zweijährige Kongreß der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB), „Transformation 2008“, am Abend des 31. Juli starten. Dieser dritte Nationalkongreß findet im Kinderlager „Bächlein“ (Rutschejek) nahe der Ortschaft Rumjantsewo 60 Kilometer westlich von Moskau statt. Der erste volle Tag des Ereignisses, der 1. August, war von hervorragender Musik, Gottesdiensten, Seminaren, herzlichen Umarmungen und fröhlichen Kinderscharen geprägt. Zu Mittag am 2. August versicherte Witaly Wlasenko, der RUECB-Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen: „Die Menschen sind begeistert, die Stimmung ist ausgezeichnet. Der Heilige Geist ist am Wirken!“

Von Anfang an war die Solidarität der anderen protestantischen Kirchen offenkundig. Pawel Okara, Präsident der pfingstlerischen „Russischen Kirche der Christen Evangelischen Glaubens“,
und Sergei Rjachowski, der politisch-aktive Bischof der charismatischen „Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelisch-Pfingstlerischen Glaubens“, traten beide am Eröffnungsabend auf. Duma-Mitglied Sergei Popov, der Mitte Juni dem Präsidenten des Baptistischen Weltbundes (BWA), Neville Callam, einen herzlichen Empfang bereitet hatte, ließ der Eröffnungsveranstaltung ein Grußwort zukommen.

Nur ein Tag zuvor waren die Aussichten duster. Am 29. Juli hatte der führende Nachrichtendienst „Interfax“ und der Moskauer Rundfunk die Überschrift gebracht, daß „3.000 russische Baptisten die Absicht haben, trotz eines Verbotes durch regionale Behörden ihre Konferenz in einem Kinderlager durchzuführen“. Die Meldung fügte hinzu, daß das Verbot bereits seit mehreren Monaten in Kraft sei. Als Grund wurde eine massenhafte Überbelegung angegeben – das Lager kann nicht mehr als 350 Personen eine Schlafstätte bieten. Die Interfax-Mitteilung schloß mit einer vieldeutigen Warnung der Polizei, jeglicher Versuch der Baptisten, sich trotz Verbots zu versammeln, könne „verschiedenartige Konflikte und unkontrollierbare Zustände herbeiführen“.

Die Stimmung in der Moskauer RUECB-Zentrale erreichte am 30. Juli einen Tiefpunkt, als ohne erkennbaren Grund die Strom- und Telefonversorgung für einen Großteil des Tages ausfiel. Noch am Vormittag vom 31. Juli verkündete die Zeitung „Nowie Iswestia“: „Das Bächlein ist ausgetrocknet.“ Die staatlichen Gegner der Konferenz haben ihren Rückschlag nicht leicht hingenommen. Um 18,00 Uhr am 1. August wurde der Kongreßleitung ein Erlaß der Gebietsbehörden überreicht, der das Ereignis ab 10,00 am Vormittag desselben Tages verboten hatte. Trotz gedeihlicher Zusammenarbeit vor Ort zwischen Kongreß und Polizei haben lokale Behörden einiges zu Wege gebracht, um den Teilnehmern die Konferenz möglichst unangenehm zu machen. Der elektrische Strom wurde zwei Stunden vor Beginn am 31. Juli abgeschaltet und soll erst wieder am 4. August eingeschaltet werden. Der Kongreß ist auf eine Notversorgung durch selbständige Aggregate angewiesen.

Die baptistische Antwort

Die beiden Seiten berufen sich auf verschiedenartige Gesetze. Gegner bringen das Gesetz „Über Versammlungen, Demonstrationen, Prozessionen und Streikposten“ ins Spiel. Doch die RUECB-Führung steht auf dem Standpunkt, daß der Kongreß “Transformation” niemals verboten worden sei. Mit Bezugnahme auf das föderale Gesetz vom 26 September 1997, „Über die Gewissensfreiheit und die religiösen Organisationen“, hat sie stets darauf bestanden, daß es sich um eine innerkirchliche Veranstaltung handle, die der staatlichen Sanktion nicht bedürfe. Geltendes Recht besage, daß Kirchen vor dem Abhalten interner Veranstaltungen lediglich 10 Tage vorher den Behörden davon in Kenntnis zu setzen hätten. Dem Kongreß könnte sehr wohl ein juristisches Nachspiel folgen.

Bei den Verhandlungen mit den Regionalbehörden am 31. Juli hatte Witaly Wlasenko auf den erzieherischen Gewinn hingewiesen, den die Konferenz ihren vielen jungen Teilnehmern bescheren wird. Das Motto dieses Kongresses lautet sogar: „Sei ein Vorbild“. Zusätzliche Sanitäreinrichtungen und Zeltplätze mögen ebenfalls zum Gesinnungswandel bei manchen Beamten geführt haben. Nur knapp mehr als 2.000 Personen haben sich für diesen Kongreß angemeldet. Die ersten beiden Nationalkongresse der Baptisten waren 2004 und 2006 in Brjansk nahe der belorussischen Grenze ohne jegliches politisches Aufsehen durchgeführt worden.

Beobachter werden stets verwirrt durch die Widersprüche, die die Beziehungen zwischen Kirchen und dem russischen Staat aufweisen. Staatsvertreter hatten die vom Jamaikaner Neville Callam angeführte Delegation der BWA hochleben lassen. Alexander Torschin von der amtierenden “Einiges Rußland”-Partei hatte sogar vorgeschlagen, daß Baptisten bei der Wiederbesiedlung der Weiten Rußlands mit anfassen. (Siehe unsere Pressemeldung vom 21.06.2008.) Doch bereits am 25. Juli ließ die Staatsanwaltschaft im Moskauer Stadtteil Perov eine Gemeinde der mit den Baptisten verwandten „Russischen Assoziation unabhängiger evangelischer Kirchen“ zu einer extremistischen Organisation deklarieren. Das bringt die 250-köpfige Gemeinde in die Gefahr, ihre staatliche Zulassung zu verlieren.

Zum Kongreß erklärte Wlasenko: „Dies ist nur ein Beispiel mehr für den ständigen Zusammenprall von kommunaler und nationaler Macht. Gebietsvertreter kennen sich mit der föderalen Gesetzgebung nicht aus. Gebietspolitiker, erst recht solche die sich weitab von Moskau befinden, können stärker ihren Freunden ergeben sein als dem nationalen Recht. Hier in Moskau gehen wir Baptisten bei föderalen Amtsträgern ein und aus. Doch bei Regionalpolitikern beißen wir immer wieder auf Granit.“ Mit einem Hinweis auf die Unterdrückung von Baptisten zu Sowjetzeiten versicherte die Zeitung „Nowie Iswestia“: Ernsthafte Verfolgung kehre auf keinen Fall wieder, doch „das Beharrungsvermögen vergangener Beziehungen mit den Baptisten kommt noch immer wieder zum Vorschein“.

Das ehemalige Pionierlager “Bächlein” arbeitet mit der „Assoziation der Brüdergemeinden“ (ABC) zusammen. Die ABC und die obenerwähnte, unabhängige Denomination sind Mitglieder des „Öffentlichen Rates“, einer Schirmorganisation baptistischer Glaubensgemeinschaften. Auf diesem Gelände fand auch im April 2003 die Gründungskonferenz der Russischen Evangelischen Allianz mit 150 Teilnehmern statt.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 2. August 2008
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Dem Schweigen eine Abfuhr erteilen
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Unter dem Vorzeichen von Lausanne finden russische Baptisten und Pfingstler erneut zueinander


M o s k a u -- In Rußland hat die Lausanner Bewegung neuen Aufwind bekommen. Zum ersten Mal seit Jahren fand am 29. Juli in der Moskauer Bürozentrale der Russischen Union der Evangeliums¬christen-Baptisten (RUECB) eine Lausanner Sitzung der Baptisten gemeinsam mit Vertretern der Pfingstgemeinden und den Charismatikern statt. Da internationale Konferenzen der Lausanner Bewegung nur in größeren Zeitabständen stattfinden, neigen Kirchen dazu, erst in den Phasen vor Beginn einer erneuten Konferenz entsprechende Aktivitäten zu entwickeln.

Lausanne ist dafür bekannt, eine theologische Basis for das gemeinsame Evangelisieren der verschiedensten Konfessionen zu liefern. Nach der Sitzung am 29. Juli betonte Pawel Bak, Erster Vizepräsident der pfingstlerischen „Russischen Kirche der Christen Evangelischen Glaubens“, daß gerade im Zusammenstehen die Protestanten Mut fassen können, dem generellen Widerstand der russischen Öffentlichkeit Paroli zu bieten. „Uns ist das Urteil der Gesellschaft ein Problem. Und ihr Urteil lautet: „Eure öffentliche Verkündigung – das zerstört die nationale Identität Rußlands. Deshalb wäre es besser, ihr schweigt einfach. Diesem Gerede geben wir oftmals nach und reden nur noch so, daß kein anderer uns hört.“

Der Präsident dieser Kirche, Pawel Okara, bejahte im Nachgespräch, daß das erneute Zusammenfinden der baptistischen und pfingstlerischen Kirchen unter Lausanner Vorzeichen das fortsetzt, was bereits in der Sowjetära – als beide Konfessionen demselben All-Unionsrat angehörten - gang und gebe war. Doch dieses erneute Zusammenfinden erfolgt erstmals unter völlig freiwilligen Vorzeichen. In der UdSSR war eine juristische Registrierung lange nur über einen Anschluß an den offiziellen, baptistischen All-Unionsrat zu erzielen.

Vertreten war der charismatische Bund, die „Vereinigten Russische Union der Christen Evangelisch-Pfingstlerischen Glaubens“, durch seinen Bischof Sergei Rjachowski. Zugegen bei der Moskauer Sitzung waren auch zwei Vertreter der pfingstlerischen „Union der Freikirchen der Christen evangelischen Glaubens der Ukraine“: Bischof Wasily Raitschinets (Uzhgorod/Westukraine) und Rektor Anatoly Gluchowski vom Kiewer Seminar dieser Kirche. Vorsitzender der Lausanner Bewegung in Rußland ist Juri Sipko, Präsident der RUECB.

Das Fehlen weiterer Konfessionen führte Witaly Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der RUECB, darauf zurück, daß in Rußland bisher nur diese drei Kirchen bei der Lausanner Bewegung mitgewirkt hätten. „Wir sind jedoch offen für die Mitarbeit aller Kirchen, die gerne mitmachen würden.“ Bei der nächsten Moskauer Sitzung des „Konsultativen Rats der Leiter der protestantischen Kirchen Rußlands“ Anfang September sollen alle anderen Kirchen zur Mitarbeit eingeladen werden.

Die Lausanner Bewegung, die 1974 unter Anleitung Billy Grahams in Lausanne/Schweiz ins Leben gerufen worden ist, ist eng mit der Evangelischen Allianz verbunden. Lausanne führte Nachfolgekonferenzen in Manila 1989 und Pattaya/Thailand 2004 durch. Die nächste Hauptkonferenz soll 2010 in Kapstadt/Südafrika stattfinden.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 1. August 2008
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KURZNACHRICHTEN

1. Protestanten sind betroffen von der Nachricht, daß Teri Tarleton am 28. Juli in Moskau völlig unerwartet heimgerufen worden ist. Die begabte, 49-jährige Musikerin hinterläßt einen Ehemann und vier Kinder. Zwei Töchter leben noch bei der Familie in Moskau, die beiden älteren Kinder studieren in den USA. Ihr Mann ist Ed Tarleton, Leiter der Arbeit der „International Mission Board“ der US-amerikanischen Südbaptisten in Rußland. Das Paar war bereits seit 1993 in Rußland tätig.

Zur Arbeit der SBC in Rußland siehe unsere Meldung vom 17.4.2008.

2. Zum 1. August hat die RUECB die zweite und dritte Etage seines fünfstöckigen Bürogebäudes an eine Privatfirma, die Brandbekämpfungsausrüstung vertreibt, vermietet. Die RUECB kann deshalb keine Übernachtungsmöglichkeiten im Bürogebäude mehr anbieten.


Bekannter Radsportler abermals verletzt
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Zwischenfälle bei einer Evangelisation in Klintsy

M o s k a u / K l i n t s y -- Im vergangenen Februar erlitt der baptistische Radsportler und Gemeindediakon Wladimir Skovpen (Klintsy bei Brjansk) einen zweifachen Schlüsselbeinbruch als ihm bei einer Fahrzeugwartung der Motor auf die Brust fiel. Nun wurde ihm durch Polizisten das Schlüs¬sel¬bein ein zweites Mal gebrochen.

Im Rahmen einer viertägigen Gemeindeevangelisation waren an einem orthodoxen Feiertag, Samstag, dem 12. Juli, waren baptistische Jugendliche zum Zentralplatz der Kleinstadt Klintsy (Südwestrußland) geradelt. Dabei trugen sie rote T-Shirts mit dem Titel der Veranstaltungs¬reihe: „Zeit zu glauben“. Dort angekommen, verteilten sie Flugblätter, sangen und luden zu den Veranstaltungen im Gemeindehaus ein. Zu einem Fototermin stellten sich die 35 Radler vor einem Denkmal auf.

Auf dem Marktplatz hatten sich gleichzeitig Demonstranten in weißen Hemden von der Studentenvereinigung „Orthodoxer Block“ eingefunden. Sie demonstrierten – was nicht allen klar war - gegen die Zeugen Jehovas und trugen ein Plakat mit der Aufschrift: „Die Sekte – Der Feind der öffentlichen Gesundheit!“

Bald waren Polizisten zur Stelle und brachten den baptistischen Gemeindepastor Ewgeny Woronin zum Verhör auf die Polizeistation. Nach langwierigen Unterhaltungen hielt das anfertigte Protokoll fest, daß sich der Pastor des Abhaltens einer nichtgenehmigten „Prozession“ schuldig gemacht hätte.

Wladimir Skovpen, der sich in ambulan¬ter Behandlung befand, erreichte in einem Bus den Marktplatz. Als der Gemeindediakon den Gesetzes¬hütern seinen physischen Zustand zu erklären versuchte, packten sie ihn ohne jegliche juristische Belehrung unsanft an beiden Armen und trugen ihn fort. Das löste erhebliche Schmerzen aus. Beim anschließenden, zweistündigen Aufenthalt auf der Polizeistation wurde dem Verletzten jegliche medizinische Betreuung verweigert. Nach seiner Entlassung wurde er sofort auf die Röntgenabteilung des Ortskranken¬hauses gebracht, wo Ärzte einen erneuten Bruch des Schlüsselbeins feststellten.

Drei weitere Protestanten – einschließlich des US-Staatsbürgers Michael Walker – wurden ebenfalls auf die Polizeistation gebracht. Bei der allgemeinen Verwirrung geriet auch eine Reporterin der Stadtzeitung, die zur genehmigten orthodoxen Aktion eingeladen worden war, in Polizeigewahrsam.

Zum Vorfall meinte Pastor Juri Sipko (Moskau), Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB): „Das, was in Klintsy vorgefallen ist, verschlägt mir einfach die Sprache. Es entzieht sich der Kommentierung, wenn Staatsorgane mit Gewalt einen Menschen in den Invalidenzustand versetzen und ihn dann ohne medizinische Betreuung liegen lassen.“

Die Ereignisse haben ein Nachspiel. In einer Stellungnahme der Gemeinde äußert sie ihr Unverständnis bezüglich der harten Maßnahmen: „Hoffentlich irren wir uns in unserem Empfinden, daß die Staatsmacht uns ignoriert. Wir rechnen aber mit einem Einsehen und warten auf den Dialog.“ Eine Unterredung mit dem Gebietsgouverneur ist angesagt.


Wladimir Skovpen, zehnfacher Vater und sowjetischer Nationalsieger im Radsport 1980, hatte sich bei Jugendver¬anstaltungen wären der Woche bemüht, Radlern korrektes Verkehrsverhalten beizubringen. Er als Einziger hatte bei der evangelistischen Radexpedition im Sommer 2007 die gesamte Strecke von Deutschland bis Wladiwostok auf dem Sattel zurückgelegt.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 23. Juli 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-32, 434 Wörter.


Mit Mobilien läßt sich mehr bewegen
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Evangelisation auf einem Moskauer Ausflugsdampfer


M o s k a u -- Mit Mobilien läßt sich – jedenfalls im Sommer – mehr bewegen. Das war ein Ergebnis der evangelistischen Veranstaltung auf einem Ausflugsdampfer inmitten von Moskau am 10. Juli. Gastgeberin war die drei-Monate-alte, 40-köpfige Baptistengemeinde „Deine Kirche“; 180 Menschen drängelten sich auf einem Dampfer mit 150 Plätzen. Angefeuert von Salamischnitten und Mineralwasser genossen die Versammelten heiße Musik und vielfältige Kurzansprachen. Der Abend endete mit einem Sketch des rund 20-köpfigen russisch-baptistischen Chors „Oase“ aus Sacramento/Kalifornien. Ihre Darstellung vom Mord in einer Disco verdeutlichte den Sühnetod Christi.

Gemeindepastor Leonid Kartawenko geht davon aus, daß dies eine der ersten evangelistischen Dampferfahrten im Moskauer Raum gewesen sei. Anfang der 90er Jahre hatten evangelistische Expeditionen Dampfer auf der Wolga und in Sibirien angemietet. Doch Veranstaltungen bei fahrendem Dampfer waren damals nicht vorgesehen.

Kartawenko berichtete, daß der dreistündige Abend wie im Flug vergangen sei: „Doch wer könnte sich vorstellen, daß die heutige Jugend einen dreistündigen Gottesdienst aushalten könnte?“ Etwa 60% der Anwesenden galten als ungläubig. Eingeladen wurde ausschließlich über bestehende Beziehungen und den Mundfunk – öffentliche Werbung gab es nicht. „Im Sommer besuchen die Menschen keine Konzerthallen,“ meinte der Gemeindepastor. „Zum Gespräch und zum Kennenlernen sind Ausflugsdampfer besonders gut geeignet.“

Besonders attraktiv ist auch die Tatsache, daß – etwa im Gegensatz zu einer öffentlichen Immobilie - Veranstaltungen auf einem Dampfer keinerlei staatlicher Erlaubnis bedürfen. „Das ist vergleichbar mit dem Anmieten eines Busses,“ erklärte Kartawenko. „Busausflüge sind auch meistens rein private Veranstaltungen.“

Aufgrund des Erfolgs sollen nun für den Rest des Sommers monatliche Dampferfahrten durchgeführt werden. Dafür kommen auch Dampfer mit 250 Sitzplätzen in Frage. Da sich die elektronisch verstärkte Musik gut vom Ufer aus verfolgen läßt, wird daran gedacht, einen Dampfer ohne feste Wände zu chartern. Fahrradfahrer auf den Gehwegen am Ufer könnten mit Einladungszetteln auf den Veranstalter des Ereignisses hinweisen.

Besonders stolz ist Pastor Kartawenko auf die Tatsache, daß seine kleine Gemeindeschar für Dreiviertel der Ausflugskosten aufkam. Für die Deckung der restlichen Kosten sorgte der Chor aus Kalifornien. Verteilt auf 180 Besuchern kommt man dabei auf Kosten von 8,30 € (305 Rubel) pro Person. Vorgesehen ist, daß bei künftigen Fahrten gläubige Passagiere für die eigenen Kosten aufkommen.

Doch im Winter wird man auf Immobilien nicht verzichten können. Da große Warenhäuser über Versammlungssäle verfügen, wird daran gedacht, in einem Kaufhaus der Möbelfirma IKEA evangelistische Veranstaltungen durchzuführen. Da die Firma IKEA von schwedischen Protestanten geführt wird, sollte man besonders schnell bei einer solchen Firmenkette auf Verständnis stoßen. Leonid Kartawenko denkt etwa an schwedische Kulturabende mit evangelisti¬scher Ausrichtung; mit Möbelbesich¬tigung vor oder nach den Veranstaltungen wäre durchaus zu rechnen.

Evangelisation auf dem Festland

Trotz aller Umbrüche in der Moskauer Zentrale der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten bleiben evangelistische Fahrradtouren weiterhin aktuell. Doch in diesem Jahr werden statt 30 nur fünf oder sechs regionale Fahrradtouren durchgeführt. Wladimir Skovpen (Klinzy bei Brjansk), der zehnfache Vater und ehemaliger Radsportler, der im vergangenen Sommer die gesamte Strecke von Deutschland bis Wladiwostok auf dem Fahrradsattel bewältigte, erlitt einen zweifachen Bruch des Schlüsselbeins bei einem Arbeitsunfall im Februar. (Über Grüße und Ermutigungen würde er sich freuen.)

In diesen Tagen findet gemeinsam mit dem Chor „Oase“, der gerade seine dritte Fahrt durch Rußland unternimmt, eine Radtour durch das Gebiet Krasnodar im Süden Rußlands statt. Organisiert wird sie von Zahnarzt Lewon Sarkisov (Krasnodar), der ebenfalls die gesamte Fahrt bis Wladiwostok miterlebt hatte. Die Jugendabteilung des Bundes wird eine Fahrt von Belgorod nahe der ukrainischen Grenze zum Kongreß der russischen Baptisten in Rumjantsewo bei Moskau vom 26. bis 31. Juli durchführen. Die Rückfahrt nach Hause findet vom 4. bis 8. August statt; die gesamte Fahrt beträgt rund 1.500 km.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 16. Juli 2008
baptistrelations@yandex.ru
www.baptist.org.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-31, 584 Wörter.


Ein Atemzug Gottes dauert 10 Jahre
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15 Jahre Partnerschaft Krefeld - Uljanowsk

M o s k a u -- „Der Handlungsspielraum wird kleiner.“ Das war ein Fazit des Baptisten und pensionierten Studiendirektors Klaus Schilbach (Krefeld) nach seinem 12. Besuch in der Partnergemeinde Uljanowsk/Wolga. Im Gespräch in Moskau am 11. Juli verdeutlichte er: Obwohl die Baptistengemeinde Uljanowsk eine höchst erfolgreiche Suchthilfenarbeit in einem Gefängnis mit 1.500 Insassen durchführe, wurde den Gästen in diesem Jahr erstmals der Zugang zum Gefängnis verwehrt. Noch vor einem Jahr seien die Deutschen höchst feierlich im Gefängnis empfangen worden; vor 10 Jahren tourte Schilbach gemeinsam mit dem Oberstaatsanwalt von Uljanowsk durch deutsche Modellgefäng¬nisse am Niederrhein.

Dank der offiziellen Städtepartnerschaft zwischen Uljanowsk und Krefeld war die Partner¬schaft zwischen Baptistengemeinden 1993 überhaupt entstanden. Aber in laufendem Jahr verhielten sich die für die polizeiliche Registrierung zuständigen Beamten keineswegs partnerschaftlich und belegten einer der Reiseteilnehmerinnen sogar mit einer Geldstrafe.

Doch einmal wieder überwog das Positive. Beim Festgottesdienst zum 90-jährigen Jubiläum der Gemeinde Uljanowsk am 29. Juni durfte Klaus Schilbach die Predigt halten. Ein Tag später feierte die Gemeinde am Flußufer das 15-jährige Bestehen der Partnerschaft und den 72. Geburtstag des Initiators der Partnerschaft. Trotz Schwierigkeiten mit dem Zoll konnte der Gemeinde ein gebrauchter Mercedes-Minibus mit Hebebühne zur Beförderung von Rollstuhlfahrern überlassen werden. Neben der Drogentherapie gehören eine Suppenküche und Sommerlager für Kinder zu den Projekten, die die deutschen Gäste haben mit aufbauen können.

Schilbach versicherte, Alexander Lewkowski, der Pastor der 300-köpfigen Gemeinde, habe ein beachtliches Organisationstalent entwickelt. In diesem Jahr seien die Ausflüge nach Kasan und zur Baptistengemeinde Samara (Pastor Wiktor Rjagusov) „bis aufs i-Tüpfelchen“ geregelt gewesen. Überall seien die Gäste „mit Essen und Freundlichkeiten überschüttet“ worden.

Bei einem erstmaligen Besuch in der Moskauer Zentrale der Russischen Union der Evangeli¬ums¬christen-Baptisten (RUECB) am 9. Juli sprudelte Bundespräsident Juri Sipko vor Dankbar¬keit über. „Gott sei dank, daß es Euch gibt!“ betonte er. „Bei uns wird es den Gemeinden immer schwieriger, ein Bethaus zu erwerben. Ohne Eure Hilfe, würde die Gemeinde Uljanowsk heute ohne eigene Immobilie da stehen.“ Uljanowsk, die Geburtsstadt Lenins, beschrieb er als eine Zitadelle des Atheismus, in die die deutschen Freunde geholfen hätten, eine Bresche zu schlagen.

Sipkos Zusicherung, sein Bund „finde sich in der Schuld“ gegenüber den Krefeldern, wies Klaus Schilbach entschieden zurück. „Wir kehren alle reichlich beschenkt nach Hause zurück“ – wobei er nicht den mitgegebenen Honig und die Schockolade meinte. Anderswo in Moskau fügte der Gruppenleiter hinzu: „Wir sind auch die Beschenkten. Diese Glaubenszu¬versicht und Glaubenstreue, die freie ohne, Konsequenzen bedenkende gläubige Lebenshaltung – das ist es, was uns begeistert.“ Seine Gattin, Inge Schilbach, beschrieb das Geschenk als die Mitfreude: „Ich erfahre, daß ich durch meinen Besuch Menschen glücklich mache. Das macht mich dann auch froh.“

Eine Meinung

Mit sieben Deutschen im Schlepptau zog Klaus Schilbach am 10. Juli durch zwei Niederlassungen der Deutschen Botschaft Moskaus. Es ging darum, in einer schier aussichtslosen Lage doch noch Visa für eine Reisegruppe nach Deutschland zu ergattern. Der Krefelder gehört eben zu den unschlagbaren „Machern“. Er ist eine Indiz dafür, daß Gemeindeprojekte nur selten gelingen, wenn ihnen kein zu allem entschlossener „Macher“ an der Spitze stehe.

„Doch ein Atemzug Gottes dauert 10 Jahre“, meinte der Pensionär. Erst nach einer erfolgreich überstandenen Bewährungsprobe von 10 Jahren könne ein Projekt mit allgemeiner Akzeptanz durch eine Gemeinde oder Kirche rechnen. Zu groß seien die anfänglichen Vorbehalte, ein Projekt könne der Gemeinde zusätzliche zeitliche und finanzielle Belastungen bescheren. „Jetzt kommen die Leute von alleine“, stellte Schilbach strahlend fest. „Jetzt beginnen Menschen, die 30 Jahre jünger sind als wir, die Initiative zu ergreifen.“ Anfangs machten nur zwei bis vier Personen die jährliche Fahrt nach Uljanowsk mit. In diesem Jahr kam man auf die Rekordzahl von 16.

Die Partnerschaft Krefeld – Uljanowsk ist die einzig funktionierende Partnerschaft zwischen einer Gemeinde des Bundes Evange¬lisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und einer Gemeinde der RUECB.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 14. Juli 2008
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Meldung 08-03 vom 26.01.2008 befaßt sich mit derselben Thematik.


Gesamtzahl baptistischer Gemeinden gefährdet
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Moskauer Baptistengemeinden mit explodierenden Mietpreisen konfrontiert


M o s k a u -- Nur sechs der 24 Ortsgemeinden der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) im Moskauer Stadtgebiet besitzen ihr eigenes Domizil. Das ist ein beachtlicher Fortschritt gegenüber der Lage noch in den 70er Jahren, als die Zentrale Baptistengemeinde in der Mali Trekhswjatitelski Pereulok 3 unweit des Roten Platzes die einzige, zugelassene protestantische Gemeinde der Stadt darstellte. Damals drängten sich mehrere Tausende in ihren Räumen anläßlich eines Gottesdienstes; noch heute hat die Gemeinde rund 2.700 Mitglieder. Allerdings ist die Gesamtzahl von 24 Gemeinden nun gefährdet.

Noch für den Monat Juli darf sich eine100-köpfige Baptistengemeinde in einem dunklen Keller im Norden der 16-Millionen-Metropole versammeln. Doch oben am Eingang prangt Reklame: Die Immobilie wird zum Verkauf angeboten. Vor 10 Jahren hatte eine interkonfessionelle US-Mission die 267 m2 für rund $150.000 erworben. Heute erhofft sie sich einen Verkaufspreis von $1 Mill. Der Laienpastor der Gemeinde berichtet: „Es tut uns weh, daß wir mit der Mission in USA nicht direkt verhandeln dürfen.“ Die Mission hat einen russischen Rechtsanwalt zwischengeschaltet.

Der Pastor berichtet ferner, daß ein Theatersaal in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Veranstaltungspreis von 6.000 Rubeln (162 €) gemietet werden könnte. Doch das setze voraus, daß Stadtbehörden der Gemeinde ein Unbedenklichkeitsschreiben ausstellen und, daß die Gemeinde überhaupt für die Mietkosten aufkommen könne. Die Gemeinde ist zu arm, um sich einen bezahlten Pastor leisten zu können, und die Mietkosten auf vier Sonntage verteilt, übersteigen das Gehalt eines russischen Baptistenpastors. Eine entfernte Hoffnung bestehe darin, daß eine andere nordamerikanische Mission, die selbst am Aufbau einer Gemeinde beteiligt sein will, das Anwesen erwirbt.

Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, sich bei einer Gemeinde nahe der U-Bahn-Station Woikowskaja einzumieten – sie liegt weniger als 10 km entfernt. Doch am Zusammenlegen mit einer bestehenden Gemeinde will die Hundertschaft vorerst nicht denken: „Das ist doch nicht der Sinn von Gemeindegründungen.“ Durch Zusammenlegungen würde die erstrebte, gemeindliche Flächendeckung der Baptisten in Mitleidenschaft gezogen werden. „Wir wollen doch unsere offene, einladende Atmosphäre bewahren,“ heißt es weiter. Obwohl die Gemeinde noch keine sechs Jahre alt ist, stellt sie fest: „Wir sind zu einer richtigen Familie geworden.“ Über die Option, sich bei entsprechender Witterung im Park unter dem Himmelszelt zu versammeln wird geschmunzelt: „Dafür haben wir doch zu viele ältere Geschwister unter uns.“

Gegen ökonomische Zwänge ist kein Bereich der kirchlichen Arbeit gefeit. In der Moskauer Zentrale der RUECB findet ein großes Zusammenrücken statt: Zwei der fünf Etagen in der Bundeszentrale sollen an gutgehende, säkulare Firmen vermietet werden. Christ¬liche Werke – und deren Mitarbeiter - leiden massiv an den explodierenden Immobilienpreisen. Im Internet wird behauptet, die billigste Einzimmer¬wohnung Moskaus koste gegenwärtig $160.000
(101.100 €) – und das bei einem Durchschnittseinkommen von weniger als 570 € im Monat. Moskau gilt als teuerste Stadt der Welt für Neuankömmlinge. Es kommt inzwischen vor, daß Protestanten die Moskauer Immobilienpreise als Ausreisegrund angeben.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt heute rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 4. Juli 2008
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Nur gemeinsam läßt sich der Weg Gottes finden
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Die Baptisten Europas stehen sich näher als je zuvor


P r a g -- "Beziehungen zwischen den Baptisten von Ost- und Westeuropa sind herzlicher geworden." Das war die Schlußfolgerung des Briten Dr. Tony Peck, Generalsekretär der Europäischen Baptistischen Förderation (EBF), in einem Prager Interview mit der Russischen Baptistischen Union am 16. Juni. "Es gab eine schwierige Strecke in den 90er Jahren", fügte er hinzu. "Aber nun scheinen wir mit der Vielfalt besser zu Rande zu kommen." Obwohl sich Kasachstan und Kirgistan 2006 von der EBF und seiner Mutterorganisation, der Baptistischen Weltallianz (BWA), verabschiedeten, sind die tatsächlichen Beziehungen enger als zuvor. Peck berichtete, daß die Union der Baptisten Kasachstans nun mehr Studenten nach Prags "Internationalem Baptistischem Theologischem Seminar" (IBTS) entsendet als vorher.

Die Differenzen zwischen Ost und West führt der Generalsekretär nicht zuletzt auf das Generationsgefälle zurück. Dank Globalisierung und Internet seien "die jüngeren Kirchenleiter in Ost und West einander näher als seinerzeit ihre Vorgänger". Er hoffe, die Kirchen Osteuropas "auf ihrer Reise" von einer aus der kommunistischen Ära stammenden Leitung in eine jüngere unterstützen zu können, und, daß die Leitungen dabei offen blieben für den Ort, "wohin Gott sie führen möchte". Ihm sei das Zusammenwirken der Baptisten über alle europäischen Grenzen hinweg mehr als eine schlichte politische Notwendigkeit. "Es ergibt sich ein Gefühl der Koinonia wenn wir zusammen kommen, um einander zu ermutigen und zu unterstützen. Wir sind aufeinander angewiesen wenn es darum geht, den wahren Willen Gottes herauszufinden."

Tony Peck ist der Auffassung, das IBTS stehe dem Mittelpunkt europäischen Gemeindelebens näher als sein Vorgänger, das bis 1997 in Rüschlikon bei Zürich beheimatet war: "Wir leisten einen wirklichen Beitrag zur Heranbildung unserer europäischen Kirchenführung." Leiter der Baptistenunionen von Armenien und Litauen haben im Juni ihr Studium abgeschlossen; Leonid Michowitsch, Rektor des Minsker Theologieseminars, soll demnächst sein Studium in Prag fortsetzen.

Das Programm der EBF zur Unterstützung einheimischer Missionare (IMP) befindet sich im Mittelpunkt der Bemühungen um die Gründung neuer Gemeinden in den eigenen Ländern. Pastor Peck sagte: "Wir haben das IMP geschaffen, um Menschen zu ermächtigen, vor Ort mit der Gründung neuer Gemeinden zu beginnen." Gegenwärtig unterstützt das Programm 60 europäische Gemeindegründer. Trotz fortgesetzter Abwanderung haben die Baptistengemeinden in Moldowa und Armenien ein erfreuliches Wachstum zu verzeichnen: Seit 1990 ist die armenische Kirche von 400 auf 4.500 Mitglieder angewachsen. Ein Projekt des IMP außerhalb Europas unterstützt die äußerst gefährdete Baptistengemeinde in Bagdad.

Obwohl die größte protestantische Kirche Nordamerikas, die "Southern Baptist Convention" (SBC), sich 2004 von der BWA verabschiedete, unterstützen ihre Gemeindebünde aus vereinzelten Bundesstaaten - vor allem Texas und Virginia - weiterhin die EBF. Peck ist außerdem erfreut darüber, daß die "International Baptist Convention", die aus der SBC hervorging, sich weiterhin für die EBF engagiert. Der EBF-Generalsekretär gesteht, daß er wenig über die baptistischen Aussiedler in Deutschland weiß. "Ich sehe aber nicht ein, weshalb nicht auch sie sich der EBF anschließen könnten - vorausgesetzt, sie kämen mit dem Typus von Organisation, den wir darstellen, klar. Wir bejahen die Vielfalt. Das war für die Südbaptisten problematisch, denn sie haben die Vielfalt nicht gewollt."

Pastor Peck berichtete, während seiner Besuche in Rußland und Osteuropa im Laufe der letzten 20 Jahre habe ihn das Bemühen um eine ernsthafte Nachfolge tief beeindruckt: "Das sollten sie weiterhin uns allen zu vermitteln versuchen." Ihm fallen aber weiterhin die unterschiedlichen Prioritäten von Ost und West in Fragen der christlichen Ethik und der Nachfolge ein und deshalb setzt er sich für ein anhaltendes Gespräch darüber im Kontext des missionarischen Auftrags in Europa ein. „In diesem Dialog können wir voneinander lernen und von den Erkenntnissen unseres Gegenübers profitieren.“


Peck fügte hinzu, daß die Diskussion über die Rolle von Frauen in Leitungspositionen der üblichen Scheidungslinie zwischen Ost- und Westeuropa nicht entspricht. Während Belgien und Portugal keine Pastorinnen haben, gibt es sie in Bulgarien und Georgien. Er versicherte: "Diese Frage darf uns nicht spalten. Wir lesen die gleiche Heilige Schrift und kommen dabei zu verschiedenen Ergebnissen. Es ist aber wichtig, darin überein zu stimmen, daß diese Frage nicht zum wesentlichen Kern des Evangeliums gehört.“

Die europäische Baptistische Förderation vertritt mehr als 800.000 Baptisten in 51 Bünden, die von Portugal bis zum russischen Fernost reichen. Sie schließt auch Baptisten in Nahost mit ein.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 25. Juni 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-28, 675 Wörter.


Kooperation ist angesagt
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BWA-Generalsekretär Neville Callam besucht Rußland


M o s k a u – Überschwenglich herzliche Empfänge durch drei Staatsvertreter zeichneten den ersten Besuch in Rußland vom neuen Generalsekretär der Baptistischen Weltallianz (BWA), der Jamaikaner Neville Callam (Falls Church bei Washington) aus. Der Besuch fand vom 16. bis 18. Juni statt. Sergei Popov z.B., das Mitglied der Duma (des unteren Hauses), das für das „Komitee für die Beziehungen zu den öffentlichen und religiösen Organisationen“ verantwortlich ist, kündigte den Gläubigen das Ende eines „Kampfes gegen die Staatsmacht“ an. „Die Kooperation ist angesagt. Wir möchten Ihre Aktivitäten nicht mehr verbieten – wir wollen sie vielmehr unterstützen.“ Ein Gespräch mit Alexander Torschin, dem Stellvertretenden Vorsitzenden des oberen Hauses, des Rates der Russischen Föderation, endete mit einem von Pastor Callam gesprochenen Gebet. Darin erwähnte er „unseren Bruder Alexander“. Alexander Kudrjawzew, der die “Administration des Präsidenten der Russischen Regierung” vertritt und somit als Emissär von Dimitri Medwedew gilt, nahm die Mühe auf sich, die Moskauer Baptistenzentrale zu besuchen. Aufgrund seiner 20-jährigen Beziehung mit den Baptisten beschrieb er sie als „stets hilfsbereit und willig, auf alle Fragen eine Antwort zu geben“. Dabei schlug er eine neue „soziale Partnerschaft“ im Kampf gegen den Suchtmittelmißbrauch vor.

Allseits wurden die Sparsamkeit, den Arbeitsfleiß und die starken, kinderreichen Familien der russischen Baptisten gelobt; alle drei Staatsvertreter schlugen gemeinsame Projekte vor. Neben dem Einsatz gegen Drogen und Alkohol umfaßten diese Begegnungen für Geschäftsleute, das Gründen von Kleinbetrieben, Sozialprojekte für Benachteiligte und das Vermitteln von moralischen und familiären Werten. Ohne jegliches Nachfragen der Gäste wurde staatliche Unterstützung beim Ausbau des vorhandenen Nationalen Gebetsfrühstücks angekündigt. Sergei Popov, der eine orthodoxe Bewegung unter christlichen Parlamentariern in Rußland anführt, sprach sich für einen verstärkten Kontakt mit Politikern aus anderen Staaten im Rahmen des Gebetsfrühstücks aus.

Alexander Torschin, der in seinem Gespräch mit der Delegation womöglich am weitesten ging, lud Callam zu einem erneuten Besuch von mehreren Städten Rußlands mit staatlicher Unterstützung ein. Er versicherte, daß die Beziehungen nicht auf der protokollarischen Ebene zu stehen brauchten und sehr bald auf konkrete Projekte übergehen könnten: „Wir benötigen gute Verkündiger des christlichen Glaubens. Eigentlich haben wir keine ökonomischen Probleme – nur psychologische.“ Er rief die Kirchen dazu auf, den Völkern Rußlands zu helfen, ihr volles Potential zu erreichen. „Wir wünschen eine große Anzahl baptistischer Gemeinden im ganzen Lande. Wir müssen die religiösen Organisationen unterstützen – sonst können unsere Bemühungen nicht gelingen. Ohne harte Arbeit erreichen wir nichts, und die Baptisten verstehen etwas von harter Arbeit.“ Er kündigte ein Gespräch mit dem Präsidenten von Inguschetien (unweit von Tschetschenien) bezüglich der Rückführung von Christen, die aus dem krisengeschüttelten Gebiet geflohen waren, an. Er versicherte, die dortige Regierung würde inzwischen verstehen, „daß ein monokonfessio¬nelles Land eine erhebliche Gefahr darstellt“. Torschin schlug auch vor, daß sich Baptisten verstärkt mit dem unbeliebten Thema der russischen Landwirtschaft befassen. Scherzhaft unterbreitete er den Vorschlag, Protestanten könnten Pendants zu einer vorhandenen, orthodoxen Kolchose schaffen: „Wir haben Land und Wasser und dank der globalen Erwärmung werden wir bald auch ein warmes Land sein! Aber uns fehlen die Hände. Könnten Sie uns Vorschläge machen? Wir würden sie sicherlich unterstützen.“

Ein dankbarer BWA-Generalsekretär erwiderte, daß “wir nirgendwo behaupten, die einzigen wahren Christen zu sein. Wir wollen mit anderen Partnerschaften eingehen. Wir sind nicht nur da, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen – wir wollen auch Gemeinschaften schaffen. Aufgrund von Restriktionen hatten sich die russischen Baptisten jahrelang nicht mit der kommunalen Entwicklung befaßt. Nun hat es einige Zeit gedauert, um neuen Mut und neues Selbstvertrauen zu fassen - um daran zu glauben, daß die Türen nun wirklich aufgetan worden seien.“

Juri Sipko, der Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), dankte Sergei Popov für die konfessionelle Stabilität, die das vor elf Jahren verabschiedete und oftmals umstrittene „Gesetz über die Freiheit des Gewissens“ mit sich gebracht hat. „Die Glaubensfreiheit ist ein Grundstein der ökonomischen Entwicklung. Nur sie befähigt Menschen, kreativ zu werden.“ Sipko versicherte in einem weiteren Gespräch, daß er die Ehrungen der RUECB durch Kudrjawzew, Torschin, Popov and Alexius II. sehr zu würdigen weiß.

Der Empfang, den Alexius II., der Patriarch von Moskau und ganz Rußland, der Delegation im Danilow-Kloster am 18. Juni bereitete, war von nüchterner, jedoch eindeutig freundlicher Natur. Dabei steckte der Patriarch die Parameter für eine gemeinsame Front mit den Baptisten gegen den Säkularismus ab und ließ wissen, daß jegliches Absegnen eines homosexuellen Lebensstils den Bruch bedeuten würde. Das sei bereits geschehen in den Beziehungen der Russisch-Ortho¬doxen Kirche (ROK) mit den schwedischen Lutheranern und der anglikanischen Kirche Nordamerikas. In demselben Zusammenhang erwähnte er in einer inklusiven Sprache verfaßte Bibelübersetzungen und die Führungsrolle von Frauen. Der Patriarch schlug eine Fortsetzung der orthodox-baptistischen Konsultation zu Fragen der Moral vor, die letztmals im Februar 2007 zusammentraf.

In seiner Erwiderung äußerte Dr. Callam die Hoffnung auf freundliche Beziehungen mit der ROK und ein gemeinsames Aufbegehren „gegen den Monster des Säkularismus“. Er fügte hinzu: „Wir verstehen sehr wohl, daß wir Baptisten nicht die Gründer des Christentums auf russischem Boden seien. Deshalb müssen wir die russische Orthodoxie achten und uns um starke Beziehungen zu ihr bemühen. Wir müssen einander als Schwestern und Brüder annehmen.“ Juri Sipko sprach sich für die Zusammenarbeit aus und lobte die feste Haltung des Patriarchen zur Frage der Homosexualität bei seinem Auftritt vor dem Europäischen Parlament in Straßburg am 2. Oktober.

Widersprüche

Es besteht bekanntlich ein Widerspruch zwischen den Zusicherungen der russischen Vertreter von Kirche und Staat und dem alltäglichen Leben der Protestanten in den weiten Rußlands. Kürzlich gab Präsident Sipko bekannt, daß die Schließung einer Baptistengemeinde am Ferienort Tuapse am Schwarze Meer von einem höheren Gericht wieder rückgängig gemacht werden konnte. Eine der jüngsten Fälle von Brandstiftungen gegen protestantische Einrichtungen – in diesem Falle eine charismatische Kirche – spielte sich am 14. Mai in Schlisselburg unweit von St. Petersburg ab.

Witali Wlasenko, RUECB-Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen und Vorstandsvor¬sitzen¬der der Stiftung Nationales Gebetsfrühstück erläuterte: „Wir müssen kommunale Behördern darüber aufklären, daß die Protestanten ebenfalls Christen seien und Anteil nehmen an der Entwicklung der russischen Gesellschaft. Manchen Staatsvertretern fehlt entscheidendes Grundwissen und manche Kirchenvertreter sind kaum dialogfähig. Das stiftet Gegnerschaft. Und wir Protestanten sind dabei nicht unschuldig – es gibt stets zwei Seiten.“

Bei einem Treffen mit leitenden Baptistenpastoren in Moskau am 18 Juni merkte Pastor Callam, der eine baptistische Gemeinschaft von 105 Millionen Menschen vertritt, an, daß nur in Europa die Zahl von Baptisten schwindet. Deshalb riet er den russischen Baptisten, die kulturellen und musikalischen Vorlieben ihrer Jugend sehr ernst zu nehmen. Die zeitgenössische christliche Musik möge dem Geschmack der Erwachsenen nicht entsprechen, sie müsse jedoch aus Liebe zur Jugend angenommen werden.

In einem Exkurs erwähnte der Generalsekretär die Beziehungen der BWA zur 16,3-Millionen-Mitglieder-zählenden “Southern Baptist Convention”, die sich im Oktober 2004 von ihrer BWA-Mitgliedschaft verabschiedete. Er berichtete von ehrlichen und herzlichen Gesprächen mit deren Führungspersonen und fügte hinzu: „Mein Gebet ist, daß sie noch während meiner Amtszeit nach Hause zurückkehren. Und wenn sie wiederkehren, werden wir sie mit offenen Armen empfangen.“ Callam hat im vergangenen September den Posten als BWA-Generalsekretär übernommen.


In einer Stellungnahme nach Verabschiedung der Gäste schrieb Präsident Sipko: „Bruder Callam ist ein farbiger Präsident. Vor Gott sind wir eigentlich alle farbige Menschen. Wir sind alle wunderschön; wir sind alle Gottes Lieblinge. Bruder Callam stellt in wundervoller Weise die Unparteilichkeit Gottes dar. Bei Christus gibt es weder Juden noch Griechen. Der Generalsekretär ist ein leidenschaftlicher Evangelist und ein wahrer Nachfolger Christi. Ich bin sicher, daß Gott durch ihn geehrt werden wird.“

Neville Callam war von Dr. John Sundquist, einem ehemaligen Missionsleiter der “American Baptist Churches” und ehemaligem BWA-Vizepräsidenten, begleitet.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 21. Juni 2008
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-27, 1.222 Wörter.


Vortreffliche Stimmung in Belgorod
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Zweiter regionaler “Tag der Brüderschaft” fand statt

M o s k a u – Verschiedentlich sieht die Lage im Gebiet Belgorod, einer orthodoxen Hochburg im Südwesten Rußlands, ernst aus - doch das ist nur ein Teil der Wirklichkeit. Beispielsweise wurde nach Angaben der „New York Times“ vom 24. April einer Methodistengemeinde in Stari Oskol die staatliche Zulassung untersagt. Doch nach einem offiziellen Besuch der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) in der Stadt Belgorod am 24. und 25.5. berichtete Witali Wlasenko (Moskau), deren Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen: „Die Stimmung unten den Baptisten war sehr gut und sie hatten das Gefühl, noch viel Gutes bewerkstelligen zu können.“

Erste wesentliche Schritte wurden gemacht am 16. November vergangenen Jahres als nach rund fünfjähriger Pause eine von Wlasenko angeführte Delegation der RUECB staatliche und orthodoxe Vertreter der Stadt Belgorod besuchten. Pastor Wlasenko ist sehr erfreut über die Tatsache, daß inzwischen Baptisten aus dieser an der Ukraine angrenzenden Stadt aus eigener Initiative heraus und ohne Moskauer Anleitung staatliche und orthodoxe Würdenträger aufgesucht haben. Berichten zufolge soll das Klima bei diesen Gesprächen sehr positiv ausgefallen sein. Der Abteilungsleiter fügt hinzu: „Dies bestätigt einmal wieder, daß das Herstellen und Pflegen von Kontakten mit den Behörden und kirchlichen Amtsträgern vor Ort von entscheidender Bedeutung sei.“

Dieser Besuch der Moskauer Zentrale in einem Gebiet des europäischen Rußlands, in dem die Baptisten nur schwach vertreten sind, war der zweite in der Reihe der neuen, monatlichen „Tage der Brüderschaft“. Nach Vorträgen vor einer Gruppe von fast 50 Jugendleitern tagsüber am 24. Mai verbrachte Wlasenko den Abend mit den Pastoren der Region. In seinem Vortrag gab er drei Gründe für das Existieren einer nationalen Zentrale an: Erstens erfordern schon aus ökonomischen Gründen bildungsbezogene sowie andere Projekte eine Koordinierung und Absprache mit einer Zentrale. Nur so lassen sich Doppelarbeit und unnötige Ausgaben vermeiden. Kirchliche Baumaßnahmen setzen einer eingehenden Beratung mit Spezialisten voraus. Zweitens können die Begleitung theologischer Entwicklungen vor Ort durch erfahrene Theologen und Pastoren in der Zentrale den Gemeinden vor unnötigem Schmerz und unnötigen Aufspaltungen bewahren. Letztens kann der russische Staat die Baptisten und andere Protestanten nur ernstnehmen, wenn sie gemeinsam handeln und auftreten.

Der erste “Tag der Brüderschaft” fand am 12. April in einer relativen Hochburg der baptistischen Bewegung statt: Brjansk. Das löste ein Versprechen der Unionsleitung aus dem vergangenen Januar ein, sich aus dem Moskauer Büro zu begeben und die Pastoren vor Ort in den Weiten Rußlands aufzusuchen. Diese Tagungen sollen monatlich durchgeführt werden; so könnten innerhalb von fünf Jahren alle der über 50 baptistischen Regionen besucht werden. Der dritte „Tag“ wird voraussichtlich Ende Juni in Kaluga südlich von Moskau stattfinden.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 31. Mai 2008
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Phase Zwei ist erreicht
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Sitzung des Öffentlichen Rats in Moskau


M o s k a u -- Die Wiederwahl von Walentin Wasilizhenko (Moskau) als Sekretär des „Öffentlichen Rats“ (Obschestwenii Sowjet) für weitere zwei Jahre bei dessen Sitzung in Moskau am 27. Mai läutet eine neue, zweite Phase seines Wirkens ein. Dieser lose Verband von 10 Kirchenbünden baptistischer Tradition, die größtenteils nach dem Zerfall der Sowjetunion aus dem Allunionsrat der Evange¬liumschristen-Baptisten ausgetreten waren, war erst im Juni 2006 gegründet worden. Nach der Sitzung berichtete der wiedergewählte Sekretär, ein Pastor der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB): „Wir stellten fest, daß die beiden ersten Aufgaben unserer Assoziation bereits erledigt sind: Die Beziehungen sind aufgebaut und der Dialog läuft. Nun steht uns die dritte Aufgabe bevor: die Schaffung gemeinsamer Projekte.“ Dabei wird es sich vor allem um Mission und Bildung drehen.

Pastor Wasilizhenko fuhr fort: „Es ist sehr wichtig, den Pastoren auch in entlegenen Gebieten zu ermöglichen, ihren Wissens¬stand zu erhöhen. Dafür werden die meistens verheirateten und berufstätigen Pastoren kein Seminar aufsuchen können - das Seminar wird zu ihnen kommen müssen.“ Auch Jugendleiter sollen in den Genuß zusätzlicher Bildung kommen. Er wies ferner darauf hin, daß neue Wege zur Erreichung von Zielen in der veränderten, kapitalistischen Gesellschaft vonnöten seien – dafür seien die Bücher von Rick Warren zu Rate gezogen worden.

Nicht zuletzt war die Außenmission ein Hauptthema dieser Begegnung von 60 Gemeindever¬tretern, die sogar aus Sibirien, dem Kaukasus und dem benachbarten Ausland angereist waren. Da sich in bestimmten Fällen bereits die Mehrzahl der ehemaligen Mitglieder eines Kirchen¬bundes im westlichen Ausland befinden, wird überlegt, ihnen Missionare aus Rußland zu entsenden. Die als „Untergrundkirche“ weltbekannten und weiterhin unregistrierten „Initiativniki“, die heute unter dem Namen „Internationale Union der Kirchen der ECB“ (IUCECB) firmieren, haben nach eigenen Angaben weltweit 78.015 Mitglieder. Doch nur rund 20.000 von ihnen leben noch auf russischem Boden.

Wasilizhenko berichtete, daß nach dem Ableben des langjährigen IUCECB-Präsidenten Gennadi Krjutsch¬kov im Juli 2007 und dem Tod zweier leitender Brüder durch Unfälle eine gewisse Lähmung eingetreten war. Doch nun ist ein neuer Präsident gewählt: Nikolai Antonjuk aus Timoschowsk in der Region Krasnodar/Kaukasus. Sein Stellvertreter ist Gennadi Jefremov aus St. Petersburg. Ratsvorsitzender Wasilizhenko versicherte: „Es ist eine neue Führung gewählt und wir sind zuversichtlich, daß wir Kontakt zu ihr finden und den Dialog weiterführen werden.“ Beim Öffentlichen Rat genießt dieser Kirchenbund Beobachterstatus.

Ob die RUECB weiterhin als Gastgeber und „Erste unter gleichen“ im Rahmen des Öffentlichen Rates fungieren sollte, wird diskutiert. „Wir sind für diese Diskussion sehr offen,“ sagt Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der RUECB. „Wir wünschen uns eine vollständige gegenseitige Achtung und Verständigung. Mit vielen von ihnen gingen wir lange einen gemeinsamen Weg.“ Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 30. Mai 2008
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In Moskau wird man lange frühstücken müssen
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Vorstandsvorsitzender des Nationalen Gebetsfrühstücks besucht Korea

M o s k a u -- Künftig werden sich die Besucher des Nationalen Gebetsfrühstücks in Moskau auf ein sehr ausgedehntes Frühstück einstellen müssen. Das war ein Fazit des Besuches von Pastor Witali Wlasenko (Moskau) beim 40. Nationalen Gebetsfrühstück Koreas in der südkoreanischen Hauptstadt am 15. Mai. „Ein paar Stunden an einem Vormittag werden uns nicht mehr genügen,“ meinte der Vorstandsvorsitzender der russischen Stiftung Nationales Gebetsfrüh¬stück, „Wir wollen noch viele weitere ausländische Repräsentanten von Kirche und Staat nach Moskau einladen und sie sollen die Gelegenheit bekommen, ausführliche Gespräche miteinander zu führen.“ Auch kleinere Begegnungen zu handfesten Themen werden mit auf dem Programm stehen.

Der ganzheitliche, internationale und interdisziplinäre Ansatz der Frühstücksbewegung ist dem Pastor besonders angenehm. Er meinte: „In der globalisierten Welt hängen alle gesellschaftlichen Sektoren miteinander zusammen. Die Koreaner zeigen uns, wie wichtig es ist, daß Menschen guten Willens aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirche in einer ungezwungenen Atmosphäre ohne protokollarische Rücksichtnahmen miteinander ins Gespräch kommen.“ Auch für die Einwohner Rußlands sei dieser Ansatz entscheidend; der öffentliche Einsatz fürs Gemeinwohl sei den meisten Bürgern noch fremd: „Überhaupt sind noch viel zu wenige Protestanten am politischen Geschehen unseres Landes beteiligt“, sagte der Pastor. Es genüge nicht mehr, wenn sich Christen in bewährter Art und Weise nur um das Gedeihen des eigenen Kirchleins am Orte bemühten. Auch junge Christen mit Leitungstalenten sollten ausfindig gemacht und gefördert werden.

Nicht zuletzt möchte Wlasenko, der auch Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) ist, jene Politiker, die die russische Gebetsfrühstücke aufsuchen, mit christlichen Politikern aus anderen Ländern zusammenführen. „Unsere Politiker sollen mitbekommen, was alles in dieser Bewegung steckt. Politiker sollen auch in Rußland für die Sache Feuer fangen.“

Wlasenko war wohl der erste offizielle Repräsentant der russischen Frühstücksbewegung, der das nationale, koreanische Gebetsfrühstück besuchte. In der Eigenschaft wurde er gebeten, während der Hauptfeierstunde ein Grußwort an die 3.500 Teilnehmer zu richten. Der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak, ein engagierter Presbyterianer, trat auch bei dieser Gelegenheit auf.

Das koreanische Treffen endete am 16. Mai mit einem Frühstück im südkoreanischen Parlament. Südkoreanischen und ausländischen Teilnehmern wurde es anschließend gestattet, in zwei Reisebussen einen von südkoreanischen Firmen aufgebauten Industriepark in Nordkorea zu besuchen. Auf diesem Gelände beteten die Gäste um die friedliche Wiedervereinigung Koreas und die Überwindung der kommunistischen Herrschaft.

Im Jahre 2002 besuchte eine hochrangige Delegation aus Südkorea das russische Gebetsfrüh¬stück. Nach dem US-amerikanischen Gebetsfrühstück, das seit 1953 besteht, hat sich Südkorea zur zweitgrößten Frühstücksbe¬wegung der Welt gemausert. Das Nationale Gebetsfrühstück Rußlands besteht seit 1995; jährliche Treffen finden neben Moskau auch in Krasnodar/Kaukasus und Kransnojarsk/Mittelsibirien statt. Neue Frühstücke sind anvisiert in Belgorod/Südwestrußland und Izhewsk/Ural.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 23. Mai 2008
baptistrelations@yandex.ru
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-24, 424 Wörter.


Gemeindenahe Diakonie: Das machen, was andere sich weigern zu tun
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Die „Brüderschaft der Barmherzigkeit“ feierte ihr 20-jähriges Bestehen

M o s k a u -- Mit 100 Mitarbeiterinnen in weißen Kitteln und einer ähnlichen Zahl von Gästen feierte die «Brüderschaft der Barmherzigkeit“ am 14. Mai an ihrem Heimatort, der Zentralen Baptistengemeinde Moskaus, ihr 20-jähriges Bestehen. In einem Rückblick erinnerte Alexander Bytschkow (ab 1971 Generalsekretär des All-Unionrats der Baptisten) an die allgemeine Verwunderung, als der damalige Bürgermeister Anfang 1988 die religiösen Organisationen plötzlich zu sich bat. Der Bürgermeister gab händeringend bekannt, der Stadt würden 800 Linienbusse und 20.000 Krankenschwestern fehlen. Bytschkow erzählte: „Busse hatten wir nicht, doch dem Mangel an Krankenschwestern konnten wir schon Abhilfe leisten.“ Mikhail Zhidkow, einem Vizepräsidenten der Union, ging der Hilferuf besonders nahe. Nachdem er das Anliegen im Gottesdienst angesprochen hatte, meldeten sich 150 Freiwillige.
Doch nicht alles ist glatt verlaufen. Nach nur wenigen Tagen in einem großen städtischen Krankenhaus wurde den übereifrigen Helferinnen die Tür gewiesen. Auf der Webseite der „Brüderschaft“ heißt es: „Offensichtlich war die Krankenhausleitung durch unsere ´Untergrund¬evan¬gelisation´ aufgeschreckt.“ In der Erwartung, den Baptisten losgeworden zu sein, wies ihnen die Stadtverwaltung ein Krankenhaus zu, wo die Gefahr von Mission am geringsten war: eine psychiatrische Anstalt. Dazu meinte aber Pastor Zhidkow, der 2004 verstorbene Kopf hinter dieser diakonischen Bewegung: „Dort werden wir keine Möglichkeit haben zu predigen. Aber die Chance, den Menschen Christus zu zeigen, wird immer gegeben sein.“ Zum Chefarzt entstand schnell ein inniges Verhältnis. Noch heute ist die Beziehung zum Kaschtschenko-Krankenhaus – und zu drei weiteren Krankenhäusern - hervorragend.

Es sind die gewachsenen, vertrauensvollen Beziehungen, die diese Arbeit in einem Klima gewachsenen Mißtrauens weiterhin am Leben halten. Galina Dzhusenowa, die Präsidentin der Mission, berichtet: „Die Beziehungen zu unseren Partnern bleiben gut. Zu schaffen machen uns eigentlich nur vereinzelt Patienten, die ausfällig werden wenn sie merken, daß wir keine Orthodoxen sind.“ Sie fügt jedoch hinzu: „Wahrscheinlich hätten wir mit größerem Widerstand zu tun, wenn wir völlig neue Projekte starten würden.“

Ein weiteres Bespiel für natürlich gewachsene Beziehungen ist die Miliz. Im Ringen um die Versorgung von Obdachlosen waren gute Beziehungen zum Sozialdienst der Moskauer Miliz entstanden. Inzwischen sind die ursprünglichen Partner in die Jahre gekommen. Da sie als Milizangehörige nur eine sehr bescheidene Rente beziehen, sind sie nun selbst zu Empfängern dieser christlichen Barmherzigkeit geworden.

Auch für die Jüngsten tut die Mission vieles: Mehrere Waisenhäuser, junge Invalide, sowie Kinder, die mit dem HIV-Virus infiziert oder an Tuberkulose erkrankt sind, werden medizinisch und seelisch versorgt. Sommerlager für solche Kinder und für Kinder aus kinderreichen und armen Familien werden jedes Jahr im Moskauer Raum durchgeführt.

Der Dienst außerhalb Moskaus nahm schon 1988 seinen Lauf, als Unruhen in den südlichen Republiken der damaligen UdSSR ausbrachen und Moskau mit Flüchtlingen überschwemmten. Dann folgte ein Erdbeben in Armenien und 1995 brach der erste Tschetschenienkrieg aus. In Grosny und Beslan konnten die Moskauer Baptisten helfen. Durch den Dienst an Flüchtlingen wurden auch Strafentlassene auf die 2.700 -Mitglieder-zählende Gemeinde aufmerksam. Jedes Jahr wird bis zu 150 Strafentlassenen geholfen, lebensnotwendige Dokumente zu ergattern und ihren rechtlichen Anspruch auf Wohnraum durchzusetzen. Suppenküchen werden unterstützt und auch selbst betrieben: Überhaupt werden jährlich mehrere Tausend Menschen allein in den Räumlich¬keiten dieser Gemeinde in der Mali Trekhswjatitelski Pereulok 3 versorgt.

Eigentlich war es ein DC-10 Flugzeug, das diese Mission einer internationalen Öffentlichkeit bekanntmachte. Anfang 1991 gelang es der Baptistischen Weltallianz, ein gechartertes, mit Lebensmitteln vollgeladenes Frachtflugzeug von Washington nach Moskau zu entsenden. Damals schritten die Diakone der Gemeinde zur Tat und entluden das Flugzeug selbst. Nun machte Paul Montacute (Falls Church bei Washington), Direktor der „Baptist World Aid“, die weite Reise nach Moskau, um dieser diakonischen Mission nicht nur dafür Danke zu sagen. Die querschnittsgelähmte Christin Joni Eareckson Tada (San Diego) brachte eine große Anzahl von Rollstühlen mit, als sie 1992 die Gemeinde besuchte.

Doch weil der Mensch nicht alleine von Brot lebt, wird das Ganze von Musik und Anspielen umrahmt. In Kinderheimen und Krankenhäusern durchgeführte Feierstunden mit Geschenken zu den großen Festtagen gehören zum Kernangebot. Geboten werden nicht selten professionelle Musiker. Zu einer Feierstunde 2007 fanden 350 Kinder und Eltern den Weg in diese bereits seit 1882 bestehende Kirche. Bei der jetzigen, von viel Musik umrahmten Feierstunde versicherte Juri Sipko, der Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten, die Oligarchen und Mächtigen mögen über ihre Milliarden schwärmen, es seien jedoch „ausschließlich Liebe und Zuneigung, von denen der Mensch lebt“. Galina Dzhusenowa fügte hinzu, erst das Wissen, gebraucht zu werden, verleihe einem das Gefühl, Mensch zu sein. „Und viele Kinder haben überhaupt nicht das Gefühl, das irgend jemanden sie braucht.“ Sie sowie andere versicherten, ohne den festen Glauben an Gott ließe sich dieser Dienst keineswegs durchhalten. Auf der Webseite heißt es schlicht: „Wir machen das, was andere sich weigern zu tun.“

Angesprochen auf die Frage nach dem Jahreshaushalt erwidert Frau Dzhusenowa, man gebe das aus, was auch eingenommen werde. Das sei natürlich weniger als zu den Hochzeiten der russischen Not Anfang der 90er Jahre. Der Dienst hat sieben vollamtliche Mitarbeiterinnen und rund 100 freiwillige Helferinnen; feste Strategien für die Zukunft habe man nicht.

Die britische Mission „Eurovangelism“ hat ernst gemacht mit der Tatsache, daß der Dienst in dieser „Brüderschaft“ fast ausschließlich von Frauen getragen wird. In ihren Veröffentlichungen hat sie die Mission auf “Sisters of Charity“ (Barmherzigkeit) umgetauft. Die „Eurovangelism“ bleibt ein Hauptsponsor dieser Arbeit; sie ist fast von Anfang an dabei. Zum Jubiläum war ihr Leiter, David Roderick, aus Bristol angereist.

Die „Brüderschaft der Barmherzigkeit“ hat die Anschrift „brotherhood@online.ru“. Interessenten finden ihre russischsprachige Webseite unter “compassion-ministry.narod.ru“.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 19. Mai 2008
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Alle genannten Personen ohne Wohnsitzangabe wohnen in Moskau.


Die Chance des Lebens nicht verspielen
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Kirchenbau in Atschinsk soll wieder aufgenommen werden


M o s k a u -- „Einmalige, von Gott gegebene Chancen darf man nicht verspielen!“ Das war die Reaktion von Witali Wlasenko (Moskau), dem Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB) nach Besichtigung einer brachliegenden Baustelle Anfang Mai in Atschink/Zentralsibirien. Eigentlich hatten der dortige Pastor und seine 60-köpfige Gemeinde bereits beschlossen, daß unfertige, zu groß geratene Gotteshaus zu verkaufen und mit dem Geld an zwei Orten Familienhäuser zu ersteigern und für Gemeindezwecke umzubauen. Ein Käufer ist daran interessiert, die werdende Kirche – sie mißt 24 x 24 Meter - in eine Werkhalle umzubauen.

Doch darauf hatte Wlasenko erwidert: „In Rußland kommt es nur einmal im Laufe eines Lebens vor, daß die eigene Stadt Baptisten ein Filetstück im Stadtzentrum zukommen läßt in der Erwartung, daß darauf ein Gotteshaus entsteht. Eine solche Chance bekommen wir in Atschink nie wieder! Wir dürfen die Weitherzigkeit der Stadtbehörden nicht enttäuschen – sonst dürften wir uns dort nie wieder blicken lassen.“ Dabei wies er darauf hin, daß ein unfertiger Bau nur weit unter Wert verkauft werden könne. „Und das ist auch gar nicht das Geld der Baptistengemeinde Atschink. Dieses Haus gehört denen in Nordamerika, die dafür gespendet haben.“ Bisheriger Hauptspender war eine Gemeinde in Casper/Bundesstaat Wyoming.

Der Abteilungsleiter weist darauf hin, daß es in Rußland auch jetzt nahezu unmöglich sei, die juristische Umwidmung von Privathäusern in öffentliche Gebäude durchzusetzen. Das könnte noch viel problematischer werden, da zahlreiche baptistische Bethäuser in juristischer Hinsicht weiterhin nur als Privatquartiere gelten.

Im Jahre 2000 wurde das Gründstück der Gemeinde zur Bebauung überlassen. In den Jahren 2003 – 2006 wurde auf dem Grundstück gehämmert und gesägt. Doch nachdem der tatkräftige Pastor Peter Grichany (Tscherniwtsi) aus Visa- und Gesundheitsgründen in seine westukrainische Heimat zurückkehren mußte, kam das Projekt zum Erliegen.

Seit seinem Weggang ist die klein gewordene Gemeinde mit diesem Projekt logistisch und planerisch überfordert. Für das 300 bis 400 Personen fassende Haus ist dringend vonnöten, daß ein Plan für die Fertigstellung und Nutzung des Hauses erarbeitet wird. Pastor Wlasenko meint: „Zuerst müssen Fenster montiert und eine Heizungsanlage installiert werden. Dann kann man schon einziehen.“ Die bescheidenen, vorgesehenen Baukosten hatten es in sich. Die Gemeinde in Casper hatte $50.000 zur Deckung der Baukosten gespendet; nun sollen weitere $30.000 zur Fertigstellung erforderlich sein. Der Gast aus Moskau meinte, bis zur Hälfte des Hauses könnte vorerst etwa als Büroräume fremdvermietet werden. So könnten laufende Kosten gedeckt werden bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Gemeinde das ganze Haus für die eigenen Bedürfnisse benötigt.

„Das Potential ist fast atemberaubend“, versichert Wlasenko. Viele Gemeindeglieder seien in andere freikirchliche Gemeinden abgewandert. Ein begabter Pastor würde es jedoch mit Gottes Hilfe gelingen, sie sowie andere für die Gemeinde in Stadtmitte neu zu gewinnen. Andere Baptistengemeinden im Bezirk Krasnojarsk haben die Bereitschaft bekundet, erstmalig für das Projekt zu spenden. Die historische, 114.000 Einwohner zählende Stadt liegt 170 km westlich von Krasnojarsk direkt an den Hauptverkehrsadern zwischen Westrußland und Fernost.

Doch nun hat der Abteilungsleiter Wlasenko eine Sorge mehr: Die Gemeinde am Ort ließ sich umstimmen in der Erwartung, daß die Moskauer Bundeszentrale bei der Geldsuche mit anfaßt. Wer sich also für das Projekt interessiert, ist herzlich eingeladen, sich an die Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen zu wenden.

Der Fall Atschink macht wieder einmal deutlich, weshalb – nach den unkontrollierten Aufbrüchen der 90er Jahre – zentrale Absprachen und Beratungen bei Bauvorhaben dringend vonnöten seien. Die RUECB ist weiterhin bemüht, ihre Abteilung für Architektur in diesem Sinne landesweit voranzubringen.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt heute rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 10. Mai 2008
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Wir sind mit dem Volke eins
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Protestanten legen zum dritten Mal Kränze an der Kremlmauer nieder

M o s k a u – Für das dritte Jahr in Folge legten Vertreter der protestantischen Kirchen Rußlands am 8. Mai Kränze am Grab des Unbekannten Soldaten an der Moskauer Kremlmauer nieder. Zum zweiten Mal wurden die russischen Protestanten ausdrücklich als Protestanten zum verehrtesten Ort der russischen Gegenwart vorgelassen.

„Unser Kommen ist ein Ausdruck unserer Einheit mit dem Leben des Volkes. Auch wir sind eins mit dem russischen Volk.“ Das meinte Simon Borodin, Vize-Präsident der kleinen „Missionarischen Union der evangelischen Christen“. Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB) fügte hinzu: „Auch wir sind ein Teil der russischen Vergangenheit und Gegenwart.“ Zur Untermauerung wies er darauf hin, daß sowohl sein Vater wie sein Pastor – beide Baptisten – als Soldaten am II. Weltkrieg teilgenommen hatten. Ein anderer Kirchenvertreter bedauerte nur, daß immer weniger der betagten Menschen, die die schweren Kriegsjahre miterlebt hatten, an der Feierstunde teilnehmen können.

Doch nach der Überzeugung von Wlasenko erfreut sich diese protestantische Feier zunehmender Beliebtheit unter den Nachgeborenen. Vor einem Jahr waren 30 Gläubige erschienen – jetzt waren es etwa 50. „Diese Feier findet immer stärkere Beachtung in unseren Gemeinden. Ich bin überzeugt, daß sie sich zu einer festen Institution im Leben unserer Kirchen entwickeln wird.“ In diesem Jahr waren die Lutheraner erstmals in größerer Zahl vertreten. Träger dieses Ereignisses sind der „Konsultative Rat der Leiter der protestantischen Christen Rußlands“ und die „Stiftung Nationales Gebetsfrühstück“.

Ein paar protestantische Kirchenvertreter zählten zu den 2.000 geladenen Gästen, die am 7. Mai der festlichen Einführung von Dmitri Medwedew als Präsident der Russischen Förderation bewohnten. Sie waren Sergei Rjachowski, Bischof der charismatischen „Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelischen Glaubens“, Wassili Stoljar, Präsident der „Kirche der Adventisten des Siebenten Tages“, sowie der Unternehmer und Baptist Alexander Semtschenko als Mitglied im „Beratungsrat für die Zusammenarbeit mit religiösen Organisationen am Sitz des Präsidenten der Russischen Föderation“. Die offizielle protestantische Politik in Rußland vertritt die Auffassung, daß Medwedews Bekenntnis zum orthodoxen, christlichen Glauben ein verbindendes Element zu den Protestanten hin darstelle.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 9. Mai 2008
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Alle genannten Personen haben ihren Wohnsitz in Moskau.


Nicht deine, sondern unsere Kirche
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Die kleinste Megagemeinde Rußlands gestartet


M o s k a u -- Am 3. Mai fand der erste Gottesdienst einer Moskauer Baptistengemeinde statt, die Großes vorhat. Man sagt – auch scherzhaft – sie wolle eine Megagemeinde werden. Zum ersten Gottesdienst im Seminargebäude der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) sind fast 60 erschienen. Anspielend auf den ungewöhnlichen Namen der Gemeinde - sie heißt „Deine Kirche“ - rief RUECB-Präsident Juri Sipko in der Eröffnungspredigt aus: „Das ist nicht deine Kirche - das ist unsere Kirche!“ Dabei betonte er, die Gemeinde sei in der RUECB und im Weltbaptismus überhaupt fest verankert.

Pastor dieser angehenden Gemeinde ist Leonid Kartawenko, sechs Jahre lang Abteilungsleiter für Mission in der Bundeszentrale der RUECB. Als Dank für ihre Geburtshilfe wurden im Gottesdienst Juri Sipko, Kartawenkos ehemaligem Chef, und Seminardirektor Dr. Peter Mitskewitsch, Blumen überreicht.

In einem Interview berichtete Kartawenko, der nun Pastor der kleinsten Megagemeinde Rußlands ist, über seine jüngsten Strategien: „Wir wollen keine Mitglieder, sondern nur Dienende. Jedem Mitglied wird eine Aufgabe übertragen – auch wenn sie noch so klein ist.“ Es wird auch erwartet, daß jedes Gemeindeglied einem Hauskreis angehört. Das Musikangebot soll von professio¬nellem Niveau sein. Vor allem im Internet soll für „Deine Kirche“ geworben werden. Werbeplakate werden auf die Internet-Seite (www.yourchurch.ru) hinweisen. Dort werden alle aktuellen Informationen – auch Ort der Gottesdienste – zu finden sein. Pastor Kartawenko erklärt: „Im Internet werden Suchende ihre Fragen stellen können. Dadurch kann ein persönlicher Kontakt entstehen – und das ist schon angelaufen. Wir wissen, daß Leute am ehesten kommen, wenn sie schon Kontakt mit einem Gläubigen haben.“

Zum Hintergrund: Mitte Februar war es zum Bruch zwischen dem Geschäftsmann Alexander Semtschenko und dem Bundespräsidenten Sipko gekommen. Den Berichten zufolge hatte Semtschenko Entscheidungsbefug¬nisse verlangt, die ihm als nichtgewählten Mitarbeiter des Bundes nicht zustehen. Das war die Einschätzung des Bundespräsidenten – sie wurde später vom 54-köpfigen Rat der RUECB sekundiert. Sipko und Semtschenko waren sich auch uneinig in der Frage über das notwendige Maß an Kooperation mit staatlichen Stellen.

Sipko setzte Semtschenko als Sekretär der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen ab; Semtschenko zog daraufhin seine finanzielle Unterstützung für die Union zurück. Das Ergebnis war ein großes Loch im Unionsbudget. Viele Projekte wurden sofort auf Eis gelegt – nicht zuletzt die Missionsabteilung und ihre missionarischen Expeditionen.

Nach wenigen Monaten als Finanzdirektor trat Kartawenko, der mit manchen Anliegen Semtschenkos sympathisierte, im März von allen Bundesämtern zurück. Im April ist auch Simon Borodin, der Nachfolger von Kartawenko als Abteilungsleiter für Mission, zurückgetreten. Neuer Leiter der Missionsabteilung ist Ruwim Woloschin, ein Vizepräsident des Bundes.

Doch inzwischen kehrt der Alltag wieder ein; die Missionsabteilung ist mit der Vorbereitung der Bundeskonferenz Ende Juli beschäftigt. Bei seiner Sitzung Mitte März (wir berichteten) entschied der Bundesrat, finanzielle Kompetenzen verstärkt auf die Ortsgemeinden zu verlagern und den jährlichen Bundesbetrag um das Dreifache auf 150 Rubel (4,30 Euro) pro Gemeindeglied zu erhöhen. Das ist ein gewagter Schritt für viele Ortsgemeinden. Russische Spenden sowie eine anhaltende finanzielle Beteiligung des Auslands und die Vermietung von zwei der fünf Etagen der Bundeszentrale an säkulare Firmen sollen das finanzielle Loch stopfen.

Alexander Semtschenko, ein Jugendleiter des Bundes zu Sowjetzeiten, tat nach der Perestroika viel für die Öffnung des Baptismus zur Gesellschaft hin. Der Ausbau von interkonfessionellen Beziehungen – auch zur Orthodoxie und zum Katholizismus – ist nicht zuletzt auch ihm zu verdanken. Juri Sipko versicherte: „Ich habe hohe Achtung vor den Begabungen Alexander Semtschenkos und vor der Widmung seines Selbst und seiner Ressourcen für den Dienst der Kirche.“ Das Nationale Gebetsfrühstück und die hinreißenden Osterkonzerte der Freikirchen wurden ebenfalls von Semtschenko gefördert.

Leonid Kartawenko gesteht, er habe auch vor Februar von der Gründung einer neuen Moskauer Gemeinde geträumt. Gerade die unglücklichen Vorkommnisse des laufenden Jahres hatten nun die Entstehung einer neuen Gemeinde zur Folge. Er sagt: „Gott führt seine Arbeit durch alle Krisen hindurch.“

Die größten „Megagemeinden“ Rußlands haben rund 4.000 Mitglieder. Das sind vor allem zwei charismatische Gemeinden in Moskau und Perm/Ural. Moskaus historische, altehrwürdige „Erste Baptistengemeinde“ hatte im Jahr 2005 2.719 Mitglieder.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 6. Mai 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-20, 635 Wörter.

Alle genannten Personen haben ihren Wohnsitz in Moskau.


Bei Baptisten ruft der Moskauer Patriarch zur Mission auf
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Nicht alle Entwicklungen in Rußland sind bedauerlich

M o s k a u -- Mit dem Missionsbefehl Jesu grüßte Alexius II., Patriarch von Moskau und ganz Rußland, Juri Sipko (Moskau), den Präsidenten der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) anläßlich des östlichen Ostern am 27. April. Alexius zitierte in seinem Schreiben Markus 16,15: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.“ Das Oberhaupt des Moskauer Patriarchats fuhr fort: „Ich habe den aufrichtigen Wunsch, die Treue zu den Idealen des Evangeliums und die Sorge um deren Bestätigung im Leben der Völker mögen eine feste Grundlage bilden für unsere gemeinsame Arbeit.“

In einem weiteren österlichern Gruß an den Baptistenpräsidenten rief der orthodoxe „Außenminister“ Kirill, der Metropolit von Smolensk und Kaliningrad, zur Friedensstiftung auf. „Wenn die Menschen in verschiedenen Teilen der Welt durch Auseinandersetzungen und Konflikte zerteilt sind, sind die Christen aufgefordert, Zeugnis vom Auferstandenen Erlöser abzulegen. Er ist ´unser Friede´.“ Ein Gruß erfolgte ebenfalls von Sergei Popov, dem Geschäftsmann und Vorsitzenden des Komitees der Staatsduma für öffentliche und religiöse Organisationen.

Ein anderes freudiges Ereignis ging dem Osterfest voraus. Bereits am 19. und 20. April konnte in einer verkehrsgünstigen Lage der Hauptstadt Juschno-Sachalinsk auf der fernöstlichen Insel Sachalin nach achtjähriger Bauzeit das multifunktionale, baptistische Gemeindezentrum „Haus des Evangeliums“ eingeweiht werden. Zu den 250 Besuchern und Gratulanten zählten neben dem angereisten Moskauer Bundespräsidenten Sipko (der 10.400 km zurücklegen mußte) auch Vertreter der Kommune.

Bei den Feierlichkeiten wurde darauf hingewiesen, daß sich erst 1980 die Kirchen des Gebiets hätten staatlich registrieren können. Ähnlich wie im extrem westlich gelegenen Grenzgebiet Königsberg/Kaliningrad hatten die damaligen kommunistischern Machthaber ihr Gebiet lange für „glaubensfrei“ zu halten versucht. Bereits 1989 war der erste Kirchenbau der Baptisten eingeweiht; er erwies sich jedoch umgehend als zu klein. (Königsberg war bis 1945 deutsch; die südliche Hälfte von Sachalin war japanisch 1905-1945.)

Diese Ereignisse geschehen auf dem Hintergrund von sehr negativen Entwicklungen in Stary Oskol am südwestlichen Rande des Landes, von denen die „New York Times“ am 24. April ausführlich berichtete. Dort sind vor allem kleine methodistische und lutherische Kreise staatlichen - und orthodoxen - Repressalien ausgesetzt. Ein informierter Mitarbeiter der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der RUECB meinte: „Wir dürfen weder das Gute noch das Schlechte verheimlichen. Es kommt eben sehr darauf an, daß wir uns gemeinsam mit allen Menschen guten Willens dafür einsetzen, daß sich das Gute in unserem Lande vermehrt.“

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt heute rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 29. April 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-19, 395 Wörter.


Das eigene Hemd abgeben
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Peter Lunitschkin schafft eine neue Sozialabteilung für die russischen Baptisten


M o s k a u -- Peter Anatolowitsch Lunitschkin ist ein Beschenkter - gerade deshalb will er andere beschenken. Er berichtet, als Kind hätten er und seine sechs Geschwister manchmal nichts zu essen gehabt. Von daher kennt er aus erster Hand das Gefühl der Freude und Dankbarkeit, das aufkommt, wenn einem in der Not aus Liebe geholfen wird.

Sein Gebet, auch anderen sozial helfen zu können, wurde schon in der Gemeinde, die er in seiner Heimatstadt Wladikawkas gründete, erhört. Gerade die sozialen Erfolge in dieser Gemeinde, die heute 220 Mitglieder zählt, führten dazu, daß er vor einem Jahr von der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) gebeten worden ist, einen Bundessozialdienst zu organisieren. Dieser Dienst wurde begünstigt durch seinen Umzug von der nordossetischen Hauptstadt nach St. Petersburg, wo er heute der Hauptgemeinde der Stadt vorsteht.

In Wladikawkas hatte seine Gemeinde die Betreuung und Versorgung von 500 vereinsamten Senioren organisiert. Christen vor Ort spendeten 400 Rubel (heute 11 Euro), um ihnen mehrmals monatlich Lebensmittel kaufen zu können. Auch Holländer waren mit 20 Euro im Monat dabei. In Schulen warnten Baptisten vor dem HIV-Virus; bei Subbotniks beteiligten sie sich daran, die Lebensumgebung der Mitmenschen zu verschönern. Bei einer Aktion in der umkämpften Republik Inguschetien schenkten seine Sonntagsschulkinder 35 Fahrräder an die Kinder eines Dorfes. Das war eine Aktion, der viele Vertreter von Staat und Kommune beiwohnten.

Er berichtet: „Es entwickelte sich eine tolle Zusammenarbeit mit staatlichen Organisationen. Bei Aktionen luden wir sogar die orthodoxen Geistlichen ein – und sie kamen auch. Aufgrund seiner Verdienste wurde der Pastor in die Menschenrechtskommission am Sitz des Präsidenten von Nordossetien – das Gebiet grenzt an Tschetschenien - geholt. Allen Unkenmeldungen zum Trotz glaubt Pastor Lunitschkin deshalb daran, daß orthodoxe Kreise nicht automatisch mit Widerstand auf humanitäre Vorstöße aus der protestantischen Ecke reagieren werden: „Ich meine, wenn wir weiterhin ähnliche Aktionen durchführen, werden wir keine Gegenwehr zu erwarten haben.“

Von St. Petersburg aus ist der emsige Pastor nun bemüht, eine Datenbank zu schaffen, die alle vorhandenen humanitären Maßnahmen und Ressourcen der Baptisten katalogisiert. „Wir haben Mediziner, Sozialtätige, eine hervorragende Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und viele gelungene Großfamilien. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“ Ihm schweben ferner Aktionen gegen Tabakmißbrauch und Alkoholismus vor. Doch aller Anfang ist bescheiden. Seine Sozialabteilung hat keine bezahlten Mitarbeiter und er selbst bezieht sein Pastorengehalt von der deutschen Mission „Licht im Osten“.

Steine auf dem Wege
Der 46-jährige Großvater und Vater von sechs Kindern stellt fest: „Wir Russen sind selbstsüchtig. Es fällt uns zwar nicht schwer, Hilfe aus dem Westen weiterzugeben. Aber das eigene Hemd und das eigene Fahrzeug abgeben – das steht auf einem anderen Blatt. Deshalb besteht unsere Aufgabe darin, Menschen zu motivieren, von dem Ihrigen abzugeben.“

Er erzählt ferner von einer Stadt, in der es fünf Baptistengemeinden gibt. Doch unter ihnen besteht ein Konkurrenzdenken: „Ich meine, wir müssen den Menschen beibringen, sich am Erfolg des anderen mitzufreuen. Wir leben isoliert und jeder für sich – das ist unsere große Schwäche. Wir haben kein Vertrauen zueinander. Immer erscheint einer irgendwie verdächtig. Aber doch besteht das Problem nicht darin, daß wir Baptisten nicht lieben könnten. Wir lieben schon – doch wir fühlen uns nicht frei, unsere Gefühle zum Ausdruck zu bringen.“

In den Fragen von Reichtum und Armut tun sich in Rußland Widersprüche auf. „Natürlich sind wir ärmer als die Amerikaner,“ sagt der Pastor, „aber wir sind nicht arm. Es gibt immer Ärmere, denen wir zu opfern haben. Wenn jeder Baptist den Zehnten geben würde, würde unsere Kirche in Wohlstand schwelgen.“ Gleichzeitig sagt er aber auch: „Viele westliche Missionen haben Rußland verlassen und stellten dabei fest: ‚Rußland ist ein reiches Land.´ Das stimmt – doch das trifft nicht für die Gemeinden und Menschen im allgemeinen zu. Deshalb sind wir weiterhin auf die Hilfe westlicher Geschwister angewiesen. Ich sehe, daß die Kirchen im Westen gleichgültig geworden sind gegenüber Rußland, und das ist sehr bedauerlich.“

Bezüglich der Zukunft meint Pastor Lunitschkin: „Es ist für uns ein Problem, daß die Russisch- Orthodoxe Kirche sehr politisch geworden ist. Dahinter steckt das größte Problem Rußlands überhaupt: die fehlende Frömmigkeit. Deshalb auch besteht unsere Aufgabe darin, das Evangelium zu verkündigen und gegen niemanden persönlich aufzutreten - weder gegen die Staatsmacht, Charismatiker noch Pfingstler. Wir werden nur Erfolg haben wenn wir den allmächtigen Gott loben und aufhören, uns über die Unzulänglichkeiten anderer zu beklagen. Wenn wir das Evangelium in der Liebe leben, wird die Zeit kommen, in der die Gesellschaft erkennt, wie nötig sie uns hat.“

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 24. April 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-18, 729 Wörter.


Größere Einheit: Ein erfolgsversprechendes Konzept
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Eine zwischenkirchliche und zwei baptistische Tagungen finden statt

M o s k a u – Die Baptisten Rußlands sollten lieber weniger Ressourcen in die PR stecken und sich statt dessen darauf konzentrieren, “die Beziehungen zwischen den Gemeinden zu verstärken”. Sie sollten ferner „viele neue Gemeinden gründen sowie die Größe und Qualität der bestehenden Gemeinden steigern“. Das sind die Auffassungen eines hohen, russischen Staatsbeamten nach der Darstellung von Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), bei einer Pastorenkonferenz in Brjansk am 12. April. Zum Schluß hatte der Beamte hinzugeführt: Wenn Ihre Brüderschaft „zusammenwirken würde wie die Seiten eines gutgestimmten Klaviers und sorgsam alle Aktivitäten vorbereiten und durchführen, dann könnte sie innerhalb von fünf oder zehn Jahren eine ernstzunehmende Kraft werden, auf die der Staat schon von sich aus hören wollte.“ Der Abteilungsleiter merkt auch in seinem Vortrag an, daß es oftmals die Schwestern und Brüder in den westlichen Staaten seien, die den Wunsch selbstständiger Gemeinden, „in unseren Bund einzutreten“, am wenigsten verstehen.

Drei Tage später wurde bei einem Treffen des „Konsultativen Rats der Leiter der protestanti¬schen Kirchen Rußlands“ in Moskau berichtet, daß das staatliche Ministerium für Bildung und Wissenschaft ein Gespräch mit Protestanten am 11. April initiiert hatte. Dabei hatte der Staat in Erfahrung bringen wollen, wie Protestanten auf orthodoxe Vorstellungen bezüglich eines Schulunterrichts zum Thema „Geistliche und Moralische Kultur“ reagieren. Nun beabsichtigt der Rat, einen alternativen, weniger parteilichen Plan für den Schulunterricht zu den entsprechenden moralischen und religiösen Themen vorzulegen. Diese staatliche Initiative könnte verstanden werden als ein Zeichen dafür, daß die Protestanten schon heute in zunehmendem Maße ernstgenommen werden.

Der baptistische Wunsch nach einer engeren Kooperation zeigte sich ebenfalls bei der diesjähri¬gen Konferenz der “Euro-Asiatischen Föderation der Unionen der Evangeliumschristen-Baptisten”, die vom 9. bis 11. April in Kiew tagte. In seinem Brjansker Vortrag hat Wlasenko, der davor in Kiew zugegen war, versichert: „Mir scheint es, daß wir Russen demnächst imstande sein werden, die Kirche in den zentralasiatischen Staaten und anderswo verstärkt zu unterstützen.“ Die Protestanten Zentralasiens sind allesamt erhöhtem staatlichem Druck ausgesetzt. Die Euro-Asiatische Föderation vereint 12 der 15 Gebietsunionen, die zu Sowjetzeiten den „Allunionsrat der Evangelischen Christen-Baptisten“ ausmachten. (Nur die baltischen Bünde sind dieser Nachfolgeorganisation nicht beigetreten.)

Dieser erste „Tag der Brüderschaft“ in Brjansk löste ein Versprechen der Unionsleitung aus dem vergangenen Januar ein, sich aus dem Moskauer Büro zu begeben und die Pastoren vor Ort in den Weiten Rußlands aufzusuchen (siehe unsere Meldung vom 18.1.). Die Reaktion der 120 Pastoren dieses südwestlich von Moskau liegenden Gebietes war überwältigend – dabei sind sogar die Mitgliedsbeiträge der Gemeinden für die Zentrale (sie sind um das Dreifache auf 150 Rubel – 4,05 Euro - pro Gemeindeglied und Jahr erhöht worden) bereits aufgebracht. Pastor Wlasenko gibt an, daß diese Tagungen monatlich durchgeführt werden sollen; so könnten innerhalb von fünf Jahren alle der über 50 baptistischen Regionen besucht werden. (Das ist eine ziemlich anstrengende Vorstellung für die leitenden Mitarbeiter der Moskauer Zentrale.) Er sagt voraus: „Zum Schluß werden uns die Pastoren nicht nur an unseren Briefen, sondern auch an unseren Gesichtern erkennen.“

Der Konsultative Rat befaßte sich am 15. April nicht nur mit dem russischen Schulwesen. Die versammelten Kirchenoberhäupter äußerten Genugtuung hinsichtlich des Nationalen Gebetsfrühstücks, das diesjährig am 18. März in Moskau stattgefunden hatte. Im kommenden Jahr sollen dessen Größe und Dauer erweitert werden. Gesprächskreise sollen eingeführt werden und das Frühstück könnte den Großteil eines Tages beanspruchen. Die Hauptverantwortung für die in Rußland durchgeführten „Global Leadership Summits“ der nordamerikanischen Willow-Creek-Bewegung soll bis auf Weiteres in den Händen von Witali Wlasenko liegen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 19. April 2008
baptistrelations@yandex.ru
www.baptist.org.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-17, 568 Wörter.


Eine Klasse für sich
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Zur Arbeit der International Mission Board in Rußland

Ein Bericht und Kommentar

M o s k a u – Es gibt tatsächlich Dinge, die in Rußland besser laufen als weiter westwärts. Ein Beispiel dafür sind die Beziehungen der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) mit weltumspannenden Organisationen wie dem Baptistischen Weltbund (BWA) und der in Richmond/Bundestaat Virginia beheimateten „Southern Baptist Convention“ (SBC). In Westeuropa laufen die Beziehungen der SBC mit den Bünden, die sich in der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) versammeln, auf Sparflamme. Doch in Rußland gedeiht die Zusammenarbeit mit beiden Organisationen. (Die EBF ist die europäische Filiale der BWA.) Die Spannungen, denen die „International Mission Board“ (IMB) in Rußland ausgesetzt ist, sind im wesentlichen staatlichen und volkskirchlichen Ursprungs. Die Lage sieht allerdings anders aus in Kasachstan und Kirgisistan, wo sich die Baptistenbünde von der BWA und EBF getrennt haben.

RUECB-Präsident Juri Sipko unterstreicht die gedeihliche Zusammenarbeit seines Bundes mit der IBM. Es gibt große inhaltliche Überschneidungen etwa im Bibelverständnis und in der Frauenfrage. Vom Wert einer Unterstützung durch die IMB ist Alexander Popow, der baptistische Superintendent für das Gebiet Ischewsk, zutiefst überzeugt. Im Gespräch wies er darauf hin, daß das Projekt Udmurtien aus russischen Kreisen stamme. „Es war unsere Idee, daß wir zusammenarbeiten. Wir haben gemeinsam Projekte entwickelt. Bei uns haben die Südbaptisten nur durch uns und unseren Bund gearbeitet. Sie wollten, daß wir selbst die Gemeinden gründen.“

Über Spaltungen
Die Southern Baptist Convention ist mit ihren 16,3 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Kirche der USA. Die Römisch-Katholische Kirche hat das Dreifache an Mitgliedern, doch an der Zahl von 44.000 Ortsgemeinden kommen die Katholiken nicht heran. Seit ihrer Entstehung 1845 verfügt die SBC auch über eine schlagkräftige Missionsgesellschaft: die IMB. Bis 1997 war sie unter dem Namen „Foreign Mission Board“ bekannt. Die Mission ist spätestens seit 1990 im postkommunistischen Rußland aktiv.

Von der großen SBC haben sich Gruppierungen wiederholt abgespalten. Die jüngsten Spaltungen ergaben sich aus der nach 1960 entstandenen Bewegung der „Conservative Resurgence“ (Konservative Wiederauflebung). Seit 1979 ist es dieser besonders konservativen Fraktion gelungen, jedes Jahr den eigenen Kandidaten zum Präsidenten der SBC zu wählen. (Die Amtszeit beträgt nur ein Jahr.) Im Jahre 1987 spaltete die besonders liberale „Alliance of Baptists“ ab. Sie hat heute rund 125 Ortsgemeinden. Zur gemäßigten, 1991 gegründeten „Cooperative Baptist Fellowship“ (CBF) gehören inzwischen 1.900 Ortsgemeinden. Im Oktober 2004 hat sich die SBC selbst von der BWA verabschiedet. Es verbleiben bei der BWA 210 baptistische Kirchen mit rund 37 Millionen Mitgliedern.

Diese letzten Spaltungen innerhalb der SBC werden mitunter als eine „Reformation mit unglaublich hohen Verlustquoten“ bezeichnet. Der texanische Seminarpräsident Paige Patterson, selbst ein Architekt der “Conservative Resurgence”, beklagte die Tatsache, daß diese Auseinandersetzung zur Zerstörung von Karrieren, Verletzungen und zerbrochenen Freundschaften geführt habe. „Keiner, der ernsthaft den Namen Christi bekennt, könnte sich über diese Trauer freuen.“ Bekanntlich haben sich führende Südbaptisten wie Billy Graham, Jimmy Carter und Rick Warren nicht am Umbau der SBC beteiligt.

Richmond ist weit entfernt
In Rußland gab es lange den Spruch: „Der Zar ist weit weg und Gott ist weit oben.“ Doch empfinden die Baptisten nicht nur Moskau als weit entfernt – Richmond/Virginia liegt in noch viel größerer Entfernung. Das Funkenfeuer jenseits des großen Meeres hat die Arbeit vor Ort in Rußland wenig beeinträchtigt. IMB-Mitarbeiter engagieren – oder engagierten - sich u.a. in Moskau, Petersburg, Brjansk, Iwanowo, Nizhny Nowgorod, Ufa, Ischewsk, Wolgograd, Jekaterinburg und im fernöstlichen Khabarowsk. In Petropawlowsk auf der Halbinsel Kamtschatka sind nordamerikanische Mitarbeiter unmittelbar an der Gründung einer neuen Gemeinde beteiligt. Das RUECB-Seminar in Akademgorodok bei Nowosibirsk wird von der IMB gefördert. Diese Missionare organisieren Konferenzen, Evangelisationen, Musikver¬an¬staltungen, Bibelverteilaktionen, Englischunterricht und humanitäre Maßnahmen (siehe Beslan). Bei Brjansk wurde ein christliches Ferienla¬ger unterstützt.

Wie viele westliche Missionen will sich die IMB auf „unerreichte“ und besondere Zielgruppen konzentrieren. Zu ihnen zählen in diesem Falle das mit den Finnen verwandte Volk der Udmurten im Raum Ischewsk, sowie Muslime in Moskau und Rußland überhaupt. Mission unter Russen koreanischer Abstammung, unter Taubstummen, Juden, Studenten und Künstlern gehören zu den weiteren Schwerpunkten. Ed Tarleton, der Leiter ihres Moskauer Büros, träumt davon, zwei Dutzend der rund 180 Völker Rußlands zu erreichen.

Nachahmenswertes
Die IMB versteht viel davon, die Christen an der Heimatfront zu mobilisieren. Da könnten Europäer bei ihr die Schulbank drücken. Sammelaktionen und ein jährlicher „Freiwilligengipfel für Zentral- und Osteuropa“ werden in den USA durchgeführt; der diesjährige Gipfel findet Ende April in Sherwood/Bundesstaat Arkansas statt. Bei der Mobilisierung nimmt das Internet eine Schlüsselposition ein – siehe z.B. „hope4cee.org/Russia“, “hope4russia.org” und „hope4artists.com“. Auf der Webseite „hope4udmurt.org“ ist zu erfahren, wie man einen Gemeindeabend über das Volk der Udmurten - sogar mit entsprechender Kost - gestalten kann. Besonders aktiv im Einsatz für Rußland ist die „White River Baptist Association“, die in der Ortschaft Flippin (Einwohnerzahl 1.357) im Norden von Arkansas beheimatet ist.

Die IMB ist auch König der Gebetsbewegung zugunsten der Evangelisation – und 2007 nahm Rußland die Spitzenposition in den Werbekampagnen der IMB ein. Am 27. Mai hatten Südbaptisten in der ganzen Welt ihren jährlichen „Tag des Gebetes und Fastens für die Weltevangelisation“ dem in Zentralrußland beheimateten 770.000-Menschen zählenden Volk der Udmurten gewidmet. Die Gebetswoche für die Auslandsmission, die vom 2. bis 9. Dezember 2007 stattfand, hob die in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion tätigen Missionare hervor.

Verständlicherweise verfügen die Mitarbeiter der wohlhabendsten, protestantischen Missionsge¬sell¬schaft überhaupt über entsprechendes Kleingeld. Aber sie verstehen es auch, einen Teil weiterzugeben. Im Jahr 2007 brachten die beiden Jahreskonferenzen der Missionare in Zentral- und Osteuropa mehr als $90.000 zusammen.

Innerhalb oder außerhalb?
Weltweit besteht die IMB im Regelfall auf der Etablierung einer eigenen Mission und eines eigenen Programms. Obgleich sie womöglich eng mit dem Programm einer einheimischen Union kooperiert, bleiben die beiden Missionen eigenständige Größen. Das hat manchmal zu der Feststellung geführt – siehe z.B. Nigeria, die IMB halte „eine Parallelorgani¬sation, die losgelöst von den einheimischen Bünden fungiert“. Veröffentlichungen der Mannschaft Khabarowsk im Internet machen deutlich die Erwartung, daß sich Einheimische den Projekten der IMB anschließen – nicht umgekehrt. Anfang 2001 kam es zu einem Bruch zwischen der IMB und den Unionsgemeinden im Gebiet Irkutsk. Den Berichten zufolge setzten sich die Pastoren vor Ort für die Unterstützung vorhandener Projekte ein. Die Südbaptisten wollten jedoch neue Gemeindegründungsinitiativen starten, die mit wenig oder keiner Förderung von Einheimischen einhergingen. Doch in Ischewsk nahm das Bemühen um Kooperation einen anderen Verlauf.

Auch unter den allerbesten Umständen können die Unterschiede in Kultur und ökonomischer Stärke den Missionaren aus fremden Ländern große Hürden in den Weg stellen. Die IMB hat langfristige Missionare: Das heute in St. Petersburg arbeitende Ehepaar Mel und Nancy Skinner befindet sich seit 16 Jahren in Rußland. Ed und Teri Tarleton sind seit 14 Jahren vor Ort. Doch leisten Missionare, die sich für wesentliche kürze Zeiträume in Rußland aufhalten, ein Großteil der Arbeit. Das sind Menschen, die weniger dafür gerüstet sind, den „Zwillingsgegnern“ von Kultur und ökonomischem Gefälle in die Flucht zu schlagen. Die IMB hält für den Dienst kurzfristiger Missionare eine breite Palette von Optionen offen. Einem in den USA wohnenden, Laienmissionar und „Virtual Strategy Coordinator“ z.B. fällt die Aufgabe zu, einen Plan zu entwickeln, um eine russische Stadt oder ein russisches Gebiet mit dem Evangelium zu erreichen. Zu den weiteren Optionen gehören das Unterrichten von Englisch und „Prayerwalking“, bei dem man in der Hoffnung auf zufällige Gesprächsmöglichkeiten eine Gegend betend durchwandert.

Es kann auch deshalb nicht überraschen, daß mangelnde Erfahrung und mangelndes Mitgefühl verschiedentlich zum Vorschein kommen. Der in Houston seßhafte “Virtual Strategy Coordinator” für die Stadt Nizhny Nowgorod schrieb kürzlich: „Die meisten der 1,3 Millionen Einwohner der Stadt haben keinen Zugang zum Evangelium und herzlich wenig Interesse an der Religion oder an irgend etwas anderem aus dem Westen.“ Im vorigen Jahr berichtete der Leiter der IMB-Arbeit im europäischen Rußland: „Zweifellos schließt sich die Tür. Nun legen wir das Fundament, um [die Christen] auf die nächste Verfolgungswelle und die Notwendigkeit von Hausgemeinden vorzubereiten.“ Eine solche Nachricht wirkt wenig erheiternd auf jene Christen Rußlands, die zuhause bleiben und nicht voreilig die Flinte ins Korn werfen wollen.

Ab wann sind die „Nebenkosten“ keine Nebenkosen mehr? Ein Indiz für das beunruhigende Verhältnis zwischen Kostenaufwand und Nutzen sind die immensen Reisekosten, die befristet in Rußland tätigen Missionare verursachen. Aber dies trifft nahezu alle Missionen, die weiterhin in Rußland tätig sind. Gäbe es keine kurzfristig-tätigen, ausländischen Missionare, gäbe es oftmals überhaupt keine. Das „Prayerwalking“ kann ein sinnvolles Unterfangen sein – doch ist es dem Preis eines Rundfluges von Texas bis Zentralrußland wert? Ist solches Beten effektiver als das Beten zuhause in Texas? Manche Fragen lassen sich nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantworten.

Das größte Happening in der ganzen Stadt
Die in der BWA versammelte baptistische Mehrheit kann Gründe finden, Aspekte der in Rußland geführten Missionsarbeit der IMB kritisch zu durchleuchten. Dabei müßte man sich jedoch über die Größenverhältnisse im klaren sein. Mit ihren 5.400 Missionaren weltweit bildet die IMB die größte protestantische Missionsgesellschaft auf dem Globus. Ihr Budget für das Jahr 2007 belief sich auf $165 Millionen. Die bereits erwähnte CBF unterstützt 163 Missionaren in Übersee mit einem jährlichen Missionsbudget von $6 Millionen. Die „American Baptist Churches“ (ABC), die ebenfalls aus der Spaltung von 1845 hervorgingen, hatten 2002 150 Missionare im Ausland.

Die IMB verfügt über 20 missionarische Teams quer durch Rußland. Die Zahl der längerfristig-tätigen IMB-Missionare in Rußland bewegt sich knapp unter 100. Obwohl Mitglieder der American Baptist Churches an Missionsprojekten – und am Moskauer Seminar – beteiligt sind, verfügen weder sie noch die CBF über in Rußland wohnende, ausländische Mitarbeiter. Bis Mai werden bereits drei Gruppen kurzfristiger Missionare im laufenden Jahr Rußland besucht haben – eine Besuchsdichte, die unter Baptisten ihresgleichen sucht. (Die ebenfalls sehr aktive „Slavic Gospel Association“ ist eine überkonfessionelle Mission.) Wenn es sich um Vision und den Aktivitätspegel westlicher Baptisten in Rußland handelt, bildet die IMB eine einsame Klasse für sich.

Eine optimale Lösung
Die Trauma des SBC-Abschieds von der BWA ist bei den kleinen Baptistenbünden Westeuropas längst nicht verdaut. Doch unter den Aussiedlern in Deutschland scheint die SBC ein festes Standbein zu etablieren. Eine Säule der Verbindungen nach USA bildet das vor allem von Aussiedlern besuchte Bibelseminar Bonn. In Zusammenarbeit mit ihm wird vom 21. bis 24. Mai eine Predigerkonferenz mit höchster südbaptistischer Besetzung stattfinden. Neben Paige Patterson und Morris Chapman wird auch der ehemalige SBC-Präsident Bobby Welch dabei sein. Das weckt Ängste bei europäischen Baptisten, die SBC könnte sich um die Bildung einer neuen, alternativen Weltallianz bemühen oder zumindest den Abstand zwischen Aussiedlern und den in Deutschland geborenen Baptisten vergrößern.

Wenn sich die Führung der SBC zur Hinnahme einer größeren Vielfalt durchringen und neue Formen der kirchlichen Einheit entwickeln könnte; wäre der Konkurrenzverdacht bald belanglos. Die innerkirchlichen Streitereien und Spaltungen, die in USA gang und gäbe sind, sind eine „Luxuserscheinung“, die sich die kleinen und verarmten Evangelikalen Europas nicht leisten können. Die Baptisten sind existentiell aufeinander angewiesen. Die Arbeiter im Weingarten sind wahrhaftig gering.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 17. April 2008
baptistrelations@yandex.ru
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Dieser Bericht will informieren und erhebt auf keinen Fall den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Meinung der RUECB-Leitung zu vertreten. Um Erlaubnis vor der Weiterveröffentlichung wird gebeten. Meldung Nr. 08-16, 1.760 Wörter.


Olivenzweig mit Auflagen zurückgewiesen
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Baptisten antworten auf die Forderung eines orthodoxen Sektenkundlers

M o s k a u -- “Ihr Bemühen einen Keil in die brüchige Gemeinschaft der verschiedenen Religionen und Glaubensgemeinschaften zu treiben wird nicht gelingen.” Das meinte Pastor Witaly Wlasenko (Moskau), Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), bezüglich eines offenen Briefes vom 25. März. Dieser Brief war von dem orthodoxen Geistlichen Alexander Dvorkin (Moskau), dem streitbaren Leiter der „Russischen Assoziation der Zentren für Religions- und Sektenkunde“, unterzeichnet worden. Dvorkin hatte in seinem Brief bekanntgegeben, daß eine Moskauer Konferenz am 19. März zu Fragen der religiösen Intoleranz einmal wieder die Baptisten zum fragwürdigen „Blumenkranz“ der totalitären Sekten gezählt hatte. Dabei fügte Dvorkin hinzu: „Wir möchten gerne in Erfahrung bringen, ob die Führung der russischen Baptisten gegen diese Bezeichnung als totalitäre Sekte protestieren wird. Wenn sie davon absieht, verliert sie das moralische Recht, sich in anderen Fällen dagegen aufzulehnen. Wir verpflichten uns dazu, der Gesellschaft so breit wie möglich über Ihre Antwort – oder deren Ausbleiben – zu informieren.“ Die Konferenz, zu der keine Baptisten eingeladen worden waren, hatte ebenfalls die Neo-Pfingstler und Charismatiker neben der Scientology, der Mun-Kirche, Hari Krischna und den Zeugen Jehovas als totalitäre Sekten bezeichnet.

Wlasenko fährt in seiner Antwort vom 11. April fort: „Die Organisationen, die sie aufführen, sind allesamt bei der Russischen Föderation offiziell registriert. Sie werden von keinen Polizeikräften verfolgt und keine Gerichtsinstanz hat je verfügt, daß sie der Gesundheit oder Gesellschaft im allgemeinen Schaden zufügen. Unserer Ansicht nach muß der Glaube des Einzelnen mit größter Vorsicht behandelt werden in Anbetracht der Mehrheitsauffassungen in unserem Lande.“ Er betont: „Niemand kann der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten das Recht nehmen, ihre Meinungen zu verschiedenen moralischen Fragen zu äußern.“ Dabei zitiert er aus dem II. Buch Mose 23,2: „Du sollst der Menge nicht auf dem Weg zum Bösen folgen und nicht so antworten vor Gericht, daß du der Menge nachgibst und vom Rechten abweichst.“ Abschließend stellt der Abteilungsleiter fest: „Die schlimmsten Seiten der christlichen Geschichte sind verbunden mit der Gewalt, die Christen im Namen Gottes begangen haben.“

Der 1955-geborene, in Rußland gutbekannte Alexander Dvorkin ist US-Staatsbürger und wird von manchen für einen Spezialisten in Fragen der Sektenkunde gehalten. Er verbrachte die beiden Jahrzehnten bis 1990 in den USA; 1983 absolvierte er das „Saint Vladimir's Orthodox Theological Seminary“ in Crestwood/Bundesstaat New York. Nach Berichten im Internet arbeitete er einst sowohl für Radio Free Europe wie für Radio Liberty. Er ist Vorstandsmitglied der „Leipziger-Preis“-Organisation, die von dem evangelischen, Berliner Pfarrer Thomas Gandow angeführt wird.

Die RUECB ist gemeinsam mit der charismatischen „Vereinigten Russischen Union der Christen evangelisch Glaubens“ und der pfingstlerischen „Russischen Kirche der Christen evangelischen Glaubens“ Gründungsmitglied des “Konsultativen Rats der Leiter der protestantischen Kirchen Rußlands”. Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt heute rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 15. April 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-15, 453 Wörter.



In verschneiter Wildnis für die Einheit der russischen Baptisten unterwegs
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Reiseexpedition durch Sibirien kommt am Endziel an

M o s k a u -- Nicht nur am grünen Tisch, sondern auch in sondern auch in verschneiter Wildnis die Einheit der Baptisten vorantreiben. Das ist eine Lebensdevise von Pastor Walentin Wasilizhenko (Moskau), dem Sekretär des bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) angesiedelten Öffentlichen Rats. Deshalb auch hatte er sich auf die mit zwei Fahrzeugen durchgeführte Reiseexpedition durch Nordwest-Sibirien beteiligt. Diese vierte, motorisierte Expedition der RUECB war am 10. Februar in Hanti-Mansiisk nördlich von Tiumen/Westsibirien gestartet, ging hinauf zum Polarkreis, dann südlich bis Nowokusnetsk und endete am 26. März in Moskau. Bei dieser Reise wurden in 45 Tagen 9.000 Kilometer zurückgelegt; es fanden rund 40 Gemeindeveranstaltungen statt.

Diese Expedition nannte sich „Das Evangelium den Völkern Sibiriens“, doch der Schwerpunkt lag erstmals nicht auf die Evangelisation, sondern auf den Besuch von Missionaren und Gemeinden in besonders abgelegenen Gebieten. Pastor Wasilizhenko sorgte dafür, daß auch der Besuch von Gemeinden baptistischer Tradition, die spätestens seit 1990 der großen baptistischen Union nicht mehr angehören, mit zum Programm gehörte. Er war als Leiter zwei Wochen lang auf der Heimstrecke von Kemerowo (Mittelsibirien) bis Ufa (westlich des Urals) dabei.

Über die Expedition berichtete er: „Bei uns gingen Brot und Benzin nie aus. Die Kinder Gottes gibt es überall, und wenn es Gottesdienste gab, opferten sie über alle Maße, offenherzig und aufrichtig.“ Über die Begegnungen mit Gemeinden außerhalb der RUECB erzählte er: „Wir wurden nirgends abgewiesen. Die Menschen nahmen uns sehr zuvorkommend auf, sie überließen uns Kanzel und Versammlung. Den Begegnungen folgten Tee, Gebet und herzliche Gemeinschaft. Ich bin mit dieser Reise sehr zufrieden. Es gibt eine Brüderschaft unter uns wirklich und es gilt, diese nun zu festigen. Es gibt nicht genug von uns in Rußland, um uns verzetteln zu dürfen. Wir müssen die Geschwister in einer Hand sammeln. Wir brauchen das Gefühl, zusammenzugehören.“

Nicht nur wurden Gemeinden der 1961 abgespaltenen und weiterhin unregistrierten „Initiativniki“ besucht – eins ihrer Mitglieder gehörte sogar zur acht- bis zehnköpfigen Reisemann¬schaft. Diese Kirche, die heute unter dem Namen „Internationale Union der Kirchen der ECB“ firmiert, hat im Öffentlichen Rat, der aus 10 Kirchen baptistischer Art besteht, nur Beobachterstatus.

Der labile Charakter des russischen Baptismus, dessen Zersplitterung mit dem Zerfall der Sowjetunion einherging, führt der Fachmann Wasilizhenko darauf zurück, daß er aus drei deutlich vernehmbaren Strömungen besteht. Die um Iwan Prochanov (1869-1925) im Westen Rußlands versammelte Bewegung befaßte sich auch mit sozialen und gesellschaftlichen Aufgaben; die aus dem 18. Jahrhundert stammenden Molokanen (Milchtrinker) zeichneten sich durch Familienliebe und ein besonders strenges Liedgut aus. Während diese beiden Bewegungen aus der Orthodoxie hervorgingen, war die dritte Gruppierung ein Westimport: die Ende des 18. Jahrhunderts eingewanderten Mennoniten holländischen und preußischen Ursprungs. Die in der Ukraine und Sibirien angesiedelten Mennoniten waren durch ihre besonders konsequente Abschirmung von der Außenwelt, ihre strengen Sitten und ihren Pazifismus bekannt. Es ist vor allem diese dritte Gruppierung, die nach 1980 in den Westen zurückströmte und heute das Gesicht des evangeli¬schen Aussiedlertums prägt.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt heute rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 27. März 2008
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Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-14, 495 Wörter.


Die Zentrale muß den Gemeinden dienen
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Sitzung des Bundesrates der Baptisten in Moskau

M o s k a u -- Trotz Rückschläge geht es voran. Das war die einheitliche Meinung nach einer Sitzung des Bundesrates der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) in Moskau am 20. und 21. März. Dabei war beschlossen worden, den Jahresbeitrag der Gemeinden für die Arbeit der Unionszentrale von 50 auf 150 Rubel (4,30 Euro; $6,25 US) pro Mitglied zu verdreifachen. Doch gleichzeitig soll die Arbeit in den sieben Regionen der RUECB gestärkt werden. Dazu meinte RUECB-Präsident Juri Sipko: „Das bisherige Modell sah eine große Zentrale vor, die viele Ressourcen für sich verbrauchte und sie nicht sonderlich effektiv verwaltete. Aber das Zentrum muß doch die Gemeinde sein, und die Zentrale muß den Gemeinden dienen. Deshalb überlegen wir uns, wie wir den Schwerpunkt auf die sieben Regionen verlagern können. Ihnen müssen wir die Initiative überlassen, ihnen müssen wir mit größeren Mitteln ausstatten.“

Diese Verlagerung auf die Regionen hängt damit zusammen, daß die Arbeit der erst Ende 2007 geschaffenen Finanzabteilung der Zentrale vorläufig eingestellt worden ist. „Wir haben unser Verständnis hierzu geändert,“ erklärte der Bundespräsident. „Die Gemeinden haben über die Arbeit des Bundes zu entscheiden. Die Bundeszentrale hat die Aufgaben zu erfüllen, die die Gemeinden ihr stellen. Die Gemeinden sorgen mit ihren Spenden für die Arbeit der Zentrale. Deshalb wäre es inkonsequent, bei der Zentrale ein neues Büro zu schaffen, das Spenden in den Gemeinden sammelt.“ Der ausgeschiedene Abteilungsleiter Leonid Kartawenko wird neue Aufgaben im Rahmen der RUECB-Gemeinden wahrnehmen.

Behandelt wurde bei diesem Bundesrat auch die Heilsfrage. Dazu erzählte der Bundespräsi¬dent: „Die vorhandenen theologischen Etiketten wie ‚kalvinistisch’ oder ‚ arminianisch’ empfindet unsere baptistische Brüderschaft als gleichermaßen störend. Evangeliums¬christlich-Baptistisch – das ist unsere Identifikation. Aber die christliche Welt verfügt über Schablonen, die zu Aufspal¬tungen führen. Deshalb haben wir in brüderlicher Liebe die Bibel aufgeschlagen. Es ergab sich eine wunderschöne theologische Diskussion, die einen guten Eindruck hinterließ. Wir haben noch einmal betont, daß wir Evangeliumschristen-Baptisten seien. Die Erlösung geschieht auf dem Fundament der Gottesoffenbarung, wir dürfen nicht auf menschliche Lehrmeinungen bauen.“

Bei dieser Sitzung des zweimal-jährlich stattfindenden Bundesrates am Moskauer Seminar der RUECB fehlten nur zwei der 57 Superintendenten – ein kleines Wunder angesichts der Größe des Landes. Juri Sipko ist besonders stolz darüber, daß am 10. März das neue auf die Superintendenten zugeschnittene Bildungspro¬gramm mit reger Beteiligung angelaufen ist. Wer noch über keinen theologischen Magisterab¬schluß verfügt, kann sich innerhalb der kommenden 24 Monate für einen Abschluß vor allem durch Fernstudium qualifizieren.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 26. März 2008
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-13, 407 Wörter.


Das Eis ist gebrochen
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Erster offizieller Rußland-Besuch ungarischer Baptisten seit 20 Jahren findet statt


M o s k a u -- “Wir waren sehr bewegt; das Eis ist gebrochen.” Das war die Feststellung von Ákos Bukovszky (Szombathely), dem Assistenten für Außenbeziehungen beim Bund der ungarischen Baptisten, nach einem improvisierten Besuch im Moskauer Seminar der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) am 17. März. Bei dieser Begegnung hatte RUECB-Präsident Juri Sipko (Moskau) völlig unverhofft die ungarischen Gäste um Verzeihung gebeten für das militärische Eingreifen der Sowjetarmee in Ungarn.

Auf Wunsch der beiden Gäste wurde der Vorfall am folgenden Tage vor laufender Kamera wiederholt, damit er im staatlichen, ungarischen Fernsehen gezeigt werden kann. Bei der Wiederholung sagte Sipko u.a.: „Ich kann mich daran erinnern wie 1956 die russischen Panzer Budapest erstürmten und die nationale Sehnsucht nach Freiheit mit Gewalt erstickten. Fünfzig Jahre lang haben Sie unter dem Druck eines totalitären Regimes gelitten. Ich möchte im Namen der russischen Baptisten die ungarischen Brüder und Baptisten um Verzeihung bitten. Vor Gott können wir unsere Liebe füreinander bezeugen. Wir dienen dem russischen sowie dem ungarischen Volk und in Jesus Christus, in seinem Blut und in seiner Hoffnung finden wir Einheit. Ich danke Ihnen für Ihre Liebe und Geduld gegenüber Rußland.“

Dr. Bukovszky, ein pensionierter Ingenieur, hatte am Anfang des Aufenthalts gesagt, daß das Thema Blut die russischen und ungarischen Gläubigen sowohl trennt wie eint: „Das Blut der ungarischen Märtyrer von 1956 trennt unsere beiden Völker. Doch das Blut Jesu Christi verbindet uns wieder.“ Zum Abschluß des Besuches am 19.3. fügte er hinzu: „Ich muß mich immer wieder daran erinnern, daß ich zuerst ein Kind Gottes bin und erst an zweiter Stelle ein Ungar. Ich bin in meiner Überzeugung bestätigt worden, daß ich einem russischen oder rumänischen Gläubigen näher stehe als einem ungläubigen Landsmann. Der Empfang in Moskau ist wirklich großartig gewesen, und das ist die Botschaft, die ich an meine Kirche weitergeben werde.“

Kálmán Mészáros (Budapest), der Präsident des ungarischen Baptistenbundes, erzählte bei der Begegnung im Seminar am 17.3., daß während der Sowjetära die offiziellen Beziehungen zwischen Rußland und Ungarn „unbequem eng“ waren. Es folgten 20 Jahre des Schweigens – der letzte offizielle Besuch ungarischer Baptisten in Rußland hatte 1988 stattgefunden. Das neue Klima wird nun den ungarischen und russischen Baptisten gestatten, eine Form der Partnerschaft zu finden, die beide Seiten als wohltuend und angemessen empfinden können.

Die russischen Gastgeber geizten nicht mit Lob; den Ungarn wurde wiederholt gedankt für das Schmuggeln von Bibeln in die Sowjetunion z.Zt. des Kalten Krieges. Sogar der Schwiegervater von Ákos Bukovszky mußte als Pastor zurücktreten nachdem bekannt worden war, daß er die Briefkästen sowjetischer Armeeoffiziere, die in Ungarn stationiert waren, mit Bibeln versorgt hatte. Viel Dank bekam die bekannte Hilfsorganisation „Hungarian Baptist Aid“ aufgrund ihrer Bemühungen um die Versorgung der Überlebenden des Massakers von Beslan 2004.

Zum Abschied meinte Dr. Mészáros: “Wir kehren mit völlig anderen Vorstellungen nach Hause zurück. Wir dachten, wir hätten Rußland längst abgehängt. Doch nun mußten wir einsehen, daß uns die Russen in manchen Dingen voraus sind.“ Dazu zählen russische Bemühungen um die nachkommende Generation sowie um den Zugang zu staatlichen Stellen. Die beiden Gäste möchten ebenfalls den 11.500 Baptisten Ungarns über die Vorzüge von Gebetsfrühstücken und evangelistischen Fahrradtouren informieren.

Mészáros and Bukovszky waren auf Einladung des Nationalen Gebetsfrühstücks, das am 18.3. in Moskau seine jährliche Veranstaltung abhielt, nach Rußland gekommen. Im Namen des Frühstücks hatte die baptistische Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen alle Baptistenbünde Europas (bis auf die kleinsten) zum Frühstück eingeladen. Das waren rund 50 Bünde und einzelne Personen. Doch die Ergebnisse erinnerten stark an den abgewiesenen Gastgeber bei einem großen Festmahl in Lukas 14: nur die beiden Ungarn sind der Einladung nach Moskau gefolgt. „Wir haben mit Qualität den Mangel an Quantität richtig wettgemacht,“ versicherte der Baptistenpastor Witali Wlasenko, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Nationalen Gebetsfrühstücks. „Diesen Besuch werden wir nicht bald vergessen, und wir hoffen auf eine gute Zusammenarbeit in Zukunft.“

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 22. März 2008
baptistrelations@yandex.ru
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-12, 624 Wörter.


Nationales Gebetsfrühstück erreicht neue Höhen in Rußland
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Achtes Nationales Gebetsfrühstück ereignete sich in Moskau

M o s k a u – Das Nationale Gebetsfrühstück Rußlands, das sich am 18. März in der russischen Hauptstadt ereignete, hat neue Größen erreicht. Neue Rekorde wurden erzielt mit mehr als 350 anwesenden Geschäftsleuten, Pastoren und Politikern mittleren und oberen Ranges. Darunter waren auch 50 Journalisten. Sogar der landesweit geachtete Kinderarzt Leonid Roschal (Moskau), dem Terroristen die Betreuung von Geiseln in Beslan und im Moskauer Nord-Ost-Theater gewährt hatten, war erschienen.

Der Baptistenpastor Witali Wlasenko (Moskau), Vorstandsvorsitzender der Stiftung Nationales Gebetsfrühstück, merkte an: „Es sind viele Nichtprotestanten erschienen, um uns zuzuhören. Unsere Leiter werden geachtet, von der russischen Gesellschaft werden sie in zunehmendem Maße angenommen.“ Schon der Veranstaltungsort der letzten Jahre – das exklusive, staatseigene Präsident-Hotel, in das zahlreiche Staatsoberhäup¬ter einkehren - spricht Bände. „Der Staat begrüßt unsere Anwesenheit,“ stellte Wlasenko fest. „Durch dieses Ereignis können wir bezeugen, daß wir Protestanten ein regsamer, gesunder und integraler Teil der russischen Zivilgesellschaft seien. Wir wollen dem Volk von unserer Arbeit und unseren geistlichen und moralischen Bestrebungen erzählen.“

Die russische Regierung hat das Jahr 2008 zum Jahr der Familie bestimmt – das war auch das Thema des diesjährigen Frühstücks. Vater Alexander Wasjutin (Moskau) von der Abteilung für Außenbeziehungen bei der Russischen Orthodoxie stellte umgehend Gemeinsamkeiten in den Belangen der Familie fest: „Es ist erstaunlich und angenehm, daß die christlichen Kirchen gemeinsam die Werte der Familie hochhalten können. In den Belangen von Familie und christlichen Werten ist es unerläßlich, daß wir zu einer gemeinsamen Sprache finden und zusammenarbeiten.“ Die Notwendigkeit der Kooperation unterstrich er mit der Angabe, daß 83% aller in Moskau geschlossenen Ehen geschieden werden. Ein protestantischer Pastor fügte später hinzu, daß jedes vierte Kind im heutigen Rußland außerehelich geboren werde.

Senator Alexander Torschin (Moskau), Vizepräsident des staatlichen Föderativen Rates, wies darauf hin, daß ohne kirchliche Mitwirkung die demographische Krise und generelle Schwäche der Familie nicht überwunden werden können. Dabei merkte er an, daß in evangelischen Familien offensichtlich der Problemfall Familie „erfolgreich gelöst“ worden sei.

Die Frühstücksleitung bemühte sich, Orthodoxen die Hand zu reichen. Eingangs wurde eine Schweigeminute eingelegt zum Gedenken des Metropoliten Laurus, des Oberhaupts der „Russisch-Orthodoxen Kirche außerhalb Rußlands“, der am 16. März im Bundesstaat New York verstorben war. Dabei sagte Pastor Wlasenko, der gleichzeitig Leiter der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen beim „Russischen Bund der Evangeliumschristen-Baptisten“ ist: „Laurus war ein mutiger Mensch; er tat viel für die Einheit der Kirchen.“

Doch die Pressekonferenz unmittelbar nach dem Frühstück führte den widersprüchli¬chen Charakter orthodoxer Kirchenpolitik vor Augen. Anfang März hatte Erzpriester Wsewolod Tschaplin (Moskau), Stellvertretender Vorsitzender der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen beim Moskauer Patriarchat, in einem Interview gesagt, daß das gemeinsame Beten von Orthodoxen und Nichtorthodoxen unterlassen werden sollte. Dabei betonte er, daß es sich um seine persönliche Auffassung handele. Doch nun gab Pawel Okara (Moskau), Oberhaupt der pfingstlerischen „Russischen Kirche der Christen evangelischen Glaubens“ den Journalisten zu Protokoll, daß er im vergange¬nen November bei einer ökumenischen Konferenz in der Nähe von Nairobi/Kenia wiederholt gemeinsam mit Tschaplin gebetet hätte. Er fügte hinzu: „Ich meine nicht, daß er jetzt seine persönliche Auffassung vertreten hätte. Das gemeinsame Beten ist ein Grunderfordernis, auch wenn längst nicht jeder gleich dazu bereit sein wird.“

Sergei Rjachowski (Moskau), Bischof der charismatischen „Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelisch-Pfingstlerichen Glaubens“, betonte, daß man in Phasen menschlicher Drangsal ohne gemeinsames Gebet nicht auskomme. „Mein Vater wurde dreimal wegen seines Glaubens inhaftiert. Im Gulag hat er wiederholt mit Orthodoxen Bischöfen und Priestern gebetet.“ Er fuhr fort: „Wir haben einen kolossalen Respekt vor dem kanonischen Recht. Doch meiner Meinung nach schafft Gott Situationen, in denen wir das Kirchengesetz umgehen und gemeinsam beten müssen. Ich gebe nicht alle Geheimnisse preis wenn ich sage, daß wir auch jetzt gemeinsam mit vielen orthodoxen Bischöfen beten.“

Juri Sipko (Moskau), Präsident der RUECB, fügte hinzu: “Wir vertreten die Auffassung des allgemeinen Priestertums. Das hält uns davon ab, das Beten einzuschränken.“

Während des eigentlichen Frühstücks hatte Nikolai Swanidse (Moskau) ein bekannter Fernsehkommentator und Abkömmling der ersten Ehefrau Stalins, versichert: „Es kommt der Tag, an dem die Vertreter der verschiedenen Konfessionen sich zusammenschließen werden, um den einen Gott zu ehren.“

Es handelte sich in Moskau um das achte Nationale Gebetsfrühstück Rußlands seit 1995; seit 2002 findet das Ereignis jährlich statt. Nationale Gebetsfrühstücke finden in mehr als 60 Ländern statt; die internationale Koordination wird jedoch auf ein Mindestmaß beschränkt. Das russische Ereignis wurde ausschließlich aus protestantischen, russischen Quellen bezahlt.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 21. März 2008
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Den Moskauer Verkehr zum Stillstand bringen
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Konsultativer Rat der Leiter der protestantischen Kirchen Rußlands feiert die christliche Einheit

M o s k a u -- “Eine einzige Schneeflocke bewirkt nichts. Doch eine Milliarde Schneeflocken können den Moskauer Verkehr zum Stillstand bringen.“ Das sagte Rick Warren, Leitender Pastor der 22.000-Mitglieder zählenden “Saddleback Community Church” in Kalifornien über Telefonschaltung einer Zusammenkunft des „Konsultativen Rats der Leiter der protestantischen Kirchen Rußlands“ am 12. März. Die Versammlung fand in der Moskauer Zentrale der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ statt. Der den Ehefrauen von Pastoren gewidmete Abend befaßte sich vor allem mit Fragen der Einheit. Die Eintracht innerhalb von Familien und zwischen Kirchen waren zwei Ebenen der Einheit, die den 50 versammelten Pastoren und Ehefrauen vorgetragen wurden.

Der Südbaptist Warren fuhr fort: “Wir müssen zusammenarbeiten. Nur gemeinsam vollbringen wir großartige Taten. Je länger ich diene, desto besser verstehe ich, die anderen Kirchen zu lieben und nicht nur meine eigene. Ich ermutige Sie, einander als Brüder und Schwestern in Christo zu lieben, denn wir gehören derselben Mannschaft an.“ Er betonte gleichzeitig die Lernbereitschaft: „Alle Leiter sind Lernende. Sobald wir aufhören zu lernen, sind wir keine Leiter mehr.“

Früher am Abend und ohne Warrens Mitwissen hatte sich ein Vertreter des Konsultativen Rates in ähnlicher Weise geäußert: „Trotz unserer theologischen Differenzen und vergangenen Querelen, stellen wir tatsächlich die evangelische Familie Rußlands dar! Gemeinsam erfüllen wir den Auftrag Gottes für unsere Gesellschaft. Wir lieben und ehren Sie alle.“ Anwesend neben Baptisten waren Lutheraner, Presbyterianer, Adventisten, Pfingstler und Charismatiker.

Kay Warren, die Ehefrau von Rick Warren, war leibhaftig präsent an dem Abend gemeinsam mit einer dreiköpfigen Mannschaft aus Saddleback. Sie wies auf eine dritte Ebene erforderlicher christlicher Einheit hin: Leib und Seele. Sie verurteilte den vergangenen, nordamerikanischen Streit zwischen Christen, die entweder evangelisieren oder sich diakonisch engagieren wollten. „Wir sind weder ausschließlich Seelen noch ausschließlich Körper. Beide sind wichtig. Wir müssen uns um die Körper sorgen, in denen unsere Seelen leben.“

Das Team aus der Saddleback-Gemeinde war zum zweiten Mal nach Rußland gekommen, um kirchlichen Initiativen gegen die AIDS-Pandemie unter die Arme zu greifen. Das Gipfeltreffen bei Saddleback in Lake Forest/Kalifornien im vergangenen November hatte 3.000 Interessenten zusammengeführt – einschließlich Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche. Kay Warren hegt die Hoffnung, gemeinsame diakonische Bemühungen zum Thema AIDS könnten eine Brücke zwischen den Protestanten und Orthodoxen Rußlands schlagen.

Kay Warren berichtete ferner, daß der Absatz des gebundenen, englischsprachigen Buches „Leben mit Vision“ (The Purpose-Driven Life) inzwischen über 30 Millionen Kopien liegt. Das macht es – nach der Bibel – zum meistverkauften, englischsprachigen Buch der Weltgeschichte. Rick Warren soll voraussichtlich 2009 Rußland erstmals besuchen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 13. März 2008
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Nationales Gebetsfrühstück in Moskau steht bevor
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Nachzügler könnten noch Einlaß finden


M o s k a u – Leitungskreise der russischen Baptisten stecken große Hoffnungen in das diesjährige Nationale Gebetsfrühstück, das am 18 März um 9,00 Uhr im Moskauer Präsident-Hotel seine Tore öffnet. Mehr als 250 Politiker, Pastoren, Geschäftsleute, Journalisten, Diplomaten und ausländische Gäste haben sich angemeldet. Staatsvertreter obersten Ranges sind zu erwarten. Das Tagesthema ist zugleich das von der russischen Regierung angesetzte Jahresthema: die Familie. Die Oberhäupter der größten protestantischen Denominationen werden sich mit kurzen Referaten diesem Thema zuwenden.

Baptistenpastor Witali Wlasenko (Moskau), Vorstandsvorsitzender der Stiftung Nationales Gebetsfrühstück erläutert: „Wir machen uns viel Mühe weil wir wünschen, daß die protestantische Stimme deutlich vernommen wird. Die Leute sollen wissen, daß auch wir eine bedeutende russische Stimme sind. Gesellschaft und Staat müssen über unsere Aktivitäten, Anliegen und Liebe im Bilde sein. Protestanten gibt es in Rußland seit Ende des 16. Jahrhun¬derts und wir haben die Absicht, auch hier zu bleiben. Wir alle teilen das Bestreben, unsere Gesellschaft zu verbessern. Wir Protestanten müssen mit allen Sektoren der Gesellschaft ins Gespräch kommen, um die besten Formen der Kooperation zu finden.“

Nationale Gebetsfrühstücke finden jährlich in mehr als 60 Staaten statt. Die russische Fassung bleibt auf der Leitungsebene eindeutig protestantisch. In diesem Jahr findet das 8. Nationale Frühstück seit 1995 statt.

Nachzügler, die das Ereignis miterleben wollen, könnten sich noch schriftlich oder telefonisch beim Büro der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten melden. Weitere Angaben stehen unten. Es besteht eine Teilnehmergebühr für alle, die nicht als offiziell-geladene, besondere Gäste gelten.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 7. März 2008
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Regionale Allianzen im Aufwind
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Fünfte Jahrestagung der Russischen Allianz in Moskau


M o s k a u -- „Die Russische Allianz lebt und ihre Arbeit erweitert sich gut und sehr schnell." Das war das Fazit von Wladimir Rjagusow, dem Vorsitzenden der Russischen Evangelischen Allianz (REA), nach ihrer fünften nationalen Jahrestagung in Moskau am 26. und 27. Februar. „Es war eine tolle Konferenz,“ sekundierte Ulrich Materne (Wittenberge), Osteuropabeauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz. „Ich bin richtig ermutigt worden.“.

Zu dieser Tagung waren rund 55 Vertreter aus 15 Kirchen und Werken erschienen. Pastor Rjagusow, ein baptistischer Theologiedozent, der gerade nach einjährigem Studienaufenthalt in Deutschland nach Moskau zurückgekehrt ist, erzählte ferner: „Unsere Arbeit weitet sich nach unten aus. Eigentlich war der erste Tag wie früher. Doch unerwartet gut war der zweite Tag, an dem 35 Vertreter aus acht Regionalallianzen sehr engagiert von ihrer Arbeit vor Ort berichteten.“ Wider Erwarten waren neben Ischewsk (Region Udmurtien) Jekaterinburg und Tscheljabinsk (Ural), Nowosibirsk und Kemerowo (Westsibirien) und Nischni Nowgorod auch noch Togliatti (Region Mittlere Wolga) und Stari Oskol (Region Belgorod) vertreten. In Togliatti arbeitet die kleine presbyterianische Denomination führend mit. Rjagusow: „Noch im Herbst sollen möglichst viele Regionalallianzen besucht werden, um sie zu ermutigen und motivieren. Sie brauchen unsere Ratschläge.“

Mit von der Partie bei der Konferenz in einer adventistischen Gemeinden in Moskau waren drei Kirchenvertreter aus Kirgisistan, wo eine verschärfte Reglementierung der Protestanten durch den islamischen Staat ihr gemeinsames Auftreten besonders erforderlich macht. Noch im März soll eine aus Russen und Deutschen bestehende Allianz-Delegation das mittelasiatische Land besuchen.

Der erste Tag unter der Tagungslosung „Herr, was soll ich tun?“ war von einem hohen Maß an Selbstkritik gekennzeichnet. Juri Sipko (Moskau), Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten, bemängelte: „Trotz unseres hohen geistlichen Anspruchs, haben wir uns erlaubt, andere zu demütigen und verletzen. Auch innerhalb unserer eigenen baptistischen Familie fehlt die Einigkeit. Im Verhältnis zum Nächsten überwiegen Bosheit, eine verweigerte Verzeihung und niederträchtige Ausfälle. Das ist unsere Niederlage und Schwäche; das schmerzt Christus und rührt ihn zu Tränen.“ Er fuhr fort: „Für den Kampf gegen das Böse sind wir noch nicht reif. Wir bekämpfen statt dessen den, der neben uns steht.“

Der Gefängnisseelsorger Alexei Naidion beklagte, daß einheimische Missionare ihren konfessionellen Streit bis in die Gefängnisse hineintragen. Er appellierte an die Leiter der führenden Kirchen, eine Verkündigungsart zu finden, die „Neubekehrte nicht in die zwischenkirchliche Polemik hineinzieht“. Der methodistische, aus Finnland stammende Bischof Hans Växby (Moskau) merkte an, daß in der Verkündigung eine besonders verständliche Sprache erforderlich sei. Dem Zuhörer müsse es leicht gemacht werden, „die Tür zu finden und durch diese Tür hindurchzugehen“.

Das Einrichten eines ständigen Moskauer Büros und eine staatliche Registrierung gehören zu den Aufgaben, die bei der im April 2003 gegründeten REA noch anstehen. Die nächste Jahreskonferenz ist für den 3. und 4. März 2009 in Moskau vorgesehen.

Dr. William Yoder
Moskau, den 6. März 2008
Kant50@gmx.de
www.rea.org.ru
Eine Presseerklärung der Russischen Evangelischen Allianz. Zur Veröffentlichung freigegeben. 437 Wörter. Meldung 08-08.


Anzeichen von Vertrauen und Hoffnung
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Baptistenpräsident gratuliert Präsident Medwedew anläßlich seines Wahlsieges


M o s k a u – Am 4. März gratulierte Pastor Juri Sipko, der Präsident der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), Dmitri Medwedew zu seiner Wahl zum Präsidenten der Russischen Föderation zwei Tage zuvor. Sipkos Brief leitet mit der Versicherung ein, der Sieg Medwedews zeuge „vom riesigen Vertrauen der Bewohner Rußlands in Ihre Person“. Der Brief fährt fort: „Sie haben den höchsten Grad administrativer Begabungen, ein gewaltigen Arbeitsfleiß und politische Klugheit bewiesen. Dank Ihrer Bemühungen um die Realisierung nationaler Projekte hat unser Land große Fortschritte bei der Steigerung des Lebensstandards unserer Mitbürger erreicht.“

Bezüglich religiöser Anliegen schreibt Sipko: „Wir möchten insbesondere Ihre tolerante Haltung gegenüber den verschiedenen Religionen hervorheben. Wir merken Ihre Sorge um die Bedürftigen, die Sozialgefährdeten und Rentner.“ Er fügt hinzu: „Ihre feste christliche Haltung in moralischen Fragen und zur Moral überhaupt erfüllt uns mit Optimismus und Hoffnung. Ich bin sicher, daß eine solche Position allen Bürgern unseres großartigen Landes zum Segen gereichen wird. . . . Wir schätzen Ihren persönlichen Einsatz für die Entwicklung von Beziehungen zwischen Kirche und Staat, die auf den Prinzipien von Vertrauen und einer strategischen Partnerschaft basieren, hoch ein. Ich hoffe, sie werden die Sache einer multikonfessionellen Welt vorantreiben und zur Stabilität und zum Wohlstand unseres Landes beitragen.“

Ende des Briefes.

Da Medwedew als leitender Regierungsvertreter im „Beratungsrat für die Zusammenarbeit mit Religiösen Organisationen am Sitz des Präsidenten der Russischen Förderation“ fungierte, ist der 42-Jährige wahrscheinlich der Staatspolitiker ersten Ranges, den die russischen Protestanten am besten kennen. Dieses interreligiöse Forum ist 1995 von Präsident Wladimir Putin geschaffen worden.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 5. März 2008
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-07, 267 Wörter.



Russische Expeditionen haben sich etabliert
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Neue missionarische Expedition in den Norden Rußlands gestartet


M o s k a u -- Am 10. Februar startete eine missionarische Expedition der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB). Diese Expedition nennt sich „Das Evangelium den Völkern Sibiriens“ und begann in Hanti-Mansiisk nördlich von Tiumen/Westsibirien. Es handelt sich dabei um die vierte, motorisierte Expedition der RUECB. Dennoch gibt es Neuigkeiten. Leonid Kartavenko (Moskau), inzwischen Direktor für finanzielle Dienste bei der RUECB, betont: „Zum ersten Mal ging die Initiative für eine Fahrt nicht von uns in der Moskauer Zentrale aus. Das wollten die Geschwister anderswo selber machen. Das freut uns sehr. Doch wir verfügen über mehr Erfahrung und finanzielle Mittel. Deshalb müssen wir ihnen unter die Arme greifen.“

Diese Fahrt von 4.000 Kilometern, die mit einem Jeep und dem riesigen, neuen Kamas-Lkw des Bundes durchgeführt wird, verfolgt drei verschiedene Ziele. Auf der ersten Etappe nach Norden wird der Schwerpunkt auf Mission legen. Die Etappe ab Salehard ostwärts dicht am Polarkreis entlang hat vor allem den Zweck, Missionare in sehr abgelegenen Gebieten aufzusuchen. Von Novii Urengoi aus über Surgut nach Süden geht es wieder verstärkt um missionarische Veranstaltungen. Neu ist bei dieser Fahrt auch, daß auf der Heimstrecke von Nowokusnetsk/Sibirien westwärts nach Moskau vor allem Gemeinden baptistischen Ursprungs, die nicht zur RUECB gehören, besucht werden. Auf dieser letzten Etappe – man soll am 22. März in Moskau ankommen - wird Pastor Walentin Wasilizhenko (Moskau) den Stab führen. Als Direktor des Dachverbandes „Öffentlicher Rat“, der 10 baptistische Denominationen unter einem Schirm vereint, ist er über diese Gruppen bestens informiert.

Die Fahrzeuge werden ein verschiedenartiges Terrain bewältigen müssen. Auf der ersten Etappe, die von Superintendent Peter Zhuk (Ufa) geleitet wird, fährt die kleine Kolonne 1.500 lang auf dem Fluß Ob nach Norden. Die genannten Missionare im hohen Norden können nur bei den stabilen Bodenverhältnissen im Winter besucht werden. Südwärts wird die Tundra von den Wäldern der Taiga abgelöst. Leonid Kartawenko, der gemeinsam mit der Musikgruppe „Lebendiger Tropfen“ die Fahrt von Surgut bis Nowokusnetsk gestalten wird, erwartet in der Taiga die schwersten Fahrtbedingungen. In straßenlosen Wäldern wird man nur im Zickzack die Reise in Richtung Süden bewältigen können.

Noch ist einiges für die Heimfahrt von Nowokusnetsk über Barnaul, Nowosibirsk, Omsk, Kurgan Ufa, Naberezhnie Tschelni, Kasan, Nizhnii Nowgorod und Wladimir nach Moskau ungeklärt. Man wird auf Spenden in den größeren Städten angewiesen sein, um die Ausgaben für Sprit- und alle sonstigen Reisekosten zu decken. Doch Pastor Kartawenko versichert: „Unsere Leute merken, daß diese Aktion nötig ist, und deshalb werden sie auch bereit sein, dafür zu spenden. Wir müssen uns auch nicht mehr groß bemühen um Mitarbeiter. Sie melden sich freiwillig und sind bereit, auf eigene Rechnung mitzufahren.“

Die genauen Termine für die diesjährige Fahrradtour von Krasnodar im Kaukasus über Moskau bis Murmansk im hohen Norden liegen noch nicht vor. Es soll Anfang Juli in Krasnodar losgehen.

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 13. Februar 2008
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Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-06, 476 Wörter
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Hilfe am Anfang und am Ende des Lebens
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Baptistische Mediziner in Rußland haben einiges vor


Reportage

M o s k a u -- In der UdSSR war die Abtreibung die gängige Form der „Empfängnisverhütung“. Deshalb gibt es ältere Frauen, die bis zu 20 Abtreibungen hinter sich haben. Dagegen tun die russischen Baptisten etwas, und zwar mehrfach, denn es geht nicht nur darum, einer Schwan¬geren die Abtreibung auszureden. Ihr „Programm wider die Abtreibung“ ist mit einer Schwangeren¬beratung und einer Adoptionsinitiative gekoppelt. Diese Initiative schließt sogar ein Programm zur Aufnahme von Pflegekindern mit ein – eine für Rußland völlig neue Option. Dazu zählt die protestantische Aktion „Nimm ein Kind mit nach Hause“, die sich vor allem um die Aufnahme von Waisenkindern bemüht. Der Verein „Leise Stimmen“ kümmert sich um die Schwangeren¬beratung.

Der Kopf hinter diesen Aktionen ist oftmals in einem kleinen Büro in der Moskauer Zentrale der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) zu finden. Dort sitzt eine sympathische Frau umgeben mit Kisten medizinischer Produkte und haut in die Computertasten. Es handelt sich um die pensionierte Kardiologin Dr. Walentina Grigorewna Belaschowa, Leiterin der „Christlichen Mediziner-Gesellschaft“ (Christianskaja Assotsija Medikow - (ChRAM). Eigentlich gilt die Hauptliebe dieser emsigen Frau der Palliativmedi¬zin – ein wesentlicher Grund überhaupt für die Schaffung der CHRAM 1994. Sie berichtet, daß es bereits mehr als 70 staatliche Hospize im gesamten Ru߬land. Für Moskau selbst sind 10 vorgesehen; acht von ihnen arbeiten bereits. Die erst 1991 getaufte Baptistin erzählt: „Die Erfahrung der Orthodoxen in der Palliativmedizin sind uns von großem Nutzen. Im Gespräch über unheilbar Erkrankte sind sie zugänglicher und teilnahmsvoller als manche protestantischen Partner. Doch in den vorhandenen Moskauer Hospizen sind die Möglichkeiten einer geistlichen Betreuung – auch von Protestanten – durchaus gegeben. Aber ambulante Hospize, wie es sie in den westlichen Staaten gibt, sind noch Zukunftsmusik. Daß die gesamte Aufsicht, Pflege und Behandlung der Todkranken zuhause durchgeführt wird – das ist ein Traum, den ich noch habe.“

Der teils englischsprachigen Webseite der ChRAM (www.medichrist.ru) ist zu entnehmen, daß sie auf eine 18-jährige Tätigkeit zurückblickt. Damals hatte der Chirurg Professor Wiktor Grischkewitsch 300 christliche Mediziner um sich geschart; er wurde zum charismatischen Gründungsvater der „Christlichen Mediziner-Gesellschaft“. Doch bald emigrierte er in die USA. Seine Dachorganisation ist heute unter dem Namen „Gesellschaft der christlichen Mediziner“ (Obschestwo Christian-Medikow) bekannt und wird von dem baptistischen Professor Nikolai Didkowski geleitet. Sie bemüht sich u.a. um Gesprächsgruppen für Mediziner und Medizinstudenten in Sankt Petersburg, Samara, Kursk, Twer, Tula und Joschkar-Ola (nahe Kasan). Bereits seit 1990 besteht die eng mit der ChRAM verbun¬dene Initiative „Steh auf!“, die sich mit der Rehabilitierung von Alkohol- und Drogenab¬hängigen beschäftigt.

Neben der ChRAM befaßt sich auch das „Medizinische Zentrum Agape“ (www.agaperu.org) mit mobilen Kliniken, die u.a. den Hohen Norden und Fernen Osten des Riesenlandes bereisen. Agape wird von dem in Moskau wohnenden US-Amerikaner und Arzt Dr. Bill Becknell geführt. Außer ChRAM, Agape und „Steh auf!“ ist nur noch die protestanti¬sche Organisation „Dienst der Barmherzigkeit“, die im Dorf Saltikowka unweit von Moskau ihren Dienst tut, für die medizinische Behandlung von Patienten zugelassen. Alle der genannten Initiativen müssen als staatlich-registrierte NGOs – nicht etwa als protestantische Einrichtungen – fungieren.

Es fällt auf, daß diese protestantischen Initiativen trotz Kontakte nach Amerika und Australien über wenige Beziehungen zu den baptistischen Medizinern Westeuropas verfügen. Obwohl z.B. deutsche Baptisten über breite Erfahrungen in der Palliativmedizin verfügen, war es der katholische „Malteser Hospiz- und Palliativberatungsdienst“, der im Oktober 2007 eine äußerst dankbare Dr. Belaschowa zu einer Tagung nach Berlin einlud. Besonders gefragt ist ihrer Meinung nach das Fachwissen ausländischer Mediziner über die psychologische Betreuung von Schwerkranken und deren Angehörigen. Sie schreibt: „Die Moskauer Hospiz Nr. 3 ist gerne bereit, gläubige Spezialisten aus dem Westen einzuladen, damit sie Vorträge über die psychologische Betreuung von Patienten abhalten.“ Überhaupt hält die Ärztin das Vermitteln von Fachwissen für ein besonders wertvolles Geschenk westlicher Fachkräfte.

Treuester westlicher Partner der ChRAM ist seit 1990 der Kasseler Professor, Mediziner und konservative Evangelikale Dr. Manfred Weise. Er ist Vorsitzender der kleinen Organisation „Christen im Dienst an Kranken e.V“. Häufig führt er Konferenzen zu Themen der medizinischen Ethik in Rußland durch; gelegentlich fährt er in einer mobilen Klinik mit.

Zu den nächsten Plänen der ChRAM gehört die Mitgestaltung von Konferenzen christlicher Mediziner. Das beginnt mit einer Konferenz in Kiew vom 1. – 3. Mai und wird von einer Tagung zum Thema „Das Christentum und die Lösung der sozialen Probleme der Gesellschaft“ in Sankt Petersburg vom 26. – 29. Mai gefolgt. Eine gesamteuropäische Konferenz findet im September in Österreich statt.

Mit einer Antwort auf die Frage nach den Hauptproblemen läßt die äußerst aktive Pensionärin nicht lange auf sich warten: Der staatliche Anspruch auf eine Rundumversorgung ist vorbei, doch bei vielen sei das noch nicht angekommen. „Wir müssen unsere Pastoren überzeugen, damit sie ihre Gemeindeglieder motivieren, sich an der diakonischen Herausforderun¬g zu beteiligen.“

Für Außenstehende, die helfen wollen, bleibt die Wunschliste lange: Medikamente, Gehhilfen, Stimmgabeln, Blutdruck- und Zuckermesser. Gelder werden benötigt etwa für den Erwerb von Matratzen für Bettlägerige, das Drucken von medizinischer Literatur und die Durchführung von Konferenzen. Doch bei der pensionierten Kardiologin steht das geistliche Anliegen nicht hinten an. Das gemeinsame Bibelstudium und Gebet sei auch unter gestreßten Medizinern höchst erforderlich. Sie versichert: „Wir christlichen Mediziner mögen sehr verstreut in den verschiedenen Regionen Rußlands leben, doch in der Sache selbst bleiben wir eng beisammen.“

Walentina Belaschowa ist über die Adresse „belashova@mtu-net.ru“ zu erreichen. Ihre englischsprachige Kollegin Dr. Wera Schinkarenko hat die Anschrift „cvera@email.ru“.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 8. Februar 2008
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Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der RUECB-Leitung zu vertreten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-05, 863 Wörter.

Dunkle Wolken im Hochgebirge
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Den Protestanten Kirgisistans droht eine verschärfte Gesetzgebung


M o s k a u -- Über die Möglichkeit einschneidender neuer Restriktionen sind die Protestanten im mittelasiatischen Hochgebirgsland Kirgisistan besorgt. Ein neues Gesetz „Über die Rechte der Bürger der Kirgisischen Republik auf Gewis¬sens¬¬freiheit und die Konfessionen“ soll in den nächsten Wochen verabschiedet werden. Es genießt bereits den Segen vieler gesellschaftlicher Instanzen. Alexander Schumilin, Vorsitzender der kirgisischen Baptisten, schreibt: „Wir sind dankbar für die vielen Seelen, die Gott gefunden haben. Er hat sie erwärmt, zum neuen Leben erweckt und hält sie heute in seinen Armen. Doch in letzter Zeit ziehen neue Wolken auf.“ Sollte die neue Gesetzgebung tatsächlich in Kraft treten, kommen folgende Restriktionen auf die Gemeinden zu:

Keine Ortsgemeinde wird staatlich anerkannt, die weniger als 200 eingetragene Mitglieder aufweist. Missionarische Aktivitäten sollen nur von Einheimischen durchgeführt werden. Eine religiöse Organisation mit Ausländern in leitender Position gilt als ausländisch und unterliegt einer jährlichen Genehmigung.

Neben Seminaren und Bibelschulen müssen auch Sonntagsschulen (Kindergottesdienste) und private Grundschulen beim Staatsministerium für religiöse Angelegenheiten registriert werden. Ihr Unterrichtsstoff wird von diesem Ministerium kontrolliert.

Die Verteilung christlicher Literatur wird auf Kirchengebäude und bestimmte Buchläden beschränkt. Jede religiöse Aktivität außerhalb des Kirchengebäudes bedarf der Genehmigung.
Alle baulichen Maßnahmen und jedweder Immobilienerwerb unterliegen einer Genehmigung durch das genannte Ministerium.

Nur Geistlichen wird ein nicht-militärischer Ersatzdienst gestattet.

Bei der Durchführung diakonischer Maßnahmen ist es untersagt, Namen und Absichten der Sponsoren anzugeben.

Obwohl die Baptisten Kirgisistans den internationalen baptistischen Organisationen (EBF und BWA) nicht angehören, beteiligen sie sich an der in Moskau ansässigen „Euro-Asiatischen Föderation der Evangeliumschristen-Baptisten“, die im Bereich der ehemaligen UdSSR aktiv ist. Ihr Präsident wohnt sogar in Bischkek/Kirgisien: Alexander Schumilin. Seit November 2006 hat Kirgisistan eine offiziell zugelassene Evangelische Allianz. Nicht alle protestantischen Gruppierungen sind an ihr beteiligt, doch zu dem von ihr angebote¬nen „Runden Tisch“ sind nahezu alle erschienen. Am 11. Januar kam es zu einem Gespräch leitender Protestanten mit Staatsvertretern. Die Gemeinden bitten nun um Gebet für das nächste Treffen mit der Regierung am 8. Februar.

Das seit 1991 unabhängige Kirgisistan hat eine Bevölkerungszahl von rund 5,08 Millionen. Ungefähr 65% von ihnen sind Kirgisen, ein Turkvolk überwiegend sunnitisch-islamischen Glaubens. Während Anfang der 90er Jahre noch 100.000 Deutschstämmige in dem Land lebten, ist ihre Zahl inzwischen auf ca. 12.000 zusammengeschrumpft. Der Anteil der Russen wird auf 12,5% geschätzt. Es leben in Kirgisistan 3.100 Baptisten, die sich in 84 Gemeinden versammeln.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 30. Januar 2008
baptistrelations@yandex.ru
www.baptist.org.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. (Das bedeutet jedoch nicht, daß jede leitenden Person des RUECB-Teams sämtliche in diesem Aufsatz enthaltenen Auffassungen teilt.) Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-04, 365 Wörter.


Wer einmal da war, kommt immer wieder
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15 Jahre Partnerschaft Uljanowsk - Krefeld

Reportage

M o s k a u / K r e f e l d -- Zupacken und nicht ewig auf kirchliche Bundeszentralen warten. Nach dieser Devise schaffte das Ehepaar Klaus und Inge Schilbach die wohl einzig funktionierende Partnerschaft zwischen einer Gemeinde des Bundes Evange¬lisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und einer Gemeinde der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB). Nach Fehlleitungen in Moskau war es einem Vertreter des Reisedienstes Intourist, der 1991 im Rahmen der Städtepartnerschaft Krefeld besuchte, zu verdanken, daß die EFG Krefeld in den Besitz der Adresse der Baptistengemeinde von Uljanowsk/Mittel-Wolga gelangte. Doch erst zwei Jahre danach konnte der Studiendirektor Schilbach richtig loslegen: Er wurde aus gesundheitlichen Gründen mit 56 Jahren Frührentner. Seit 1993 hat er nun zehnmal gemeinsam mit Freunden die weite Reise von Krefeld nach Uljanowsk angetreten. Es kommt auch aller zwei Jahre zu Gegenbesuchen.

Inzwischen haben die Krefelder mit geistlicher Ermutigung und finanziellen Spritzen eine Reihe von Projekten in der 300-Mitglieder-zählenden, von Pastor Alexander Akimowitsch Lewkowski geleiteten Gemeinde anleiern können. Neben humanitären Hilfslieferungen war die Fertigstellung des neuen Bethauses eine erste dringliche Maßnahme. Es folgten die Suppenküche sowie eine Arbeit mit Drogenabhängigen und in Gefängnissen. Dazu zählt neuerdings auch ein Frauengefängnis.

Wer in der Verfolgung zu überleben gelernt hat, ist nicht automatisch für den offensiven Dienst in einer pluralistischen Gesellschaft gerüstet. Klaus Schilbach, der sein Berufsleben im engen Kontakt mit staatlichen Behörden verbrachte, setzt sich deshalb für die Beziehungen der Gemeinde Uljanowsk zur Stadtadministration und zur Orthodoxie ein. Ist sein Besuch angekündigt, werden Besuche bei der Kommune – es besteht weiterhin eine Städtepartnerschaft – und der orthodoxen Kirche eingeplant. „Das könnte die Gemeinde sehr viel intensiver machen,“ fügt Schilbach hinzu. „Warum sich nicht viermal jährlich treffen?“ Doch inzwischen kommt es schon vor, daß die Gemeinde ohne deutsche Begleitung kommunale Vertreter aufsucht.

Der engagierte Gast aus Deutschland hofft auch auf engere Beziehungen zwischen Gemeinde und Universität. „Das muß sich alles in kleinen Schritten weiterentwickeln,“ sagt er. „Man muß mit den Leuten dort ins Gespräch kommen. Ein plattes Evangelisie¬ren geht nicht.“ Auf jeden Fall hält er seine Schwestern und Brüder für „erstaunlich lernfähig“. Die langen Jahrzehnte der Abschottung hatten ihre Wirkung gehabt: Noch 1993 hielten manche Gemeindeglieder Fossilien am Uferstrand für das Werk teuflerischer Mächte.

Klaus Schilbach berichtet, daß alle Gelder für die russischen Projekte über die Kasse seiner Ortsgemeinde laufen. „Sie prüft jeden Cent – und die Stadt Krefeld gibt dazu nichts.“ Der an Rußland interessierte Freundeskreis hat weder Namen noch Sitzungen; das Nötige wird zwischen Tür and Angel abgehandelt. Der „harte Kern“ besteht aus rund 12 Personen, es ist auch ein pensionierter, katholischer Polizist dabei. Manche Berichte über Uljanowsk erscheinen auf Tafeln und im Gemeindebrief; die örtliche Presse ist hin und wieder beteiligt. Uljanowsk ist als Geburtsstadt Lenins bekannt; Krefeld wegen seiner Mennonitengemeinde, die auf ein 400-jähriges Wirken in der Stadt zurückblickt. Doch an der Partnerschaft mit Uljanowsk sind die Mennoniten nicht beteiligt.

Von Bundeszentralen erwartet Klaus Schilbach wenig Unterstützung. Nach seiner Auskunft will sein eigener Bund fast nur mit Offiziellen verkehren – und er selbst sei ja nur Privatperson und Laie. Doch was Gott ihm vor die Füße legte, wollte er auch anpacken. Das fand nicht immer Zustimmung bei deutschen Kirchen und Missionsbehörden, die bereits ein missionarisches Programm entwickelt hatten, das auf Hilfe aus den Gemeinden dringend angewiesen war. Doch auch der Ort zwischen den Stühlen sei honorig, meint er: „Dann bin ich zu allen Seiten hin offen.“

Warum nehmen Inge und Klaus Schilbach am Lebensabend diese Mühen auf sich? Auf keinen Fall wegen der Bundesverdienstmedaille, die dem Ehemann 2005 für ehrenamtliches Engagement verliehen wurde. „Es sind die Liebe und Herzlichkeit dort, die Glaubenszuversicht gegen alle Vernunft; die Fantasie, mit der das Evangelium an den Menschen gebracht wird. Es kommt keiner zurück, der nicht geistlich bereichert worden wäre. Wer einmal da war, kommt deshalb immer wieder.“ Dafür liefert Klaus Schilbach noch Beispiele: „In der deutschen Gesellschaft und in unseren Gefängnissen kann man diese Offenheit gegenüber dem Evangelium nicht erleben. Wer aber dort ein Gefängnis besucht, kann sich vor Fragen nicht mehr retten. Dort reagieren die Menschen noch. Das macht Mut, mitzuhelfen und anzuschubsen. Uns bleiben die Gefängnisse in Uljanowsk offen. Der Leiter eines Gefängnisses ist sehr dankbar dafür, daß wir mit Gefangenen und auch Drogenab¬hängigen arbeiten. Die Chancen bleiben riesengroß. Dort kann man Dinge ermöglichen, die in Deutschland nicht mehr gehen.“

Die Krefelder Initiative wächst: Im Sommer reisen zwei Gruppen von insgesamt 16 Personen zum 90-jährigen Jubiläum der Gemeinde Uljanowsk am 29. Juni. Dann feiert auch die Partnerschaft ihr 15-jähriges Jubiläum. Auf dem Nachhauseweg wird die Moskauer Bundeszentrale das Vorrecht haben, einen Teil der Gruppe erstmals empfangen zu können.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 26. Januar 2008
baptistrelations@yandex.ru
www.baptist.org.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. (Das bedeutet jedoch nicht, daß jede leitenden Person des RUECB-Teams sämtliche in diesem Aufsatz enthaltenen Auffassungen teilt.) Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-03, 741 Wörter.


Simon Borodin vorläufiger Abteilungsleiter für Mission bei der RUECB
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Das Moskauer Bundeshaus wird noch bunter

M o s k a u -- Seit dem 1. November 2007 ist Simon Aleksejewitsch Borodin neuer, vorläufiger Leiter der Missionsabteilung bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) in Moskau. Vorausgesetzt der Zustimmung des Bundesrats, übernimmt Borodin dieses wichtige Amt offiziell von Leonid Kartawenko, der Abteilungs¬leiter für finanzielle Dienste geworden ist.

Borodin ist Pastor in der 3.000 Mitglieder zählenden, vor allem im Süden Rußlands beheimateten „Missionarischen Union der evangelischen Christen“. Seine offizielle Ernennung würde ihn zum vierten Abteilungsleiter machen, der nicht aus den Reihen der RUECB in die Bundeszentrale gekommen ist. In der zweiten Jahreshälfte 2006 hatte Präsident Juri Sipko (Moskau) drei seiner „Vorgänger“ in Absprache mit dem Bundesrat in die Bundeszentrale geholt. Pastor Alexei Smirnov (Dedowsk bei Moskau) von der „Assoziation der Brüdergemeinden“ (ABC) wurde zum Leiter der Pastorenab¬teilung ernannt. Es folgte Walentin Wasilizhenko, einst Mitglied des „Internationalen Rats der Kirchen der Evangeliumschristen-Baptisten“, der besser unter dem Namen „Initiativniki“ oder „Nichtregistrierte“ bekannt ist. Vor seinem Wechsel in die Bundeszentrale hatte Wasilizhenko zuletzt die in Moskau beheimatete Mission „Assoziation geistlicher Erneuerung“ geleitet. Für die RUECB übernahm er nun die Leitung des neugeschaffenen „Öffentlichen Rats“. Witaly Wlasenko, Präsident der „Union der Christlichen, Evangelischen Kirchen Rußlands“, wurde Abteilungsleiter für kirchliche Außenbezieh¬ungen. Allerdings gelten Wasilizhenko und Wlasenko heute als Pastoren der RUECB. Alle genannten Denominationen gehören zu den 10 Kirchen mit baptistischen Wurzeln, die den losen, von Wasilizhenko geleiteten Dachverband – den Öffentlichen Rat - bilden.

Borodin sagt: „Ich denke, der Öffentliche Rat hat schon viel getan, um die nähere und fernere Brüderschaft der Evangeliumschristen-Baptisten zusammenzuführen. Juri Sipko hat viel Weitsicht bewiesen mit seiner Entscheidung, Brüder aus anderen Denominationen in den Bundesdienst zu holen. Die guten Ergebnisse der letzten zwei Jahre weisen auf die Richtigkeit dieser Haltung hin. Die ABC kooperiert völlig mit der RUECB. Auch meine Denomination stimmt diesem Prozeß zu und meint, daß er dem gegenseitigen Vorteil der großen sowie der kleinen Brüderschaften dient.”

Simon Borodin hat auch das Gefühl, Pastor Kartavenko habe ihm ein wohlbestelltes Haus mit sieben eingearbeiteten Mitarbeitern überlassen. „Die missionarischen Expeditionen (mit Fahrzeugen oder Fahrrädern) haben die Erde gut gepflügt. Nun gilt es, zu sähen und zu ernten. Ich sehe nur gute Bedingungen für die weitere Arbeit.“ Selbstverständlich möchte der kommende Direktor die missionarische Gesinnung und Weiterbildung der leitenden Kräfte in ganz Rußland fortentwickeln. Doch das Maß, an dem sich das missionarische Netz – siehe Zeltmission z.B. - ausbauen läßt, hängt auch von den äußeren, staatlichen Rahmen¬bedingungen ab. „Wir sind auf jeden Fall überzeugt, daß das Evangelisieren von Herz zu Herz niemals eingeschränkt werden kann.“

Nicht nur Simon Borodin träumt davon, daß die RUECB von einer nehmenden zu einer gebenden Kirche wird. „Wir dürfen nicht weiterhin eine Kirche bleiben, die Missionare und Gelder von auswärts herholt. Wir sollten in unseren eigenen Gemeinden Missionare heranbil¬den und finanziell versorgen. Doch dafür ist es notwenig, daß Gott die Denkweisen ändert.“ Zum Traum gehört die Entsendung von Missionaren ins Ausland, sei es nach Fernost oder Nahost, sei es zur russischen Diaspora oder zu den einheimischen Völkern. „Nicht alle Länder gewähren amerikanischen Missionaren die Einreise. Es gibt eine Reihe von Ländern, die freundlicher Beziehungen mit uns haben als etwa mit Nordamerika oder Westeuropa.“

Zwei Jahre lang hat Pastor Borodin Erfahrungen in der Moskauer Bundeszentrale als Assistent von Leonid Kartawenko gesammelt. Nach vielen kirchlichen Dienstjahren im Raum Krasnodar und anderswo war er 2006 Pastor der Moskauer Gemeinde „Frohe Nachricht“ geworden. Er war auch zeitweilig Russischer Direktor der „Global Leadership Summit“ der Willow Creek-Bewegung. Zu seiner beruflichen Biographie zählen Jahre als Porträtfotograf und als Armeekoch. Geboren wurde er 1956 in Kropotkin, Gebiet Krasnodar. Er und seine Frau Tatiana Iwanowna haben sieben Kinder im Alter zwischen 28 und 19 Jahren. Z.Zt. erwartet das Paar sein sechstes Enkelkind.

Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 22. Januar 2008
baptistrelations@yandex.ru
www.baptist.org.ru
Tel/Fax: 007-495-954-9231

Mit diesem Aufsatz möchte die Abteilung Informationen vermitteln. Eine offizielle Stellungnahme der RUECB-Führung stellt er nicht dar.

Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-02, 606 Wörter. Foto in hoher Auflösung vorhanden.


Brasilien helfen – nicht umgekehrt
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Russische Baptisten gründen Abteilung für Fundraising

M o s k a u -- Seit dem 1. November 2007 hat die Russische Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) eine neue Abteilung und einen weiteren Vizepräsidenten. Neuer „Vizepräsident für finanzielle Dienste“ ist Leonid Kartawenko (Moskau) Er ist bemüht, einen völlig neuen Dienst für die russische Baptistenzentrale ins Leben zu rufen: das Fundraising. Doch Kartawenko sieht sich nicht vor allem als Fundraiser, sondern als jemanden mit Verantwortung für das Bewußtsein. „Wir sind unendlich dankbar für die Hilfe, die wir aus westlichen Staaten nach dem Kollaps unserer Wirtschaft erhalten haben,“ sagt er. „Doch heute haben wir eine andere Wirtschaft als vor 15 Jahren. Leider denken noch viele unserer Gläubigen, daß sie arm und zu nichts fähig seien. Deshalb habe ich die Aufgabe, das Bewußtsein unserer Gläubigen zu verändern.“

Dabei denkt der neue Vizepräsident weiter als die Grenzen seines eigenen Landes: „Wir haben einen höheren Lebensstandard als Brasilien. Doch die Christen in jenem Lande unterstützen die Missionsarbeit bei uns! Wir müssen deshalb Gläubigen und den Gemeinden beibringen, daß sie nicht nur für Rußland verantwortlich seien. Wir selbst müssen in Brasilien und in anderen Ländern finanziell helfen und Missionare dorthin entsenden.“ In der Abnahme ausländischer Spenden erkennt Pastor Kartawenko keine Bestrafung Gottes, sondern einen wichtigen Hinweis. “Er zeigt uns den Weg und sagt: ´Baut nun weiter an eurem Haus alleine!´”
Zu diesem Zweck hat die neue Abteilung für finanzielle Dienste mit einem “Tag der Brüder¬schaft” begonnen. Zu diesen regionalen Treffen werden Delegierte aus allen Gemeinden eingeladen. Dort treten Vertreter der verschiedensten Abteilungen der Moskauer Bundeszentrale auf und erläutern ihre Aufgaben und Pläne. Dabei werden Besucher die Chance haben, gezielt und konkret für eine bestimmte Person, einen bestimmten Dienst oder ein Vorhaben zu spenden. Die Besucher bekommen ebenfalls die Möglichkeit, eine finanzielle Selbstverpflichtung zu unterschreiben. Mit Tagen der Brüderschaft auch in den entlegendsten Regionen sollen innerhalb des kommenden Jahres alle 1.200 Ortsgemeinden der RUECB abgedeckt werden.

Der bisherige, anonyme und pauschale Bundesbeitrag der Gemeinden, der 50 Rubel (1,70 €) pro Mitglied und Jahr vorsah, soll beibehalten werden. Diese Summen reichen jedoch nur aus, um die Kosten in der Bundeszentrale selbst zu decken, geschweige denn Projekte in den Regionen zu finanzieren.

Ein zweiter Arbeitsbereich der Abteilung betrifft die steigende Zahl baptistischer Geschäftsleute. Wöchentlich stattfindende Gebetsfrühstücke für christliche Geschäftsleute (nicht mit dem Nationalen Gebetsfrühstück zu verwechseln) sind im Süden Rußlands (Kaukasus) bereits Realität. In Moskau ist ein erstes Treffen von rund 40 Geschäftsleuten für den 26. Januar vorgesehen. Dafür werden sie sogar aus dem Ural anreisen. Da jedoch nicht alle Geladenen aktive Christen seien, erkennt Leonid Kartawenko hierin auch eine missionarische Aufgabe. “Wir wollen diese sehr seriösen Geschäftsleute auf ihre Verantwortung hinweisen. Gott hat ihnen dieses Geld nur zur Verwaltung überlassen. Sie haben sorgfältig und weise damit umzugehen.”

Ein dritter Aufgabenbereich ist die Fortentwicklung der Beziehungen zu Partnern im westlichen Ausland. Leonid Kartawenko räumt ein: “Es wird weiterhin notwendig sein, nach Amerika und Westeuropa zu fahren. Unsere finanzielle Selbständigkeit ist noch Zukunftsmusik. Doch für mich bleibt Rußland die erste Priorität.”

Schweren Herzens stimmte Pastor Kartawenko seinem neuen Dienstbereich zu. Erst 2002 war der gebürtige Ukrainer von Kiew nach Moskau umgezogen, um die Leitung der Missionsabteilung beim russischen Bund zu übernehmen. “Die missionarische Arbeit war mir äußerst angenehm und erschien mir auch besonders notwendig,” sagt er. Doch auch im Bereich Fundraising ist er kein Neuling: Schon in seiner ostukrainischen Heimatstadt Makejewka, wo er an der Gründung dreier Ortsgemeinden beteiligt war, mußte er sich intensiv mit der Spendensammlung befassen. Ebenfalls in den letzten fünf Jahren mußte seine Moskauer Missionsabteilung im wesentlichen selbst für ihr Spendenaufkommen sorgen. „Ich verstehe, daß auch die Spendensammlung äußerst notwendig ist. Ohne Finanzen müßte jedes Werk die Arbeit einstellen. Deshalb mußte ich einfach einwilligen – auch wenn diese Arbeit für mein Dafürhalten keine besonders angesehene Aufgabe ist.“

Doch zum Trost bleibt dem eingefleischten Missionar vorerst die Aufsicht über sein Lieblingskind - die mit motorisierten Fahrzeugen und Fahrrädern durchgeführten Ferntouren der RUECB - erhalten. Er sagt: „Die Expeditionen – sie sind mein Glaubenssatz: Nicht auf einem Platz sitzen bleiben, sondern hinaus in die Welt zu den ungläubigen Menschen hin.“ Neuer Direktor der Missionsabteilung ist Simon Borodin.

Der 1957 geborene Leonid Kartawenko (Kar-TA-wenka) ist mit Vera verheiratet; das Paar hat fünf erwachsene Kinder. Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Juri Sipko.


Dr. William Yoder
Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB
Moskau, den 18. Januar 2008
baptistrelations@yandex.ru
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Tel/Fax: 007-495-954-9231

Mit diesem Aufsatz möchte die Abteilung Informationen vermitteln. Eine offizielle Stellungnahme der RUECB-Führung stellt er nicht dar.

Eine Veröffentlichung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-01, 710 Wörter.

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